Samstag, 21. Januar 2023

Störquelle Steckernetzteil

 



Vorsicht vor Steckernetzteilen aus dem Internet. In letzter Zeit habe ich einige 12V/1A und 2A  Netzteile für LED-Leuchtstreifen aus China ausprobiert. Verschiedene Fabrikate von unterschiedlichen Händlern. Ich hatte sie über Ebay und Aliexpress direkt aus China bestellt. Sie kosten im Schnitt um die 5 $ pro Stück und haben natürlich alle das CE-Zeichen. 

Sie sind alle starke Störquellen, die sowohl über den 12V Ausgang wie auch über den Netzeingang Hochfrequenz bis weit in den VHF-Bereich abgeben, die dann von den Leitungen abgestrahlt wird. Komponenten zur HF-Entstörung sind entweder nicht bestückt oder gar nicht vorgesehen. Sie stören dabei nicht nur die Kurzwelle, erstaunlicherweise ist auch das 2m Band betroffen. Das breitbandige Störsignal kann mit einem Handfunkgerät teilweise noch in 20m Entfernung festgestellt werden. Ich vermute, kein Einziges würde eine Prüfung beim BAKOM bestehen. 

Das ist umso erstaunlicher, weil ich bereits jede Menge Steckernetzteile für unterschiedliche Geräte in Betrieb habe, von denen keines Störungen verursacht. Auch in unmittelbarer Nähe der Antennen nicht. Doch diese Steckernetzteile - Ladegeräte und permanente Stromversorgungen - stammen alle von namhaften Herstellern und wurden zusammen mit den Produkten geliefert, die sie versorgen. 

Immerhin sind sie alle abgesichert - entweder mit einer Sicherung oder einem Widerstand, der bei Kurzschluss durchbrennt. Und die Netzseite ist ausreichend von der Niederspannungsseite getrennt. Außer bis auf das im nächsten Bild, das nach kurzem Betrieb ausgebrannt ist:


   Die SMD-Komponenten auf der Netzseite sind dabei verdampft und der Fehler daher nicht mehr festzustellen.

Es ist übrigens nicht das Einzige, das den Geist aufgegeben hat. Ein anderes starb still und leise nach einer halben Stunde. Ein drittes war bereits tot bei Ankunft. Nicht alle Ware übersteht den Transport aus China. Denn auch bei der Verpackung wird gespart. Netzteile kommen als Schüttgut im Beutel daher!




 Aber ich will mich nicht beklagen. Schließlich bin ich selbst schuld und irgendwie hat dieses Experiment auch Spaß gemacht und mir einen Einblick in die chinesische Technologie beschert.

Zu dem China-Schrott aus Ali Babas Höhle und der zweifelhaften E-Bucht gibt es durchaus valable Alternativen - ebenfalls aus Fernost. Sie kosten zwar einiges mehr und man tut gut daran, sie über einen renommierten Distributor zu beschaffen.

Wie zum Beispiel dieses 12V/2A Netzteil:


Ein GST25E12 von Meanwell. Es kostet bei Reichelt das Dreifache von dem, was ich für den chinesischen Schrott bezahlt habe. Aber es ist störfrei, kurzschlussfest, vor Überlast und Überspannung geschützt und kommt mit drei Jahren Garantie daher. Dazu gibt es ein detailliertes Datenblatt, das alle Normen aufführt, die es einhält, inklusive der EMC-Normen. Die MTBF (Mean Time Between Failure) wird mit 500kh angegeben. Was auch die drei Jahre Garantie erklärt. Und in Zeiten des Strommangels ganz wichtig: der Wirkungsgrad beträgt 89% und der Standby-Verbrauch 75mW. Meanwell ist m.E. einer der besten Hersteller von Schaltnetzteilen zu zahlbaren Preisen. Auch mein Stationsnetzteil ist deshalb ein Meanwell. Aber logischerweise etwas kräftiger mit seinen 50 Ampère. 

Es gibt sicher noch andere Alternativen. Eine, mit der ich ebenfalls gute Erfahrungen gemacht habe, ist DVE (Dee Van Enterprise Co.). Ebenfalls eine taiwanesische Firma, die aber in China fertigen lässt. Das 12V/2A Netzteil im nächsten Bild stammt von einem alten Swisscom Router und speist meine QRP-Geräte im stationären Betrieb. Ebenfalls störfrei. Leider sind die Datenblätter, die ich  gefunden habe nicht so ausführlich wie bei Meanwell. 

Es ist also nicht alles Schrott, was aus China kommt. Aber man muss gut hinschauen, und es ist wie überall: Billig und Gut sind Schwestern, die sich nicht oft miteinander vertragen. 


   Zum Schluss noch ein Tipp: Bei allen Stecker-Netzteilen ist es sicher nicht falsch, ein oder zwei Klappferrite auf die Niederspannungskabel zu klappen. Beim Meanwell sind diese bereits fest montiert und bei vielen Ladegeräten für seriöse Elektronik ebenfalls. Wir Funker sollten generell nicht an Ferritdrosseln sparen und sie extensiv einsetzen. Frei nach dem Motto: Nützt es nichts, schadet es nicht. 


Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen