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Freitag, 20. Januar 2023

Fenster mögen keine Antennen

 


Schon seit es sie gibt, experimentieren Funkamateure mit ihnen: Kupferstreifen zum Aufkleben. Googelt man durchs Internet, findet man alle Arten von aufgeklebten Antennen: von einfachen Dipolen bis zu den sonderbarsten Formen. Dabei scheinen die Fenster unserer Funkbuden diese Klebeantennen magisch anzuziehen, wie man auch im folgenden Video eines Hamfluencers sehen kann:


Leider ist das Fenster der dümmste Ort, eine Antenne hinzukleben. Es sei denn, man lebe in einer alten Hütte. Natürlich gibt es Ausnahmen. In meinem Auto ist zum Beispiel die DAB+ Antenne auf die Frontscheibe geklebt. 

Doch generell gilt: Ob geklebt oder nicht, man tut gut daran, mit seinen Antennen nicht in die Nähe von Fenstern zu kommen, weder von innen noch von außen. Einem Parabolspiegel oder einer UHF Yagi macht es nicht viel aus, wenn sie draußen ans Fensterbrett geklemmt wird, doch bei VHF Rundstrahlern hört der Spaß auf. Denn das Fenster ist bereits selbst eine Antenne und es mag keine Konkurrenz. 

Moderne Fenster haben einen Metallrahmen, der die Gläser trägt und dieser Rahmen ist ein Quad-Element oder eine Magnet-Loopantenne, je nach Sichtweise. Und je nach Abmessungen hat es seine Resonanzfrequenzen. Diese Eigenresonanzen lassen sich mit einem Antennen-Analyzer und einer kleinen Koppelschleife messen. Meine beiden Fenster sind u.a. bei ca. 175 MHz resonant. Doch sie störten nicht nur die Abstimmung meiner 2m Antennen, die ich zu nahe vor dem Fenster montieren wollte, sondern machten auch den Abgleich von 4m und 6m Rundstrahlern praktisch unmöglich. 

Da in meiner Bastelkiste eine Rolle Kupfer-Klebeband schlummerte, wie sie der nette Hamfluencer oben im Video benutzt, habe ich damit experimentiert. Zuerst im 4m Band und dann auch auf 2m. Denn auch ich streite nicht ab, dass es manchmal Wunder gibt, und ein solches hätte auch meine Klebeantennen zum Funktionieren bringen können.

Leider gab es auch diesmal kein Wunder. Ein vertikaler Dipol für das 4m Band zeigte folgende SWR-Kurve:

Das Bild lässt vermuten, dass die Antenne noch zu lang ist und die untere Resonanz die "richtige" ist. Die Kupferstreifen sind ja recht breit und die Permittivität (Dielektrizitätskonstante) des Glases (5-10) hat sicher auch noch einen Einfluss. Doch ein Verkürzen des Bandes machte das Bild nur schlimmer. Die Antenne weigerte sich auf 70MHz abzustimmen. Da konnte ich soviel schnippeln wie ich wollte, es nützte nichts. Die untere Resonanz verflachte sich bis zur Unkenntlichkeit. Anders sah es aus, wenn ich etwas Abstand vom Fenster nahm und die Antenne an die Shack-Tür klebte:



Da bestätigte sich, dass ich die richtige Resonanz (die untere) gewählt hatte und die Antenne ließ sich durch Verkürzen Abstimmen. Doch die Tür ist noch ein dümmerer Ort als das Fenster für eine Antenne, und so brach ich diesen Versuch ab und kehrte wieder zum Fenster zurück. Diesmal um einen 2m Vertikal-Dipol draufzukleben. Auch hier sah das Ergebnis abenteuerlich aus:


Beim 2m Band bildete sich ein breites Plateau auf der SWR-Anzeige und bei 200 MHz eine sehr schöne Resonanz. Wenn ich total verrückt gewesen wäre, hätte ich nun versucht, die Antenne zu verlängern, um diese Resonanz ins 2m Band runterzukriegen. Doch da ich nur halb verrückt bin, ließ ich es bleiben.

Und die Moral von der Geschichte: Bleibt mit euren Antennen vom Fenster weg. Eine Erfahrung, die übrigens auch der Hamfluencer oben im Video machen musste.
  

Das Kupferband zum Experimentieren direkt aufzukleben, empfiehlt sich übrigens nicht. Außer man hat Spaß am Fensterreinigen. 


 

Samstag, 4. April 2020

Wie kommt das Kabel durch das Fenster?

Auch die Anstalt steht unter Quarantäne. Doch solange wir ein Dach über dem Kopf haben, Vorratsschrank und Weinkeller gefüllt sind, sind wir gelassen. Zumal jetzt auch der berühmte Fernsehprediger Kenneth Copeland das Corona-Virus mit einem Bannspruch belegt hat:


Beruhigt können wir uns deshalb anderen Themen zuwenden.
Zum Beispiel der Frage, wie das Koaxialkabel durchs Fenster kommt, wenn der Sender drin und die Antenne draußen ist.
Denn Vermieter haben oft eine Allergie gegen Bohrmaschinen und manchmal ist der Beton arg dick.
Wie zum Beispiel der in unseren Luftschutzkellern. Doch gerade dort unten geht es lustigerweise ohne bohren. Denn irgendeine Norm hat für Atombunker offenbar eine Antennendurchführung vorgeschrieben. Wer sucht, der findet.

Natürlich gibt es Spezialkabel, extra flach und extra teuer, die man im Fenster einklemmen kann.
Doch einklemmen kann man in den meisten Fenstern auch ganz gewöhnliche Kabel. Sie müssen einfach nur dünn und robust genug sein. Wer trotz RG-213 sein Fenster problemlos schließen kann, sollte aber seine Dichtheit überprüfen. Alte Bauernregel: Wenns dem Bauer in die Suppe hagelt, ist das Fenster schlecht genagelt.

Auch hier in der Anstalt achtet der Hausmeister pingelig auf das Bohrmaschinenverbot. Wir behelfen uns, indem wir Sauschwänze ins Fenster klemmen - so genannte Pigtails. Und zwar die von der robusten Sorte. Also keine RG-174, sonst ist plötzlich der Schwanz ab.
Wir verwenden RG-316. Die kommen mit Steckern konfektioniert aus China für eine Handvoll Dollar. Sie haben einen versilberten Innenleiter als Innenleiter und ein Dielektrikum aus Teflon. Der Mantel ist aus FEP und äußerst robust. Auch wenn das Kabel gequetscht wird, ist ein Kurzschluss unwahrscheinlich und die Verluste sind vernachlässigbar. Auf Kurzwelle verträgt so ein Pigtail mehr als 300W und auch im 23cm Band verkraftet es noch 100W.
Natürlich wird vor und nach dem Pigtail verlustärmeres Kabel verwendet. Bei 150 MHz hat das RG-316 Kabel immerhin ein Drittel dB Dämpfung. Doch für den Pigtail - meist nur 30cm lang, ist das vernachlässigbar.


Diese RG-316 Pigtails gibt es auf Ebay mit allen möglichen Steckern/Buchsen und in verschiedenen Längen. Sollte tatsächlich mal ein Sauschwanz kaputt gehen, reißt das kein schwarzes Loch in die Hobbykasse.