Freitag, 1. November 2019

Ein Handy für alle Fälle



Heutzutage hat jeder ein Handy. Funkamateure aber haben zwei: eins zum Telefonieren und eins für....was eigentlich?
Ach ja, zum Funken. Für den unwahrscheinlichen Fall, dass mal das Telefon-Handy kaputt ist oder Whatsapp nicht geht. Ein solches Handy nennt man Handfunkgerät.

Auch ich habe so ein Teil, obwohl ich es eigentlich nicht brauche.
Bisher war es ein Baofeng UV-3S, das ich noch vor dem Bannspruch des BAKOM, unserer Regulierungsbehörde, im Land des Lächelns erstanden hatte. Natürlich hatte ich deswegen immer ein schlechtes Gewissen und träumte manchmal davon, dass die Sondereinsatztruppe "Schwarzes Edelweiss" des BAKOM meinen Shack stürmte und mich mit Koaxkabel gefesselt abführte.
Obwohl ich das Sendefilter so modifiziert hatte, dass es mit etwas gutem Willen, etwa den Normen entsprochen hatte, lag es bei mir eigentlich immer nur rum.

An der Surplusparty in Zofingen fand ich dieses Jahr endlich die Gelegenheit, mein Gewissen zu reinigen und ein neues Handy, pardon Handfunkgerät, zu erstehen. Für nicht ganz zweihundert Stutz.
Genug Geld für etwas, das meistens nur rumliegt.

Um den Wechsel sauber zu vollziehen, musste ich nur noch mein Baofeng ordnungsgemäß ausser Betrieb setzen und entsorgen. Verschenken oder verkaufen hätten mich in arge Schwierigkeiten bringen können. Auch ein einfacher Wurf in den Elektrogeräte-Container unserer lokalen Entsorgung hätte verhängnisvoll sein können, wie mir ein ehemaliger BAKOM-Mitarbeiter versicherte. Böse Buben hätten es rausfischen und benutzen können.
Also habe ich es vor dem Wurf ins Elektrograb nach bestem Wissen, Gewissen und Können in einen Zustand gebracht, der eine Wiederherstellung seiner Funktionen auch bei großem Optimismus unmöglich macht. Auf dem folgenden Foto ist das Resultat zu sehen:



Bei diesem Vorgang ist dem Teil noch etwas Dampf entwichen, als würde seine Seele entfliehen und zurück zum Hersteller reisen. Ich hatte es versäumt, die Batterie vorher zu entfernen.

Zurück von Zofingen habe ich mein neues Handy in Betrieb genommen und ausprobiert. Es kann alles, was ich kaum jemals brauchen werde. Neben FM auch C4FM.
Das ist eine digitale Modulation, die sich auch innerhalb der Anstalt einsetzen lässt und nicht so kompliziert ist wie DMR (Demenzradio).
Leider ist die Relais-Szene total schizophren. Neben C4FM und DMR gibt es noch D-Star, und keines dieser Systeme ist mit den anderen kompatibel. Glücklicherweise gibt es noch die ganz normalen FM-Relais. Auch sie liegen - wie all die "Digitalen" - Tage lang brach. Welche Verschwendung! Nimmt mich nur wunder, wer den Strom dafür bezahlt.







Mittwoch, 30. Oktober 2019

FT-8 mit dem IC-9700



Gerade hat sich in der Anstalt wieder ein Fall von Demenzradio ereignet. Armin hatte vergessen, dass er vor kurzem einen IC-9700 erstanden und nach ein paar Wochen wieder verkauft hatte. Schwupps, weg war die Erinnerung an dieses Gerät mit der 10MHz Fake-Referenz. Dort wo die Erinnerung in Armins Gedächtnis hätte sein sollen, klaffte ein schwarzes Loch.
So kam es, wie es das Schicksal für derartige Fälle vorgesehen hat: Armin kaufte sich erneut einen IC-9700.
Nun hockt er vor der Kiste und weiß nicht mehr, wie sie funktioniert. Als ich ihn besuchte, tappte er ziellos auf dem Bildschirm rum und drehte verzweifelt am Abstimmrad.

"Weisst du per Zufall, wie ich mit dem Teil FT-8 machen kann?", fragte er mich und guckte mich an, wie ein Hund, der sein Stöckchen nicht gefunden hatte. 

"Findest du dich in der Welt nicht mehr zurecht, frag Google!", entgegnete ich. "Da wird dir sicher geholfen."

"Habe ich doch schon und ich habe mir dieses Youtube schon unzählige Male angesehen, werde aber nicht schlau draus:"

 
"Das ist alles so kompliziert und ich möchte doch bloss FT-8 und WSPR machen und nicht den Transceiver fernsteuern. Quick und dirty, du verstehst schon?"

"Also so, wie du das immer gemacht hast in deinem Leben," grinste ich.

So kam es, dass wir zusammen versuchten, den Weg des geringsten Widerstandes zu finden.

1. Gehe ins Menu > Set > Connections

2. Gehe dort auf USB AF/IF Output > USB-Modulation level auf 30%, Data off Mode auf Mic/USB

3. Gehe auf Mod Input > USB-Modulation-Level auf 30%. Data off Mode auf Mic/USB

4. Gehe auf USB Send > USB(A) RTS

Damit ist der Transceiver eingestellt und du kannst damit im normalen USB Modus über ein USB-Kabel senden und empfangen.

5. Gehe in das WSJTX-Programm. File > Settings

6. Unter Radio > Rig: None. PTT-Method RTS. Port: Com4.

7. Unter Audio > Wähle für Mikrofon und Lautsprecher USB.

Jetzt kannst du den Transceiver mit dem PC durch ein USB-Kabel verbinden und testen. 
Doch jetzt kommt noch ein sehr wichtiger Punkt: 
Du darfst den Sender unter keinen Umständen übersteuern.
Schalte daher den Bildschirm des IC-9700 auf die Meter-Anzeige.
Beim Senden drehst du nun den USB-Sound im PC soweit zurück, dass höchstens 1 blauer Balken sichtbar wird. 
Ob dein Signal sauber ist, kannst du noch mit dem Audio-Scope des Transceivers überprüfen. 

Die FT-8 Frequenz im 2m Band ist übrigens 144.174 MHz USB.

Viel Spaß!


Donnerstag, 17. Oktober 2019

Surplusparty 2019



Gestern hat mir Anton erklärt, dass er seinen restlichen Ballast an der Surplusparty in Zofingen abwerfen wird. Am Samstag, den 26. Oktober.

"Wer in die Berge zieht, dem fällt ein schwerer Rucksack zur Last", erklärte er.

"Das meiste Mikrowellen-Equipment bin ich längst los", jetzt geht es noch ans Eingemachte."

Auf die Frage, was er denn "eingemacht" habe, sagte er:
"Das sind die Dinge, von denen ich mich am schwersten trenne. Teile und Geräte, die mir ans Herz gewachsen sind."

"Also vor allem altes, nostalgisches Zeug?", fragte ich. "Sicher nicht Dinge, die jedermann gebrauchen kann?"

"Wer weiß das schon. Die Kundschaft in Zofingen ist zwar immer die gleiche, nur jedes Jahr um ein Jahr älter, doch ihr Verhalten ist schwer vorherzusehen. Manche wollen nur an den Knöpfen deiner Geräte rumfummeln, andere fragen danach, was das für Geräte sind. Beide Sorten kaufen nichts. Interessant sind die Schnäppchenjäger. Die wissen, um was es geht und sie fragen dich höchstens: "Was ist letzter Preis?" meistens auf Italienisch. Doch die Lira ist nichts mehr wert und der Euro teuer.

"Du hoffst also auf die Schnäppchenjäger?", wollte ich wissen.

"Ich hoffe nicht nur, ich setze gezielt auf sie."

"Wie denn das?"

"Ganz einfach. Ich mache Schnäppchenpreise. Die Preise für gebrauchtes Funkzeug sind eh im Keller, wie man im Netz beobachten kann. Also platziere ich sie bereits im Keller."

"Und wenn das nix nützt und du am Abend immer noch mit deinen Geräten am Stand sitzt?"

"Kein Problem. Am Mittag halbiere ich die Preise und um vier Uhr werf' ich das Zeug fort."

"Ein eigenartiges Geschäftskonzept", wunderte ich mich.

"Das machen doch alle Verkäufer so. Geh doch mal am Samstag vor Ladenschluss zum Händler deines Vertrauens. Wenn der Salat noch nicht verkauft ist, wird er gnadenlos runtergeschrieben und am Abend findest du ihn im Container."

"Aber du verkaufst ja keinen Salat, sondern Amateurfunkgeräte, die tausende von Franken gekostet haben. Willst du denn kein Geld verdienen?"

"Ich will in erster Linie Ballast abwerfen."

"Aber jetzt mal Butter bei die Fische, wie man in Deutschland sagt. Was verkaufst du denn so?"

"Mein Lieblingsgerät zum Beispiel, einen IC-7200, dann einen IC-7400 und sein amerikanisches Pendant, einen IC-746Pro. Letzterer mit 220V Originalnetzteil."

"Was wird denn auf dem Preisschild stehen?", wollte ich wissen.

"399 Franken, der Einfachheit halber bei allen der gleiche Preis."

"Das ist verrückt, Anton. Die Geräte sind bestimmt Schrott?"

"Natürlich nicht. Sie sind wie neu, geprüft und im allerbesten Zustand. Mit Netzkabel, Mikrofon und Manual. Hier noch die Links für die Fummler und Frager, die keine Ahnung haben. Das erspart mir lange Erklärungen, Eselsohren in den Manuals und Fingerabdrücke auf der Frontplatte:

IC-7200 inkl. Griffen

IC-7400 mit OCXO

IC-746Pro mit OCXO und Netzteil

"Hast du etwa auch noch eine deiner Endstufen im Gepäck?"

"Um Himmels willen, die waren viel zu schwer. Die habe ich alle bereits verkauft - für je einen Hunderter."

"Das ist schade. Was hast du denn sonst noch dabei? Auch Bauteile?"

"Ja, wie immer. Doch die meisten OM basteln ja nicht mehr. Und so habe ich mir überlegt, ob ich das Zeug überhaupt mitschleppen und nicht gerade wegkippen soll. Kürzlich habe ich bereits eine Kiste voll einem OM mitgegeben, der meine Lang- und Mittelwellensender und Variometer holen kam.
Für die übrig gebliebenen Selbstbauer nehme ich aber noch meine Sammlung an Glimmer und Türknopf-Kondensatoren mit."

"Nun bin ich gespannt, was in deinem Rucksack noch übrig bleiben wird."

"Du wirst dich wundern", grinste er.



Sonntag, 29. September 2019

Die Rybakov Antenne



Das grösste Ärgernis der meisten Funkamateure ist die Antenne. Es ist noch schlimmer als das QRM.
"Wie kriege ich eine Antenne für Kurzwelle auf meinen Balkon oder in den Grünstreifen meines Reihenhauses", lautet für viele die entscheidende Frage.

In seiner Verzweiflung greift dann manch ein Funker gerne zu einem Zauberteil mit dem Namen UNUN.
Das ist im Prinzip ein Bagel aus Eisenmehl statt aus Weizenmehl. Darum ist dieser UNUN auch nicht essbar.
Seine Qualitäten liegen woanders: er gaukelt dem OM ein gutes Stehwellenverhältnis (SWV) vor, wo eigentlich keines vorhanden wäre, wenn alles mit rechten Dingen zuginge. 
Wie wir ja alle wissen, gibt es gute und böse SWV. Bei den guten bewegt sich der Zeiger des SWV-Meters kaum und bei den bösen fängt der Transceiver an zu spinnen.

Nicht jeder Unun kann gleich gut zaubern. Es ist wie beim Bagel backen: Erwischt man das falsche Mehl, wird er ungenießbar. Persönlich bevorzuge ich eine 27er Ferritmischung, wie sie auch von den Eisenbagel-Bäckern empfohlen wird. Zumindest für die längeren Bänder. 

Wie auch immer. Der Zaubertrick funktioniert natürlich nur, wenn auf der Aether-Seite des UNUN's eine Stück Draht oder Metall hängt, das irgendwie an eine Antenne erinnert. 
Rezepte für derartige Unun-Zauber gibt es wie Sand am Meer. Sie unterscheiden sich hauptsächlich durch ihren Namen und ihr Übersetzungs-Verhältnis. Nicht zu verwechseln mit dem Stehwellenverhältnis. 

Ein schönes Beispiel ist die Rybakov Antenne. Sie schafft den Trick mit einem 1:4 Unun. Viele Bastler bevorzugen dafür T-Kerne anstatt FT-Kerne. Vermutlich weil sie so schön rot oder gelb sind.
Manche versuchen die Zauberkraft des UNUN's zu potenzieren und schalten eine Mantelwellensperre dazu. Ich bin jedoch der Meinung, dass das nur den UNUN unnötig heiß macht, und plädiere dafür, das Koaxkabel seinen Job als Gegengewicht ruhig machen zu lassen.

Sonntag, 22. September 2019

Die Anstalt im Aufbruch



Seit meinem letzten Post ist viel passiert in der Anstalt. Aber nicht nur dort.
Der Angriff der französischen Administration auf unser 2m Band wurde abgewehrt und das Thema ist für die nächste Wellenkonferenz vom Tisch.
Icom hat mit dem IC-705 einen portablen Transceiver vorgestellt, der ein "Game Changer" sein könnte. Vorausgesetzt Icom ver***** es nicht wieder. Portable QRP-Transceiver gibt es zwar en masse, auch mit SDR und Wasserfalldisplay, doch haben sie alle einen wesentlichen Nachteil: Sie können nur Kurzwelle und kein VHF/UHF. 2m SOTA in SSB ist wesentlich spaßiger als in FM mit einer drögen Handgurke.
Bereits wurde eine Diskussionsgruppe für den IC-705 eingerichtet und es wird heftig über Preis und Spezifikationen diskutiert.
Das Teil soll erstaunlicherweise keinen eingebauten Antennentuner beinhalten, dafür Bluetooth und GPS. Da könnten Icom's Inschenöre ja den Referenzoszillator ans GPS anhängen, das wäre doch toll. Doch ein niedriger Erwartungshorizont schützt vor Enttäuschungen.  Erwarten wir nicht zuviel. Ich bin schon froh, wenn das Gerätchen einigermaßen die Frequenz stabil halten kann. Yaesu macht es seit Jahrzehnten vor, notabene ohne 10 MHz Referenzeingang, zum Beispiel im FT-817 oder FT-857.
Diesmal werde ich aber nicht zu den Early Birds gehören und anderen den Vortritt lassen.

Einige OM spüren wohl den Hebst und sind daran, ihren Shack auszuräumen und man fragt sich, ob sie in Zukunft überhaupt noch funken werden. Vielleicht werden wir das an der Surplus-Party in Zofingen erfahren. Ich rechne mit einem Überangebot an Funkware.

A propos: braucht jemand noch einen kleinen 10 GHz Spiegel? Ich hätte da per Zufall zwei im Angebot. Diese Sorte hier: Teil 1, Teil 2, Teil 3.

Doch zurück zur Anstalt: Armin ist vollauf damit beschäftigt, sich auf seine neue Karriere als DJ vorzubereiten. Da bleibt nicht mehr viel Zeit für Funk übrig.
Sein Debüt soll in einem abgelegenen Restaurant, irgendwo im Gebirge, in der Silvesternacht stattfinden. Da er weder ein Instrument spielen, noch singen kann und auch eine Laufbahn als Rapper an seinem dementen Habitus scheitert, versucht er sich nun als DJ. Eine logische Konsequenz, nicht wahr? 

Mittwoch, 28. August 2019

Rubidium Normal LPRO-101



Die Anstalt wirft Ballast ab, und in letzter Zeit fahren vermehrt Pickup vorbei, deren Besitzer schweres Zeug auf die Ladefläche hieven. KW-Endstufen zum Beispiel. Einiges hat schon Käufer gefunden. Wie zu erwarten war, vor allem das Gratismaterial. Der Rest wird wohl auf Tutti.ch oder Ricardo.ch landen. Oder dann im grossen Container für Elektronikschrott.
Ob man Atomuhren auch da rein werfen darf, weiss ich nicht. Aber ich bin sicher, dass sich jemand finden wird, der so ein Teil gerne hätte. Im Anstaltskeller liegen zwei davon und sie sind gut im Schuss. Hier ein Blogeintrag aus dem Jahr 2011. Um genau diese Frequenznormale handelt es sich:



Veröffentlicht am 31. August 2011
Als gestern die Post kam und ein kleines Kästchen aus China lieferte, wurde meine XYL misstrauisch. Nicht wegen dem beiliegenden “Gift”. Denn auf dem Teil stand Atom drauf und wie ich zugeben musste, war auch Atom drin ;-)
“Ist das nicht gefährlich?”, fragte sie und dachte wohl an den Schweden, der sich ein kleines Atomkraftwerk auf dem Küchentisch basteln wollte und dann von der Polizei abgeholt wurde.
Doch mein Ziel war kein eigenes KKW, sondern eine genau Frequenz. Deshalb hatte ich ein ausgedientes Rubidium-Normal in China bestellt, made in USA by Erfatom, eine alte Atomuhr.

Rubidiumatome haben eine äusserst exakte Resonanz bei 6.8346875 GHz, und die wird ausgenützt um einen VCXO zu stabilisieren. Herzstück dieser Atomuhr ist eine Lampe mit Rubidiumgas, das zur Zündung gebracht wird und dann fein rosa leuchtet. Doch keine Angst! Da ist keine Strahlung wie in Fukushima.
Der Betrieb der Atomuhr, in meinem Fall eine LPRO-101 (1) (2) (3) ist denkbar einfach. Bevor man das Teil in Betrieb nimmt, sollte man zuerst auf die Grundplatte ein anständiges Kühlblech schrauben, denn das Kästchen zieht bei 24Volt über ein Ampère und wird deshalb heiss. Ohne Kühlung fängt die Uhr bei längerem Betrieb an zu spinnen. Das ist dann etwa so, wie bei einer toten Armbanduhr – die zeigt nur zweimal im Tag die genaue Zeit an ;-)
Dann braucht es natürlich noch ein kräftiges 24V Netzteil. Ich habe mir, der Einfachheit halber, in Hongkong ein Schaltnetzteil für eine Handvoll Dollar geordert.

Nach dem Anlegen der Spannung dauert es ein paar Minuten, bis der Oszillator einrastet. Wer diesen Zeitpunkt beobachten möchte, für den steht am Pin “BITE” ein Signal zur Verfügung. Wenn der VCXO einrastet, geht dort das Signal von ca. 4.5V auf Null. Wichtig ist auch noch die Lampenspannung, welche am Pin “Lamp Volt” beobachtet werden kann. Sie liefert eine Aussage über das Alter des Rubidium-Normals. Je tiefer sie ist, desto altersschwach ist das Teil. zwischen 6 und 9 Volt ist die Lampe gesund. Unter 3V nahe am Exitus. Meine liegt bei 7.2 Volt und es sind deshalb wohl noch einige tausend Betriebsstunden zu erwarten. Ein Dauerbetrieb wäre aber Verschwendung. Der ist auch nicht nötig, denn ich will ja nur wissen, wie genau meine TCXO’s in den Funkgeräten und vorallem im Messsender sind, und diese ggf. nachtrimmen.
Der LPRO-101 liefert ein Signal von 7.8 dBm in 50 Ohm bei 10 MHz, also etwa ein halbes Volt RMS. Die Genauigkeit sollte besser als 10-6 sein. Also 10 mHz Abweichung bei 10 MHz. Überprüfen kann ich das aber nicht. Da müsste schon eine noch genauere Atomuhr ran, ein Cäsium-Normal. Aber immerhin: ein Quarzofen bringt es nur auf ca. 10-6, das heisst 10 Hz bei 10 MHz.
Genauso sah es denn auch aus, als ich das Ribidium-Normal an meinen Zähler hängte, der von einem externen 10 MHz Quarzofen gespeist wird. Hier das Resultat nach einer halben Stunde Einlaufzeit des Quarzofens:

Was ich hier also messe ist keineswegs die Frequenz meines Rubidium-Normals, sonder die Frequenzabweichung des Quarzofens des Zählers. Nun kann ich diesen neu abgleichen und habe dann die höchste Frequenzgenauigkeit, die mit Amateurmitteln zu erreichen ist.
Alternativen zum Rubidium-Normal sind eine Anbindung an das GPS-System oder an den Zeitsender DCF-77. Diese Systeme hängen zwar an einem Cäsium-Normal. Aber die Genauigkeit wird durch Laufzeitverzerrungen der Funkstrecke beeinträchtigt.
73 de Anton

Mittwoch, 21. August 2019

Hat der ICOM-7610 ein Problem?

Ricardo ist das Schweizer Ebay. Unter anderem wird dort auch Amateurfunk-Equipment angeboten. Doch der Markt ist klein und das Angebot grösser als die Nachfrage. Das ist nicht verwunderlich, denn die Anzahl Funkamateure blieb in den letzten Jahren mehr oder weniger kontant, und die Funker kauften sich gerne immer wieder mal ein Neugerät.

Vor kurzem fand ich dort einen fast brandneuen IC-7610. Hier ein Screenshot.



Neupreis bei Lixnet in der Schweiz Fr. 3791.-
Das Gerät ist kein Jahr alt, funktioniere angeblich einwandfrei. Das Display sei von ICOM wegen einer "Einbrennproblematik" getauscht worden.

So ein Angebot macht sogar Anstaltsbewohner neugierig.
Da wirft man doch rasch einen Blick auf die Review-Seiten von Eham, um zu sehen ob das nur ein Einzelfall oder gar eine Epidemie ist.

Und Bingo! Probleme haben auch andere IC-7610 mit dem Display.

Auch auf Youtube findet man dazu etwas:


In ICOM's Ahenreihe gab es immer wieder Probleme und kaum ein Gerät kam ohne Kinderkrankheiten auf die Welt, wie wir kürzlich auch wieder beim IC-9700 sehen konnten.

Im Archiv der Anstalt bin ich übrigens über einen Blogeintrag über den IC-7410 aus dem Jahr 2011 gestolpert, der in diesem Zusammenhang sicher für den einen oder anderen interessant ist:



Veröffentlicht am 23. September 2011


Heute ist die neuste QST bei mir in den Postkasten geflattert. Die Oktober Ausgabe. QST ist die Zeitschrift der amerikanischen ARRL. Meines Erachtens eine der besten Amateurfunk-Publikationen. Neben vielen interessanten Artikeln über Antennen und Expeditionen enthält die Oktober-Ausgabe auch einen Testbericht des IC-7410.  Hier ein paar Highlights aus diesem Test:
Der Autor, Rick Lindquist, WW3DE, hat ihn mit seinem IC-756ProIII verglichen. Und da erstaunt es nicht, dass ihm als erstes auffiel, dass das Gerät nicht zuerst 10 Sekunden lang booten muss, sondern sofort startet. In der Tat, war der ProIII der letzte der Reihe, der diese Eigenschaft aufwies. In der Zwischenzeit hat sich bei der digitalen Signalverarbeitung einiges getan. Und so musste Rick feststellen, dass der IC-7410, obschon im tieferen Segment angesiedelt, den ProIII punkto Grosssignalverhalten übertraf. Auch andere DSP Funktionen sind gemäss Testbericht besser: Zum Beispiel die Noise Reduction (NR). Und tatsächlich: Vergleicht man die Messresultate mit dem früheren Test des IC-7600, so muss man feststellen, dass der IC-7410 mindestens ebenso gut oder besser ist und in einigen Punkten sogar zu Icoms Spitzentransceiver IC-7800 aufschliessen kann. Kein Wunder, kommt der Tester zum Schluss, dass der neue Transceiver zwar nicht der beste, aber sehr gut sei.
Schon beim IC-7200 konnte ich feststellen, dass die DSP Fortschritte gemacht hatte. Im praktischen Betrieb konnte ich keine grossen Unterschiede gegenüber meinem älteren und dreimal so teuren ProIII feststellen. Einzig bei der AGC. Die Anstiegszeit ist viel zu kurz und bei jedem leichten Knacken spricht die AGC sofort an und regelt den Empfänger zu. Besonders störend ist das auf 160, 80 und 40m, wo ich deswegen den NB dauernd eingeschaltet lasse. Genau das bemängelt der Tester beim IC-7410 auch. Die AGC ist offenbar bei der DSP noch eine Problemzone.
Aber an einer anderen Front gibt es dafür Entwarnung: Der IC-7410 ist zwar etwas schmaler, dafür wesentlich länger als der ProIII oder sein Nachfolger IC-7600, und das hat seinen guten Grund. Der Kühlung des Transceivers wurde offenbar grosse Aufmerksamkeit zu Teil. Sein direkter Vorgänger, der IC-7400 (IC-746Pro in den USA) hatte nämlich ein Wärmeproblem und war “berühmt” für entsprechende Ausfälle. Überhaupt habe ich den Eindruck, dass Icom der Wärmeabfuhr seiner Transceiver früher wenig Beachtung geschenkt hat. Mein ProIII wird sehr heiss und auf meinem IC-910 kann ich bei FM-Betrieb mit voller Leistung Spiegeleier braten.
Übermässige Hitze verkürzt das Leben der Elektronik, auch wenn das einige abstreiten. Zum Beispiel Adam Farson, AB4OJ, der diesbezügliche Diskussionen in seinen Yahoo-Groups immer wieder abklemmt. Doch schauen wir weiter, was Rick Lindquist in der QST über den IC-7410 berichtet:
Er findet das Menu nicht gerade intuitiv. Whatever that means, hi. Doch das ist keine Katastrophe. Denn auf der Frontplatte findet man Regler für alle oft verwendeten Funktionen und so kann man, einmal eingestellt, dasMenü Menü bleiben lassen. Wo man bei anderen Geräten immer wieder ins Menü abtauchen muss – zum Beispiel um die Sendeleistung zu verstellen – hat der 7410er einen Regler. Auch ich finde die Bedienungsergonomie des Icoms hervorragend.
Rick meint in seinem Bericht, die Knöpfe seien überraschend gross und handlich und ihm liege z.B. der Abstimmknopf besser in der Hand als der seines älteren ProIII. Ich denke, dass dies ein wichtiger Punkt ist, denn damit muss der Operateur schließlich arbeiten. Was nützen gute elektrische Daten, wenn ich mich täglich über die umständliche Bedienung aufrege?
Doch wo hat Icom gespart? Das Gerät ist ja preislich weit unter dem IC-7600 angesiedelt.
Natürlich beim Display und bei der Spektrumanzeige. Das Gerät verfügt nur über einen rudimentären Frequenzscanner, bei dem der Empfänger stumm geschaltet wird. Immerhin lassen sich auf dem Display aber SWR-Kurven der verwendeten Antenne aufzeichnen. Ein tolles Feature. Gespart wurde auch bei den Leuchtdioden. Alle Anzeigen erfolgen auf dem Display und Rick meint, dass sich so ein eingeschalteter RIT leicht übersehen lasse.
Und natürlich wurde bei den Bändern gespart, was einem bei der Betrachtung der Rückseite auffällt: Abdeckungen sitzen dort, wo bei der Vollversion des Transceivers Buchsen für die Bänder 2m, 70cm und 23cm sind. In diesem Zusammenhang muss man auch wissen, dass der Vorgänger, der IC-7400, noch das 2m Band beinhaltet hat. Da hat ganz klar ein Downgrade stattgefunden.
Positiv aufgefallen ist beim IC-7410 die Empfindlichkeit auf der Lang- und Mittelwelle. Sowohl auf dem 136kHz, wie auch auf dem 500 kHz Band ist das Teil genügend empfindlich um ihn als vollwertigen Empfänger einzusetzen. Zum Beispiel zusammen mit einem selbst gebauten 136 kHz Sender.
Zu berichten gäbe es noch gar manch interessantes Feature. Der IC-7410 hat von seinen Vorgängern offenbar das Beste übernommen und Rick kommt zum Schluss, dass das Gerät zwar preislich im unteren Teil des Marktsegments angesiedelt wurde, doch leistungsmässig im oberen Drittel. Wer sich also mit KW+6m und Abstrichen beim Display zufrieden geben kann, für den ist der 7410er sicher eine ausgezeichnete Wahl.
73 de Anton
PS. Das Gerät hat kräftig Durst: Bei Empfang säuft das Teil bereits 3A, beim Senden 23A. Ein Upgrade beim Stationsnetzteil ist u.U. ins Auge zu fassen.
Bild: öfter mal eine neue Antenne. Eine einfache Halterung neben dem Dachfenster macht’s möglich. Hier eine HB9CV für 50 MHz. Rechts davon eine Mobilantenne für 2m und 70cm.