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Dienstag, 20. August 2019

HE3OM Sottens 2011 _ Schlussbericht



Gestern bin ich persönlich ins Archiv der Anstalt hinunter gestiegen, um eine Zusammenfassung des Betriebs von HE3OM zu suchen. Die folgenden Blog-Fundstücke aus dem Jahr 2011 sollen den Bericht über die Langwellen-Station HE3OM in Sottens nun abschließen. 



Die Operation HE3OM geht diese Woche zu Ende. Am 4. März um Mitternacht ist endgültig Schluss, am Samstag wird abgeräumt. Zeit für ein paar Schlussgedanken.
Am 1.2.1998 fand das erste Langwellen-QSO zwischen zwei Schweizer Stationen statt: zwischen Paul, HB9DFQ in Watt bei Regensdorf, und mir, HB9ASB in St.Antoni im Kanton Freiburg. Die CW-Signale waren schwach, die ausgetauschten Rapporte lagen bei 519. Am 10.3.1998 kam dann eine Verbindung mit Bert, HB9DCE in der Nähe von Winterthur, zustande und am 16.3.1998 mit Marco, HB9BGG. Mehr als diese vier Stationen waren aus der Schweiz meines Wissens auf Langwelle nie QRV – bis am 30.11.2011 HE3OM seinen ersten Ruf in den Äther schickte.
In den dreizehn Jahren dazwischen hat sich die Langwellen-Szene gewandelt. Viele Stationen aus der Pionierzeit sind heute nicht mehr QRV und in klassischem CW wird kaum mehr gefunkt. QRSS ist die beherrschende Betriebsart. Extrem langsame Telegraphie mit Punktlängen zwischen 3 und 120 Sekunden, vom Computer generiert und von blossem Auge auf einer Wasserfallanzeige decodiert. Völlig stressfrei, das pure Gegenteil von hektischem Contest-Betrieb. Dafür kommen Verbindungen zustande, die sonst nicht möglich wären.
Gegen Ende des letzten Jahres hatte ich ein QSO mit Yves, HB9DTX, auf 432 MHz in SSB und erfuhr dabei zum ersten Mal von der geplanten Operation in Sottens. Yves wusste, dass ich auf Langwelle QRV war und fragte mich, ob ich mitmachen wolle. Keine Frage! Ich sagte spontan zu. Mein Langwellensender, der letzte in einer Reihe von fünf, den ich 1999 gebaut hatte, langweilte sich im Keller. Ich machte ihn wieder betriebsklar und machte mir Gedanken über die Anpassung der Antenne in Sottens. Die junge Generation von Ingenieuren simuliert natürlich gerne Antennen auf dem Computer, bevor sie in der Praxis ausprobiert werden, und so landeten schon bald die ersten Analysen in meiner Mailbox. Die errechneten Impedanzwerte lagen im Bereich meiner Abschätzungen und das Strahlungsdiagramm sah auch so aus, wie ich es von einem 125m-Strahler erwartete. Der Turm stand isoliert, eine ideale Voraussetzung. Mit einem Variometer von ca. einem Millihenry würde die Antenne problemlos anzupassen sein. Keine grosse Sache, eine Spule auf einem kleinen Plastikkübel, die sich in einem grösseren drehen lässt. Damit kann man die Kapazität der zu kurzen Antenne kompensieren. Die Einspeisung erfolgt dann über einen Abgriff auf der Spule.
Glücklicherweise wollten die OM’s den 188m hohen Hauptmast auf Kurzwelle aktivieren und nicht den „kleinen“ 125m Reservemast. Am Grossen hätten wir uns die Zähne ausgebissen. Der Mast ist nämlich geerdet und trägt einen Vertikaldipol für 765 kHz, der in Form von sechs Stahlseilen quasi darübergestülpt wurde. Das funktionierte nur, weil der Mast eine halbe Wellenlänge hoch war. Schon die Benutzung dieses Gebildes für Kurzwelle war eine Herausforderung und wie sich später herausstellte war diese Antenne für 160, 80 oder gar 40m nicht so gut wie sie hoch war. Nicht nur wegen der krassen Fehlanpassung mit der die Antennentuner geplagt werden mussten, sondern vor allem wegen der Höhe. Für die kurzen Wellen ist der Mast zu hoch und der Erhebungswinkel der abgestrahlten Wellen nicht ideal für DX. Hätten wir diesen Mast für Langwelle „zugeteilt bekommen“, hätten wir wohl raufklettern müssen um zuoberst einen Draht zu befestigen um ihn dann schräg nach unten zu spannen. Doch raufklettern hatte uns die Swisscom strengstens verboten.
Also waren wir ganz zufrieden mit dem „Kleinen“. Aber nur, weil wir noch nicht wussten, was da noch auf uns zukommen würde. Doch wer ist „wir“? Beim Installieren der Station halfen viele mit. Unter anderen HB9CGL, HB9DUL, HB9DUI, HB9IIV, HB9TOB, HB9DBC, HB9IIB und natürlich HB9TUH, der Präsident des RAV (Radio Amateurs Vaudois). Selten habe ich ein so tolles Teamwork erlebt, jeder hat zum guten Gelingen dieser Operation beigetragen.
Als Operateure wirkten dann später neben mir auch Kurt, HB9AFI, Iacopo, HB9DUL und Claude-Alain, HB9CGL an der Taste, bzw. am Computer.
Probleme zu lösen gab es bei der Langwellenstation einige. Das Wichtigste und Interessanteste war wohl die Erdungsdrossel. Ein Standbein des Masts war über eine grosse Spule geerdet, durch die auch das Kabel für die Stromversorgung der Beleuchtung gezogen war. Ihre Induktivität war für 765 kHz dimensioniert, auf 136 kHz war sie ein Kurzschluss. Am liebsten hätte ich sie einfach abgesägt, doch das ging wegen der Beleuchtung nicht, sonst wäre vielleicht eines Nachts ein Flieger im Mast hängen geblieben. Zuerst überlegten wir uns, ob wir die Induktivität nicht durch Einbringen von Ferriten erhöhen konnten, doch dann entschlossen wir uns, die Spule mit einem Parallelkondensator zu einem Schwingkreis zu ergänzen. Dieser Sperrkreis auf 137 kHz löste dann tatsächlich das Problem. Schwierig war es nur, die passenden Kondensatoren zu finden und den Schwingkreis abzugleichen. Auch unsere grössten Kondensatoren (alte, in braunem Kunstharz vergossene Glimmerkondensatoren aus den USA) hielten dem grossen Blindstrom nicht stand und wurden heiss. Schliesslich half uns ein Swisscom-Mitarbeiter mit einer Schachtel voller Scheibenkondensatoren aus der Patsche. Zur Feinabstimmung benutzen wir einen der mächtigen Kondensatoren im Häuschen unter dem Mast, der Teil der „Matchbox“ für den 765kHz Sender gewesen war.
Apropos Häuschen: das war unser Shack. Normalerweise hat man ja ein Haus mit einer Antenne. Wir hatten nun eine Antenne mit Haus. In diesem Häuschen belegten das Variometer und die Abstimmkondensatoren für 765 kHz die Hälfte des Platzes. Die andere Hälfte gehörte uns. Und die war eisig kalt. Auf dem Hochplateau von Sottens weht häufig eine heftige Bise und Februar gehört bekanntlich nicht zu den warmen Monaten. Trotz zwei Keramikheizern à 1.5kW kamen wir nicht über 10 Grad. Wir funkten in Skijacke und mit Mütze. Doch dann kam die Rettung. Olivier, HB9TOB, kam mit schwerem Geschütz zu Hilfe, in Form von alten Direktheizern, die bei der Renovation seines Hauses übrig geblieben waren.
Die erste Funkverbinung auf Langwelle tätigten wir in CW auf 137.3 kHz mit – wie könnte es anders sein – Paul, HB9DFQ. Auch Bert, HB9DCE, reaktivierte seine Station. Dann folgten einige Crossbandverbindungen 137.3kHz / 3.5 & 7 MHz. Doch das Interesse hielt sich in Grenzen. Obschon unser Signal überall in Europa gut zu hören war, auch mit unangepassten Antennen. Wir erhielten bald einige interessante Empfangsrapporte, unter anderen aus Haifa in Israel.
Auch Langwellen-QSO’s in CW kamen nur wenige zustande. Die am weitesten entfernte Station, die wir in normalem CW kontaktieren konnten, war Mal, G3KEV in der Nähe von London. Mein Distanzrekord für normales CW auf Langwelle aus dem Jahre 1999 mit OH1TN blieb unangetastet. So stiegen wir bald um auf QRSS, auf computergestützte, extrem langsame Telegrafie. Nun änderte sich die Situation und die Rekorde purzelten einer nach dem anderen.
Fortsetzung folgt
73 de Anton
Veröffentlicht am 3. März 2011

In QRSS gelangen einige Erstverbindungen von der Schweiz aus, die bisher noch keine der vier erwähnten Schweizer Langwellenpioniere zustande gebracht hat. Das erste Premiere-QSO hatten wir mit YO2IS, Suli in Timisoara. Wir hatten ihn schon zuvor in Crossband kontaktiert. Doch jetzt konnten wir Suli auch in QRSS3 (1Punkt = 3 Sekunden) aufnehmen. Zwar nicht gerade mit einem O (gut), aber immerhin mit einem M (teilweise). Dabei handelt es sich um das übliche Rapport-System bei QRSS-Betrieb: O,M,T, drei Striche, zwei Striche, ein Strich. Letzterer steht für „nicht lesbar“. Denn in QRSS muss gespart werden. Auf alles Überflüssige wird verzichtet, PSE, DE, UR etc. kommen nicht vor, da sie keine Informationen enthalten. Ein CQ-Ruf lautet also kurz und bündig: CQ HE3OM K. Und die Antwort darauf: HE3OM HB9ASB K. Wenn mir dann HE3OM einen Rapport sendet wird auf den Präfix verzichten: ASB OM O K. Dann kommt die Rückmeldung: OM R O K. R steht für eine Bestätigung des Empfangs, O für den Rapport. HE3OM wird dann das QSO beenden und da die Rufzeichen genügend ausgetauscht wurden lautet der Text: 73 TU SK. Wie ihr sehen könnt, ist QRSS eine strenge Sprache, man kürzt, wo es nur geht. Glücklicherweise gehen wir im Alltag nicht so miteinander um.
Die zweite Premiere feierten wir dann mit einer Verbindung mit RA3YO in Moskau über eine Distanz von 2350km. Dabei hätten wir auf unserer Seite eigentlich gar kein QRSS benützen müssen. Dmitri konnte unser Signal gut hören. Er kam übrigens in einer Variante von QRSS zurück, in DFCW (Dual Frequency CW). Dabei sind Punkte und Striche gleich lang, aber unterschiedlich in der Frequenz. Je nach Geschwindigkeit beträgt der Frequenzshift einige Hertz oder sogar nur Bruchteile davon. Damit kann nicht nur die Strichlänge auf Punktlänge verkürzt werden, die Abstände zwischen Punkten und Strichen innerhalb der Zeichen entfallen. So wird QRSS wieder schneller, ohne an Lesbarkeit einzubüssen.
Nach RA3YO konnten wir auch noch RN3AGC arbeiten. Ebenfalls in der Umgebung von Moskau und etwa in gleicher Entfernung. Darauf folgte nochmals eine Erstverbindung: ES5AM, Mati aus KO38gr in Estland.
Am 18.2., gegen Mitternacht, gelang uns dann der grosse Sprung. W1VD, Jay in Burlington, CT, hatte uns auf dem Schirm. Da uns Martial, HB9TUH, freundlicherweise das Internet eingerichtet hatte (per Richtstrahlverbindung), konnten wir live mitsehen. Unser Traum von der Überquerung des Atlantiks ging endlich in Erfüllung. Nicht, dass wir die erste europäische Station gewesen wären, die das schaffte, englische Stationen hatten das schon Jahre zuvor zu Stande gebracht, aber das tat der Freude keinen Abbruch. Wir waren erstaunt, wie gut wir auf der anderen Seite zu sehen waren und das in der schnellsten QRSS-Betriebsart mit 3-Sekunden Punkten. Die Zeichen auf der anderen Seite sahen zwar etwas verwackelt aus und wir spekulierten darüber, ob sie vielleicht von  Ionosphäre frequenzmoduliert wurden, die gerade von einem Sonnensturm aufgewühlt wurde. Aber sie waren gut lesbar. Jay antwortete auf 40m in CW. Fast hätten wir ihn im Hickhack des dort laufenden Contests verloren, doch Claude-Alains geschulte CW-Ohren konnten in immer wieder aufspüren. Während dieser Zeit tobte übrigens ein schweres Gewitter über Burlington, recht ungewöhnlich für diese Jahreszeit. Sturm in der Ionosphäre, Gewitter in der Atmosphäre, welch abenteuerliche Bedingungen.
Diese Erfahrung hatte uns übermütig werden lassen. Wenn es mit den USA klappte, könnte es doch auch auf die andere Seite gehen, gegen Japan! Der bekannte Low Band DXer JA7NI war auch auf 136 kHz QRV und war bereits in Russland empfangen, bzw. gesehen worden. Wir kontaktierten Yasi, JA8SCD, der für Kuni, JA7NI, die Skeds abmacht. Doch der erste Versuch mit Kuni war eine Enttäuschung. Von unserem Signal war in Tokio nichts zu sehen, obschon wir die Geschwindigkeit bis auf QRSS60 reduzierten. Doch dann, am 21.2. tauchte auf der Wasserfallanzeige von JA7NI, die wir auf dem Internet beobachten konnten, plötzlich eine schwache Drei auf und dann ganz klar und deutlich der Suffix OM. War das wirklich unser Signal? Als wir am darauf folgenden Samstag den Test wiederholten, konnten wir die Zweifel ausräumen. Während Stunden tauchte unser Signal immer wieder auf Kunis Schirm auf, in einer Distanz von fast 10‘000km und nach einem Pfad, der zum grössten Teil über Land führte. Das QSB war ausgeprägt und entschied über „sichtbar“ oder „unsichtbar“. Es schwankte in einem Rhythmus von ungefähr einer halben Stunde. Wir fühlten uns wie Marconi und feierten das Ereignis mit Champagner, den Christian, HB9DBC, mitgebracht hatte. Kunis Signal konnten wir jedoch nicht in der Schweiz aufnehmen. Sein Langwellensignal war zu schwach. Somit blieb diese Verbindung eine einseitige. Ob sie je nur mit Amateurmitteln, also ohne Sendemasten von altgedienten Mittelwellensendern, zu schaffen sein wird, ist fraglich.
Lange Zeit betrachtete ich die lange Welle als eine recht stabile Angelegenheit. Das ist sicher auch richtig, was die Bodenwelle anbelangt. Doch nachts, wenn die Ionosphäre mitspielt, variieren die Bedingungen. Sonnenstürme beeinträchtigen auch die Langwellenverbindungen. Aber sie können sie auch verbessern. Gerade nach einem Sonnensturm habe ich häufig stärkere Signale beobachten können. Das könnte auch bei unserer Verbindung mit Japan eine Rolle gespielt haben – in die eine oder andere Richtung.
Bei den Crossbandverbindungen, die wir mit europäischen Stationen getätigt haben, spielte uns das Funkwetter übrigens auch ein paar Streiche. Allerdings nicht auf Langwelle. Einige Stationen konnten nicht verstehen, dass sie unser Langwellensignal gut hören und wir aber ihr Signal auf 7MHz nicht aufnehmen konnten. Die lange Welle kennt eben keine tote Zone.
Insgesamt haben wir auf Langwelle mehr als fünfzig Stationen in fünfzehn Ländern kontaktiert. Das scheint wenig, angesichts der Superantenne, die wir zur Verfügung hatten. Aber es ist viel, wenn man die Verhältnisse im 136kHz-Band kennt. Viele Amateure aus der Anfangszeit der langen Wellen sind auf 500 kHz oder gar auf 9 kHz abgewandert und leisten dort nun Pionierarbeit. Leider stehen uns diese Bänder in der Schweiz nicht zur Verfügung. Schade, denn ich denke, dass der Amateurfunk in erster Linie als Experimentalfunkdienst gedacht war, und weniger als eine Spielwiese für Legofunker.
Andererseits hatte es auch sein Gutes, dass wir uns auf 136 kHz konzentrieren mussten. Wir konnten so weitere wertvolle Erfahrungen sammeln, ohne uns zu verzetteln. Jeder von uns Operateuren, die an der Langwellenstation Nächte lang ausgeharrt haben, kam zum Schluss noch zu seinem persönlichen kleinen Erfolgserlebnis. Wir konnten nämlich alle drei, HB9DUL, HB9CGL und HB9ASB, Sottens von zuhause aus auf Langwelle kontaktieren. Mit einem kleinen 10Watt-Sender, der unter uns die Runde machte, provisorischen Antennen und natürlich in klassischem CW.
73 de Anton
PS. Es ist Mittwochabend und während ich diese Zeilen zuhause schreibe, beobachte ich das Signal von HE3OM auf dem Grabber von DF6NM in Nürnberg. Iacopo, HB9DUL, ist gerade daran, eine Funkverbindung mit Weissrussland abzuwickeln. Eine weitere Erstverbindung (Grabber = Web-SDR für QRSS-Signale).
Bild: Das Signal von HE3OM bei W1VD in Burlington CT

Montag, 19. August 2019

Die Geschichte der Langwellenstation HE3OM - Teil2



Es geht weiter mit einem Blick ins Archiv der Anstalt. Viele Blogeinträge aus dem ersten Blog von Anton's Funkperlen befassten sich im Jahr 2011 mit diesem wohl einmaligen Event:


Veröffentlicht am 3. Februar 2011 



Gestern Abend konnte HE3OM mit Rik, OR7T, ein Crossband QSO in CW tätigen. Rik sendete auf 502 kHz und wurde in Sottens mit 419 empfangen. Als Empfangsantenne diente der 125m Mast mit der vorhandenen 137kHz Anpassschaltung. Ein Crossmode QSO fand mit Jim, G0BMU statt. Während HE3OM in CW sendete, antwortete Jim in DFCW. Dies ist eine Unterart von QRSS, also extrem langsames CW. Dabei sind Punkte und Striche gleich lang. Sie werden auf zwei unterschiedlichen Frequenzen im Abstand von wenigen Hertz gesendet. Somit fallen auch die Abstände der Striche und Punkte innerhalb eines Zeichens weg. Diese Betriebsart ist daher schneller als das herkömmliche QRSS. Jim war gut lesbar mit einem Raport von “O”, aber nicht hörbar. Auch nicht in einer Bandbreite von 50Hz.
Unsere Crossband-Rufe (QSX3555) verhallten ungehört, während die Kollegen beim anderen Mast auf 80m SSB ein Riesen-Pileup abarbeiteten. Chance verpasst – schade!
Die zwei einzigen Schweizer Stationen, die gearbeitet werden konnten, waren HB9CGQ (Crossband 80m) und wiederum HB9DFQ auf 137kHz .
So gemütlich, wie es oben im Bild aussieht, war es übrigens nicht. Die Hütte war mir 3kW Ofenleistung nicht über 10 Grad zu kriegen, draußen herrschte bittere Kälte.
Gerne nehmen wir für Freitag weitere Skeds entgegen. Hier noch ein paar Fotos, die ich gestern geschossen habe:




Hier unser Abstimmkondensator, der zusammen mit unserem Variometer die Anpassschaltung bildet:


Und zum Schluss noch das selbstgebaute Variometer mit Zusatzinduktivität (gelbe Spule)


73 de Anton
Veröffentlicht am 4. Februar 2011


Today afternoon and evening HE3OM will be QRV again on 137.300kHz. We look also for Crossmode CW/QRSS and Crossband QSO. QSL-Manager is HB9TOB. QSL please via bureau. This is a good chance to get Switzerland for your RSGB LF Award.
Liebe Funkfreunde
Heute Nachmittag/Abend sind wir wieder auf Langwelle QRV: 137.300kHz. Wir werden aber nicht nur auf unserer Frequenz hören und sehen (Wasserfall-Display für QRSS), sondern zwischendurch auch auf Kurzwelle 80 und 40m für eventuelle Crossband QSO. Die RX-Frequenz wird jeweils im CQ-Ruf angekündigt mit QSX. Also zum Beispiel QSX 3555: Ich höre auf 3555kHz. Die Langwellenstation kann nicht während dem Senden hören (kein BK-Betrieb). Anrufer sollten also erst nach Beendigung des CQ-Rufs antworten.
Bitte auch die unterschiedlichen Ausbreitungsbedingungen beachten. Die Grundwelle auf 137 kHz ist sehr stabil, kennt keine tote Zone und reicht über 1000km weit. Es ist also gut möglich, dass ihr uns super hört, wir aber euer KW-Signal nicht aufnehmen können.
QSL-Manager für HE3OM ist HB9TOB. QSL bitte via Büro.
73 de Anton
Veröffentlicht am 5. Februar 2011 


Yesterday Afternoon we had QSO’s with the following stations:
LF: DD7PC, HB9DCE, G3KEV, F5WK, PA0A, F4DTL, HB9DFQ
Crossband LF/3555kHz: HB9JND, F6ACU, PA0LCE, HB9CIC, DJ2LF, YO2IS
Crossband Frequency was 3555kHz.
The evening was extremely calm. No more stations heard. Where are all the LF-Stations? Everybody on 9kHz?
Today (Saturday, 5. February) we will try to improve the receiving antenna for Crossband to get better reception. We will  call at 15:00 UT on 137.300 especially for Crossband stations, listening on 3555 and 10111 kHz +/- QRM. So far no operation in the evening planned.
73 de Anton
Veröffentlicht am 6. Februar 2011 


Die Ausbreitung der Funkwellen im Amateurfunkband bei 136kHz (2200m) unterscheidet sich stark von der Ausbreitung der kurzen oder ultrakurzen Wellen.
Vergleicht man das 2200m-Band mit dem nächstliegenden Amateurfunkband, dem 160m-Band, so gibt es nur eine Gemeinsamkeit: Tagsüber findet keine Reflexion an der Ionosphäre statt und die Ausbreitung erfolgt ausschliesslich über die Bodenwelle. Nachts jedoch reflektiert die Ionosphäre die Wellen wie ein Spiegel und ermöglicht so die Ausbreitung über grössere Distanzen.
Grundsätzlich gilt: Je länger die Wellen, desto weiter reicht die Bodenwelle. Und da das 160m-Band das längste Kurzwellenband (genauer Mittelwellenband) ist, reicht die Bodenwelle dort auch am weitesten. Aber bereits nach nur 5km kommen beim 160m-Band zusätzliche 6dB Bodenverlust zum normalen Ausbreitungsverlust durch die „Verdünnung“ der Wellen hinzu. Ist das Terrain gebirgig oder stark bebaut, sind die Bodenverluste noch höher. Schon nach einigen zehn Kilometern werden die Bodenverluste hier im Voralpengebiet bereits so hoch, dass eine Kommunikation mit durchschnittlichen Amateurmitteln tagsüber oft nicht mehr möglich ist.
Ganz anders sieht es im Bereich um 2200m aus. Erst nach 500km kommen 6dB Bodenverlust hinzu. Bei Distanzen von einigen hundert Kilometern fällt also die Bodendämpfung nicht ins Gewicht. Das ist der Grund, wieso auch mit wenigen Milliwatt ERP im 136kHz-Band respektable Entfernungen überbrückt werden können.
Bei einer Distanz von 100km sind die Ausbreitungsverluste der Bodenwelle gegenüber der 160m-Welle 58dB geringer, wie Funkamateure ermittelt haben. Das bedeutet, dass man auch mit -40dB weniger ERP als im 160m Band tagsüber auf 100km Distanz immer noch einen Vorteil von 18dB für die Langwelle hat.
Die Bodenwelle ist natürlich immer gleich, ob Tag oder Nacht. Sie wird auch nicht durch das Funkwetter, bzw. den Zustand der Ionosphäre beeinflusst. Es sind nur die Eigenschaften des Terrains, die die Dämpfung bestimmen. Gebirge ist am schlechtesten, Meer am besten, wie man sich leicht ausdenken kann. Entscheidend ist die Bodenleitfähigkeit.
Nachts kommt auf 160m, wie auf 2200m, die Raumwelle hinzu. Doch für Distanzen bis etwa 1000km spielt sie im 2200m-Band keine entscheidende Rolle. Die Bodenwelle ist stärker. Im Gegenteil: Durch die Raumwelle gelangen mehr atmosphärische Störungen (QRN) aus grosser Distanz zum Empfänger, der Signal/Störabstand verschlechtert sich. Daher gelingen Amateurfunkverbindungen auf 136kHz mit sehr kleinen Leistungen tagsüber besser.
Stärkere Stationen (ab einigen 100mW ERP) profitieren jedoch von der nächtlichen Raumwelle und können nun Verbindungen tätigen, die über die Reichweite der Bodenwelle hinausgehen. Verbindungen bis zu 2000km oder mehr werden möglich.
Doch bei der Ausbreitung über die Raumwelle spielt, im Gegensatz zur Bodenwelle, die Sonnenaktivität eine Rolle. Wie weit, ist heute noch Gegenstand von Forschungen. Besonders nach magnetischen Stürmen (erhöhter Kp Index) scheint die Ausbreitung über die Raumwelle auf Langwelle besser zu sein.
Sicher wird jetzt der eine oder andere fragen: “Wieso kann ich dann auf 2m grössere Strecken überbrücken, als tagsüber im 160m-Band?”
Die ultrakurzen Wellen “kriechen” nicht mehr, wie die langen, dem Boden entlang, sondern breiten sich ähnlich dem Licht aus. Die Dämpfung durch den Boden entfällt. Jenseits der optischen Reichweite tragen Brechung und Reflexion an Bergen zur Ausbreitung hinzu. Die Situation ist also eine ganz andere.
Bild: Mast #2 von HE3OM, von dem aus die KW-Verbindungen stattfinden.
73 de Anton
Veröffentlicht am 9. Februar 2011 


NÄCHSTE CROSSBAND AKTIVITÄT VON HE3OM:
FREITAG, 11.2.2011, 18:00 MEZ (17:00UT) wir hören auf 3555 kHz. Pse QRS
Um auf 137kHz QRV zu werden, genügen schon einfache Mittel, wie Paul, HB9DFQ, hier in diesem Blog kürzlich bewies. Man braucht kein Kilowatt und keine Monsterantennen. Nun habe auch ich ein QSO mit HE3OM auf Langwelle zu Stande gebracht. Dazu reichten 10W aus einem einfachen Sender mit Vackar-Oszillator und MosFet-PA, ein improvisiertes Variometer aus zwei Spulen, die ineinander geschoben werden und meine 160m-Antenne, eine Inverted L, 12m hoch und 40m lang.
Die grösste Schwierigkeit bei diesem QSO lag darin, einen CW-Operator für Sottens zu finden, denn bisher sass ich dort meistens an der Station. Glücklicherweise musste ich mich nicht verdoppeln: Iacopo, HB9DUL übernahm die LW-Station bei HE3OM.
Mein Variometer musste ich für Resonanz auf 3.82mH einstellen. Das entspricht einem kapazitivem Blindwiderstand von 3.295 kOhm, beziehungsweise einer Antennenkapazität von 351.8 pF.
Der Strahlungswiderstand dürfte bei geschätzen 50 mOhm liegen und die Erd- und Spulenverluste bei etwa 100 Ohm. Daraus ergibt sich ein Wirkungsgrad von einem halben Promille. Von den 10W werden also noch bloss 5mW abgestrahlt. Durch den Antennengewinn des Monopols von 2.6dBd wird es aber wieder ein bisschen mehr.
Umfassende Infos über Antennen für unser Langwellenband findet man hier bei Rik, ON7YD. Noch ein Wort zum SWR-Meter SX-1000 von Diamond oben im Bild. Erstaunlicherweise lässt sich mit diesem das SWR auf 137 kHz bereits bei kleinen Leistungen (ab 1W) messen, während andere SWR-Meter “unbewegt” bleiben.
Die geschätzten 5mW reichten für die etwas mehr als 40km Hügelland, die mich von HE3OM trennten, bei weitem. Wie gut HE3OM, im Vergleich zu kommerziellen Stationen, bei mir ankam, zeigt folgendes Video. Der Ausschlag des S-Meters bei S9Plus10dB entspricht übrigens 250uV. Die Musik und Sprache im Hintergrund stammen aber nicht aus dem IC-7200, hi.
Das benutzte Schiebevariometer hat zwei Betriebsmodi. Haben die beiden Spulen den gleichen Wicklungssinn, erhöht sich die Induktivität beim Ineinanderschieben der beiden Spulen. Dreht man die innere Spule um, hat sie zur grossen einen entgegengesetzten Wicklungssinn und die Induktivität wird beim Einschieben verringert.

Vorsicht beim Nachbauen: Auch mit dieser kleinen Sendeleistung herrscht am Spulenausgang bereits gefährliche Hochspannung, wie man sich leicht ausrechnen kann, wenn das Ohmsche Gesetz von der Amateurfunkprüfung her noch präsent ist ;-)
Hier noch ein Video vom grossen Mast (188m) in Sottens. Man sieht links den Raureif der vom Wind runter geweht wird. Die Sirenen im letzten Drittel des Films haben aber nichts damit zu tun, hi.
73 de Anton.
Veröffentlicht am 12. Februar 2011


Die Kondensatoren über der Erdungsdrossel beim LW-Mast von HE3OM, die heiss wurden, haben wir nun ersetzt. Iacopo, HB9DUL, hat den  Mega-Kondensator oben im Bild gebastelt. Im Gegensatz zu den Glimmerkondensatoren, die dem Strom nicht gewachsen waren, bleiben diese Keramik-Scheibenkondensatoren cool. Iacopo meinte, das Zusammensetzen sei so ähnlich wie Lego.
Apropos Lego-Funk: Kürzlich habe ich von einem frisch gebackenen Funkamateur gehört, der jemanden sucht, der ihm seine Funkanlage fixfertig einrichtet und ihm dann noch beibringt, wie man damit funkt. Das schlägt sogar die “handelsüblichen” Lego-Funker, deren technisches Knowhow gerade dazu reicht, Kabel und Geräte miteinander zu verbinden. Vielleicht sollte man eine Lizenzklasse Null für Hirnamputierte einführen.
Gestern Abend war für HE3OM übrigens sehr spannend. Nicht wegen dem “Kondensator-Lego”, sondern wegen den Verbindungen auf Langwelle. Gleich zwei Erstverbindungen konnten gefeiert werden: Schweiz-Rumänien (YO2IS) und Schweiz-Russland (RA3YO). Beide übrigens in QRSS.
Wieso das Crossband-Angebot kaum auf Resonanz stiess, ist uns allerdings schleierhaft. Ausser Werner, HB9US, kam keine Station auf unserer QSX-Frequenz 3555kHz zurück. Doch vielleicht wissen viele nicht, dass ihr Transceiver Langwelle empfangen kann, oder sie wissen nicht, wie sie auf 80m senden, aber auf 137.3 kHz hören können. Ist halt im Lego-Kasten nicht vorgesehen ;-)
Macht nichts, wir werden es weiter versuchen. Bis Ende Februar.
73 de Anton
Im nächsten Blogeintrag geht es weiter in der Geschichte der Langwellenstation HE3OM.
Das Archiv der Anstalt ist ergiebig.

Mag sein, dass dem einen oder anderen die Langwellen bereits zu den Ohren rausrauchen. Aber die Anstaltsleitung meint, dass es sich lohne, diese Dokumente aus der Schweizer Amateurfunk-Geschichte nicht im Nirwana des Internets versinken zu lassen.
Lesen ist ja freiwillig und im Notfall kann man sich  immer noch in die Anstalt einweisen lassen, wenn man deswegen das Porzellan-Syndrom bekommen sollte.

Sonntag, 18. August 2019

Die Geschichte der Langwellenstation HE3OM

Anton hat tief in den Archiven der Anstalt gewühlt und einige Dokumente einer sehr speziellen "Funk-Expedition" ans Tageslicht gefördert, die ich euch hier zugänglich machen möchte.
Doch bevor wir zu den Hintergründen dieser "Expedition" kommen:
Was bedeutet das Rufzeichen HE3OM eigentlich?

Die Antwort ist französisch, denn die Initianten dieser Aktion kamen aus der USKA-Sektion des Kantons Vaud (VD), also aus dem französischsprachigen Teil der Schweiz.
Der Suffix OM bedeutet "Onde moyenne", auf Deutsch "Mittelwelle". Aus den nachfolgenden Blogs, die aus dem Vorläuferblog von Anton's Funkperlen stammen, wird der Zusammenhang klar: es ging darum, den Mast des ehemaligen Mittelwellensenders auf Langwelle in Betrieb zu nehmen. Geplant war zuerst ein Betrieb auf Mittelwelle 500 kHz, doch der wurde vom BAKOM leider nicht bewilligt.
Hier nun ein erster Teil der Blogeinträge aus dem Jahre 2011, welche den Aufbau und die Inbetriebnahme der Langwellenstation HE3OM dokumentieren:


Veröffentlicht am 17. Januar 2011 

Am 31.Dezember 2010 wurde der Mittelwellensender Sottens definitiv abgeschaltet. Nun hat die USKA Sektion HB9MM (Radioamateur Vaudois) von der Swisscom die Bewilligung erhalten, im Februar dieses Jahres die Antennen für Sendeversuche zu benutzen. Eventuell mit einem Spezialrufzeichen. Auf jeden Fall wird es für den Kontakt mit Sottens eine spezielle QSL Karte geben.
Es stehen zwei freistehende Masten zur Verfügung. Die Hauptantenne ist 188m hoch. Der Mast ist geerdet und trägt einen Vertikaldipol aus sechs Drähten, der in der Mitte gespeist wird. Zur Optimierung des Abstrahlwinkels ist der untere Dipolast über eine Drossel geerdet. Diese Antenne soll auf 160m aktiviert werden.
Die Reserveantenne ist ein isolierter Mast von 125m Höhe. Diese Antenne werden wir auf 137 kHz aktivieren. Vorgesehen ist der Betrieb in normalem CW. Ebenfalls Crossband mit Empfang auf 80, 40 oder 30m.


Ich werde von nun an auf diesem Blog laufend über die geplanten Aktivitäten berichten und hier auch Zeiten und Frequenzen bekannt geben.
Der 125m Mast wurde mit EZNEC modelliert:

Wie zu erwarten war, ist er auf 160m zu lang und deshalb für DX nicht zu gebrauchen:

Doch für 137 kHz ist diese Antenne ideal. Zumal sie über ein ausgedehntes Radialnetz verfügt:

Der Mast weist folgende Impedanzen auf:
Sottens – Antenne de réserve – alimentée à 40m:
f = 0.137 MHz, Z = 0.7686 – J 449.4 Ohms
f = 0.5 MHz, Z = 13.5 – J 14.04 Ohms
f = 1.82 MHz, Z = 9.146 + J 512.7 Ohms
Für unsere ausländischen Freunde und für die Schweizer, die in Geographie geschlafen haben: Sottens befindet sich in der Nähe von Moudon im Waadtland. Genau hier.
73 de Anton
Mein Dank geht an HB9DUL, Iacopo Giangrandi, für die Simulation.


Veröffentlicht am 22. Januar 2011 

Kleine Masten, kleine Probleme, grosse Masten, grosse Probleme. Und dann gibt es noch die ganz grossen Masten, mit den ganz grossen Problemen, wie zum Beispiel in Sottens. Die Messungen gestern zeigten unter anderem, dass an der grossen Antenne mehr als ein halbes Volt HF-Spannung daherkommen, und das am helllichten Nachmittag. Das ist die Summe aller empfangenen Signale (und Störungen) und entspricht 7dBm an 50 Ohm (5mW). Nur sehr gute Empfänger kommen mit einem solchen Pegel klar, ohne einen vorgeschalteten Preselektor.


Doch so ein Riesenmast ist nicht nur deswegen keine besonders gute Empfangsantenne. Sie nimmt aus allen Richtungen Störungen auf, auch aus dem nahen Dorf. Daher sollen zum Empfang für das 160m Band Beverage-Antennen aufgebaut werden.
Der “kleine” Mast, mit dem auf 137kHz gefunkt werden soll, wartet mit einem anderen Problem auf. Dieses ist oben im Bild zu sehen. Zur Versorgung der Blinklichter für den Flugverkehr wird eine Speiseleitung hochgeführt. Zwar über eine Drosselspule (der Mast steht isoliert), doch deren Induktivität ist für 136kHz viel zu gering. Sie schließt die Langwellen gegen Masse kurz.
Am liebsten würde man das Teil ja mit der Flex entfernen, oder zumindest eine Beige kräftige Ringkerne in die Leitung schlaufen. Doch das Teil ist tabu, aus verständlichen Gründen. Zudem bestehen Spule und Leitung aus einem massiven Kupferrohr, in dessen Inneren das Kabel für die Versorgung der Lichter liegt.
Die Spule ist auf beiden Seiten zu, so dass man keinen großen Ferritkern, zwecks Erhöhung der Induktivität, einschieben kann. Was tun?
Wir haben uns darauf geeinigt, der Spule einen Kondensator parallel zu schalten. Dazu genügen ein Paar große Krokodilklemmen. Der entstehende Parallelschwingkreis soll die Langwelle davon abhalten, nach Masse “zu verschwinden”.
Die Spule hat auch noch einen anderen Zweck: Sie leitet die statische Elektrizität gegen Masse ab. Wenn der Sender nicht in Betrieb ist, werden aber zusätzlich noch alle vier Mastbeine über Messerschalter an Masse gelegt. Statische Aufladung ist ja schon bei kleinen Antennen ein Problem, wie mancher OM an seiner Langdraht bereits festgestellt hat.
Doch jetzt noch ein paar andere Themen, über die ich per Zufall gestolpert bin: Eine weitere, wenig bekannte Quelle für Schemas und Manuals von Funkgeräten findet man hier auf dieser russischen Seite.
Und gewissermassen als Nachtrag zu den Längstwellen von gestern, hier noch ein sogenannter Grabber. Ein Empfänger mit Wasserfallanzeige für Längstwellen. Er steht in Island. Man beachte die langen Update-Intervalle: das gibt einem eine Idee, mit welchen Übertragungsgeschwindigkeiten hier gearbeitet wird. Solche Grabber findet man nicht nur in Island. Hier einer in Nürnberg.
Da sind doch die Web-SDR wesentlich schneller. Zudem kann man dort nicht nur sehen, sondern auch hören. Zwar ist der Bekannteste an der Uni in Twente zur Zeit QRT, aber es gibt ja noch andere in der Nähe. Zum Beispiel für das 80m Band in Österreich. Oder für 80 und 40 in Slovenia. Wer sich etwas in Amerika rumhören möchte, der findet hier einen Web-SDR. Der Empfänger auf derHochwacht für 160m und 10GHz, dürfte ja bekannt sein. Das sind nur ein paar Beispiele, stellvertretend für viele andere. Web-SDR schiessen wie Pilze aus dem Boden.
Zum Schluss noch etwas für die Bastler:
Ab und zu kommt man ja in die Lage, die Induktivität einer Spule berechnen zu müssen, wie zum Beispiel die oben besprochene Drossel am Fuss des Mastes. Anstelle des Formelbüchleins kann zum Beispiel dieser Web-Rechner helfen. Wer dann mit der Spule einen Schwingkreis bauen möchte, findet hier die Lösung. Und wer Pegel umrechnen will (z.B. von dBm in Volt an beliebigem Widerstand), wird auf dieser Seite fündig.
73 de Anton
Heute haben wir zum ersten Mal den Sender abstimmen können. Probleme gab’s noch mit heissen Kondensatoren und komischen Geräuschen im Sender. Das Signal ist überall in Europa sehr stark.
Morgen sind wir QRV auf 137.300 kHz ab 14:00 MEZ in CW.
Hier ein Blick auf den Sender und das Variometer:

Und hier sehen wir Martial, HB9TUH, bei einer kleinen “Modifikation”

In dem weissen Kasten befindet sich eine Drossel, die wir “ausschalten” mussten.
Schliesslich fanden wir diesen Kondensator und bauten ihn in unsere Anpassschaltung ein (Fabrication Condensateur Fribourg). Damit gelang es endlich, das SWR zu optimieren. Er wurde auch nicht heiss, wie unsere mitgebrachten Kondensatoren, hi.

73 de Anton


Veröffentlicht am 30. Januar 2011


Die meisten von uns besitzen einen Shack mit Antenne. Doch HE3OM hat eine Antenne mit Shack, wie auf dem Bild oben zu sehen ist. Gerade mit genügend Platz um eine Station einzurichten. Die Hälfte des Shacks wird durch die ehemalige Anpassschaltung für 765kHz in Anspruch genommen:


Diese Mega-Matchbox ist, mit Ausnahme eines Kondensators, für 137kHz nicht brauchbar. Für 500kHz wäre sie ideal gewesen, doch leider bekamen wir keine Sonderbewilligung des BAKOM. Das Frequenzband um 500kHz sei der Radionavigation und dem maritimen Funkdienst zugewiesen, hieß es. Zudem weise der nationale Frequenznutzungsplan eine Zuteilung an RFID und medizinische Anwendungen aus. Und last but not least: Bei der Stilllegung des Landessenders Beromünster (531kHz) habe man bereits einer anderen Amateurgruppe die Bewilligung verweigert. Man könne nicht einmal Nein sagen und dann wieder Ja. Für 500kHz sieht es also schlecht aus, in der Schweiz. Und das gleiche gilt wohl auch für andere neue Bänder, die bereits in vielen europäischen Ländern zugelassen sind: 9kHz, 5MHz, 70MHz.
So werden denn weiter nicht existierende RFID und medizinische Geräte 500kHz auf dem Papier belegen, eine schweizerische Marine im Traum auf 500kHz funken, zusammen mit nicht existierenden Funkfeuern auf 500kHz. Nur der Navtex ist real, doch dieser benutzt ausschliesslich (nebst KW) 490 und 518kHz.
Doch das juckt unsere Fernmeldebehörde nicht. Was zählt ist, was auf dem Papier geschrieben steht.
Das ist schade, denn der Amateurfunkdienst ist ein Experimentalfunkdienst. Oder war es zumindest. Oft habe ich den Eindruck, dass es in den Augen vieler eine Art erweiterter CB-Funk ist. Vielleicht auch in den Augen des BAKOM? Das wäre eigentlich ein Argument, die Prüfungsanforderungen zu erhöhen, statt sie dauernd zu reduzieren.

73 de Anton
Veröffentlicht am 31. Januar 2011 


Gestern haben wir unsere Tests auf 137.3 kHz fortgesetzt. Bevor wir den ersten CQ-Ruf in den Äther schicken konnten, gab es aber noch ein Problem zu lösen: Das Relais für die Einschaltverzögerung im Sender hatte seinen Geist aufgegeben. Da wir keinen Ersatz hatten, mussten wir es überbrücken. Die Sicherungen hielten und nun hoffen wir, dass auch der Gleichrichter standhaft bleibt.
Ein erstes QSO gelang uns mit Paul, HB9DFQ, in Watt bei Regensdorf, über eine Distanz von 158km. Wie der nachfolgende Bericht von Paul zeigt, war unser Signal sehr stark und wir realisierten, dass wir ein Krokodil waren (grosses Maul, kleine Ohren), was sich in den nachfolgenden QSO’s bestätigte.
Hier Pauls Bericht:
Hallo Toni, aus aktuellem Anlass sende ich Dir die Beschreibung meines Langwellensenders. Der Sender an sich ist nichts besonderes. Wie man auf den Bildern sehen kann, musste das Ganze schnell gehen.
Bei den Spulen auf den WC-Papierrollen handelt es sich um Induktivitäten zur Oberwellenunterdrückung.
Die Sendeleistung ist durch das Netzteil von 25 V bei 3 A Laststrom begrenzt.
Die VFO-Schaltung zeigt, dass man mit digitalen IC’s einfache und sehr frequenzstabile Oszillatoren bauen kann. Im vorliegenden Beispiel werden 4.5 MHz erzeugt und anschliessend durch 32 geteilt. Damit werden unerwünschte Mitzieheffekte vermieden. Dieses Konzept hat sich besser bewährt als ein einfacher Oszillaor mit einem NPN-Transistor. Die Frequenz wird mit einem Zähler gemessen welcher ich ca. 1971 gebaut habe. Dieser besteht aus einem TTL Friedhof aus ca. 50 TTL-Bausteinen.
Die Ladespule ist relativ gross und hat eine Induktivität von 4 mH. Normalerweise beträgt in der Spule der Verlustwiderstand 10 Ohm und in der Erdleitung nochmals 10 Ohm. Ich verwende keine Varioneter sondern die Windungen werden soweit auseinander geschoben bis die Antenne auf Resonanz ist.
Die Antenne ist ein 70 m langer Draht welcher zwischen 5 und 10 m hoch aufgespannt ist. Mit ca. 0.1 Ohm Strahlungswiderstand beträgt der Wirkungsgrad der Antenne, unter Berücksichtigung der Verlustwiderstände, noch maximal 0.5 % was bei 50 Watt Sendeleistung 250 mW ERP entsprechen würde. Dies ist jedoch eine allzu optimistische Abschätzung. Ich vermute dass 50 mW ERP nicht überschritten werden.
Als Empfänger wurde der IC756-PRO-III verwendet. Auf dem Spektrumscope sind die beiden “Krokodile” und dazwischen einmal das leere Langwellenband und einmal mit dem Signal von HE3OM zu sehen. Das Spektrum zeigt übrigens die Bandbreite des Filters im IC756 und nicht die Bandbreite des Langwellensignals.
Ich kann Dir und der ganzen Crew nur zu diesem Bombensignal gratulieren. Dieses Signal ist schon in der Grössenordnung der kommerziellen Stationen. Das waren sicher 1 Watt ERP.
73 de Paul


Paul fand, wir seien ein Krokodil zwischen anderen Krokodilen. Wie wir auf den folgenden Aufnahmen feststellen können, konnten wir uns durchaus mit den Signalen der kommerziellen Stationen ausserhalb des Amateurbandes sehen lassen. Erstes Foto ohne, zweites mit HE3OM:

Was wir hier sehen, ist der Bildschirm eines Icom IC-756 Pro3, der als Empfänger eingesetzt wird. Die Auflösung des Spektroskops ist zwar gering, doch der Transceiver ist mit seinen schmalen DSP-Filtern ein recht guter Langwellenempfänger. Bei unseren nächsten Tests werden wir auch dieses Gerät einsetzen.
Das zweite Langwellen-QSO gelang dann mit Jeff, F6BWO, über eine Distanz von 200km. Beim dritten Langwellen QSO kam dann Markus, DF6NM, in Nürnberg zum Zug.
Dazwischen machten wir Crossbandbetrieb mit QSX auf 7001 kHz und 3555 kHz. So konnte uns unter anderen auch Mal, G3KEV, in der Nähe von London erreichen, der zuvor vergeblich versucht hatte, uns auf 137 kHz zu kontaktieren.
Wie ich heute aus den E-Mails ersehe, die ich erhielt, hörten uns noch viele andere und versuchten uns auf Langwelle zu rufen. Doch ihre Signale waren bei uns zu schwach. Wir werden deshalb versuchen, für die nächsten Tests unsere Empfangssituation zu verbessern.
Aber nicht nur auf 137 kHz hatten wir Mühe mit dem Empfang. Auch auf 80m und 40m haperte es. Wir verbesserten deshalb am späteren Nachmittag unsere Empfangsantenne.
Für nähere Stationen waren wir aber vermutlich auf 40m in der toten Zone und auf 80m war die Tagesdämpfung noch zu hoch. Das führte zu Missstimmung bei einigen Stationen: “Wieso kann er mich auf KW nicht hören, er kommt doch auf Langwelle mit 599 rein”, mag sich manch einer gefragt haben. Doch die lange Welle folgt eigenen Regeln. Es gibt keine tote Zone und die Ausbreitung ist auch tagsüber recht gut, da gegenüber den KW-Bändern die Bodenwelle viel weiter reicht. Nachts kommt dann die Ionosphäre ins Spiel und rückt dann für die Stärksten unter den Langwellenstationen eine Atlantiküberquerung in den Bereich der Möglichkeiten.
Apropos lange Wellen: Immer wieder wird im Zusammenhang mit 137kHz von Längstwellen gesprochen. Doch das ist übertrieben. Längstwellen, oder VLF, heissen die Wellen im Bereich 3 – 30 kHz. Wir funken also lediglich auf Langwelle.
Zum Schluss noch eine Bemerkung zu der Strahlungsleistung. Diese wird meistens überschätzt, wie Paul in seinem Report bereits angetönt hat. Kaum eine Amateurfunksstation dürfte 1W ERP erreichen. Die Verluste durch die Verlängerungsspule und die Erdverluste sind extrem hoch und werden meistens unterschätzt. Wir werden im Verlaufe der Test versuchen, unsere Strahlungsleistung genauer zu bestimmen. Erlaubt sind 1WERP.
73 de Anton
Veröffentlicht am 1. Februar 2011 


HE3OM ist keine One-Man-Show. Es sind grundsätzlich zwei Teams am Werk.  Neben der Langwelle werden auch das 160 und 80m Band aktiviert. Diese Operation erfolgt mit dem 188m hohen Hauptmast. Dieser befindet sich 550m westlich vom Reservemast auf einem kleinen Hügel. Zum Empfang auf den langen Kurzwellenbändern wurden dort Beverage-Antennen und eine K9AY installiert. Liegt doch der Schwerpunkt beim DX-Verkehr.
Am Langwellenprojekt haben bisher mitgeholfen: Beat, HB9IIV, Martial, HB9TUH, er ist der Präsident des Amateurfunkclubs HB9MM, Michel, HB9DUI, der Vizepräsident und Olivier, HB9TOB, der Sekretär.
Claude-Alain, HB9CGL, ein ausgezeichneter CW-Operator, zurzeit in Montevideo, aber bald zurück und an der Taste des Langwellensenders. Christian, HB9DBC und Iacopo, HB9DUL, der mir am vergangenen Sonntag geholfen hat. Am vergangenen Sonntag war auch Kurt, HB9AFI, als Operator tätig, auch ein CW-Crack, der normalerweise drüben beim grossen Mast an der 160m Station sitzt.
Nächste Tests: Mittwochabend, 2. Februar und Freitag, 4. Februar, ab 14:00 MEZ. Wir sind gerne bereit, Skeds abzumachen.
Betriebsarten: CW, Crossmode CW/QRSS, Crossband 137/500kHz, Crossband 137kHz/KW.
73 de Anton

Bild: Der grosse Mast, 188m hoch.
Soweit die damaligen Blogeinträge anlässlich der Inbetriebnahme der Station HE3OM. Ergänzend dazu: das Schema der ursprünglichen Anpassschaltung für den Mast, wie das Team sie vorgefunden hatte:


Im nächsten Blog geht es weiter mit der Geschichte der Langwellenstation HE3OM in Sottens. Stay tuned!