Heute war ein wunderbarer Tag. Die Magnolie stand kurz vor der Blüte, die Vögel zwitscherten um die Wette und dicke Hummeln besuchten die Blütenkelche der Frühlingsblumen. Am Waldrand waren städtisch gekleidete Wanderer unterwegs, die ich hier auf dem Land noch nie gesehen habe, mit Hunden die ich auch noch nie gesichtet habe.
Normalerweise ist an Tagen wie diesen der Himmel voll künstlicher Wolken: Kondensstreifen der Flieger, gefüllt mit Touristen aus allen Herren Ländern. Der nächste Flughafen ist zwar weit, doch über die Anstalt führt eine wichtige Flugstrasse.
Doch heute waren weniger Kondensstreifen zu sehen als üblich. Allerdings noch mehr als zu Zeiten des Vulkanausbruchs in Island 2010. Damals waren gar keine Streifen am Himmel zu sehen, dafür gab es wunderschöne Sonnenuntergänge.
Die Wanderer, denen ich begegnete, waren schmallippig und achteten beim Kreuzen auf Distanz. Man spürte: etwas lag in der Luft.
Montag werden die Schulen geschlossen sein. Sportveranstaltungen und Konzerte sind schon dieses Wochenende abgesagt. Die Länder ringsum schließen ihre Grenzen, hört man. Aus Italien dringen Meldungen wie im Krieg: Die Ärzte in den Kliniken sind zur Triage gezwungen, entscheiden, wer leben darf und sterben muss. Mit Corona sterben sei schrecklich, liest man: wie langsames Ertrinken bei vollem Bewusstsein.
Wenn es nicht wichtig wäre, sich zu informieren, würde man am liebsten Internet und Fernseher abschalten. Die Schreckensmeldungen kommen im Stundentakt. Was heute Abend noch gilt, ist morgen bereits obsolet und die Einschläge kommen näher.
Gut, dass die immer strikteren Maßnahmen der Regierungen "befristet" sind. Gut, dass man über Spekulationen lesen kann, das Virus verschwinde mit der Sommerwärme. So bleibt die Illusion der Hoffnung. Gut, dass von Brot und Spielen noch das Brot bleibt - vorerst.
Doch der Krieg hat seine eigenen Regeln und wie in der Liebe gilt alles, was zum Ziel führt.
Krieg ist ein hartes Wort für die weltweite Pandemie, doch die ganze Welt befindet sich tatsächlich in einem Krieg mit einem heimtückischen Gegner. Nur wird er nicht mit Bomben und Gewehren ausgetragen. So haben sich die Militärs den dritten Weltkrieg nicht vorgestellt. All die Rüstung für die Katz, vorgesorgt wurde am falschen Ort.
Doch wie jeder Krieg, wird auch dieser einmal vorbei sein. Gewonnen oder verloren. Neu beginnen werden die Menschen. Ob sie diesmal lernen werden, ich bezweifle es.
Doch eines weiß ich gewiss: es wird nie mehr so sein, wie zuvor.

