Dienstag, 18. Oktober 2022

Die Sanfte: Begali Simplex Mono

 





Wer morst hat mehr vom Leben. Ausserdem tut es dem Hirnkasten gut. Meines Erachtens ein gutes Rezept gegen Alters-Demenz.

Allerdings braucht es zu dieser alten Kunst ein gutes Instrument. Auf einer Stradivari spielt es sich besser als auf einer Fidel vom Flohmarkt, habe ich mir sagen lassen. 

Morsetasten gibt es in allen Variationen und Preislagen. Und wie bei anderen Dingen im Leben kommen und verschwinden sie über die Zeit. Gute und bewährte Tastenbauer geben das Geschäft auf oder segnen das Zeitliche, dafür überschwemmen Produkte aus Blech und 3D-Druckteilen den Markt. Darum ist es immer von Vorteil, auf ein gewisses Sortiment zurückgreifen zu können. Zudem macht es doch Spass, ab und zu wieder auf einem anderen Instrument zu spielen. 

Um langsam zu telegrafieren, benutze ich gerne klassische Morsetasten. Wie die Blade von Begali - oben im Bild neben dem Paddle. Habe ich doch etwas Mühe, Tempo 60BpM mit dem Paddle zu tasten. Mir fehlt dazu der Rhythmus. Dabei bin ich keineswegs ein Schnelltelegrafist. Im Gegenteil: ich bin ein Stotterer. Beim Sprechen ist das kaum zu bemerken und ich schaffe es, ganze Sätze zu sagen, ohne dass mich meine Gedanken beim Sprechen überholen. Doch beim Telegrafieren ist es ausgeprägt. Dann kommt zuweilen alles durcheinander und eigentlich müsste mein Morsen vor Irrungen überquellen. Aber ich habe schon lange auf die Irr-Punkte  verzichtet und beginne einfach ein Wort wieder von vorne, wenn es verdreht rauskam, oder breche ab und verwende ein anderes. Wie auch immer: mein Text ist nie fehlerfrei, gleich bei welchem Tempo. Da kann ich noch so lange üben. Aber daran habe ich mich gewöhnt und es hält mich nicht vom Morsen ab. Im Gegenteil!

Nun habe ich mir wieder einmal eine neue Taste gegönnt. Dieses Mal eine Simplex Mono, oben auf dem Bild zu sehen. Das ist ein einarmiges Paddle, obschon es nicht danach aussieht. Die beiden Arme sind mit einem Kunststoffteil zusammengekoppelt. Squeezing ist damit nicht mehr möglich und Zeichen wie C oder Punkt, kann man nicht durch zusammendrücken und geschicktes Timing generieren. das scheint auf den ersten Blick eine Erschwernis zu sein. Für mich ist es eher eine Erleichterung. Durch den Wegfall von Squeezing entfällt für mich eine weitere Fehlerquelle.

Ich arbeite schon eine Weile am liebsten mit Einhebeltasten, wie hier nachzulesen ist

Ich weiss zwar nicht, wie es wirklich ist, aber ich habe mir sagen lassen, dass Schnelltelegrafisten deswegen Einhebel-Tasten bevorzugen. Doch bei mir geht es nicht um die Schnelligkeit. Wie viele Telegrafisten kann ich nämlich schneller geben als hören. Das bringt höchstens in Contesten oder DX-Expeditionen einen Vorteil, wo es nur darum geht, 599 auszutauschen. Aber dazu braucht es nicht einmal Morsekenntnisse. Das kann der Transceiver selbst, wenn man ihn richtig programmiert. 

Inzwischen soll es sogar "Telegrafisten" geben, die das Morsen nicht beherrschen. Sie tippen den Text in den Computer und der übersetzt dann in Morsezeichen. Der Empfang findet dann in umgekehrter Reihenfolge statt - mit einem Decoder-Programm. Allerdings muss jemand schon gut mit der PC Tastatur umgehen können, damit das Geben via PC nicht auffällt. 

Wer weiss, vielleicht geben die OM, die Bandwürmer raushauen, tatsächlich mit der Computer-Tastatur? Wenn sich ein Wort ohne Zwischenraum ans andere reiht oder Wörter seltsam zerhackt sind, liegt der Verdacht nahe. 

Auf der andern Seite, beim Decodieren mit dem PC, ist es nicht so offensichtlich. Ein Morsecode-Reader bzw. Decoder-Programm ist auch dann praktisch, wenn man das Hören beherrscht. Schnell entwischt einem in der der Hast ein Wort oder ein Satz oder der OP auf der anderen Seite stottert wie ich es tue. Dann ist man froh, wenn man das Rätsel mit einem Blick auf den Schirm lösen kann. Gerade für Einsteiger oder Wiedereinsteiger. 

Macht man es sich aber zur Gewohnheit, alles vom Computer abzulesen, wird man das Lesen von Gehör nie richtig beherrschen. Decoder oder Decoder-Programme sind auch nie so gut wie die Gehör-Gehirn-Kombination des Menschen. Sind die Signale schwach und gestört, versagen die Decoder.  

Doch zurück zu meiner neuen Simplex Mono: Es gibt einen bestimmten Grund, wieso ich dieses Paddle besonders mag. Es ist sehr leise. Während andere sich mit lautem Klick-Klack manifestieren, gibt die Simplex Mono kaum einen Laut von sich. Gegenüber meinem Paddle von N3ZN, von der auch Klone auf Ebay rumgeistern, ist sie extrem leise. Trotzdem ist sie präzise und definiert. Ihr Gewicht von 1.4 Kilo sorgt für einen sicheren Stand. Trotzdem lege ich noch ein Silikon-Pad darunter. Denn ich bin ein Slapper und kein Feintaster. So sitzt sie unverrückbar auf dem Stationstisch und macht keinen Mucks.

Hier die Eham Reviews dieser Taste. Wie immer lohnt es sich, diese Reviews aufmerksam zu lesen, bevor man ein Amateurfunk-Produkt erwirbt.

Die Taste habe ich bei der Schweizer Vertretung von Begali bestellt und sie kam mit einem Satz optionaler Alu-Paddle direkt aus Italien. Prompt und gut verpackt wie von der Firma Begali gewohnt. Die gelochten Alu-Paddle sind empfehlenswert. Sie haben nicht die Tendenz, bei heissem Wetter und leichtem Tastendruck, an den Fingern kleben zu bleiben wie es bei Fingerstücken aus Kunststoff passieren kann.

Ich habe mich gut angefreundet mit der Simplex Mono und sie gefällt mir ebenso gut wie die HST von Begali, die wesentlich grösser und gewichtiger ist.

Samstag, 15. Oktober 2022

Irgendwo in einem Seitenarm einer Galaxie in einem einsamen Sonnensystem

 

Bild Quelle: Wikipedia CC License

Es ist beunruhigend, wie rasch die Zeit vergeht. Nun befinde ich mich bereits seit einem Jahr in der Nigel Nagel neuen Anstalt im Alpental. Aber es ist auch beunruhigend, wie rasch sich die Zeiten wandeln. Kaum sind wir der Corona Gefahr entronnen, findet in Europa ein Krieg statt und wir hängen drin, obwohl hier keine Bomben fallen. Statt WC-Papier wird nun Brennholz gehamstert und alle machen sich Sorgen um Gas und Strom. In unserer Einstellhalle hat ein sorgenvoller Hausmeister bereits jede zweite Leuchtstoffröhre entfernt und in der Nacht ist es im Dorf so finster wir in einer Kuh. Die Strassenbeleuchtung ist nach 11:30 aus und wenn ich nicht schlafen kann - was regelmässig vorkommt - leuchtet draussen der Sternenhimmel wie in längst vergessenen Zeiten. Orion, der alte Krieger steht in seiner vollen Pracht im Süden, gegürtet mit seinem Schwert. Wer ein Fernglas hat erkennt, dass dieses Schwert nicht nur aus ein paar Sternen, sondern aus einem kosmischen Nebel besteht (M42). Für unsere Vorfahren, die vor mehr als 50'000 Jahren gelebt haben, soll er noch nicht sichtbar gewesen sein. Erstaunlich, den 50kJahre sind im kosmischen Massstab bloss ein Lidschlag. Was aber unsere Vorfahren sicher beobachten konnten ist Rigel, der Stern unten rechts im Orion: ein blauer Riese, rund 100 mal grösser als unsere Sonne. Aber auch der linke Schulterstern des Orion, Betelgeuse, wurde sicher gut gesehen. Diesen roten Riesenstern werden wir vielleicht noch zu unseren Lebzeiten verglühen sehen. Denn seinen Helligkeitsschwankungen verheissen nichts Gutes: Er wird innerhalb der nächsten zehntausend Jahre in einer gewaltigen Explosion als Supernova sein Leben aushauchen. Aber vielleicht ist das schon lange geschehen. Denn Betelgeuse ist 500 bis 600 Lichtjahre von uns entfernt. Gut möglich, dass es ihn schon nicht mehr gibt und wir das noch nicht gesehen haben, weil die Photonen dieses Ereignisses noch auf dem Weg zu uns sind.

Aber vielleicht gehört ihr zu den Funkamateuren, die sich nicht für Astronomie interessieren. Trotzdem sollte euch das Universum nicht egal sein. Nicht nur, weil wir alle ein Teil davon sind, sondern weil darin auch unser Zentralgestirn, die Sonne, wohnt. Und von ihr hängt die Ausbreitung unserer Kurzwellen ab. 

Zur Zeit geht es ja mit der Kurzwelle rapide aufwärts. Noch vor drei Jahren wurde uns prophezeit, dass der derzeitige Sonnenzyklus (Nr. 25) nur ein bescheidenes Maximum haben werde. Vielleicht sei sogar ein neues Maunder Minimum möglich; eine lange Zeit ausbleibender Sonnenaktivität. Eine wahre Katastrophe für die DX orientierten Funker. 

Nun sieht es plötzlich ganz anders aus und der laufende Zyklus könnte in einem grossen Maximum gipfeln. Das würde uns in den nächsten Jahren Funkbedingungen bescheren, die junge OM nur vom Hörensagen kennen. Mit glänzenden Augen berichten die alten Semester davon, dass in früheren Maxima das 10m Band fast rund um die Uhr offen war und man mühelos mit kleiner Leistung die ganze Welt arbeiten konnte. Notabene in SSB und CW und noch ohne FT-8.

Bild: Andromeda Galaxy 2.5 Millionen Lichtjahre von uns entfernt.


Montag, 10. Oktober 2022

Amateurfunk - ein aussterbendes Hobby

 
















Dieses Bild (aus dem Mitteilungsblatt der Sektion Neuenburg HB9WW) zeigt die Altersstruktur der Funkamateure in der Schweiz. In anderen Ländern wird es wohl ähnlich sein. Was man sieht, ist keine Neuigkeit: Die meisten Amateurfunker sind alte Männer (Frauen sind in unserem Hobby Exoten). Der Nachwuchs fehlt, die Jungen interessieren sich für andere Freizeitbeschäftigungen. Interessante Hobbies gibt es heutzutage mehr als je zuvor und die Elektronik ist ein selbstverständlicher und unverzichtbarer Teil unseres Lebens geworden. Amateurfunk wird höchstens noch mit Staunen zur Kenntnis genommen und das Interesse ist bescheiden.
Kurz: die Alten sterben weg, Junge kommen kaum nach.

Die Amateurfunkverbände sorgen sich um ihren "Mitgliederbestand" und versuchen mit verschiedenen Ansätzen jungen Nachwuchs für unser Hobby zu begeistern. Die einen mit einer weiteren Senkung der Prüfungsanforderungen, andere mit Diversifizierung und Ausbildungsangeboten. 

Doch das Sterben unseres Hobbies wird sich kaum aufhalten lassen. Auch nicht mit einer Transformation in eine neue Variante. Denn eine solche ist schon längst geschehen. Sie nennt sich aber nicht mehr Amateurfunk und elektromagnetische Wellen sind dabei eine Randerscheinung oder ein Störfaktor. Natürlich können wir Hacker, Maker und Prepper werden. Natürlich können wir jeden freudig begrüssen, der ein Funkgerät benutzt. Wollen wir das?  

Nichts lebt ewig und Sterben ist ein natürlicher Prozess. Wieso wollen wir ihn aufhalten? Es gibt da eigentlich nur einen logischen Grund: man möchte die Pfründe für die letzten Sterbenden so lange wie möglich erhalten. Auch die heute 30 bis 40 Jährigen sollen im Alter noch Frequenzen und Rechte wie wir geniessen können. 
Natürlich gibt es noch jede Menge emotionaler Gründe. Nostalgische vor allem. 

Sollten wir angesichts des Unausweichlichen nicht einfach nichts tun und den Patienten sterben lassen?
Sind unsere Versuche, den Prozess aufzuhalten oder gar umzukehren, nicht sogar kontraproduktiv?
Zerstören wir gar unser sterbendes Hobby mit unseren verzweifelten Versuchen, Nachwuchs zu generieren? Der zunehmende Verfall der Sitten auf unseren Frequenzen ist ein Indiz in diese Richtung. Der erschreckende Mangel an technischem Wissen und Betriebstechnik ist kaum zu übersehen. Anstatt in Würde unterzugehen, könnte unsere Hobby in einem pervertierten Abklatsch einer ehemaligen Freizeitbeschäftigung passionierter Gentlemen untergehen.

Geben wir jungen technisch interessierten Enthusiasten unsere Unterstützung mit Rat und Tat. Leisten wir unserer Beitrag an die Gesellschaft mit unserem Wissen und Können. Aber wenn es sich nicht aufhalten lässt: lassen wir unser Hobby in Würde sterben. Die Geschichte wird uns dankbar sein.  

Ein Tag an dem du nichts Neues lernst, ist ein verlorener Tag.





   

Dienstag, 4. Oktober 2022

Das Schaltnetzteil: Freund oder Feind?

  



Schaltnetzteile findet man heutzutage überall im Haushalt. Sie haben die Trafonetzteile fast vollständig verdrängt. Denn sie sind kleiner, leichter und billiger, und vor allem wesentlich effizienter. Ein Argument, das gerade in unserer Energiemangel-Zeit eine wichtige Rolle spielt. Auch in der Funkbude.

Es gibt sie in allen möglichen Ausführungen und die Vielfalt ihrer Schaltungen ist so gross wie die Fantasie der Entwicklungs-Ingenieure. Herkömmliche Netzteile mit 50Hz Trafo und Längsregeln sind heutzutage eine Rarität. Sie sind schlicht zu gross und zu schwer und setzen einen Teil der aufgenommen Leistung in Wärme um. 

Wer sich intensiv mit dem interessanten Gebiet der Schaltnetzteile auseinandersetzen möchte, dem empfehle ich den Download der beiden Bücher (in deutscher Sprache) AC/DC und DC/DC Books of Knowledge von der Firma RECOM. Der Download ist gratis, braucht aber eine Registration.

Für alle anderen: In einem AC/DC-Netzteil wird die Netzspannung gleichgerichtet (z.B. mit einem Brückengleichrichter) und anschliessend durch einen Siebkondensator (Elko) geglättet. Ein Schalttransistor macht aus dieser DC-Hochspannung dann wieder eine Wechselspannung - kein schöner Sinus sondern eine Rechteckspannung. Dabei arbeitet er (schaltet Ein und Aus) mit einer hohen Frequenz. Denn je höher die Frequenz, desto kleiner wird ein Trafo um diese Wechselspannung anschliessend wieder zu transformieren. Bei einigen 100kHz wird der Trafo - verglichen mit einem 50Hz Trafo gleicher Leistung - zu einem Winzling. 

Mit diesem Winzling wird die Spannung dann wieder heruntertransformiert, gleichgerichtet und geglättet und voilà: wir haben unsere 5Volt, um das Handy aufzuladen oder 13.8 Volt, um unser Funkgerät zu betreiben. Damit die Ausgangsspannung schön konstant bleibt, ist ein Regelkreis eingebaut. Das heisst: der Ausgang meldet der Steuerschaltung des Schalttransistors jede Spannungsabweichung und der reagiert mit der Änderung seines Steuersignals (PWM). 

So ein Schaltwandler ist eigentlich ein alter Hut: Schon die alten Yeasu und Kenwood Transceiver hatten für den 13.8 Volt-Betrieb, nebst einem 220 V Netzteil, einen Schaltwandler an Bord. Noch wesentlich früher, z.B. in Militärgeräten oder Autoradios mit Röhren wurden sogenannte Zerhacker eingesetzt. Unser Schalttransistor im modernen Netzteil macht ja eigentlich auch nichts anderes: er zerhackt die Gleichspannung.

Ein gutes Schaltnetzteil ist so konstruiert, dass die Schaltfrequenz und ihre Harmonischen keinen Weg nach aussen finden, weder ins Netz noch auf den Niederspannungsanschluss. Es ist auch so konstruiert, dass bei einem Defekt die 230 Volt nicht auf den Ausgang gelangen können. Und es besitzt Elkos, die eine lange Lebensdauer garantieren. Denn diese sind die kritischsten Elemente in der Elektronik und ihre Lebensdauer hängt stark von der Betriebstemperatur ab. Böse Zungen behaupten, dass gewisse Entwickler die Lebensdauer ihrer Produkte bewusst dadurch reduzieren, indem sie Elkos in der Nähe von Hitzequellen installieren und dazu noch eine mindere Qualität einsetzen. 

Zu guten Netzteilen  gibt es übrigens immer ein Datenblatt, das die Eigenschaften im Detail spezifiziert. Unter anderem die Normen, die eingehalten werden und z.B. auch die MTBF (Mean Time between Failure) als Indiz für die Lebensdauer. Aber auch Angaben über den Wirkungsgrad und die eingebauten Schutzschaltungen etc. 

Unter dem Dach in meinem Shack hängen Antennen für 160m bis 70cm nur einige Meter über meinem Kabelsalat: Schaltnetzteile für alles Mögliche und einem Meanwell Schaltnetzteil für die 13.8 Volt Versorgung der Station. Keines dieser Schaltnetzteile trägt wesentlich zu meinem Störpegel bei. Einzig das OWON Oszilloskop auf dem Labortisch macht einen Riesenmais, wenn ich es einschalte. Es wird nur vom Schindler-Aufzug überboten und vom Induktionsherd in der Küche. Doch letztere sind für mich tabu.

Wer ein 13.8 Volt Netzteil für seinen Shack braucht, sollte sich nicht zu einem Linearnetzteil überreden lassen. Sie sind eine aussterbende Spezies. Gewissermassen die Dinosaurier der Elektrotechnik. Bei Schaltnetzteilen sollte ein Knopf für die Frequenzverschiebung (Noise Offset) misstrauisch machen. Dieser Knopf bedeutet, dass es dem Hersteller nicht gelungen ist, das Netzteil ganz störfrei zu machen. Dieser Knopf ist eine Krücke für ein schlecht entstörtes Netzteil und vielleicht auch billiger als der Einbau von Entstör-Komponenten.

Leider ist es heute aus der Mode gekommen, in hochwertige Amateurfunktransceiver ein Netzteil einzubauen. Diese waren aber übrigens allesamt Schaltnetzteile (ausser bei den Röhrengeräten). Und keines davon hat den Funkempfang gestört.         

Donnerstag, 22. September 2022

Magnetloop: Bauteile finden

 


Magnetloop Antennen selbst zu bauen ist kein Kunststück und setzt - neben etwas handwerklichem Geschick - keine speziellen Kenntnisse voraus. Doch wo findet man das passende Material? Wo den Kondensator? Wo Kupfer oder Kabel für die Loop?

Natürlich gibt der Baumarkt einiges her. Aber ist es wirklich eine gescheite Idee, Kupferrohrstücke im Oktagon mühsam zusammenzulöten? Und wo finde ich einen Drehkondensator mit grossem Plattenabstand?  

Das Herz einer Magnetloop-Antenne ist der variable Kondensator. Er muss hohe Spannungen und Ströme aushalten und sollte keine Schleifkontakte besitzen. Da bleiben neben exotischen Lösungen eigentlich nur Butterfly-Drehkos und Vakuum-Kondensatoren.

Gebrauchte Butterfly Kondensatoren sind auf dem Markt fast nicht mehr zu finden. Doch als Kit bekommt man sie von TA1LSX. Welchen Typ (Kapazität/Plattenabstand) man für welches Band und Leistung benötigt, lässt sich am besten mit einem On-Line-Rechner ermitteln. Zum Beispiel mit diesem da, oder dem hier. Die, die es genau wissen wollen, sind hier am richtigen Ort.

Seit dem Krieg in der Ukraine sind russische Vakuum-Kondensatoren rar geworden. Trotzdem lohnt sich eine Suche auf Ebay.com unter dem Stichwort "Variable Vacuum Capacitor". Eine gute Quelle ist auch MAX GAIN SYSTEMS. Diese Firma hat ein grosses Angebot von gebrauchten Vakuum Kondensatoren verschiedener Hersteller.

Den Loop aus Kupferrohr zu bauen ist eine Möglichkeit. Aber es ist einfacher, ein Stück Koaxialkabel zu verwenden. Ist es steif genug, formt sich der Ring praktisch von selbst. Man braucht dann nur noch eine Halterung aus Kunststoff oder Holz. Das bringt jeder Heimwerker auf die Reihe. Amateurfunk-Koax wie RG213 ist aber nur zweite Wahl und eignet sich vor allem für portable Loops. Zuhause sollte es etwas Dickeres sein: Kabel wie es die Profis benutzen. Denn je dicker, desto kleiner die Verluste. Elektrodump in Holland ist eine gute Quelle. Übrigens auch für Vakuum Drehkos. 7/8 Cellflex ist eine gute Hausnummer und kostet etwa 7 Euro pro Meter. Aussenleiter und Innenleiter sollten miteinander verbunden werden und mittels breiten Kupferstreifen mit dem Kondensator verbunden werden (Keine Litze!). Diese Verbindung ist kritisch und eine der grössten Verlustquellen bei vielen MagLoop. 

Koaxialkabel wie das 7/8 Cellflex ist nicht nur einfacher zum Bauen von Loops, es hat einen wichtigen Vorteil gegenüber dem Kupferrohr. Sein Mantel schützt vor einer unabsichtlichen Berührung während des Betriebs. Ist der Kondensator mit seinen Anschlüssen auch noch berührungssicher verpackt, kann eigentlich nicht mehr viel passieren. Dass man nicht den Kopf in den Loop halten sollte, während man mit 100W und mehr sendet, ist wohl auch dem DAU klar (dem Dümmsten Anzunehmenden User)

Für Kabel wie das 7/8 Cellflex findet man passende Klemmen u.a. auf Ebay.com. Das Suchwort heisst "Stauff Clamps". Für das 7/8 Kabel braucht es Klemmen mit 28mm Innendurchmesser. Damit lässt sich der Ring gut fixieren. Eine solche sieht man rechts im Bild:


Einen Vakuum-Kondensator will man nicht von Hand einstellen. Sie brauchen zwischen 20 und 30 Achsumdrehungen vom Minimum zum Maximum und sind nicht leichtgängig. Ein einfacher 12V DC-Motor mit einem Schneckengetriebe und anschliessender Untersetzung ist die einfachste Lösung für diesen Zweck. Links im Bild sieht man einen Getriebemotor mit 2 Umdrehungen pro Minute. Betreibt man den mit 24V anstatt 12V dreht er fast doppelt so schnell, ohne dabei kaputt zu gehen. Beim Bandwechsel ist so ein Schnellgang praktisch. Mit einem kleinen Up-Converter Modul aus China kann man für diesen Zweck aus 12Volt 24 Volt machen. Stichworte bei der Suche auf Ebay.com sind "Step up Converter" oder "Step up Boost Converter". Auch die Getriebemotoren findet man auf Ebay. Stichwort "Gear Motor Worm Drive". 

Zwischen dem Motor und der Stauff Klemme ist ein weiteres unverzichtbares Teil zu sehen: Eine isolierte Ausgleichswelle zwischen Motor und Vakuum-Drehko. Am Drehko herrscht Hochspannung - einige Kilovolt - gleichzeitig muss für etwaige Ungenauigkeiten in der Achsausrichtung ein flexibler Ausgleich geschaffen werden. Die meisten Wellenkupplungen sind leider nicht oder nicht genügend isoliert. Mit der im Bild habe ich die besten Erfahrungen gemacht. Sie hat keinen Backlash, genügend Isolation und ist flexibel genug. Stichwort ist "Concave elasticity Coupling". Für die Adaption unterschiedlicher Wellendurchmesser muss eventuell noch eine Wellenkupplung (Shaft Coupling) zwischengeschaltet werden, da Vakuum-Kondensatoren mit ziemlich dicken Wellen daherkommen.

Das sind die wichtigsten Teile für den Bau einer Magnetloop-Antenne. Die Koppelschleife wird aus einem beliebigen Koaxialkabel gebaut. Anleitungen dazu findet man zur Genüge im Web. Zum Bespiel auf Frank's Homepage.  Ich empfehle auch die Zusammenfassung von VK2KLT zu lesen. Meines Erachtens einer der kompetentesten Experten auf diesem Gebiet. 

Bild: Mit dem Kanu im Gorge du Verdon unterwegs. Dem grössten Canyon Europas.

 


Mittwoch, 21. September 2022

IC-9700: Batterie tot

 


Wenn man einen Icom IC-9700 besitzt, sollte man nicht in die Ferien gehen und das Gerät ohne Strom zuhause lassen. Wenn das Teil schon etwas älter ist, kann es passieren, dass sich Zeit und Datum verändert haben. Nicht weil der Transceiver während der Abwesenheit durch einen Raum-Zeit-Riss geschlüpft ist, sondern weil in der Zwischenzeit seine Uhrenbatterie gestorben ist. 

Wie kann das geschehen? Ist diese Batterie so kurzlebig? Eigentlich nicht, denn es ist keine Batterie sondern ein kleiner Akku. Betreibt man das Gerät ohne lange Unterbrüche, so wird er immer wieder aufgeladen. Doch wird der Unterbruch zu lang, wird der Akku total entladen. Solche Tiefentladungen mögen Akkus nicht. Sie können daran sterben. Auf jeden Fall verkürzen sie die Lebensdauer des Akkus dramatisch. 

Der IC-7300 hat genau das gleiche Problem, bzw. die gleiche Schaltung mit demselben Mini-Akku. Hier habe ich darüber geschrieben und gezeigt, wie man dieses Problem lösen kann: Man baut eine grosse Lithium Knopfzelle anstelle des Akkus ein. Vorzugsweise mit einem Batteriehalter, sodass man sie in Zukunft einfach auswechseln kann.

So habe ich denn frohen Mutes und voller Tatendrang den unteren Gehäusedeckel des IC-9700 aufgeschraubt um seinen Akku durch eine C2032 Batterie auszutauschen. Doch was haben meine hölzernen Glasaugen entdeckt? 

Eine riesige Abschirmfläche über der Stelle, an der der Akku sein sollte. Er lugte gerade noch so unter dem Rand hervor. Unerreichbar für noch so geschickte Hände und Lötkolben. Zudem war die Abschirmung an X Stellen fest eingelötet. Mit Lötstellen auf der Unterseite der Platine. Das hätte eine grosse Zerlegung bedeutet: Ausbau der Platine und Auslöten der Abschirmung.



Also gab es grundsätzlich zwei Möglichkeiten: "Grosse Zerlegung" oder bleiben lassen und die falsche Zeitanzeige ignorieren. 

Ich habe mich für eine dritte Möglichkeit entschieden: Brutaler Eingriff am Patienten mit Todesrisiko. Durchtrennen der Abschirmung am Rand, unter dem der Akku liegt, und Aufbiegen des Abschirmbleches. 

Der Rest ging dann ganz einfach: herausoperieren des Akkus, anschliessen eines Drahtes an den Pluskontakt und Installation eines Batteriehalters. Dieser wurde mit doppelseitigem Klebeband auf eine benachbarte Abschirmung geklebt, wo auch gerade der Minus (Masse-) Kontakt angelötet wurde. Anschliessend: zurückbiegen des Abschirmblechs und an den durchtrennten Stellen wieder verlöten.

Auf eine zusätzliche Diode in Serie mit der Batterie habe ich verzichtet. Eine Diode ist ja bereits in der 3V-Speisung des Uhren IC's verbaut. Sollte beim Absinken der Batteriespannung unter ca. 2.7V diese über den 3k3 Widerstand etwas "gepuffert" werden, ist das kein Unglück und kein Grund für eine Explosion. 

Trotz der Delle im Abschirmblech funktioniert der IC-9700 wieder bestens auf allen Bändern und in allen Modulationsarten. 


 Trotzdem kann ich diese Operation nicht weiterempfehlen. Es muss damit gerechnet werden, dass der Patient nicht mehr aus der Narkose aufwacht.

Hier noch die Uhrenschaltung mit der Akkuspeisung:


Bild zuoberst: Einfahrt mit dem Elektroboot in die Verdon-Schlucht bei Quinson Richtung Lac d'Esparron.  
 

 


Dienstag, 20. September 2022

Batteriefunk

 


Kürzlich fand in der Schweiz wieder ein "Notfunk-Contest" statt. Im 80m Band und auf VHF/UHF - auch über Relaisstationen. So konnten auch ein Handybesitzer mitmachen. Ob die Relaisstationen auch vom Stromnetz unabhängig sind oder mindestens über eine USV verfügen, weiss ich nicht.

Dass nur das 80m Band berücksichtigt wurde, verstehe ich nicht. Ich erinnere mich daran, dass für die Freigabe des 60m Bandes mit dem Argument des Notfunks geworben wurde. Es ist ein ausgezeichnetes NVIS-Band. Klein aber fein. Bei den zurzeit herrschenden Funkbedingungen könnte aber nicht nur das 60m Band für NVIS-Verbindungen nützlich sein. Oft liegt jetzt die MUF für NVIS über 7MHz und das 40m Band bietet daher ausgezeichnetes Bedingungen. Oft wesentlich bessere als das 80m Band, das zurzeit tagsüber bescheidene Bedingungen bietet.

Wie dem auch sei. Der essenzielle Aspekt einer Notfunkübung ist die Stromversorgung. Man muss seine Funkstation also mit Batterien oder einem Akku betreiben.

Wer gewohnt ist, dass der Strom aus der Steckdose kommt und kein Prepper ist, greift da rasch mal zu einer Autobatterie. Doch das ist ein Kurzschluss. Autobatterien sind für Fahrzeuge konzipiert und nicht für die Bedürfnisse einer Funkstation. Sie müssen für den Anlasser eines Autos für einige Sekunden heftig Strom abgeben und werden sodann wieder durch die Lichtmaschine geladen und gepuffert. Zyklenbetrieb mögen sie nicht. Tiefentladung schon gar nicht. Besser sind Bleigel-Akkus wie sie in USV (Unterbrechungsfreie Strom Versorgungen) eingesetzt werden. Zurzeit sind Bleigel-Akkus sehr günstig zu bekommen und bringen mehr Watt pro Franken/Euro als die neuen LiFePo4-Akkus. Natürlich sind sie schwerer als letztere, doch für den Shack spielt das keine Rolle. Sie lassen sich auch gut parallel schalten, wenn man einige Regeln beachtet.

Auf der Webseite von DL4NO erfährt man über dieses Thema alles was man wissen muss.

Die Entwicklung neuer Akkumulatoren befindet sich in voller Fahrt und in den nächsten Jahren wird da noch viel passieren. Auch preislich. Da scheint mir die Strategie "Bleigel und abwarten" keine schlechte zu sein. Und natürlich auch eine kompromisslose QRP-Station. Empfänger, die 0.5 bis 1A Strom ziehen, sind ein schlechter Witz. Zudem sind unsere 100W Transceiver furchtbar ineffizient, wenn man die Leistung runterregelt. Auch mögen sie es ganz und gar nicht, wenn die Spannung beginnt, unter 12V zu sinken.  

SSB und CW sind besser als FM oder gar digitales Gebrösel. Und ja: FT8 ist keine Notfunk-Betriebsart ;-)  

   

Bild: Unterwegs im Gorge du Verdon bei Quinson.