Donnerstag, 22. September 2022

Magnetloop: Bauteile finden

 


Magnetloop Antennen selbst zu bauen ist kein Kunststück und setzt - neben etwas handwerklichem Geschick - keine speziellen Kenntnisse voraus. Doch wo findet man das passende Material? Wo den Kondensator? Wo Kupfer oder Kabel für die Loop?

Natürlich gibt der Baumarkt einiges her. Aber ist es wirklich eine gescheite Idee, Kupferrohrstücke im Oktagon mühsam zusammenzulöten? Und wo finde ich einen Drehkondensator mit grossem Plattenabstand?  

Das Herz einer Magnetloop-Antenne ist der variable Kondensator. Er muss hohe Spannungen und Ströme aushalten und sollte keine Schleifkontakte besitzen. Da bleiben neben exotischen Lösungen eigentlich nur Butterfly-Drehkos und Vakuum-Kondensatoren.

Gebrauchte Butterfly Kondensatoren sind auf dem Markt fast nicht mehr zu finden. Doch als Kit bekommt man sie von TA1LSX. Welchen Typ (Kapazität/Plattenabstand) man für welches Band und Leistung benötigt, lässt sich am besten mit einem On-Line-Rechner ermitteln. Zum Beispiel mit diesem da, oder dem hier. Die, die es genau wissen wollen, sind hier am richtigen Ort.

Seit dem Krieg in der Ukraine sind russische Vakuum-Kondensatoren rar geworden. Trotzdem lohnt sich eine Suche auf Ebay.com unter dem Stichwort "Variable Vacuum Capacitor". Eine gute Quelle ist auch MAX GAIN SYSTEMS. Diese Firma hat ein grosses Angebot von gebrauchten Vakuum Kondensatoren verschiedener Hersteller.

Den Loop aus Kupferrohr zu bauen ist eine Möglichkeit. Aber es ist einfacher, ein Stück Koaxialkabel zu verwenden. Ist es steif genug, formt sich der Ring praktisch von selbst. Man braucht dann nur noch eine Halterung aus Kunststoff oder Holz. Das bringt jeder Heimwerker auf die Reihe. Amateurfunk-Koax wie RG213 ist aber nur zweite Wahl und eignet sich vor allem für portable Loops. Zuhause sollte es etwas Dickeres sein: Kabel wie es die Profis benutzen. Denn je dicker, desto kleiner die Verluste. Elektrodump in Holland ist eine gute Quelle. Übrigens auch für Vakuum Drehkos. 7/8 Cellflex ist eine gute Hausnummer und kostet etwa 7 Euro pro Meter. Aussenleiter und Innenleiter sollten miteinander verbunden werden und mittels breiten Kupferstreifen mit dem Kondensator verbunden werden (Keine Litze!). Diese Verbindung ist kritisch und eine der grössten Verlustquellen bei vielen MagLoop. 

Koaxialkabel wie das 7/8 Cellflex ist nicht nur einfacher zum Bauen von Loops, es hat einen wichtigen Vorteil gegenüber dem Kupferrohr. Sein Mantel schützt vor einer unabsichtlichen Berührung während des Betriebs. Ist der Kondensator mit seinen Anschlüssen auch noch berührungssicher verpackt, kann eigentlich nicht mehr viel passieren. Dass man nicht den Kopf in den Loop halten sollte, während man mit 100W und mehr sendet, ist wohl auch dem DAU klar (dem Dümmsten Anzunehmenden User)

Für Kabel wie das 7/8 Cellflex findet man passende Klemmen u.a. auf Ebay.com. Das Suchwort heisst "Stauff Clamps". Für das 7/8 Kabel braucht es Klemmen mit 28mm Innendurchmesser. Damit lässt sich der Ring gut fixieren. Eine solche sieht man rechts im Bild:


Einen Vakuum-Kondensator will man nicht von Hand einstellen. Sie brauchen zwischen 20 und 30 Achsumdrehungen vom Minimum zum Maximum und sind nicht leichtgängig. Ein einfacher 12V DC-Motor mit einem Schneckengetriebe und anschliessender Untersetzung ist die einfachste Lösung für diesen Zweck. Links im Bild sieht man einen Getriebemotor mit 2 Umdrehungen pro Minute. Betreibt man den mit 24V anstatt 12V dreht er fast doppelt so schnell, ohne dabei kaputt zu gehen. Beim Bandwechsel ist so ein Schnellgang praktisch. Mit einem kleinen Up-Converter Modul aus China kann man für diesen Zweck aus 12Volt 24 Volt machen. Stichworte bei der Suche auf Ebay.com sind "Step up Converter" oder "Step up Boost Converter". Auch die Getriebemotoren findet man auf Ebay. Stichwort "Gear Motor Worm Drive". 

Zwischen dem Motor und der Stauff Klemme ist ein weiteres unverzichtbares Teil zu sehen: Eine isolierte Ausgleichswelle zwischen Motor und Vakuum-Drehko. Am Drehko herrscht Hochspannung - einige Kilovolt - gleichzeitig muss für etwaige Ungenauigkeiten in der Achsausrichtung ein flexibler Ausgleich geschaffen werden. Die meisten Wellenkupplungen sind leider nicht oder nicht genügend isoliert. Mit der im Bild habe ich die besten Erfahrungen gemacht. Sie hat keinen Backlash, genügend Isolation und ist flexibel genug. Stichwort ist "Concave elasticity Coupling". Für die Adaption unterschiedlicher Wellendurchmesser muss eventuell noch eine Wellenkupplung (Shaft Coupling) zwischengeschaltet werden, da Vakuum-Kondensatoren mit ziemlich dicken Wellen daherkommen.

Das sind die wichtigsten Teile für den Bau einer Magnetloop-Antenne. Die Koppelschleife wird aus einem beliebigen Koaxialkabel gebaut. Anleitungen dazu findet man zur Genüge im Web. Zum Bespiel auf Frank's Homepage.  Ich empfehle auch die Zusammenfassung von VK2KLT zu lesen. Meines Erachtens einer der kompetentesten Experten auf diesem Gebiet. 

Bild: Mit dem Kanu im Gorge du Verdon unterwegs. Dem grössten Canyon Europas.

 


Mittwoch, 21. September 2022

IC-9700: Batterie tot

 


Wenn man einen Icom IC-9700 besitzt, sollte man nicht in die Ferien gehen und das Gerät ohne Strom zuhause lassen. Wenn das Teil schon etwas älter ist, kann es passieren, dass sich Zeit und Datum verändert haben. Nicht weil der Transceiver während der Abwesenheit durch einen Raum-Zeit-Riss geschlüpft ist, sondern weil in der Zwischenzeit seine Uhrenbatterie gestorben ist. 

Wie kann das geschehen? Ist diese Batterie so kurzlebig? Eigentlich nicht, denn es ist keine Batterie sondern ein kleiner Akku. Betreibt man das Gerät ohne lange Unterbrüche, so wird er immer wieder aufgeladen. Doch wird der Unterbruch zu lang, wird der Akku total entladen. Solche Tiefentladungen mögen Akkus nicht. Sie können daran sterben. Auf jeden Fall verkürzen sie die Lebensdauer des Akkus dramatisch. 

Der IC-7300 hat genau das gleiche Problem, bzw. die gleiche Schaltung mit demselben Mini-Akku. Hier habe ich darüber geschrieben und gezeigt, wie man dieses Problem lösen kann: Man baut eine grosse Lithium Knopfzelle anstelle des Akkus ein. Vorzugsweise mit einem Batteriehalter, sodass man sie in Zukunft einfach auswechseln kann.

So habe ich denn frohen Mutes und voller Tatendrang den unteren Gehäusedeckel des IC-9700 aufgeschraubt um seinen Akku durch eine C2032 Batterie auszutauschen. Doch was haben meine hölzernen Glasaugen entdeckt? 

Eine riesige Abschirmfläche über der Stelle, an der der Akku sein sollte. Er lugte gerade noch so unter dem Rand hervor. Unerreichbar für noch so geschickte Hände und Lötkolben. Zudem war die Abschirmung an X Stellen fest eingelötet. Mit Lötstellen auf der Unterseite der Platine. Das hätte eine grosse Zerlegung bedeutet: Ausbau der Platine und Auslöten der Abschirmung.



Also gab es grundsätzlich zwei Möglichkeiten: "Grosse Zerlegung" oder bleiben lassen und die falsche Zeitanzeige ignorieren. 

Ich habe mich für eine dritte Möglichkeit entschieden: Brutaler Eingriff am Patienten mit Todesrisiko. Durchtrennen der Abschirmung am Rand, unter dem der Akku liegt, und Aufbiegen des Abschirmbleches. 

Der Rest ging dann ganz einfach: herausoperieren des Akkus, anschliessen eines Drahtes an den Pluskontakt und Installation eines Batteriehalters. Dieser wurde mit doppelseitigem Klebeband auf eine benachbarte Abschirmung geklebt, wo auch gerade der Minus (Masse-) Kontakt angelötet wurde. Anschliessend: zurückbiegen des Abschirmblechs und an den durchtrennten Stellen wieder verlöten.

Auf eine zusätzliche Diode in Serie mit der Batterie habe ich verzichtet. Eine Diode ist ja bereits in der 3V-Speisung des Uhren IC's verbaut. Sollte beim Absinken der Batteriespannung unter ca. 2.7V diese über den 3k3 Widerstand etwas "gepuffert" werden, ist das kein Unglück und kein Grund für eine Explosion. 

Trotz der Delle im Abschirmblech funktioniert der IC-9700 wieder bestens auf allen Bändern und in allen Modulationsarten. 


 Trotzdem kann ich diese Operation nicht weiterempfehlen. Es muss damit gerechnet werden, dass der Patient nicht mehr aus der Narkose aufwacht.

Hier noch die Uhrenschaltung mit der Akkuspeisung:


Bild zuoberst: Einfahrt mit dem Elektroboot in die Verdon-Schlucht bei Quinson Richtung Lac d'Esparron.  
 

 


Dienstag, 20. September 2022

Batteriefunk

 


Kürzlich fand in der Schweiz wieder ein "Notfunk-Contest" statt. Im 80m Band und auf VHF/UHF - auch über Relaisstationen. So konnten auch ein Handybesitzer mitmachen. Ob die Relaisstationen auch vom Stromnetz unabhängig sind oder mindestens über eine USV verfügen, weiss ich nicht.

Dass nur das 80m Band berücksichtigt wurde, verstehe ich nicht. Ich erinnere mich daran, dass für die Freigabe des 60m Bandes mit dem Argument des Notfunks geworben wurde. Es ist ein ausgezeichnetes NVIS-Band. Klein aber fein. Bei den zurzeit herrschenden Funkbedingungen könnte aber nicht nur das 60m Band für NVIS-Verbindungen nützlich sein. Oft liegt jetzt die MUF für NVIS über 7MHz und das 40m Band bietet daher ausgezeichnetes Bedingungen. Oft wesentlich bessere als das 80m Band, das zurzeit tagsüber bescheidene Bedingungen bietet.

Wie dem auch sei. Der essenzielle Aspekt einer Notfunkübung ist die Stromversorgung. Man muss seine Funkstation also mit Batterien oder einem Akku betreiben.

Wer gewohnt ist, dass der Strom aus der Steckdose kommt und kein Prepper ist, greift da rasch mal zu einer Autobatterie. Doch das ist ein Kurzschluss. Autobatterien sind für Fahrzeuge konzipiert und nicht für die Bedürfnisse einer Funkstation. Sie müssen für den Anlasser eines Autos für einige Sekunden heftig Strom abgeben und werden sodann wieder durch die Lichtmaschine geladen und gepuffert. Zyklenbetrieb mögen sie nicht. Tiefentladung schon gar nicht. Besser sind Bleigel-Akkus wie sie in USV (Unterbrechungsfreie Strom Versorgungen) eingesetzt werden. Zurzeit sind Bleigel-Akkus sehr günstig zu bekommen und bringen mehr Watt pro Franken/Euro als die neuen LiFePo4-Akkus. Natürlich sind sie schwerer als letztere, doch für den Shack spielt das keine Rolle. Sie lassen sich auch gut parallel schalten, wenn man einige Regeln beachtet.

Auf der Webseite von DL4NO erfährt man über dieses Thema alles was man wissen muss.

Die Entwicklung neuer Akkumulatoren befindet sich in voller Fahrt und in den nächsten Jahren wird da noch viel passieren. Auch preislich. Da scheint mir die Strategie "Bleigel und abwarten" keine schlechte zu sein. Und natürlich auch eine kompromisslose QRP-Station. Empfänger, die 0.5 bis 1A Strom ziehen, sind ein schlechter Witz. Zudem sind unsere 100W Transceiver furchtbar ineffizient, wenn man die Leistung runterregelt. Auch mögen sie es ganz und gar nicht, wenn die Spannung beginnt, unter 12V zu sinken.  

SSB und CW sind besser als FM oder gar digitales Gebrösel. Und ja: FT8 ist keine Notfunk-Betriebsart ;-)  

   

Bild: Unterwegs im Gorge du Verdon bei Quinson.

         

Sonntag, 18. September 2022

Meine neue Mikro-Matchbox

 




Die Direktion unserer Anstalt hatte mir Ende August einen Insassenurlaub genehmigt und so bin ich frohen Mutes für eine Weile in die Provence gezogen. Darum meine Blogpause. "Du brauchst mal etwas anderes als deine Funkerei", sagte die Direktorin bei meinem Urlaubs-Gespräch. Als ich sie daraufhin irritiert anblickte, meinte sie: "Zum Beispiel etwas kulturelle und sportliche Betätigung."

So fuhr ich denn nach Esparron-le-Verdon, ein verlorenes Nest an einem See, mitten im Nirgendwo. Die Touristik-Saison war gerade vorbei und die meisten Touristen waren mit ihren Zelten, Wohnmobilen, Kindern und dem ganzen Gerümpel wieder nach Hause gezogen. 

Trotzdem konnte ich allerlei kulturelle Veranstaltungen geniessen. Morgens nach dem Brot-Holen ein Pastis im Bistro, dazu interessante Gespräche mit den Einheimischen. Gegen Mittag Apero mit Rosé de Provence im Hafen. Dann ein Bummel über den Markt im Nachbardorf, wo ich allerhand Dinge erstand, die ich vermutlich nie brauchen werde. Gegen Abend eine Partie Boule auf dem Dorfplatz und anschliessend ein ausgiebiges Nachtessen mit einer Flasche Chateauneuf-du-pape oder Gigondas. Auch die sportliche Betätigung kam nicht zu kurz, da man auf dem Lac d'Esparron Elektroboote mieten und damit umhergondeln konnte. 

Auch wenn ich diesmal keinen Funk dabei hatte: ein Besuch der nahegelegenen Antennenanlage von Radio Monte-Carlo war eine willkommene Abwechslung (siehe Bilder oben). Die Antennen liegen auf dem Gebiet von Roumoules in der Nähe von Riez. Die drei Masten mit einer Höhe von je 330m sendeten bis zum 28. März 2020 mit bis zu 2400 Kilowatt auf der Frequenz 216 kHz: einer der stärksten Langwellensender Europas. Die Hauptstrahlung erfolgte dank phasenverschobener Einspeisung der Masten in Richtung Bretagne. Der Sender war aber nicht nur in Frankreich, sondern weit darüber hinaus und damit auch in der Schweiz gut zuhören. Wie man sieht, stehen die Masten auf einem einzelnen Isolator und werden nur durch die isolierte Abspannung gehalten. Als Gegengewicht dienten Kupferleitungen mit einer Gesamtlänge von 200km, die in 80cm Tiefe vergraben sind.

Die kleineren Masten, die in der Ferne noch knapp erkennbar sind, strahlen das religiöse Programm des Senders Trans World Radio auf 1467 kHz ab.

Bei meinem nächsten Ausflug aus der Anstalt werde ich wieder einen Transceiver mitnehmen. Ohne Funk macht das Leben nur halb soviel Spass. Einer meiner QRP-Transceiver wird sicher noch in den Koffer passen, zusammen mit ein paar Metern Draht und einer Matchbox, die diesen anpassen kann. Eine Magnetloop bräuchte zwar keine Matchbox, aber ich möchte zwischendurch wieder einmal mit einem Draht funken!

Damit das gelingt und die Matchbox nicht grösser ist als der QRP Transceiver, habe ich ganz tief in meiner Bastelkiste gegraben und mir das Material angeschaut, das den Umzug der Anstalt vom Flachland in die Berge überlebt hat. Daraus ist nun ein Kästchen entstanden, das fast jeden beliebigen Draht vom 80m bis zum 10m Band anpassen kann. Mit möglichst wenig Verlusten, versteht sich. 

Mein Mikro-Match ist ein manueller Pi-Tuner. Er besteht im wesentlichen aus einem Kondensator gegen Erde beim Sendeanschluss, einer seriellen Induktivität und einem Kondensator gegen Erde am Antennenanschluss. Da Pi-Tuner grössere Kapazitäten als T-Tuner benötigen, musste ich etwas in die Trickkiste greifen. 

Der Eingangskondensator ist ein Rundfunkdrehko mit zweimal 500pF, wie man ihn aus älteren Transistorradios kennt. Die beiden Plattenpakete sind zusammengeschaltet. Die 1000pF reichen aber nicht in allen Fällen aus. Deshalb lassen sich wahlweise 1nF oder 2nF zuschalten: mit einem Kippschalter mit offener Mittelstellung. 

Der Eingangskondensator bekommt im Betrieb keine allzu hohe Spannung ab. Deshalb genügt der kleine Plattenabstand des Rundfunkkondensators. Ganz anders sieht es beim Antennenkondensator aus. Dieser muss bei kurzen Antennen eine hohe Spannung aushalten. Hier hatte ich nur einen 150pF Drehko mit grossem Plattenabstand zur Verfügung. Daher lassen sich über einen 6poligen Drehschalter Kapazitäten von 150pF bis 750pF zuschalten. Sie vergrössern den Abstimmbereich des Ausgangskondensators bis auf 900pF. Natürlich müssen auch die Zuschalt-Kondensatoren spannungsfest sein. Darum wurden hier 500V Glimmerkondensatoren eingesetzt. Das sollte auch für mehr Leistung als die üblichen 5W einer QRP-Station genügen, wie ich feststellen konnte. 

Nicht nur die Drehkos kommen mit ihren Kapazitäten zuweilen an ihre Grenzen, auch die Spule verlangt bei kurzen Antennen  nach hohen Induktivitäten. Meine variable Toroidspule hat maximal 6,6uH. Mit einem Kippschalter mit Ruhestellung in der Mitte lassen sich eine oder zwei zusätzliche Induktivitäten von je 6,6 uH zuschalten. Insgesamt deckt der Tuner damit 19,8 uH ab. 

Eine Matchbox ohne SWR-Schaltung ist aber nur die halbe Miete. QRP-Transceiver haben meistens keine eingebaute SWR-Brücke. Damit ich nicht noch ein zusätzliches Messgerät mitnehmen muss, habe ich dieses in das Kästchen eingebaut. 

Durch all die Zusatzschaltungen ist die Bedienung etwas "gewöhnungsbedürftig" geworden. Vier Knöpfe, drei Kippschalter, zwei davon mit Mittelstellung. Ein solcher Tuner liesse sich nicht verkaufen. Und schon gar nicht zu einem vernünftigen Preis herstellen. Doch für mich ist dieser Prototyp genau das, was ich beim Portabelbetrieb brauche. Effizient und klein und für mich als Erbauer ohne Manual bedienbar. 

Trotzdem: Meine Mikro-Matchbox hat ihre Grenzen. Vergleichen wir die einstellbaren Kapazitäts- und Induktivitätswerte mit dem populären automatischen Antennentuner CG3000, der übrigens ein sehr guter, zuverlässiger und preisgünstiger Auto-Tuner ist: 

Meine Mikro-Matchbox kann auf der Eingangsseite maximal 3nF einschalten, der CG-3000 schafft mehr als das Doppelte: 6300pF. Auf der Ausgangsseite kann die Matchbox maximal 900pF aufschalten, der CG-3000 755pF: beide sind hier also etwa gleichwertig. Die Induktivität der Matchbox schafft knapp 20uH während die Induktivität des CG3000 bis 32uH gehen kann. In einigen Fällen, d.h. bei bestimmten Drahtlängen, hat der CG-3000 also immer noch die Nase vorne. Aber das betrifft vor allem das 160m Band.  

Beim Test konnte das Gerät einen 7m Draht auf allen Bändern von 80 bis 10m auf ein SWR von nahezu 1:1 abstimmen. Die Mikro-Matchbox vertrug dabei nicht nur die QRP-Leistung von 5W, auch die 100W des Stationstransceivers liessen sie kalt. Als Gegengewicht wurden für den Test zweimal 10m Draht auf dem Boden ausgelegt. Im folgenden Bild ist die Mikro-Matchbox im Verglich zu einem meiner älteren Tuner zu sehen. Sie ist weniger als halb so gross.


Noch ein Wort zur Bedienung von Pi-Tunern: Ist die Antennenimpedanz tiefer als 50 Ohm, stimmt man mit der Serie-Induktivität und dem Ausgangskondensator wechselseitig auf bestes SWR ab. Das ist bei allen Antennen der Fall, die kürzer als ein Viertel Wellenlänge sind. Bei hohen Impedanzen, also in der Regel bei zu langen Antennen, stimmt man mit der Serie-Induktivtät und dem Eingangskondensator ab. Ggf. muss der Ausgangskondensator zusätzlich abgestimmt werden um ein SWR von 1:1 zu erzielen.

Hier noch das Schema meiner Mikro Matchbox:


Als Eingang für den Transceiver dient eine BNC-Buchse. Ebenfalls als Antennenausgang. Zusätzlich stehen beim Ausgang Bananenbuchsen für Antenne und Erde zur Verfügung.

Und hier noch die Schaltung für die SWR-Brücke:



     

Montag, 5. September 2022

Transceiver kaufen?

 


Welchen Transceiver soll ich als Newcomer oder Wiedereinsteiger kaufen? Auf was muss ich achten?

"Das kommt auf die individuellen Bedürfnisse und Vorlieben an", wäre eine mögliche Antwort. Doch das hilft dem Newcomer nicht weiter. Wie soll er seine Interessen kennen, wenn er noch nie gefunkt? Wird er sich der grossen digitalen Gemeinschaft anschliessen und die Welt via FT-8 erkunden? Wird er Freude am Sprechfunk finden? Wird er gerne mit Kollegen aus der Nachbarschaft plaudern oder das seltene DX suchen? Wird er Gefallen am VHF/UHF-Funk finden oder an der Kurzwelle?

Darum gibt es eigentlich nur eine vernünftige Antwort für den Neuling: "Kauf dir zu Beginn eine Kiste, die alles drin hat." So kann man eigentlich nichts falsch machen. Leider ist die Auswahl äusserst bescheiden, gibt es doch nur zwei Transceiver auf dem Markt, die dieses Kriterium erfüllen: Denn FT-991A von Yaesu und den ICOM IC-7100. Beide sind gute und bewährte Geräte und befinden sich preislich im gleichen Bereich. Der Yaesu ist der jüngere der beiden. Das zeigt sich an seinem farbigen Display und der Wasserfallanzeige. Wer also nicht ein ausgesprochener "Pult-Fan" ist, sollte zum Yaesu greifen. Punkt Schluss, damit ist der Kuchen gegessen.

Nicht ganz: Wenn ich nämlich hauptsächlich draussen in der Natur unterwegs bin und zuhause keine Antenne aufstellen kann/möchte, kommt noch der IC-705 von Icom in Frage. Zwar ist es ein QRP-Gerät, doch sollte ich später zur Erkenntnis gelangen, dass das Leben zu kurz ist für QRP, kann ich mir immer noch eine Endstufe zulegen. Vom Yaesu FT-818 rate ich ab. Das Gerät ist hoffnungslos veraltet. 

Ich rate dem Newcomer davon  ab, ein Occasion Gerät zu kaufen, weder auf dem Flohmarkt noch im Internet. Manche Geräte haben Macken - darum werden diese verkauft - und viele sind überteuert. Ich habe noch selten ein gebrauchtes Gerät gekauft, das kein Problem hatte, das ich nicht beheben musste. Und bei mir sind sehr viele über den Stationstisch gewandert. 

Später, als erfahrener Funker, wenn man vieles ausprobiert und erforscht hat, ist die Suche nach einem passenden Transceiver einfacher. Man weiss was man will und braucht keine eierlegende Wollmilchsau mehr. 

Natürlich hat man bereits alle möglichen Testberichte gelesen, hat bei Eham oder in diversen Foren die Kommentare der Benutzer gelesen. Auch das Manual hat man bereits heruntergeladen und das Gerät der Begierde bereits an der Hamradio in Friedrichshafen oder beim Funkhändler in Augenschein genommen und damit herumgespielt. 

Müsste ich heute einen neuen KW-Transceiver kaufen, würde ich auf folgendes achten: 

Vor allem auf die Ergonomie: Alle Regler, die ich häufig benutze, sollten am "richtigen" Ort sein. HF/RF-Regler als Rechtshänder unten, links vom Abstimmknopf. Der Leistungsregler direkt und ohne Zwischenschritte bedienbar, ebenso die Einstellung für die CW-Geschwindigkeit. Ebenso der RIT. Die Filter sollten direkt und ohne Menue umschaltbar sein. Und natürlich sollte das Gerät über eine Wasserfall-Anzeige verfügen. Das sind natürlich die spezifischen Anforderungen eines Telegrafisten und Benutzer einer Magnetloop-Antenne. Andere Betriebsarten - andere Vorzüge.

Zu viele Regler und Knöpfe auf der Frontplatte möchte ich jedoch nicht. Ich möchte ja nicht bei jedem QSO eine Checkliste abarbeiten wie ein Pilot. Ein Negativ-Beispiel ist m.E. der TS-990S von Kenwood. Das Teil ist m.E. ein Overkill und alles andere als eine Schönheit. Der jüngere TS-890S würde ich jedoch in die engere Wahl ziehen. 

In Frage käme auch ein Flexradio 6400M oder 6600M auch wenn bei diesen die Ergonomie nicht meinem Geschmack entspricht. Doch eine Kiste ohne Frontplatte, bei der ich noch einen Computer dazu bräuchte, käme nicht in Frage. Mein PC ist ausgelastet. 

Auch ein Yaesu FTDX-101MP käme in die engere Auswahl. 200 Watt Output mit einem eingebauten Netzteil ist ein stichhaltiges Argument.  Darum schätze ich ja auch meinen IC-7700.

Elecraft würde ich wohl nicht in Betracht ziehen. Mir passt bei diesen Geräten das S-Meter nicht. Die Skala ist m.E. falsch proportioniert mit der S9-Marke beim ersten Drittel. Aber ich geb's gerne zu: Ich bin ein S-Meter Fetischist und S-Spanner und liebe nichts mehr, als dem Tanz dieses famosen Instruments zuzugucken. 

Ach ja, beinahe hätte ich es fast vergessen: Was ich bei der Evaluation eines neuen KW-Transceivers sicher nicht tun würde: mich auf die irreführende und einseitige Sherwood-Liste zu verlassen. Heute sind alle Top-Transceiver mehr als gut genug für die meisten OM.  

Bild oben: wer hoch steigt, kommt auch immer wieder runter.     

Mittwoch, 31. August 2022

Wo sind all meine Matchboxen geblieben?

 



Da ich nun zwei QRP-Transceiver besitze - den QCX+ für 40 und den Eigenbau 80m - möchte ich auch mal draussen in der Natur funken. Doch zurzeit fehlt mir noch die passende Antenne. Eine portable Magloop wäre natürlich fein, aber auch ein Wurfdraht und ein paar Meter Gegengewicht am Boden würde zu Beginn sicher reichen. Dazu brauche ich aber eine Matchbox. 

Wo sind eigentlich all meine Matchboxen geblieben? Habe ich alle verschenkt, verkauft, ausgeliehen und nie zurückbekommen? Einzig diese da hat den Umzug in die neue Anstalt geschafft. Doch ich mag keine Matchboxen, die viel grösser sind als der Transceiver. Und die hier, habe ich in einem Ricardo-Anfall zusammen mit meinem IC-817 verkauft. Notabene mit CW-Filter.

Wie dem auch sei. Es ist an der Zeit, eine neue zu bauen. Eine QRP-Matchbox, klein und leicht, die jeden beliebigen Draht an den Sender anpassen kann. 

Schaltungen findet man im Internet jede Menge. Doch keine Matchbox ist so gut wie die Mutter aller Anpass-Schaltungen: das PI-Glied. Sie hat nur einen Nachteil: die Induktivitäts- und Kapazitätswerte steigen rasch in bedenkliche Höhen. Weit entfernt von gängigen Rollspulen und Drehkondensatoren. Darum arbeiten die meisten Matchboxen mit den weniger effizienten T-Schaltungen. Den käuflichen Automatiktunern ist das jedoch wurscht. Sie verwenden zwar auch die bessere PI-Schaltung, doch sie kombinieren Kondensatoren und Induktivitäten in Sekundenschnelle mittels Relais. Das kann zwar ein Mikroprozessor aber kein analog arbeitender Operateur.

Doch wozu hat es Schalter in der Bastelkiste? Ist die Rollspule am Ende und der Drehko am Anschlag, kann der gewiefte OM mit einem Schalter-Click den Bereich um eine Festinduktivität oder Festkapazität erweitern. 

Apropos Rollspule. Ich hasse diese Dinger. Man braucht dazu einen Rundenzähler und wenn es mal drauf ankommt, ist der Schleifkontakt unzuverlässig. Wer das Glück hat, einen ELNA-Drehschalter in seiner Bastelkiste zu finden, hat eine bessere Alternative. Aus dem vielpoligen Drehschalter wird mithilfe eines Ringkerns eine Abgriffspule.

In eine portable Matchbox gehört auch eine SWR-Schaltung. Eine Erkenntnis, die sich bei mir erst mit dem Alter eingefunden hat. Natürlich erfindet man die nicht, sondern man findet sie: in den Tiefen des Internets:

 


   Wie man hier sieht, muss man sie nicht einmal selbst bauen. Man kann das Teil auch kaufen: bei Kits und Parts. Dort gibt es noch viele andere nützliche Teile für den QRP-Bastler. Die Funktionsweise dieser Art Stehwellenbrücke wird hier im Detail beschrieben. Und hier eine dieser so genannten Sontheimer Brücken für Langwelle von Iacopo HB9DUL


Bild: Das Grossmutterloch in den Gastlosen.

Mittwoch, 24. August 2022

Magnetloop gegen L-Indoor-Antenne

 


An der Magnetloop Antenne scheiden sich die Geister der OM. Oft kaum gekauft, landet sie daher wieder auf dem Internet. Zugegeben: Für "Über-Band-Dreher" ist sie nix. Wer möchte seine Antenne schon bei wenigen kHz QSY nachstimmen müssen? Natürlich gibt es da auch automatische Lösungen: doch sie drücken schwer aufs Portemonnaie und das Ham-Budget schreibt dann rote Zahlen.

Keine Frage: Wer einen Draht aufhängen kann, ob EndFed oder Dipol, braucht sich nicht mit einer Magloop abzuplagen. Es besteht schlichtweg keine Notwendigkeit eine solche Antenne zu kaufen oder zu bauen.

Die Magnetloop ist eine Nischen-Antenne. Für einige OM ist sie die letzte Hoffnung und für gewisse Anwendungen eine gute Alternative. Zum Beispiel für Outdoor QRP-Aktivitäten für 10 bis 40m. Für das 80m Band wird sie zu unhandlich und der Wirkungsgrad ist schlecht. Eine kleine Loop im Feldeinsatz hat zwei grosse Vorteile: Sie braucht keine Höhe. Ein Fotostativ reicht. Dabei kann der Operateur die Abstimmung bequem vom Campingsessel aus erreichen. Er sitzt dabei meist seitlich im Null des Richtdiagramms. Der zweite Vorteil ist der Abstrahlwinkel: Eine vertikal in Bodennähe montierte Magnetloop deckt alle Elevationswinkel ab. Sie strahlt von flach bis steil. Und so ist sie ideal für Kurz- und Weitverbindungen. Ein Vorteil, der sich vor allem im 40m Band auszahlt. Je höher der Abstrahlwinkel, desto mehr verschwindet ihr Richtcharakter und ab ca 70 Grad wird sie zum Rundstrahler. Das ist praktisch.

Bei QRP muss der Operateur keine Bedenken wegen der Hochfrequenzstrahlung haben. Sein Handy am Ohr ist nach wie vor die stärkste HF-Quelle in der Nähe seines Gehirnkastens. Doch Vorsicht beim Berühren blanker Teile in der Nähe des Abstimmkondensators. Die HF-Hochspannung beisst heftig. Auch bei QRP. 

Kürzlich habe ich unter Dach eine kurze Draht Antenne montiert. Eine Inverted L mit 4m Vertikalteil und nur 12m lang. Aber im Zick-Zack und deshalb liegt die Resonanzfrequenz bei ca. 5 MHz. Drahtantennen im Haus sind zwar ein Graus. Sie saugen dass ganze QRM des China-Schrotts begierig auf und ärgern XYL und Nachbarn gerne mit Störgeräuschen aus allen möglichen Lautsprechern und lustigen Schleiermustern auf Bildschirmen.

Doch ausser ein paar kurzen Versuchen habe ich keine Aussendungen mit dieser Antenne geplant. Sie dient als Vergleich mit meiner Magnetloop-Antenne. Die Frage lautet: welche Antenne ist besser? Auf welchem Band, über welche Distanz und bei welchen Bedingungen? Dazu reicht es, das Signal auf einem entfernten Web-SDR zu beobachten. Davon gibt es ja recht viele, vor allem in Europa. Eine Übersicht bietet diese Seite hier. Ein erster Test nach Sonnenuntergang im 160m Band brachte gleich eine Überraschung: Sowohl in Belgien wie auch in Tschechien schenkten sich meine 1.65m Magnetloop und die kleine L-Antenne nichts. Beide waren gleich gut. Natürlich war mein 50 Watt Signal schwach und das S-Meter der Web-SDR kletterte nur eine oder zwei Stufen über das QRM, doch für CW reicht das allemal. 

Die abgestrahlte Leitung meiner Magnetloop schätze ich im 160m Band auf ca. 1%. Die Unterdach-Draht-Antenne dürfte ebenfalls in diesem Bereich liegen. 500mW abgestrahlte Leistung im 160m Band scheint sehr wenig zu sein. Aber ich denke, dass viele OM nicht mehr als 10 bis 20% aus ihren 160m Antennen rausbringen. Einige dürften ebenfalls im einstelligen Prozentbereich liegen. Die effektiv abgestrahlte Leistung unserer Antennen auf den längeren Amateurbändern wird m.E. oft überschätzt. Cracks ausgenommen, haben die meisten ja Kompromissbesen im oberen Mittelwellenband.

Weitere Versuche werden diesen Winter folgen. Wegen meiner Lage, die eher NVIS und Europa-Betrieb als DX zulässt, interessieren mich besonders die Bänder 80, 60 und 40m.

Natürlich beeinflussen sich die Magnetloop und die L-Antenne gegenseitig. Um eindeutige Ergebnisse zu erhalten, muss ich die nicht beteiligte Antenne jeweils verstimmen. Allerdings bin ich nicht ganz sicher, ob sie sich wirklich gegenseitig Energie stehlen und dabei in Wärme umsetzen.

Interessant war auch der Vergleich der beiden Antennen bei Empfang: Entgegen meinen Erwartungen war der QRM-Pegel bei beiden etwa gleich, genauso wie die paar Signale, die an diesem Abend das Band zu bieten hatte.

Kürzlich ist mir ein lustiges Teil über den Weg gelaufen: Ein Power Kompensator für Magnetloop Antennen von Chameleon. Er soll die Abstrahlung einer Magnetloop um den Faktor 2,5 verstärken. Das ist wohl sowas wie ein Erdstrahlschirm oder links gedrehtes Wasser. Leider habe ich nicht 100$ für dummes Zeug in meinem Budget, denn ich würde gerne so ein Teil aufsägen und reingucken.

Wie auch immer: Wer eine Magloop selber machen will, sollte sein Geld lieber in einen guten Vakuum-Kondensator investieren und zum dicksten Kupferrohr greifen, das er finden kann.