Mittwoch, 9. März 2022

QRM

 


Gestern war ich im Spital, wie man hier sagt. Oder besser "dans l'hôpital", weil die Anstalt sich ja neuerdings in der welschen Schweiz, der Romandie befindet. Ab und zu muss man einen Menschen mal aufschneiden und gewisse Dinge rausnehmen, die nicht unbedingt nötig sind, oder Teile austauschen. Das ist wie bei den Funkgeräten: ohne Service verlottern sie. 

Da hatte ich Zeit, über gewisse Dinge nachzudenken. Zum Beispiel über die vielen Klagen der Funkamateure wegen lokalem QRM auf den Bändern. Nirgendwo scheint es mehr so ruhig zu sein wie früher. Von 160m bis VHF. Da zwitschert und brummt es und auf den Wasserfallanzeigen erscheinen Lattenzäune und andere Muster, die dort nicht hingehören. 

Einige Funker greifen dann gerne zum Hörer, pardon, zum Smartphone und klagen dem Störungsdienst ihren Kummer. Hierzulande ist der beim BAKOM angesiedelt. 

Doch Vorsicht ist die Mutter der Röhrenkiste: Die meisten Störungen sind hausgemacht. Ladegeräte, Solaranlagen, Sparlampen etc. Die ganze Palette fernöstlicher Elektronikkunst trägt ihren Teil zum häuslichen Störnebel bei. 

Auch umgekehrt geht oft: Bei manchen Funkern spielt die Bespassungs-Elektronik verrückt, wenn der Funker auf die Taste drückt. HF stört NF.

Was kann der geplagte Funker dagegen tun? All das elektrische Zeug in Alufolie einwickeln?

Jeder erfahrene OM hat da so seine Rezepte. 

Mein Shack ist besonders gefährdet. Denn meine Antennen befinden sich allesamt in der Funkbude: zwei Magloops für 10 bis 80m, eine 2m und eine 70cm Yagi. Und auf dem Fensterbrett ist seit neustem noch ein Halbwellenstrahler für das 6m Band angeklemmt. Auf der anderen Seite sitzen jede Menge Ladegeräte rum und warten auf ihren Einsatz. Das Notebook mit Netzteil, das WLAN und der Drucker hocken auch unter der Antenne. Und natürlich wird die Szene ausschliesslich von modernen LED-Lampen beleuchtet. Nicht zu vergessen das ganze Set an Labor-Instrumenten, das in standby auf seinen Einsatz wartet.

Doch Störungen habe ich nur eine: wenn der Schindler-Aufzug fährt, springt der Zeiger des S-Meter vor Schreck in die Höhe. Doch der Lift ist verständlicherweise für mich tabu und die wenige Fahrten sind kein Drama. Ok, das ist noch der Dyson meiner XYL. Aber der ist auch tabu. Entstörung untersagt.

Doch was ist mit dem Rest? Wieso verträgt sich die Elektronik so gut mit der HF und umgekehrt? Liegt das an der guten Erdung? Liegt es an einer Abschirmung? An QRP?

Erdung habe ich keine. Wieso auch? Das Stromnetz hat ja eine und die Antennen sind unter Dach. Doch die Antennen spielen sicher eine Rolle: Magloops erzeugen im Nahfeld hauptsächlich ein starkes Magnetfeld und nehmen auch dieses bevorzugt auf. Störungen aus der Bespassungs-Elektronik verbreiten ihre elektrische Feldkomponente in der Nähe. Die Yagis und der Halbwellenstrahler sind symmetrische Antennen, die kein Gegengewicht benötigen. HF schleicht am liebsten als Mantelwellen auf dem Koaxialkabel rum, wenn die Antenne asymmetrisch ist. Grüsse vom Enfeed. 

Doch das alleine würde nie genügen. Das Geheimnis der gegenseitigen Verträglichkeit liegt in meinem Fall, so denke ich, an dem exzessiven Einsatz von Entstörmaterial. Es gibt bei mir keinen Meter Kabel, der nicht mit Ringkernen, Klappferriten und Filtern garniert ist. Von der Steckdose bis zum Speisepunkt der Antennen. Ich habe das Zeug gleich kistenweise im Einsatz. Ferrite  soweit das Auge reicht.

Meine liebsten Ringkerne sind die blauen von Epcos-TDK Electronics mit dem Material N30. Bei den grössten kann sogar ein Netzkabel samt Stecker durchgefädelt werden. Vorzugsweise mehrfach. Diese Kerne eignen sich sehr gut für die Kurzwelle als Mantelwellensperren, aber auch als zusätzliche Netzfilter. Apropos Netzfilter: Letztere sitzen natürlich gleich an der Steckdose. Die meisten Geräte haben dann noch ihr eigenes. Sofern es sich nicht um Billigware handelt. 

Für UKW eignen sich vor allem die Klappferrite, die es in allen Grössenordnungen gibt. Ihre Dämpfungswerte sind zwar nicht berauschend, aber man kann sie ja auch in Serie einsetzen. Ich mache das nach dem Prinzip "Nützt es nichts, schadet es auch nichts." 


Man kann nie genug von dem Zeug im Einsatz haben. Es ist sinnlos, Ferrit um Ferrit an und ab zuklappen und dann gebannt aufs S-Meter zu starren um zu sehen ob es ein Fitzelchen genützt hat. Es bringt auch nichts, sein Clusterfuck Drahtverhau schön nach Schweizerart anzuordnen und zu bündeln. Schönheit hilft bei Störungen nichts. Da hilft nur eine präventive und massive Verwendung von Ferritmaterialien. 

Stört dann trotzdem noch ein Schaltnetzteil, bleibt nur noch dessen Ersatz durch ein altertümliches Trafo-Netzteil.

Im übrigen sollte jeder, bevor er sich über Störungen beschwert, im Keller mal die Hauptsicherungen rausschrauben und dann mit dem Akku gespeisten Empfänger hören. 


Freitag, 4. März 2022

Der alte Neue

 


In meine Funkbude ist ein Neuer eingezogen. 22.5 kg schwer und mit vielen Drehknöpfen und Tasten ausgestattet. Im Grunde ein armer Kerl, der durch mehrere Shacks gezogen ist und bisher keine Bleibe gefunden hat. Keiner wollte ihn behalten. Zu gross, zu komplex, zu wenig digital. Denn trotz seiner gewaltigen Ausmasse und seiner luxuriösen Ausstattung ist er halt nur ein halbes Flaggschiff. Der IC-7700 von Icom.



Wieso dieser Transceiver jemals gebaut wurde, ist mir ein Rätsel. Denn Icom hatte damals bereits ein Flaggschiff: den IC-7800. Auch die Mittelklasse von Icom wartete mit sehr guten Spezifikationen auf und befand sich auf einem ausgereiften Niveau. In diesem Segment war, nach der erfolgreichen Pro-Serie, der IC-7600 im Angebot. Aber Icom war wohl der Ansicht, dass zwischen Mittelklasse und Flaggschiff noch ein weiterer Transceiver Platz hätte. Dumm nur, dass diesem der zweite Empfänger fehlte. Und noch dümmer, dass es im ersten Anlauf nicht klappte und die Endstufen des 200Watt Gerätes reihenweise ihren Geist aufgaben. 

Heute hat Icom weder ein halbes noch ein ganzes Flaggschiff im Verkaufsgestell. Der IC-7851 wurde im Juli 2021 abgekündigt. Der IC-7700 musste schon vorher das Feld räumen. Seine Technik galt als veraltet, angesichts der Konkurrenz der "Direct Sampler" bei denen der A/D-Wandler "an der Antenne hängt". Zurzeit ist der IC-7610 Icom's bestes Pferd im Stall. Ein Direct Sampler mit mitlaufendem Preselector. Ein Feature, das übrigens auch im IC-7851 und IC-7700 bereits vorhanden war. Es wird DigiSelect genannt und ist m.E. ein "Must" in einem Direkt-Abtaster. Im IC-7700 ist es eher "Nice to have".

Vielleicht lassen sich heute grosse teure Geräte nicht mehr so gut verkaufen und haben einen schlechten ROI (Return of Investment). Immerhin kostete das Flaggschiff IC-7851 um die $12500.- und das "halbe Flaggschiff" IC-7700 seinerzeit immer noch die Hälfte davon. Irgendwie logisch, nicht? Halbes Flaggschiff, halber Preis! Die heutigen Direct Sampler sind übrigens auch günstiger in der Herstellung.  

Die Spektrum- und Wasserfall-Anzeige des IC-7700 sieht im Vergleich zu den "Direct Samplern" etwas alt aus. Während bei den Direkt-Abtastern das Spektrum unmittelbar angezeigt wird und alle Signale gleichzeitig "aufpoppen", ist die Anzeige des IC-7700 mit einem Spektrum-Analysator vergleichbar. Die Abtastrate und die damit verknüpfte VBW (viewing bandwidth) sind nicht zu übersehen. 

Doch der LCD-Schirm ist gestochen scharf und lässt sich durchaus sehen. Die beiden simulierten S-Meter sind kaum von Drehspul-Instrumenten zu unterscheiden. Doch das Wichtigste: Der Empfänger gehört auch heute noch zur Spitze. Alle DSP Goodies sind eingebaut und auf dem Stand der heutigen Empfängertechnik. Da hat sich seit der Pro-Serie nicht mehr viel getan. 

Dass sein Empfänger in der Sherwood List unter "ferner liefen" fungiert, ist bloss dem Umstand geschuldet, dass sein schärfstes Roofing-Filter 3kHz Bandbreite hat und Sherwood seine Liste nach den 2kHz-Werten sortiert. Der Empfänger ist absolut top. Hier der Bericht des Icom-Gurus Adam Farson.

Bei einem ersten Vergleich mit dem IC-7300 war ich positiv überrascht über die Ruhe des Empfängers und die Klarheit der Signale. Und gleichzeitig betrübt darüber, dass der Neue meinen IC-7300 als "Rauschkiste" entlarvte. 

Doch der Neue ist ein komplexes Gerät. Wer nicht gerne an Knöpfen dreht hat Mühe mit ihm. Für alles gibt es auf der riesigen Frontplatte einen Knopf und man hat damit unmittelbaren Zugriff auf alle wichtigen Funktionen. Angetan war ich u.a. über die Möglichkeit, die AGC Release-time stufenlos mit einem Drehknopf regeln zu können. Dafür ist das unausweichliche Menue nicht so verzweigt und anspruchsvoll wie bei den Dreiknopf-Geräten.

Auch die zusätzlichen 3dB der 200 Watt Endstufe sind nicht zu verachten. Dieses Plus kann in kritischen Situationen entscheidend sein. Nicht jeder hat Lust auf eine zusätzliche Kilowatt-PA auf dem Stationstisch. Der IC-7700 hat übrigens ein eingebautes Netzteil. Das ist auch nötig, denn seine Endstufe läuft mit 50 Volt. 

Den Neuen habe ich für ein Butterbrot gekauft und war total baff, dass mir keiner zuvorgekommen ist. Dabei ist es sogar ein neueres Modell mit der verbesserten Endstufe. Dort werkelt nun ein Stac2942b anstelle von zwei MRF150 MOSFET. Ein Mordskerl von Transistor, der für einen maximalen Output von 350 Watt spezifiziert ist - bei 175 MHz! Sollte der mal kaputt gehen, werde ich den Transceiver wohl verschrotten müssen. Das längst abgekündigte Teil ist, wenn überhaupt, wohl kaum unter $500 zu haben. Eine Reparatur der PA beim Fachhändler meines Misstrauens würde sicher das Doppelte kosten.

Doch Sorgen mache ich mir keine. Ich habe in meiner Funkerlaufbahn noch nie einen Endstufen-Transistor gekillt. Holz klopf.

Wie es bei mir so Brauch ist, habe ich erst mal die Motorhaube des Neuen mit meinem JIS Nr.2 aufgeschraubt. Dann wurden dem IC-7700 als erste Handlung die Weisheitszähne gezogen. Erstaunlich, dass das die Vorbesitzer nicht schon getan haben. Mit ein paar Dioden weniger läuft er jetzt auch auf 60m, einem sehr kleinen aber tollen NVIS-Band. 


Wie in dieser Klasse offenbar üblich, wurde das Handbuch nicht als geheftete Kurzanleitung geliefert, sondern als Ringordner. In Deutsch, notabene, und mit einem Prüfbericht der Qualitätskontrolle von Icom. Ein Privileg, das man bei den heutigen Massengeräten nicht erwarten darf.

Der Neue hat wenig Gebrauchspuren, von ein paar Kratzern auf dem Gehäuse abgesehen. Man sieht, dass er wenig benutzt wurde. Nur die beiden Seitengriffe und die Fussverlängerungen, die zur Grundausrüstung gehören, sind auf seinem Weg durch verschiedene Funkbuden verloren gegangen. Keine grosse Sache.

Ich denke, der Neue hat Potential zum Bleiben. Ich bin auf Kurzwelle ausschliesslich Telegrafist, und der kristallklare Klang seiner CW-Signale schmeichelt meinen alten Ohren.           

 

Donnerstag, 3. März 2022

200 Meter und darunter

 


Die USA sind das Geburtsland des Amateurfunks, der dort Ham Radio genannt wird. Ohne die passionierten Tüftler in Amerika gäbe es den Amateurfunk nicht. Ihre Geschichte wird im Buch "200 Meters & Down" von Clinton B DeSoto erzählt.

In Europa wäre der Amateurfunk wohl nie ohne die Vorreiterrolle der Amerikaner aufgekommen. Wie er sich in der Schweiz entwickelt hat, erzählt Rudolf Stuber HB9T (sk), in seinem Buch "Faszination der kurzen Wellen". 

Zu Beginn war im Land der unbegrenzten Möglichkeiten das Experimentieren mit Radiowellen nicht reglementiert. Jeder konnte tun und lassen, was ihm gerade einfiel. Doch bald kamen die Amateure mit dem aufkommenden Schiffsfunk in Konflikt. Denn Schiffe und Hams funkten damals auf Lang- und Mittelwelle. Je länger desto besser, dachte man damals. 

Zuerst wurde versucht, den Amateurfunk ganz zu verbieten, doch dann verbannte man die Amateure auf Wellen unter 200m Länge. Diese kurzen Wellen wurden damals als nutzlos angesehen. 

Die ersten Funkamateure zeichneten sich durch folgende Eigenschaften aus: Sie beherrschten die Morsetelegrafie und sie waren allesamt angefressene Bastler und Tüftler. Manchmal frage ich mich, wieviel von diesem Esprit heute noch übrig ist. Viele schrauben nie den Deckel ihres Transceivers ab und eine zunehmende Anzahl so genannter Amateurfunker lässt ihren Computer FT-8 Verbindungen abwickeln, währenddessen sie über FM-Relais und Internet von ihren "gearbeiteten" DX-Stationen erzählen. Die Amateurfunkverbände - wie zum Beispiel die USKA - versuchen derweil, uns alle zu Programmierern umzuschulen, in ihrem verzweifelten Versuch, die Smartphone-Generation für das Hobby zu gewinnen.

Wer neu in unser Hobby einsteigt, kauft sich logischerweise zuerst mal eine Handfunke und "funkt" über das nächste Relais. Im Gegensatz zum Smartphone ein unpraktisches Kommunikationsmittel. Späteinsteiger fallen dabei vorzugsweise in einem CB-Jargon aus vergangenen Zeiten. Doch die Begeisterung entwickelt sich nur bei wenigen zur Passion und bald wendet man sich anderen Hobbies zu. Wie zum Beispiel mein Banker, der die Amateurfunkprüfung gemacht hat, um von seiner Yacht Emails verschicken und mit anderen Skippern klönen zu können. 

Einige jedoch können sich tatsächlich für das Hobby begeistern, wie wir es in jungen Jahren getan haben. Die einen werden dann zu IT-Nerds und pflanzen im ganzen Land Relaisstationen und vernetzen diese übers Internet. Diese Tätigkeit, die nur am Rand etwas mit dem ursprünglichen Ham Radio zu tun hat, könnte man wesentlich besser mit Simulationen wie Hamsphere substituieren.

Andere entwickeln ihren, von der Evolution mitgegebenen Trieb als Sammler und Jäger. Sie brüllen sich in Contesten jedes Wochenende die Seele aus dem Leib oder sie sammeln das seltene DX, wie man exotische Destinationen und Inseln nennt. Bauen sie dann noch Antennen und basteln an ihrer Station rum oder bauen QRP-Bausätze, so kommen sie dem ursprünglichen Funkamateur am nächsten und man kann sie mit Fug und Recht OM - Old Men - nennen. Auch wenn sie noch jung sind. 

Natürlich gibt es noch andere Untergruppen, wie zum Beispiel die Prepper. Sie bereiten sich auf den Doomsday und andere Katastrophen vor. Eine Tätigkeit, der ich angesichts des heutigen Zustandes der Welt Verständnis entgegenbringen kann. Zudem sind Prepper oft Bastler, da von Natur aus praktisch veranlagt.

Dass sich Amateurfunker gar nicht für Technik interessieren, kommt auch vor, wie ich bisher in drei QSO's erfahren musste. Eine Begegnung der seltsamen Art.

Für alle anderen:

Inzwischen habe ich die Links (Tools&Blogs) wieder um einige interessante Seiten erweitert. Wusstet ihr zum Beispiel, was eine Morgain-Antenne ist? Ich hatte kürzlich ein CW QSO mit einer italienischen Station, die eine solche "Mehr-Gewinn-Antenne" benutzt - mit Pier Giorgio IV3DDO. Hier ist diese Morgain zu sehen. Die Morgain ist ein gefalteter Dipol für das 80 und 40m Band, der nur die Hälfte der Spannweite eines 80m Dipols beansprucht. Eine Kelemen-Alternative ohne Traps. 

Diese und weitere Draht-Antennen, insgesamt 418 Exemplare, sind hier zu finden, mit Skizze und Massangaben. Diese Sammlung von Iulian Rosu YO3DAC schlägt jedes Antennenbuch.  

Für die, die eher am anderen Ende des Spektrums tätig sind, könnte der neuste Beitrag aus dem Blog RF Antennas interessant sein. Dieser bestätigt meinen Verdacht, dass die Federn in den populären Springbox-Betten nichts anderes als Antennen sind.


Freitag, 25. Februar 2022

Dämpfungsglieder selbst berechnen und bauen

 


Ab und an braucht man nicht nur einen Dummyload, sondern ein Dämpfungsglied. Das ist im Prinzip ein negativer Verstärker, wo hinten weniger HF rauskommt, als man vorne rein gibt. Meist auch einfach Abschwächer genannt, da der Ausdruck "Glied" bei Laien oft falsche Assoziationen weckt. Auf Englisch ist es einfacher, da heisst das Teil Attenuator.

So ein Attenuator lässt sich einfach mit drei Widerständen herstellen. Rechnen muss man dabei auch nichts, da es seit dem Internet passende Online-Rechner gibt. Diese Attenuatoren gibt es übrigens in zwei Varianten: als T- und als Pi-Glied. Sie tun aber beide dasselbe. Hier ein Rechner für ein Pi-Glied.

Zwei Dinge gilt es bei Abschwächern zu beachten.

1. Wenn Abschwächer als Antennen wirken, ist das zuweilen unpraktisch. Man baut sie deshalb vorzugsweise in ein abgeschirmtes Gehäuse mit HF-Buchsen seiner Wahl, je nach anvisiertem Frequenzbereich.

2. Die verwendeten Widerstände müssen HF-tauglich sein. Also so wenig Eigeninduktivität und Kapazität aufweisen wie möglich. Dass da Widerstände mit aufgewickeltem Draht nicht in Frage kommen, leuchtet ja noch ein. Doch auch Metallschicht und Kohleschicht-Widerstände sind ungeeignet, wenn sie gewendelt sind. Das heisst: zwecks Widerstandserhöhung mit spiralförmigen, umlaufenden Rillen versehen. Diese Art Spule auf dem Widerstand fällt nicht unbedingt gerade ins Auge und ist oft unter einer Lackschicht versteckt. Gut geeignet sind SMD-Widerstände, sofern sie keine mäanderförmige Einfräsungen haben. 1W oder 2W SMD sind einfach zu finden und günstig. 



Ein Abschwächer vernichtet einen Teil der Leistung und setzt sie in Wärme um. Bei -3dB die Hälfte, bei -6dB drei Viertel und bei -10dB 90%. Das Dämpfungsglied wird daher warm, bzw. heiss. Doch welcher der drei Widerstände wird am heissesten? Für welche Leistung müssen die drei Widerstände dimensioniert werden? 

Um das auszurechnen, brauchts es die grundlegenden elektrotechnischen Formeln. Ohmsches Gesetz, Leistung, Kirchhoff. Und natürlich ein bisschen Algebra.

In der Mikrowellen Enzyklopädie Microwaves101 wurde diese Aufgabe bereits erledigt und die Belastung der einzelnen Widerstände - in Abhängigkeit des Dämpfungswertes - schön grafisch dargestellt. Hier zu finden. 

Daraus kann man zum Beispiel ersehen, dass bei einem -3dB Dämpfungsglied der erste Widerstand 20% der Leistung vernichten muss. Beim Pi-Glied ist das der Parallelwiderstand am Eingang, beim T-Glied der Längswiderstand. Bei einem -10dB Attenuator muss dieser Widerstand die Hälfte der Leistung aufnehmen und bei einem -20dB Dämpfungsglied 99%.

 

Samstag, 19. Februar 2022

Eine Messung mit Konsequenzen

 


Mein bestes Dämpfungsglied verträgt 100 Watt und hat 10dB Dämpfung. Zusammen mit einem nachgeschalteten Dämpfungsglied von 30dB ein perfektes Gespann um Leistungen zu messen und Spektren zu beobachten. Das 100W/10dB-Teil von Microlab ist ein schweres Teil mit einem grossen Kühlkörper aus Alu. "So ein paar Sekunden wird es wohl auch 500 Watt aushalten", dachte ich. Und so fütterte ich es mit meiner 2m PA. 

Das war ein Fehler. Keine drei Sekunden vergingen und das Dämpfungsglied gab ein leises Klicken von sich. Kein gutes Geräusch für ein Teil, das normalerweise stumm ist. Und tatsächlich: es war mausetot. Widerstand unendlich von beiden Seiten. 

Natürlich habe ich es auseinandergenommen, in der Hoffnung es wiederbeleben zu können. Leider war da nichts mehr zu machen. Das eigentliche Dämpfungsglied ist erstaunlicherweise nur eine kleine Scheibe mit aufgedruckter Schaltung, die in den Kühlkörper geklemmt ist. Sie war mittendurch zerbrochen. Nun verstand ich auch, wieso das Teil so rasch den Geist aufgab. Die kleine Scheibe hatte keine Chance, genügend rasch die Wärme an den Kühlkörper abzuführen.



  Doch das war nicht alles: Mit dem Ausfall des Dämpfungsgliedes wurde dem Tiefpassfilter der PA schlecht. Und es folgte dem Dämpfungsglied augenblicklich ins Nirwana. 

Aufgebaut hatte ich es mit Glimmer-Quetschtrimmer von Arco. Eine Konstruktion, bei der ein Plattenpaket mit Glimmerisolation durch eine Schraube zusammengepresst wird, um die Kapazität zu verändern. Eine einfache Methode, preiswerte HF-Trimmer für hohe Leistungen zu bauen. Doch der offene Ausgang liess die Spannung im Filter ansteigen und ein Trimmer schlug durch. Aber die Bastelkiste spendete Ersatz und so war dieser Fehler rasch behoben.  


 Leider sind Dämpfungsglieder für hohe Leistungen nicht billig. So habe ich denn für zukünftige Messungen meine 800W Kunstlast mit einem -40dB Ausgang ausgestattet. So wie es DL2LTO gemacht hat. Schade, dass mir das nicht früher in den Sinn gekommen ist.

Allerdings nicht mit bedrahteten Widerständen, sondern mit SMD-Leistungswiderständen. Im KW-Bereich werden die -40dB recht genau eingehalten, doch im 2m Band steigt die Ausgangsdämpfung auf -42dB. Da muss ich noch über die Bücher.



Sonntag, 13. Februar 2022

Zwischen DX und NVIS

 


In den letzten Tagen habe ich meiner Magnetic Loop das 160m Band aufs Ring-Auge gedrückt. In Form eines Zusatzpakets von 1300pF und mittels Krokodilklemmen. Zuerst versuchte ich es wieder einmal entgegen besseres Wissen mit russischen Türknopfkondensatoren. Die vertragen zwar hohe Spannungen und Ströme, doch das Keramikmaterial ist weit entfernt vom heutigen Stand der Entwicklung. Daher sind die Verluste erheblich und die Kondensatoren werden warm bis heiss. Das würden sie zwar wegstecken, doch dabei verändert sich ihre Kapazität. Kurz: wenn man sendet, läuft die Resonanz weg.

 Also habe ich in die Kiste mit den Glimmerkondensatoren gegriffen und 10 Stück 130pF parallel gelötet und dem Vakuum-Kondensator der Magnetloop auf den Buckel geklemmt. Glimmerkondensatoren (mica capacitors) sind zwar verlustarmer und temperaturstabiler als die alten Türknöpfe aus der ehemaligen UdSSR. Doch leider ertragen sie weniger Spannung und Strom. Für die Versuche im 160m Band musste ich mich daher auf QRP beschränken.

Trotzdem war dieser Versuch von Erfolg gekrönt. Das 160m WSPR Signal aus der Magnetloop wurde in ganz Europa aufgenommen. FT-8 wäre also in den meisten Fällen möglich. Mit 5W aus dem Shack heraus. Ein Hoffnungsstrahl für alle "Antennengeschädigten".

Aber ich möchte keine falschen Hoffnungen wecken: für SSB-Verbindungen reicht die Signalstärke keinesfalls. Auch nicht mit einem Zusatzkondensator, der 100 Watt aushalten kann. Eine 1.6m Loop ist einfach zu klein für das 160m Band. Da fehlen noch ein paar dB.

Bei dieser Gelegenheit musste ich wieder einmal feststellen, dass das Power Game nach FT-8 nun auch WSPR erfasst hat. Die Schmalband Modi von Joe Taylor wurden ursprünglich für kleine Leistungen und extrem schwache Signale entwickelt. Für QRP und Balkonantennen. Doch inzwischen wird fröhlich die Leistung vieler Transceivers auf volle Pulle gedreht. 100 Watt ist offenbar das neue QRP und man liest sogar von FT-8 Stationen mit 1.5kW. So empfing ich gestern Abend eine englische WSPR-Station, die 53dBm als Sendeleistung deklarierte. 200 Watt also. Sie drückte das S-Meter des IC-7300 auf satte S 9 und darüber.

Durch das Resultat im 160m Band ermutigt, verpasste ich der Loop noch ein grösseres Zusatzpaket mit 26.3nF. Ziel 475 kHz! Doch die MagLoop verweigerte den Dienst. Das L/C Verhältnis war zu ungünstig um eine vernünftige Güte zu erzielen. Aber ich werde weiterhin davon träumen, auf Mittelwelle "drahtlos" QRV zu werden.

In letzter Zeit benutze ich oft das 40m Band, um NVIS-Verbindungen zu tätigen. Die MUF steigt während des Vormittags oft bis über 7MHz und sinkt dann erst wieder Mitte Nachmittag darunter. An guten Tagen sind beide F-Schichten (rot und grün im Ionogramm) über 7MHz und die Signale sind dann besonders stark. 

Da wir uns in einem ansteigenden Sonnenzyklus befinden, wird in den nächsten Jahren das 40m Band tagsüber noch viel länger für NVIS zur Verfügung stehen. Gute Nachrichten für Prepper bzw. Notfunker. Trotzdem muss der gewissenhafte Prepper auch die anderen NVIS-Bänder in petto haben. Also 160/80 und auch 60m.

Doch die Mehrzahl der Funker sind nicht Prepper, sondern DXer. Da geht es darum, möglichst weit zu kommen und seltene Inseln "zu arbeiten". Dieses Arbeiten beschränkt sich allerdings meistens auf den Austausch der stereotypen Botschaft 59. Eine magische Zahl wie zum Beispiel die 42. Es ist eigentlich wie beim Echo in den Bergen: Man ruft Fünf Neun Richtung Felswand und Fünf Neun kommt zurück. Bei FT-8 erhält man immerhin noch einen gescheiten Rapport und eine Standortangabe. 

Wer nur DXer ist, hat manchmal Mühe, die Nöte und Sorgen eines NVIS-Funkers zu verstehen. So hatte ich kürzlich folgenden Dialog:

Ich: "Das 40m Band ist zu und das Tessin ist für die Deutschschweiz in der toten Zone."

Funker: "Wenn 40m nicht geht, versuchen wir es halt im 20m Band."

Ich: "Das geht auch nicht. Die MUF für 100km liegt deutlich unter 7 MHz. Aber wir könnten es im 60m Band probieren."

Funker: "Das habe ich leider nicht. Aber dann gehen wir doch ins 10m Band. Das ist gerade so schön ruhig."

Dass NVIS-Funker am besten mit den Ionogrammen der naheliegenden Sonden arbeiten, habe ich bereits verschiedentlich erwähnt. Doch wie gesagt: die meisten Funker sind DXer. Für diese Mehrheit kann ich die Seite von DR2W empfehlen. Dort wird auf einer Weltkarte die momentane Ausbreitung pro Band dargestellt. Von Mitteleuropa aus. Das ist einfacher als irgendwelche A oder K Werte zu studieren und interpretieren.

Und da wir gerade dabei sind, hier noch ein paar andere interessante Seiten, die ich im Web gefunden habe: 

Die Australier haben natürlich auch einen Amateurfunkverband. Er heisst Amateur Society of Australia und publiziert seine Vereinsnews in der Fachzeitschrift QTC. Dieses QTC ist für den Download frei verfügbar.

Kein Einzelfall. Zwar wurde das amerikanische 73 Magazin im Jahr 2003 nach 43 Jahre eingestellt. Aber die meisten Nummern sind immer noch in diesem Archiv aufrufbar. Eine grosse Schatztruhe für die, die Zeit haben, darin zu wühlen.

Notabene: Auch das HB-Radio der Union der Schweizer Kurzwellenamateure USKA ist frei verfügbar und kann hier heruntergeladen werden.

So. Nächstes Mal geht es wieder weiter mit meiner 500 Watt 2m Endstufe. Dort herrscht zurzeit Denkpause. Verursacht durch eine mittlere Katastrophe mit Kollateralschaden. Darüber mehr im nächsten Blogeintrag.

  

Freitag, 4. Februar 2022

144 MHz PA, die Zweite

 


Meine Low Cost Linear Endstufe für das 2m Band hat die Feuertaufe bestanden. Ohne Knall und Funkenwurf in diversen QSO's. Am Tag darauf ist bei mir eine zweite Endstufe mit dem gleichen Konzept aufgetaucht: mit MRF300AN/BN. Ich hatte nicht mehr daran gedacht, dass ich eine zweite PA bestellt hatte. Manchmal klickt man im Internet auf Dinge, die man eigentlich nicht braucht. Es scheint, dass das bei mir ein unterschwelliger Vorgang ist. 

Wie dem auch sei: die Post brachte ein Paket aus Griechenland, das seinen Weg via den Zoll in Mailand (!) zu mir gefunden hatte. Diesmal kein Bausatz, sondern eine fertig bestückte Platine. Natürlich fehlen wiederum die Transistoren. Die waren nicht im Preis inbegriffen. Das Teil stammt aus diesem Laden hier.

Die Schaltung ist im Wesentlichen gleich, mit den beiden Transformatoren aus Koaxialkabel. Beim ersten Trafo wurden anstelle von 12.5 Ohm Kabeln aber je zwei parallele 25 Ohm Kabel eingesetzt. Die Koppelkondensatoren zwischen den Trafos sind auf je 2x470pF erhöht worden (anstelle von 2x100pF). Und die Erzeugung der Gate-Vorspannung erfolgt nun mit einem LM7805 Regler anstelle einer Zenerdiode und ist für beide Transistoren separat regelbar.  Auch die Zuführung der 50V Versorgungsspannung erfolgt separat über zwei Drosselspulen. Soweit die positiven Punkte.

Interessant ist, dass der Eingangstrafo mit der Schweinenase (Doppellochkern) 4:1 anstelle 9:1 beträgt. Ob sich damit die Eingangsanpassung verbessern wird, werde ich erst beim Betrieb feststellen können. Beim Chinesen ist sie ja grottenschlecht und ich habe dort ein 3dB Dämpfungsglied zwischengeschaltet um den Transceiver zu entlasten.

Was dem Neuzugang fehlt sind das Tiefpassfilter und die SWR-Brücke. Ich werde mich also daran machen müssen, ein Tiefpassfilter selbst zu bauen. Davon mehr in meinem nächsten Blogeintrag.

Natürlich kann ich verstehen, wenn sich der eine oder die andere fragt: "Was will denn der Kerl mit zwei PA's?"

Eine mögliche Antwort auf diese Frage wäre natürlich: "Ich bin ein Prepper und brauche von allen Dingen immer eins auf Reserve." Oder: "Der Chinese wird auf Ricardo verscherbelt."

Aber wahrscheinlich werde ich den Chinesen kannibalisieren und dem Neuen den Vorzug geben. Wobei der Kannibalismus nur die Transistoren betrifft. Die bestückte Schaltung werde ich in wohl verschenken. Kommt Zeit, kommt Antwort.


PS. Der Neue kam mit Schema und Montageanleitung. Im Gegensatz zum Chinesen.