Sonntag, 12. Juli 2020

Yaesu FTM-7250DE



Die Zeiten, in denen ich mobil QRV war, sind zwar passé. Aber so ein Mobilgerät für VHF/UHF ist ganz praktisch, wenn man einen Standby-Kanal laufen lassen will. So bleibt die grosse Kiste frei für Aether-Wanderungen. Separate Antennen vorausgesetzt.
Deshalb habe ich mir kürzlich eines dieser praktischen Teile zugelegt: ein Yaesu FTM-7250DE.

Das Kästchen erfüllt meine wichtigsten Ansprüche:

1. Es ist günstig. < CHF 300.- inkl. MWSt.

2. Die Bedienung verstehen auch einfache Gemüter wie ich.

3. Das Teil hat mindestens 50 Watt. Denn ganz besonders im Alpental gilt: auf die Dauer hilft nur Power!

Nicht als Kriterium, sondern als Zugabe kann es C4FM. Eine digitale Betriebsart, die man auch ohne Diplom in Demenzradio (DMR) beherrschen kann. Ich bin zwar kein ausgesprochener Freund digitale Betriebsarten und lege keinen Wert darauf, in Sprechgruppen eingeteilt und übers Internet von Krethi zu Plethi weitergeleitet zu werden, aber digitale Modulationsverfahren haben auch ihre Vorteile. Auch ohne Relaisstationen, im Direktverkehr auf Simplexkanälen. 
Kürzlich ist mir zum Bespiel bei D-Star aufgefallen, dass DV nicht so anfällig gegen Mehrwegausbreitung ist wie die alte Tante FM. Gerade bei den ausgeprägten multiplen Reflexionen im Gebirge ein wichtiger Pluspunkt. Immer wieder muss ich nämlich als passionierter Direktfunker feststellen, dass FM-Signale durch Mehrwegausbreitung bis zur Unkenntlichkeit verzerrt werden. Ein Phänomen, dem man vermutlich im Flachland weniger begegnet.

Doch zurück zum FTM-7250DE.
Die gemessene Sendeleistung betrug bei meinem Gerät genau 50 Watt - auf beiden Bändern. Die Empfindlichkeit war sogar etwas besser als spezifiziert und fast so gut wie die meines IC-9700. Das Gerät ist sehr klein, aber schwer wie ein Ziegelstein. 
Das mitgelieferte Manual ist leider ein schlechter Witz. Glücklicherweise kann man sich das Advanced Manual in Deutsch runter laden. Siehe hier unter Files.
Mit dem mitgelieferten USB-Kabel lässt es sich nicht etwa programmieren, man muss alles von Hand reintöggelen. Das Kabel dient nur für ein eventuelles Update der SW, sollte es denn mal eine geben.
Wie es sich gehört, kann man die Memory-Kanäle beschriften, ist jedoch auf 8 Zeichen beschränkt, wie das erste Bild mit dem Relais "Weissenstein" zeigt.
Der Frontlautsprecher ist ein echtes Plus und erspart einem den Zusatzlautsprecher. Trotzdem besitzt das Gerät eine entsprechende Buchse auf der Rückseite.

Natürlich habe ich das Kästchen aufgeschraubt. Der Deckel ist mit drei Schrauben und einem Schapperatismus befestigt und eine interessante Überraschung. Er sieht aus wie Metall, besteht aber aus Plastik. Die Platine wird daher nicht abgeschirmt. Ich frage mich, wie das Gerät damit die Normen punkto Abstrahlung/Einstrahlung erfüllen kann. Doch nachmessen werde ich das mangels entsprechenden Mitteln nicht.


Wie bei allen japanischen Geräten, denkt bitte beim Schrauben daran, dass ihr einen japanischen JIS-Schraubenzieher/dreher benutzen solltet. Schrauben nach JIS-Norm haben neben dem Kreuzschlitz einen kleinen "Punkt":



Produziert wird der FTM-7250DE übrigens nicht in China, sondern in Japan.

Die Innereien sind State of the Art und machen einen durchdachten, sauberen und robusten Eindruck. Das Teil sieht langlebig aus. Allerdings habe ich die Hauptplatine nicht ausgebaut, sodass ich nichts über die Endstufe sagen kann, die sich darunter befindet. Leider lässt sich auch nirgendwo ein Schema zu dem Gerät auftreiben, von einem Service-Manual gar nicht zu reden.







In den Reviews auf Eham wird es unterschiedlich beurteilt. Doch da muss man beim Lesen einen Filter vorschalten. Einer bemängelt zum Bespiel, dass der Transceiver nicht DRM kann. Na ja. Auf Wunsch wird ihnen noch Zucker in den Arsch geblasen, denkt man sich. 

Interessant ist die Belüftung des Geräts, die unter einer dreieckigen Abdeckplatte verborgen ist. Da haben die Ingenieure etwas Gehirnschmalz investiert. Trotzdem wird das Teil recht warm, wenn man mit 50 Watt parliert. Immerhin ist das winzige Lüfterchen nicht besonders laut. 




Zusammengefasst kann ich sagen: ich bin bisher zufrieden mit dem Ding. Es ist seinen Preis wert und macht das, was ich erwartet habe.

  



2 Kommentare:

  1. Hallo Anton,
    jaja, s ist schon ein Greuel in der Anstalt.... da ist noch nicht angekommen, dass es mit Kohlenstoff versetzten Kunststoff gibt, der somit antistatisch ist und zudem ähnlich wie ein Metalldeckel wirkt. Also Plastik mit Metalleigenschaften, zumindest was die Leitfähigkeit betrifft.
    Ob das allerdings so gut funktioniert wie ein echter Aludeckel kann ich nicht sagen. Dafür haben wir ja dann dich, das zu recherchieren... :-)

    Danke für deine Beiträge, immer wieder schön zu lesen!
    Gruß Stefan, DL8SFZ

    PS: Zu denen Frozeleien über die Relais:
    Wir haben jetzt einen Relaiverbund, der fast vom Bodensee bis kurz vor Würzburg funktioniert, über 100 Mitglider in unserer ARIG-MN und stets regen Betrieb auf den Relais und zum Glück wenig Neider, die stören. Bald wird es noch zwei gekoppelte 2m-Relais geben und ein 10m-Relais auf dem Raichberg. Welches aber dann wie gekoppelt wird oder auch nicht ist jedoch noch nicht entschieden!

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  2. Hallo Anton,
    Du kannst es ja doch nicht lassen. Freut mich, wiedermal von dir zu lesen.

    Das 7250 hab ich auch. Ein gutes Gerät, das sein Geld wert ist und seinen Dienst zuverlässig tut.
    Das nicht aufzutreibende Servicemanual vermisse ich auch. Manche OMs bemängeln bei meiner Modulation etwas zu viel Hub, was bei kritischen Bedingungen zu Verzerrungen führt. Ein Umstellen auf "narrow" ist auch nicht zielführend, dann ist die Mod viel zu "dünn". Da wäre es schon gut, im Servicemenü den Hub leicht reduzieren zu können. Aber, keine Chance, ich hab schon studenlang danach gegoogelt und Foreneinträge durchforstet, es gibt nix. Oder hat es noch niemand veröffentlicht?
    Alles Gute weiterhin,
    73 de OE2JHN

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