Freitag, 1. Juli 2022

160m zwischen DX, NVIS und Bodenwelle

 


Nicht nur das 6m Band hat magische Momente zu bieten. Der interessierte Funker findet sie auch auf dem 160m Band. Auf diesem Grenzwellenband zwischen Kurz- und Mittelwelle findet man - neben Seefunk - vor allem zwei Typen Funkamateure: Die DXer und die Lokalen. Die DXer arbeiten hauptsächlich mit flach strahlenden Vertikalantennen mit guten Radialnetzen und separaten Empfangsantennen. Die Lokalen verfügen in der Regel nicht über das notwendige Terrain oder eine Bewilligung, um hohe Masten zu errichten. Denn ein Viertelwellenstrahler muss auf diesem Band ca. 40m hoch sein. Sie benutzen das 160m Band selten für DX sondern eher für NVIS Verbindungen über einige hundert Kilometer - vor allem für SSB QSO's. Es ist eine gute Alternative zum übervölkerten 80m Band und im Winter manchmal sogar alternativlos, wenn morgens oder abends die 100km-MUF unter 3.5MHz fällt.

Neuerdings findet man aber noch eine dritte Sorte Funker auf dem 160m Band: Die FT-8 Funker. In dieser Betriebsart reichen bereits eine Vertikalantenne von z.B. 10 bis 15m und die üblichen hundert Watt, um DX-Verbindungen zu tätigen. Ohne Kilowatt und ohne CW-Kenntnisse. Nur die Bedienung eines Computers ist Voraussetzung. Eigentlich ginge es auch ohne Amateurfunkprüfung. 

Doch ob DX-Spezialist, Kurzstreckenfunker oder FT8er. Für alle gelten die gleichen "Spielregeln": 

1. Die Störungen durch unsere modernen Elektronikspielzeuge sind in urbanen Gebieten ausserordentlich hoch. Störpegel von S9 in SSB-Bandbreite sind keine Seltenheit. Das QRM aus Powerline-Technologie, billigen Schaltnetzteilen und all dem vielen Zeug in dem die Komponenten zur Entstörung "vergessen" wurden, liegt weit über dem natürlichen atmosphärischen Pegel (QRN). Dieser Umstand reduziert die Reichweite beträchtlich.     

2. Die Ionosphäre ist zwar zuverlässiger als im Magic Band, doch hat sie auch in diesem Band ihre besonderen Macken: Bei Sonnenaufgang tritt die unterste Schicht der Ionosphären, die D-Schicht, in Erscheinung und verschwindet erst bei Sonnenuntergang wieder. Anstatt die 160m Wellen zu reflektieren, schwächt sie die Wellen so stark, dass sie kaum eine Chance haben, die darüber liegenden Schichten zu erreichen. Deshalb ist der Sommer mit seinen langen Tagen und seinen Gewittern keine gute Zeit für das 160m Band. Wer sich noch an den Mittelwellenempfang erinnert, kann das gut nachvollziehen.

Über 160m DX will ich heute nicht schreiben. Da gibt es einige gute Bücher von Spezialisten. Ausserdem bin ich auf Magnetloop Antennen beschränkt und lebe in einem Alpental. Diese Kombination ist äusserst ungünstig für den 160m Funker und ganz speziell für DX auf diesem Band. Doch NVIS Funkverkehr über einige hundert Kilometer liegt auch unter diesen Bedingungen drin.

Die Magnetloop ist wegen ihrer Strahlungscharakteristik im Prinzip eine gute NVIS-Antenne, wenn nur ihr Wirkungsgrad nicht so grottig schlecht wäre. Zumindest bei einem noch vertretbaren Durchmesser.

Wer einen Draht aufspannen kann, ist besser dran. Vorausgesetzt, er macht alles richtig. 

Nicht viel falsch machen, kann man mit einem klassischen Dipol. Auch wenn man den, in Ermangelung eines zweiten Mastes, als umgekehrtes V aufspannen muss. Doch so ein Teil braucht Platz und heutzutage hat kaum jemand einen 80m langen Garten für einen 160m Dipol zur Verfügung, Es sei denn, er wohne auf dem Land in einem Bauernhof. Für den Normalfunker bleibt nur eine Verkürzung des Dipols übrig. Doch das hat seine Grenzen. 30m zum Beispiel, also zweimal 15m, bringen nicht nur eine kräftige Einbusse beim abgestrahlten Signal, die je nach Bodenbeschaffenheit und der Güte der Verlängerungsspulen gut -20dB betragen kann. 

Mit dem Kurzdipol schrumpft auch die nutzbare Bandbreite der Antenne. Man muss sich dann mit ungefähr 20kHz zufrieden geben. Besser ist es in diesem Fall, ganz auf Verlängerungsspulen zu verzichten und den Dipol über eine Zweidrahtleitung zu speisen und einen automatischen Tuner mit 1:1 Balun zu verwenden. Oder besser einen symmetrischen Tuner ohne Balun. Mit dieser Konfiguration kann man den Kurzdipol dann über das ganze 160m Band abstimmen. 

Aber es gibt noch eine andere Lösung. Nämlich eine Antenne, die noch einfacher aufzubauen ist, als ein Dipol: eine Inverted L, ein umgekehrtes L. Ein vertikal aufgespannter Draht, der oben abgewinkelt in einen horizontalen Teil übergeht. Zwar auch eine Zwei-Mast-Lösung oder eine Mast-Baum- Kombination. Doch eine, die ohne Balun und mit einem "einbeinigen" Autotuner funktioniert - z.B. einem CG3000. Allerdings müssen drei Bedingungen erfüllt sein, damit aus diesem Gebilde eine gute NVIS-Antenne wird: 

Der horizontale Teil muss wesentlich länger sein als der vertikale und darf eine gewisse Gesamtlänge nicht unterschreiten (ca. eine Viertelwelle). Sonst wird daraus wieder ein Flachstrahler. Also eine DX-Antenne, die weniger für den Lokalverkehr geeignet ist. 10 bis 12m vertikal und 40m horizontal sind ein guter Kompromiss. Wenn nötig auch mit abgewinkeltem Horizontalteil. Eine solche Antenne ist ein passabler Vertikalstrahler für 160m und zudem ein ausgezeichneter NVIS-Strahler für das 80m und 60m Band. Für das 40m Band ist die Antenne jedoch als NVIS-Strahler unbrauchbar. Ausgerechnet in der Vertikalen hat sie eine Nullstelle. 

Die dritte Bedingung für eine wirksame Inverted L ist eine gute Erdung. Ein Erdpfahl ist das absolute Minimum. Spinnt der Tuner und rattert ziellos umher, dann ist in der Regel die Erdung ungenügend. Radiale können dann helfen.

Natürlich kann man auch mit der Bodenwelle funken, ganz ohne sich mit den Eigenschaften der Ionosphäre herumzuschlagen. So wie es die Militärstationen im zweiten Weltkrieg getan haben. Eine kurze Rutenantenne und ein Erdpfahl, mehr braucht es nicht. Erst gegen Kriegsende merkten die Militäringenieure, dass es besser ist, über die Ionophäre zu funken. Das war die Geburtsstunde der L-Antenne. Hier die Fortsetzung zum oben genannten Artikel aus meinem Blog. 

Bevor jetzt wieder einer motzt, der an der Küste wohnt: die Reichweite der Bodenwelle ist stark abhängig vom Untergrund. Übers Meer funkt man tagsüber 300km und mehr. Und in der Ebene, mit gut leitfähigen Grund, geht's sicher auch bis 100km, wenn das QRM nicht zu gross ist. Doch im Hügelland oder gar in den Bergen ist bald einmal der Ofen aus. 50km mit der Bodenwelle auf 160m sind schon "DX". Ein Funkfreund wohnt 30km von mir entfernt hinter der nächsten Voralpenkette. Trotz 100W und Vertikalantenne ist er kaum zu hören. Und meine Magloop hört auf 160m das Gras wachsen, da lokale Störungen fehlen. Auf 2m haben wir übrigens eine perfekte S9 Verbindung, notabene in FM.

Aber die Bodenwelle ist ein alter Hut. Den kann man bereits in alten Büchern nachschauen, wie zum Beispiel diesem da: 





Darin findet man dann hübsche Diagramme für die Feldstärke, abhängig von Distanz und Untergrund. Und da sieht man sofort: Übers Meer geht die Mittelwelle viel weiter als in der Wüste. Darum findet ein Teil des Seefunks immer noch auf Grenzwelle statt. Auf Mittelwelle, dem ehemaligen CW-Seefunkband um die 500kHz, läuft die Bodenwelle übrigens noch viel weiter. Unser 600m Band wäre also eine ganz tolle Sache, wenn nur die Welle nicht so unmöglich lang wäre.

  Ein OM und Prepper und ehemaliger Infanterie Scout hat sich intensiver mit dem Thema Inverted L Antenne und NVIS beschäftigt. Hier geht es zu seiner Webseite und hier direkt zum Thema.

Hier habe ich über meine ersten Versuche mit einer Magloop auf dem 160m Band geschrieben.

Das war noch am alten QTH im Mittelland. Inzwischen bin ich ja, wie ihr wisst, in eine neue Anstalt umgezogen, oder gezügelt wie man hier sagt. Und hier hat meine 1.6m Loop für das 160m Band ein Zusatzpaket erhalten. Das Resultat ist erstaunlich, wie da zu lesen ist. Doch jetzt ist Sommer und da ist 160m erst mal out.

   

Sonntag, 19. Juni 2022

Verlotterte FM-Relais

 


Obwohl ich hier im Alpental sitze, höre ich recht viele Relais. Die meisten davon schweigen zwar still vor sich hin. Doch ab und zu öffnet sich eins wie von Geisterhand, doch keiner spricht. Viele dieser einsamen Relaisstationen sind vernachlässigt. Man merkt es vor allem daran, dass sie neben der Frequenz hocken. Nicht nur einige 10Hz oder maximal 100Hz, also noch im Fangbereich der AFC. Vor allem im 70cm Band reklamiert die AFC meines IC-9700 oft. Das schlimmste Relais hockt ganze vier Kilohertz neben der Frequenz. Doch das ist nur ein Anzeichen der Verlotterung. Bei einem anderen plärrt sporadisch eine Warnton rein, ähnlich dem Russischen Nebelhorn UVB-76. Der Grund blieb mir bisher verborgen. Zu lange Sprechzeit, zu viel Hub, neben der QRG? Nichts davon scheint zuzutreffen. Eine Internetseite mit Erklärungen fehlt wie bei vielen dieser Stationen. Da ich dieses Relais ab und zu benutze, habe ich dem Club, dem die Station gehört, eine Email geschrieben und angeboten, das Relais zu sponsern. Eine Antwort habe ich nie bekommen.  

Gerade hier in der Westschweiz herrscht ein Wildwuchs an Relaisstationen. Von Koordination keine Spur. Wie auch? Viele davon liegen ausserhalb des Bandplans und scheinen eher privater Natur zu sein. Das BAKOM interessiert das verständlicherweise nicht und die USKA drückt beide Augen zu. Man müsste halt Französisch sprechen. Die meisten dieser wild wachsenden Relais-Pflanzen sind natürlich digitaler Natur und wohl irgendwie auch mit dem Internet verhängt. Doch wie soll man das wissen, wenn die Dinger nicht einmal auf dem Internet dokumentiert sind?  

Natürlich ist der Amateurfunk Experimentalradio und ich habe volles Verständnis für Experimente, auch auf dem Gebiet der Relaisstationen. Aber es wäre schön, wenn die IT-Freaks nicht nur programmieren sondern auch dokumentieren würden.

Ein Club der sich vorbildlich um seine Stationen kümmert und sie nicht einfach verlottern lässt, sind übrigens die Berner (HB9F). 

Obwohl ich Direktverbindungen bevorzuge, komme ich nicht umhin, ab und zu eine Relaisstation zu benutzen. In FM. D-Star klingt scheusslich, DMR ist mir zu kompliziert und C4FM ist so unnötig wie ein Lipom.

Apropos FM: Kennt ihr den Yaesu FT-7900? Ein gutes Gerät, das leider nicht mehr (offiziell) produziert wird. Trotzdem taucht es in Scharen auf dem Internet auf. Bei E-Bay, Alibaba und Konsorten. Neu und zu einem unschlagbaren Preis. So zwischen 150 und 250 $. Es sieht aus wie das Original und heisst auch so. Doch das Teil ist ein chinesischer Klon. Überhaupt scheint Yaesu ein Fake-Problem zu haben. Man findet auch viele andere FM-Handys und Mobilstationen dieser Marke im Sumpf der chinesischen Kopierküche. Sogar auf Ricardo taucht so ein Teil ab und zu auf. Ob mit oder ohne valablem CE-Zertifikat weiss ich nicht. Vielleicht sollte ich mir mal eins bestellen. Auf der Verbotsliste des BAKOM figuriert es nicht und eine Einzelbestellung zu Mess- und Bastelzwecken würde schätzungsweise in die neue Toleranzregel unserer Regulierungsbehörde passen. 

     

Mittwoch, 15. Juni 2022

FT-8 Chancen und Risiken

 


Heutzutage läuft gut die Hälfte des Amateurfunks über FT-8. Dreht man über die Bänder, herrscht auf den FT-8 Kanälen reger Betrieb. Doch auf den anderen Frequenzen sind nur wenige SSB und CW Stationen zu hören. Der Grossteil des Funkverkehrs läuft also über einen einzigen FT8-Kanal pro Band. Dort herrscht Stau und Chaos. Vor allem, wenn die Bedingungen gut sind. 

Doch Amateurfunker sind findige Leute. Einige wählen den logischen Weg und sammeln sich in einem zweiten "inoffiziellen" FT8-Kanal. Vorzugsweise in der Nähe. Andere handeln nach der Devise "Auf die Dauer hilft nur Power:" In der Tat macht heute kaum einer mehr QRP in FT-8. Vorsichtige drehen die Kiste auf 50 Watt, in Sorge um die Gesundheit ihrer Endstufe. Weniger Bekümmerte machen auf volle Pulle und die, die schon auf dem Pausenplatz die Frechsten waren, schalten die Kilowatt-PA an.

Das ist sicher nicht im Sinne des Erfinders Joe Taylor. Aber wirksam ist es allemal. So kommt innert kürzester Zeit das DXCC zusammen und bald ist die ganze Welt im Kasten und der OM sucht verzweifelt nach Ländern die er noch nicht "gearbeitet" hat. Oder besser: die sein Computer noch nicht gearbeitet hat. Zweitverbindungen mit der gleichen Stationen ergeben keinen Sinn, gibt es doch nichts Neues zu erzählen. FT-8 Bekanntschaften oder sogar Freundschaften entstehen kaum. FT-8 ist eine hocheffiziente und minimalistische, aber im Grunde eine einsame Betriebsart. 

Trotzdem bedeutet sie nicht das Ende des Amateurfunks. Im Gegenteil. Sie ist eine Chance. 

FT-8 gibt jedem OM die Möglichkeit ferne Länder zu erreichen. Auch den so genannt Antennen-Geschädigten, also jenen, die keine langen Drähte  aufhängen, geschweige denn einen Tower mit Beam aufstellen können. Die ewig gestrigen Ausreden gelten heute nicht mehr. Mit FT-8 kann jeder mit kleiner Leistung und unscheinbaren Antennen mit der ganzen Welt Funkverbindungen tätigen. 

Eine Chance für Newcomer und Wiedereinsteiger. Eine Chance, die bei vielen Appetit auf mehr weckt. Zum Beispiel auf Funk draussen in der Natur: SOTA, POTA, WWFF. Oder auf die vielen anderen interessanten Nischen, die der Amateurfunk zu bieten hat: von Lang- bis Mikrowellen, vom Bausatz bis zur Software. Allein die Fantasie setzt den Aktivitäten im Äther Grenzen.

FT-8 war nicht die erste digitale Betriebsart im Amateurfunk. Und sie wird nicht die letzte digitale Betriebsart sein, die die Amateurfunkbänder erobert. Denn der Amateurfunk ist ein Experimental-Funkdienst. Neue Experimente kommen und verschwinden wieder. Der Amateurfunk lebt davon. 

Trotzdem hat auch er seine Konstanten und seine Nostalgie. Auch SSB und CW werden nicht verschwinden, wie so oft prophezeit. Genauso wenig wie AM im Flugfunk verschwinden wird. Lustigerweise findet zurzeit gerade eine Renaissance der Morsetelegrafie statt. Gerade QRP-Funker merken, dass CW dank seiner Effizienz und dem "Decoder/Encoder" im menschlichen Gehirn, die ideale Betriebsart für viele Aktivitäten ist. Und so macht sich manch ein SOTA-Aktivierer dran, auch diesen "Gipfel" zu ersteigen und lernt morsen.

vy 73 de HBFF-0021        

Samstag, 11. Juni 2022

Das magische Band

 


In der Technik gibt es jede Menge Magie, das heisst Dinge, die man nicht erklären kann. Während man beim magischen Auge genau weiss, wie es funktioniert, ist das magische 6m Band immer noch Gegenstand unterschiedlicher Theorien. 

Das 6m Band, in Europa früher als TV-Kanal benutzt, ist nun in den meisten Ländern für den Amateurfunk frei gegeben. Zum Teil mit Auflagen bezüglich Sendeleistung und Polarisation der Antennen. 

Zurzeit ist es gerade wieder sehr populär. Wie immer in den Monaten Mai/Juni erscheinen wie von Geisterhand sporadische E-Schichten in zirka 100km Höhe und reflektieren die 50MHz Signale wieder zurück zur Erde. Natürlich nicht nur die 50MHz Signale, sondern auch andere Frequenzen von Kurzwelle bis UKW, je nach Intensität dieser magisch sporadischen E-Schicht. Häufig profitiert auch das 10m/11m Band von diesem Zauber, selten das 2m Band.

Da die sporadische E-Schicht nicht so hoch ist, wie die F-Schicht (200 bis 400km) reichen die reflektierten Wellen auch nicht so weit wie beim regulären Kurzwellenverkehr über die normalen F-Schicht. Die Sprünge sind kürzer, in der Regel 800 bis etwa 2200km. 

Doch man muss ja nicht alles mit einem einzigen Sprung machen. Befinden sich mehrere sporadische E-Schichten zur richtigen Zeit am richtigen Ort, lassen sich mit mehreren Sprüngen viele tausend Kilometer überbrücken. Zum Beispiel von Europa in die Karibik oder nach Japan.

Doch das ist nicht die einzige Magie, die das 6m Band zu bieten hat. Es hat eine ganze Palette von Zaubertricks auf Lager. So eignet sich dieser Frequenzbereich auch besonders gut für Meteorscatter.

Diese Karte hier zeigt, was gerade im 50MHz Band läuft. Wie aus der Fusszeile der Karte zu ersehen ist, werden 14 möglich Ausbreitungsarten aufgezeigt. Jede hat ihre Eigenarten und in den meisten fällen ihre eigene Betriebstechnik. Eine Spielwiese für Spezialisten.

Doch für QSO's über die sporadischen E-Schichten braucht man kein Spezialist zu sein und man braucht auch keine grosse Antenne oder viel Sendeleistung. Auch hier aus dem Alpental sind Europa-Verbindungen möglich, obschon die Berge eine flache Abstrahlung des Signals begrenzen. Mein Icom Pro3 mit 100Watt und eine kleine Vertikalantenne draussen auf der Fensterbank der Funkbude sind alles was ich habe. Die Antenne besteht aus einer auf 1.5m verkürzten Angelrute, an der ein Stück Litzendraht angeklebt wurde. Als Gegengewicht muss das speisende Koaxialkabel herhalten. Eigentlich eine lächerliche Antenne, die nur ca. 20cm von der Hauswand entfernt ist. Mit etwas Schnippeln und einem Ferritkern als Mantelwellensperre auf dem Koax liegt das SWR bei 1:1. Natürlich ist das Stehwellenverhältnis kein Qualitätsmerkmal, wie wir wissen. Eine gute Dummy Load hat auch ein SWR von 1:1. 

Doch dank der Magie des 6m Bandes sind zurzeit QSO's in CW und SSB in alle Richtungen möglich. Trotz Berggipfeln und Hauswand. Dabei sind die Signale keineswegs schwach, wie man unter diesen Umständen vermuten würde. Stationen mit 59+ auf dem S-Meter sind keine Seltenheit.

Der CW-Betrieb spielt sich um 50.090 MHz ab, der SSB Betrieb um 50.150 MHz. FT-8 läuft auf 50.313 USB. Und ich kann mir vorstellen, dass gerade FT-8 zauberhafte DX-Verbindungen ermöglicht. Dank seiner Fähigkeit, Signale tief im Rauschen noch zu detektieren. Im Bereich 50.400 bis 50.500 sind sehr viele Baken angesiedelt. Vielleicht hörst auch du eine davon? Hier ist das ganze Jahr diese Bake zu empfangen. Viele Baken sind mit diesem Programm zu decodieren.

Ist die Zeit der Magie einmal vorüber, wird das 6m Band wieder still vor sich hin rauschen. Das ist schade. Es wäre nämlich auch ein tolles Band für kürzere Verbindungen via Bodenwelle und Troposcatter. Stationen, die ich von hier aus im 2m Band kontaktieren kann, sind in der Regel auch im 6m Band zu erreichen. Die Diffraktion (Beugung der Wellen) ist ausgeprägter als im 2m Band.      


Donnerstag, 2. Juni 2022

Das BAKOM gibt den Funkamateuren den Tarif durch

 


Wo Rauch ist, ist auch Feuer. Und so wird auch die neuste "Erklärung" des BAKOM's nicht aus dem blauen Himmel kommen. Unter dem Titel "Präzisierungen zur Konformität von Amateurfunkanlagen" wird wieder einmal gesagt, was erlaubt ist und was nicht. 

Interessanterweise wird dabei von Duldung gesprochen. Das heisst nicht unbedingt, dass das geduldete Tun auch erlaubt ist. Juristisch gesehen. In unserer Gegend duldet die Polizei zum Beispiel den hupenden Autokorso eines Hochzeitspaares, obschon solches Tun eigentlich verboten wäre.

So duldet das BAKOM den Privatimport von einzelnen Funkgeräten ohne CE Zeichen, bzw. ohne Konformitätserklärung durch HB9er, um damit zu funken, zu experimentieren und daran herumzubasteln. Ausser das Teil sei auf der Liste der verbotenen Geräte

Wenn die YL oder der OM das Gerät "eine Zeit lang gebraucht" hat und des Bastelns müde ist, kann er es sogar weiter verkaufen. Da scheint mir ziemlich viel Gummi, bzw. Goodwill in dieser Duldung.

Dieses Laissez faire gab es in der Vergangenheit nicht immer, und einige OM haben für solches Tun viel Geld bezahlt. Die werden sich jetzt vermutlich ärgern.

Soweit zur Duldung. Was das BAKOM aber gar nicht duldet ist folgendes: Der Import von nicht konformen Geräten mit dem Zweck des Wiederverkaufs. 

Ein Beispiel: Wenn also  OM Schlaumeier nicht konforme Geräte auf Aliexpress bestellt und sie dann auf Ricardo anbietet um einen Franken oder zwei zu verdienen. Das gibt Ärger. 

Soweit die Duldungserklärung des BAKOM. Im Prinzip eine freundliche Geste gegenüber den Funkamateurinnen und Funkamateuren. Aber auch ein Wink mit dem Zaunpfahl an die paar schwarzen Schafe. Nachzulesen im BAKOM Newsletter Nr. 429 von heute.   

Samstag, 28. Mai 2022

Icom's dunkle Bildschirme

 


Schon einige Besitzer eines ICOM IC746 haben damit Bekanntschaft geschlossen: Plötzlich wurde der Bildschirm des Gerätes schwarz. Wenn die Beleuchtung der LCD-Anzeige erlischt, wird es schwer, die Frequenz und andere Daten darauf zu erkennen. Auch beim Nachfolger IC7400 (Icom 746Pro in den USA) ist es nicht besser. Auch hier hängt das Damoklesschwert eines Blackouts über dem Operateur.

Nach der Entwicklung des Flaggschiffs IC781, der noch mit einer Kathodenstrahlröhre (CRT) arbeitete, wechselte ICOM auf eine andere Sorte Anzeigeflächen. Grosse LCD-Anzeigen wurden mit einer kleinen Leuchtstoffröhre beleuchtet (hinterleuchtet), im Volksmund oft noch Neonröhre genannt. Ein Diffusor (Zerstreuer) sorgt hinter der LCD-Anzeige für eine gleichmässige Ausleuchtung. 

Doch Leuchtstoffröhren arbeiten nicht mit 12 Volt Gleichspannung. Sie brauchen zur Zündung und zum Betrieb eine hohe Wechselspannung. Vorzugsweise im kHz-Bereich, sodass kein Flimmern die Augen stört. Alle ICOM Geräte nach dem IC-781 besitzen deshalb einen DC/AC-Wandler, der einige hundert Volt für die Leuchtstoffröhre der Anzeige abgibt. Vom IC-746 über die IC-756Pro-Serie, den neueren Flaggschiffen, dem halben Flaggschiff (IC-7700) bis zum IC-7410 und dem IC-9100. Erst die neusten ICOM-Transceiver besitzen eine LED-Beleuchtung.

Doch bei diesen DC/AC-Wandlern haben die Ingenieure offenbar etwas knapp gerechnet. Gerade bei den IC746/IC7400 geben sie ab und zu den Geist auf. Ungenügend gekühlte Transistoren, defekte Transformatoren, "müde" Elkos. Dummerweise gerade dann, wenn die Operateure denken, sie würden ihre Anzeigen schonen, wenn sie die Helligkeit möglichst weit zurückschraubten. Doch weniger helle Leuchtstoffröhren bedeutet mehr Wärme für den DC/AC-Wandler. Das Risiko steigt, den Hitzetod zu erleiden. Die Besitzer dieser Geräte sollten also möglichst die Helligkeit der Anzeige voll aufdrehen, um das Risiko zu senken. 

Bei späteren Geräten wurden die DC/AC-Wandler verbessert. Doch in der Pro-Serie (zum Beispiel IC-756Pro3) trat dann ein weiterer, unerwünschter Effekt auf: Die Anzeige brauchte ein paar Minuten, bis sie die gewünschte Helligkeit erreichte. Zwar wurde dieser Effekt im Handbuch beschrieben und als "normal" dargestellt. Doch die Geräte zeigten oft ein sehr unterschiedliches Verhalten. Bei einigen Besitzern wurde der Bildschirm sofort hell, andere brauchten zehn Minuten Anlaufzeit und beim Einschalten war der Schirm fast dunkel. So auch in meinem Fall. Dabei habe ich die Helligkeit bei meinem IC-756Pro3 aufs Maximum gedreht. Immerhin: nach ca. 10 Minuten leuchtet er fast so hell wie bei meinem IC-7700, der auf 50% Helligkeit eingestellt ist.


Doch das ist noch nicht alles. Mit den Jahren wird die Beleuchtung immer schwächer. Die Leuchtstoffröhren hinter dem LCD-Schirm haben eine begrenzte Lebensdauer (ca. 10'000h); genauso wie die Leuchtstoffröhren im Büro oder im Bad zuhause. Man muss sie dann auswechseln. 

Doch wie so oft bei vielen Ersatzteilen für unsere Transceiver: sie sind nirgends mehr aufzutreiben, wenn man sie braucht. Spezialanfertigungen eben.

Aber es gibt Hoffnung. Der Bastler mit sicherer Hand und guten Augen kann die winzige Leuchtstoffröhre hinter der Anzeige durch einen LED-Streifen ersetzen. Wie das gemacht wird, sieht man im folgenden YouTube Video:


Und damit das noch einfacher geht, gibt es aus den USA einen Umbausatz (LED conversion kit) mit einer sehr guten Schritt-für-Schritt Anleitung. Sie stammt von Scott W1NB. Seine Email ist: maxxlight@w1nb.

Auch wenn es bei mir noch nicht ganz soweit ist: ich habe mir präventiv ein solches Conversion Kit gekauft. Gewissermassen als lebensverlängernde Massnahme für meinen Pro3.


Bild zuoberst: Kaffee kochen in der Alphütte

       

Montag, 16. Mai 2022

Una nonnetta che va meglio di molti nipotini

 


Eine Grossmutter, die besser im Schuss ist als viele ihrer Enkel. Unter diesem Titel stellt IZ0FIB seinen alten ICOM IC-781 vor. Die Grossmutter der ICOM Flaggschiffe. Ein 23kg schweres Fossil aus der Vor-DSP Ära; aus einer Zeit als die meisten mit den Begriffen Internet und Smartphone noch nichts anfangen konnten.

Doch Halt! War dieser Transceiver wirklich das erste Flaggschiff von ICOM? Gab es nicht vorher bereits den IC-780? Dieses wunderschöne Gerät, das auf diesem Bild zu sehen ist:


 Den gab es natürlich auch, aber nur für den japanischen Markt. Mit einer gezähmten Endstufe. Der IC780 und der IC781 waren also - bis auf einige kleine Details - das gleiche Gerät. Auf dem Markt erschien es 1988. Das heisst, die Entwicklung startete irgendwann in der Mitte der 80er Jahre. Gebaut wurde es in erster Linie für den kommerziellen Markt. Doch fand es rasch auch Anklang bei den Funkamateuren. Im nächsten Bild sehen wir die Militär-Version des IC-781:


  Die Verwandtschaft ist nicht zu übersehen. Eigentlich schade, dass es diese helle Front für den Amateurfunk-Markt nicht gab. Ich finde sie ansprechender als das ewig gleiche Anthrazit der heutigen Transceiver. Aber helle Frontplatten entsprechen vermutlich nicht dem Geschmack der Funkamateure. Yaesu wagte mit dem FT-107M einen entsprechenden Versuch. Es gab den 107M sowohl in Anthrazit als auch in weiss. Doch scheint diese Farbwahl kein Erfolg gewesen zu sein. Die nachfolgenden Geräte erschienen wieder im dunklen Kostüm. 

Der IC-781 blieb nicht lange allein. Er bekam alsbald Konkurrenz der beiden anderen grossen Hersteller aus Japan. Yaesu lancierte den FT-1000 und von Kenwood gesellte sich der TS-950S zum Kränzchen der Grossmütter. Sie alle kamen noch ohne digitale Signalverarbeitung aus. Die Selektion in der Zwischenfrequenz erfolgte mittels Quarzfilter. Anstelle komplizierter Menüs gab es auf der Frontplatte Regler für alles, was der gewiefte SSB- oder CW-Operateur brauchte. 

Doch der IC-781 stellte alle in den Schatten, denn er verfügte über eine Spektrumanzeige. Nun konnte man nicht nur mit dem eingebauten Zweitempfänger nicht nur hören, was sich neben der eingestellten Frequenz tat, man konnte es auch sehen. Das Pileup beim Split-Betrieb zum Beispiel.

Mit dem IC-781 holte ICOM alles aus der Analogtechnik raus, was möglich war. Ausgezeichnete Empfindlichkeit und Selektion und einen guten Klang beim Empfang, gepaart mit einem Sender mit 150 Watt und einer einwandfreien SSB-Kompression. Das Netzteil war eingebaut, ebenso wie der Antennentuner. Zwar wurden damals noch keine SMD sondern bedrahtete Bauteile verwendet. Doch die Verarbeitungsqualität des komplexen Geräts war trotzdem sehr gut, was ihm ein langes Leben versprach. Das ist nicht selbstverständlich. Moderne Geräte, mit SMD Bauteilen bestückt, sind in der Regel zuverlässiger als die alten mit den bedrahteten Bauteilen. Denn sie werden nicht mehr von Hand bestückt und gelötet, sondern von automatischen Maschinen. Dadurch sind sie auch wesentlich günstiger in der Herstellung. Ein IC-781 wäre heute nicht mehr bezahlbar.

Apropos "bezahlbar": Der IC-781 wurde von Anfang an als Volloption verkauft. Das heisst: bestückt mit allen Quarzfiltern - auch den CW-Filtern. Gerade als Telegrafist weiss man, wie sehr Zusatzfilter ins Geld gehen können. Kauft man heute ein altes Gerät ohne die optionalen CW-Filter, muss man tief ins Portemonnaie greifen. Wenn das überhaupt möglich ist. Viele optionale Filter sind heute nicht mehr erhältlich. Ein Beispiel sind die Filter für die FT-817/818/857D von Yaesu.

Für die Telegrafisten hatte der IC-781 aber noch mehr zu bieten: Eine Full-Break-In Funktion vom Feinsten. Ohne lästiges Relaisgeklapper. Notabene auch heute noch ein Merkmal hochklassiger Transceiver. 

Ein schönes Detail ist übrigens das grosse S-Meter. Noch ein richtiges Drehspulinstrument. Mit S9 genau in der Mitte der Skala, wie es sein muss und wie es z.B. Elecraft nie begriffen hat. Gerade bei QRP ist ja die S-Skala von 1 bis 9 am wichtigsten, +60dB mehr als überflüssig. Das gleiche Messinstrument wurde u.a. auch im ICOM 765 eingebaut. Übrigens auch ein Enkel der Grossmutter.   

Doch wo Licht ist, ist auch Schatten. Ein IC-781 schafft es heute nicht mehr auf die vorderen Ränge der legendär-berüchtigten Sherwood Liste. Doch das ist für die meisten Funkamateure auch nicht relevant. Wichtiger ist, dass er so seine Macken hat. Und wie meistens sind dies Konstruktionsfehler.

So hat er unter anderem ein Temperaturproblem. Die Hitze stammt dabei nicht etwa aus der Endstufe. Die hat nämlich ausreichend Lüftungsschlitze und zwei kräftige Transistoren (MRF422), von der jeder alleine 150 Watt schaffen würde. Es ist das Netzteil mit seiner linearen Regelung und fehlenden Luftzirkulation, das Probleme schafft. Empfohlen wird als lebensverlängernde Massnahme deshalb der Einbau eines Lüfters.

Kummer könnte auch der Bildschirm verursachen- ein klassischer Kathodenstrahl Schirm (CRT). Vor allem wenn er jahrelang im Dauerbetrieb war. Dann könnten sich auf dem Schirm u.U. Einbrennspuren befinden. Die sind leider nicht mehr wegzubringen. Doch dieser Schönheitsfehler macht das Gerät nicht unbrauchbar. Immerhin ist der CRT ein Qualitätsteil von Toshiba. 

Des weiteren wird von AGC-Problemen berichtet. Doch für dieses gibt es eine Modifikation. Wer mehr über die Macken und deren Behebung wissen möchte, findet auf der Seite von IZ0FIB unter "Wartungsinformationen" einen Bericht von YO9FZS, der sich intensiv mit dieser "Grossmutter" auseinandergesetzt hat. Das Service Manual findet man übrigens bei qrzcq.

Einer, der sich auch mit dem IC-781 befasst hat, ist der ICOM-Papst Adam Farson, VA7OJ/AB4OJ. er nennt das gewichtige Fossil aber nicht Grossmutter sondern "King of Beasts". Wer sich für einen IC781 interessieret, der auch heute noch um die tausend Franken gehandelt wird - sofern artgerecht gehalten und gepflegt - sollte seinen Bericht unbedingt lesen.