Sonntag, 12. Juli 2020

Yaesu FTM-7250DE



Die Zeiten, in denen ich mobil QRV war, sind zwar passé. Aber so ein Mobilgerät für VHF/UHF ist ganz praktisch, wenn man einen Standby-Kanal laufen lassen will. So bleibt die grosse Kiste frei für Aether-Wanderungen. Separate Antennen vorausgesetzt.
Deshalb habe ich mir kürzlich eines dieser praktischen Teile zugelegt: ein Yaesu FTM-7250DE.

Das Kästchen erfüllt meine wichtigsten Ansprüche:

1. Es ist günstig. < CHF 300.- inkl. MWSt.

2. Die Bedienung verstehen auch einfache Gemüter wie ich.

3. Das Teil hat mindestens 50 Watt. Denn ganz besonders im Alpental gilt: auf die Dauer hilft nur Power!

Nicht als Kriterium, sondern als Zugabe kann es C4FM. Eine digitale Betriebsart, die man auch ohne Diplom in Demenzradio (DMR) beherrschen kann. Ich bin zwar kein ausgesprochener Freund digitale Betriebsarten und lege keinen Wert darauf, in Sprechgruppen eingeteilt und übers Internet von Krethi zu Plethi weitergeleitet zu werden, aber digitale Modulationsverfahren haben auch ihre Vorteile. Auch ohne Relaisstationen, im Direktverkehr auf Simplexkanälen. 
Kürzlich ist mir zum Bespiel bei D-Star aufgefallen, dass DV nicht so anfällig gegen Mehrwegausbreitung ist wie die alte Tante FM. Gerade bei den ausgeprägten multiplen Reflexionen im Gebirge ein wichtiger Pluspunkt. Immer wieder muss ich nämlich als passionierter Direktfunker feststellen, dass FM-Signale durch Mehrwegausbreitung bis zur Unkenntlichkeit verzerrt werden. Ein Phänomen, dem man vermutlich im Flachland weniger begegnet.

Doch zurück zum FTM-7250DE.
Die gemessene Sendeleistung betrug bei meinem Gerät genau 50 Watt - auf beiden Bändern. Die Empfindlichkeit war sogar etwas besser als spezifiziert und fast so gut wie die meines IC-9700. Das Gerät ist sehr klein, aber schwer wie ein Ziegelstein. 
Das mitgelieferte Manual ist leider ein schlechter Witz. Glücklicherweise kann man sich das Advanced Manual in Deutsch runter laden. Siehe hier unter Files.
Mit dem mitgelieferten USB-Kabel lässt es sich nicht etwa programmieren, man muss alles von Hand reintöggelen. Das Kabel dient nur für ein eventuelles Update der SW, sollte es denn mal eine geben.
Wie es sich gehört, kann man die Memory-Kanäle beschriften, ist jedoch auf 8 Zeichen beschränkt, wie das erste Bild mit dem Relais "Weissenstein" zeigt.
Der Frontlautsprecher ist ein echtes Plus und erspart einem den Zusatzlautsprecher. Trotzdem besitzt das Gerät eine entsprechende Buchse auf der Rückseite.

Natürlich habe ich das Kästchen aufgeschraubt. Der Deckel ist mit drei Schrauben und einem Schapperatismus befestigt und eine interessante Überraschung. Er sieht aus wie Metall, besteht aber aus Plastik. Die Platine wird daher nicht abgeschirmt. Ich frage mich, wie das Gerät damit die Normen punkto Abstrahlung/Einstrahlung erfüllen kann. Doch nachmessen werde ich das mangels entsprechenden Mitteln nicht.


Wie bei allen japanischen Geräten, denkt bitte beim Schrauben daran, dass ihr einen japanischen JIS-Schraubenzieher/dreher benutzen solltet. Schrauben nach JIS-Norm haben neben dem Kreuzschlitz einen kleinen "Punkt":



Produziert wird der FTM-7250DE übrigens nicht in China, sondern in Japan.

Die Innereien sind State of the Art und machen einen durchdachten, sauberen und robusten Eindruck. Das Teil sieht langlebig aus. Allerdings habe ich die Hauptplatine nicht ausgebaut, sodass ich nichts über die Endstufe sagen kann, die sich darunter befindet. Leider lässt sich auch nirgendwo ein Schema zu dem Gerät auftreiben, von einem Service-Manual gar nicht zu reden.







In den Reviews auf Eham wird es unterschiedlich beurteilt. Doch da muss man beim Lesen einen Filter vorschalten. Einer bemängelt zum Bespiel, dass der Transceiver nicht DRM kann. Na ja. Auf Wunsch wird ihnen noch Zucker in den Arsch geblasen, denkt man sich. 

Interessant ist die Belüftung des Geräts, die unter einer dreieckigen Abdeckplatte verborgen ist. Da haben die Ingenieure etwas Gehirnschmalz investiert. Trotzdem wird das Teil recht warm, wenn man mit 50 Watt parliert. Immerhin ist das winzige Lüfterchen nicht besonders laut. 




Zusammengefasst kann ich sagen: ich bin bisher zufrieden mit dem Ding. Es ist seinen Preis wert und macht das, was ich erwartet habe.

  



Donnerstag, 9. Juli 2020

Danke für die Kohle


Kürzlich bekam ich nette Post von Peter (welchem Peter?), und ich denke, dass meine Antwort darauf von allgemeinem Interesse für die Leser diese Blogs sein könnte. Daher möchte ich dir, lieber Peter, direkt in diesem Blog antworten. Peter schrieb:

Lieber OM Anton

Deine leichte Mischung aus Humor und ernsthafter Technik mag nicht nur ich, sondern andere Hams sicher auch.

Um so bedauerlicher, dass die Zahl der Kommentare tief ist, was für Dich auf die Länge frustrieren sein muss.

Der Umweg über Netvibes, Yahoo oder Atom dürfte für viele zu kompliziert sein. Wieso baust Du nicht eine Kommentarfunktion
ein, wie es auch uninteressante  Websites offerieren...

73 vom Peter   

Darauf, lieber Peter, gibt es verschiedene mögliche Antworten.

Eine davon könnte zum Bespiel lauten: "Ich verstehe nichts von diesen Computer-Dingens wie Netvibes oder Yahoo und Atom. BTW. ist letzteres nicht gefährlich? Zudem: wie soll ich wissen, was ich denke, bevor ich es nicht geschrieben habe? Und wieso soll ich etwas bauen, von dem ich nicht weiß, wie es aussieht?"

Eine andere mögliche Antwort wäre auch diese: "Die Klugscheißer und Trolle haben mich in meinen letzten Blogs saumäßig frustriert und ich bin froh, dass diese Blödmänner außen vor sind. Und Nein, ich möchte keinen Moderatoren-Job."

Eine dritte Möglichkeit wäre: "Jeder kann ohne Atom mein Blog kommentieren, wenn er denn die Kommentarfunktion findet. Sogar Anonym."

Im Übrigen möchte ich es nicht unterlassen, hier einmal allen meinen Sponsoren zu danken, die mich so großzügig unterstützen und meine Karriere als Influencer fördern. Unter anderen Elizabeth für ihre trolle Spende:

Beachtung!
1.000.000 € Spende wurde an Sie geleistet.
Spenderin: Sigrid Elizabeth Rausing.
Bitte senden Sie eine E-Mail an: sigridrausing.m@gmail.com, um weitere Informationen zu diesem Wohltätigkeitsangebot zu erhalten.

 Aber auch dem lieben Sheryll aus Florida, der mich Dank Corona unterstützt. Lieber Sheryll, ich bin zutiefst gerührt:

 Hallo
Der Ausbruch des Koronavirus ist nicht nur eine große Gesundheitskrise, sondern auch eine große wirtschaftliche Störung, die dazu führt, dass Menschen ihren Arbeitsplatz verlieren und es schwieriger wird, sich um ihre Familien zu kümmern. Wir haben gehört, dass ein wenig finanzielle Unterstützung viel bewirken kann.

Ich bin Sheryll Goedert aus Florida, die Gewinnerin eines Jackpots in Höhe von 396,9 Millionen US-Dollar aus der Power-Ball-Lotterie am 29. Januar 2020. Mein Jackpot war ein Geschenk Gottes an mich, daher hat meine ganze Familie zugestimmt, dies zu tun.

Wir spenden € 1.500.000,00 (eine Million fünfhunderttausend
Euro), um 10 Einzelpersonen und kleinen Unternehmen zu helfen.

Kontaktieren Sie mich per E-Mail: sheryllclaiminc@yahoo.com

Für weitere / vollständige Details und bitte nehmen Sie dieses Zeichen als Geschenk von mir und meiner Familie an.

Freundliche Grüße,
Sheryll Goedert
 

Aber nicht nur der liebe Sheryll hat im Lotto gewonnen. Auch Manuel Franco und seine Frau  haben den Jackpot im Powerball abgeräumt. Auch euch beiden gilt mein Dank dafür, dass ich mich an eurem Gewinn beteiligen darf. Gerade habe ich in freudiger Erwartung eine Ladung der neusten Flunkergeräte bestellt. 

Mein Name ist Manuel Franco aus den USA. Ich und meine Frau möchten diese gute Nachricht mit Ihnen teilen. Ich habe im April 2019 den Powerball-Jackpot in Höhe von 768 Millionen US-Dollar gewonnen. Wir haben beschlossen, aufgrund dieses Koronavirus, der Menschen tötet, an 5 zufällige Personen zu spenden Sie können es also verwenden, um Ihren Communitys zu helfen, wenn Sie diese E-Mail erhalten. Dann wurde Ihre E-Mail aus einem Spinball ausgewählt. Ich habe den größten Teil meines Vermögens an eine Reihe von Wohltätigkeitsorganisationen verteilt. Ich habe mich freiwillig entschlossen, Ihnen den Betrag von 2.800.000,00 Euro zu spenden. Als einer meiner glücklichen 5 ausgewählten Personen antworten Sie auf diese E-Mail, um weitere Informationen zu erhalten. Dies ist Ihr Spendencode: [MF4322019] Antworten Sie auf diese E-Mail mit dem Spendencode: manuelfranco234@outlook.com Ich hoffe du machst deine Familie glücklich. Grüße Manuel Franco und Familie

Das sind nur ein paar Beispiele für die tägliche Spendenflut in meiner Email. Es ist kaum zu glauben, aber ich bin in kurzer Zeit steinreich geworden. Hach, wie ist das Leben als Influencer schön! Eine Frage, liebe Leser: ich brauch ein neues Poser-Auto. Was würdet ihr bestellen? Ich hätte gerne einen mit vielen Auspüffen. Bzw. analog zu den Antennen: mit einer Auspuffgruppe.

Nur eine Bitte habe ich an meine lieben Spender: bei euren Spenden immer den Betrag angeben, damit ich entsprechend disponieren kann. Vielleicht könntest du, lieber Oliver Pliez von der Howard Buffet Foundation, dies bei Gelegenheit noch nachholen.

Congratulations, 
Your e-mail address have been chosen by Howard Buffett Foundation for a donation regards to our humanitarian project. Kindly reply at your earliest convenience, so we know your e-mail address is still valid.
Best Regards,
Olivier Pliez
Howard Buffett Foundation
www.howardgbuffettfoundation.org

Es ist wirklich schön, so reich beschenkt zu werden. Aber es gibt natürlich Menschen, die auch von mir eine Spende erwarten. Wie zum Beispiel dieser Berliner:

Verfolgen Sie Ihr Paket: #AS272040094DE

STATUS:
BEARBEITUNG - VERTEILERZENTRUM BERLIN

- Transportkosten VON 2,00 € wurden nicht bezahlt

LIEFERUNG ERFOLGT NACH BEZAHLUNG

LIEFERKOSTEN BEZAHLEN

Ob da mein Rothammerl von der Box73 auf meine Zahlung wartet,
den ich diesen Frühling bestellt und im Voraus bezahlt habe?



Bild: Antennen sind Kunstwerke

Dienstag, 7. Juli 2020

Von Schnapsideen und Mantelsperren



Beim Genuss von Tastenöl (Ham Sprit) entwickeln Funker oft seltsame Ideen. Oft geht es dabei um Antennen. Das liegt daran, dass man bei einer elektronischen Schaltung ziemlich rasch erkennt, wenn diese nicht funktioniert. Bei Antennen ist das nicht so einfach. Denn auch die dümmsten Antennen strahlen noch. Und um Antennen zu messen, bleibt dem Normalfunker meist nur der Vergleich. Da dieser oft hinkt, hilft man sich mit Anekdoten: "Ich habe mit meiner Bierantenne Takatuka-Land gemacht und FiveNine bekommen."

Eine dieser Schnapsideen ist die Mantelwellensperre aus Stahlwolle:
Steckt man ein Koaxialkabel durch ein Stück Stahlwolle, wie sie im Haushalt zur Reinigung eingesetzt wird, soll diese diese angeblich Mantelwellen aufhalten, reduzieren, auflösen, oder was auch immer.
Diese Schnapsidee hat es sogar in das renommierte ARRL-Handbuch geschafft.
W8JI hat diesen angeblichen "Wunderbalun" untersucht und ausgemessen und seine Resultate in einem interessanten Artikel zusammengefasst. Sein Fazit: Ein Hoax!

Vermutlich sind weltweit einige dieser Stahlwollen-Sperren "in Betrieb". Doch die wenigsten Besitzer merken vermutlich, dass ihr Wunderbalun nicht funktioniert. Ein bisschen HF in der Bude kann ja nicht schaden und fördert die Aufmerksamkeit. Hauptsache das SWR stimmt, sagen sich die meisten. 

Auch Ferritkerne als Mantelwellensperren erweisen sich manchmal als Flop. Erst wenn sich der Funker daran die Finger verbrennt, kommt ihm in den Sinn, dass da wohl was verkehrt ist. Bei Kurzwelle versperrt die Mantelwellensperre zuweilen den Weg zum notwendigen Gegengewicht, das bei Wunderantennen meistens aus dem Mantel des Koaxkabels besteht und bei VHF/UHF besitzt das Kernmaterial manchmal die falschen Eigenschaften und ist wirkungslos, wie ich schon feststellen musste

Nein, ich bin kein Mantelsperren-Gegner. Zumindest auf Kurzwelle sind die Dinger sinnvoll. Doch was die höheren Frequenzen anbelangt, haben mich Zweifel beschlichen. 
Nehmen wir zum Beispiel mal eine Yagi-Antenne für das 23cm Band, also für 1.3 GHz. Bei dieser Frequenz hat bereits ein kurzes Leitungsstück einen beachtlichen Blindwiderstand. Ein gestreckter Leiter, wie es zum Beispiel ein Stück Koaxialkabel mit der Aussenfläche seiner Abschirmung darstellt, hat mit nur 10cm Länge bereits eine Induktivität von 73nH (bei einem 5mm Koax). 
Bei 1.3 GHz ist XL also ca. 600 Ohm. Bei einigen 10cm Koax an der Antenne, müssen wir uns also im 23cm Band keine Sorgen mehr machen. Dass die Mantelwellen gar in den Shack gelangen, ist so unwahrscheinlich wie ein Sechser im Lotto. 
Aber auch im 70cm Band dürften Mantelwellen kein großes Problem sein, wie sogar der Antennenpapst Martin DK7ZB zugeben muss (siehe FA 2/10, Seite 167). 
Denn schon 30cm 10mm-Koax haben bei 430 MHz ein XL von ca, 650 Ohm.

Film: Kamov KA32 der Heliswiss in Epagny FR

Donnerstag, 2. Juli 2020

Fuck Rothammel



Dieses Frühjahr entdeckte mein hölzernes Glasauge eine Lücke in meiner bescheidenen Bibliothek: Der Rothammel war weg. Hatte ich ihn ausgeliehen und nicht mehr zurückbekommen? Hatte ich ihn verkauft, weil eine nachgebaute Antenne nicht funktionierte?
Auf jeden Fall musste diese Lücke geschlossen werden. Das wichtigste deutsche Antennenbuch durfte nicht in der Anstalts-Bibliothek fehlen.

Daher kurz gegurgelt und schon war er im Amazon-Warenkorb. Doch oh Schreck lass nach und komm nicht wieder: Dieses Buch wird nicht in die Schweiz geliefert, hieß es. 
Ich kann zwar alle möglichen und unmöglichen Bücher bei Amazon kriegen - auch die unanständigsten - doch genau dieses Buch hat Schweiz-Verbot. 
Steckt da Merkel dahinter? Wurde ein Lastwagen an der Grenze abgefangen? Sind alle Rothammels für DL reserviert?

Also weiter gegurgelt. Das Buch stammt vom DARC-Verlag und vielleicht könnte ich es auch direkt dort bestellen. Aber ich bezweifle, dass mir der DARC ein Exemplar senden würde. Bin ich dort doch eine Persona non grata. Ich wurde schon rausgeschmissen, bevor ich in den Verein eingetreten bin. 

Also weiter gegurgelt, und siehe da: die BOX73 von der Fachzeitschrift "Funkamateur" hat den Rothammel auch im Programm. Also habe ich ein Exemplar bestellt, eine Vorausrechnung erhalten und sofort bezahlt. Am 22. April um genau zu sein.
Leider ist der Rothammel bei mir nie angekommen. Schlimmer noch: die Box schweigt. Anfragen werden nicht beantwortet. Ich stoße auf eine Mauer wie damals als ich zum ersten Mal in Berlin war.
Ist das Buch verloren gegangen? Ist meine Zahlung nicht angekommen? Wurde die Bestellung über den DARC abgewickelt? Ist die Box pleite? Keine Ahnung. Keine einzige Antwort auf meine unzähligen Mails.

Allerdings ist das für mich nichts Neues. Ich mag mich an zwei andere Fälle erinnern - auch Bestellungen in Deutschland. Schweigen, bis das Problem von selbst verschwindet als bewährte Strategie des Kundendienstes?


Freitag, 26. Juni 2020

UKW aus dem Alpental - Teil 4



Mit dem Teil 4 geht mein Bericht vorerst zu Ende. Zumindest die Season #1. Season #2 kommt dann im Herbst. Etwa zu der Zeit, wenn die zweite Corona-Welle so richtig in Gang kommen wird, glaubt man den Virologen. 

Doch zuerst eine erfreuliche Nachricht. Der ICOM IC-705 ist in Produktion. In Japan ist er bereits erhältlich und es wird nun nicht mehr lange gehen, bis auch wir dieses Gerät kaufen können. Zwar ist das Design etwas gewöhnungsbedürftig: der Transceiver kommt in Kotzform Klotzform daher. Aber wir haben uns ja bereits an die Pultform beim IC-7100 gewöhnt. Vielleicht hat dann der nächste Transceiver Stangenform.
Das folgende Video zeigt die Zerlegung (Teardown) des IC-705 durch einen furchtlosen Japaner:


Wenn ihr diese Szene gerne nachstellen möchtet, empfehle ich die Benutzung von JIS-Schraubenziehern. Bei japanischen Funkgeräten, Motorrädern etc. wichtig, wenn man nicht die Schrauben vermurksen möchte.
Ja, ich weiß, liebe Oberlehrer: In manchen Teilen des deutschsprachigen Raums heißt das Schraubendreher. Also erspart mir eure Kommentare.

Aber nun ab ins Alpental. Zweck der Übung war ja das Testen von direkten Funkverbindungen mit Stationen jenseits der Berge. Die VHF/UHF-Wellen folgen zwar den Gesetzen der Optik, doch da gibt es mehr Möglichkeiten als nur Verbindungen auf Sicht. Der folgende Vortrag (Englisch) ist eine tolle Zusammenfassung der Ausbreitungsmöglichkeiten ultrakurzer Wellen:

   
 All dies, was Dr John Worsnop G4BAO hier berichtet, gilt natürlich auch für ein QTH, umzingelt von Berggipfeln und Kühen. Und so konnte ich während meines Aufenthalts im Val de Charmey beruhigt feststellen: Aus dem Tal kann man auch ohne Relaisstationen funken. 

Trotzdem sind Relaisstationen eine nützliche Einrichtung, wenn man in einem Alpental sitzt. Ausbreitungsversuche lassen sich darüber abmachen und koordinieren. Auch mit Freunden an wirklich unglücklichen Funkorten und mit bescheidenen Antennen kann man in Verbindung bleiben.

Gerade hat mir die Pöstlerin einen FTM-7250D gebracht, den ich bei meinem nächsten Aufenthalt im Tal testen will. Das Teil macht 50 W im 2 m und 70 cm Band und kann FM und C4FM. Ein Backup-Gerät für alle Fälle.
Allerdings habe ich bisher noch keine Relaisstation entdeckt, über die eine Verbindung in der digitalen Betriebsart C4FM möglich wäre. Aber was nicht ist, kann noch werden. Wunder sind jederzeit möglich. Allerdings haben Wunder die lästige Eigenschaft, dass sie sich nicht nach Belieben reproduzieren lassen.
Wenn ich die Schweizer Relais-Liste anschaue, so gibt es zwar eine unglaubliche Menge an Relais. Jeder Radioladen und jedes Klübchen kocht sein eigenes Süppchen. Und da Höhenstandorte für Relais selten im Angebot und teuer im Unterhalt sind, wird die Suppe halt im Tal gekocht. Was gibt es schöneres für einen Administrator, als ein Relais in der eigenen Bude?
So kommt es, das immer mehr Relais nicht mehr auf einem Berggipfel sitzen, sondern irgendwo im Tal. Nur Charmey hat noch keins.

C4FM ist die einzige digitale Betriebsart, deren Gebrauch mich nicht überfordert. Wobei mir diese Wires-X Geschichte schon etwas suspekt ist. Wieso sollte ich auf die Idee kommen, mich via Internet in ein Relais irgendwo in Takatuka-Land einzuschalten? 
Da könnte ich doch gerade selbst ins Internet einsteigen.
Aber Halt! Ich bin ja Funker. Staatlich geprüfter und zertifizierter mit CE-Stempel auf dem Gerät (China Export). Da muss unbedingt ein Funkgerät im Spiel sein.
Wie wäre es zum Beispiel mit einem Hotspot in der eigenen Funkbude? Gewissermaßen die Minimalversion einer persönlichen Relaisstation? Richte ich dann noch einen Hotspot im Auto und in meinem Rucksack ein, steht meiner Handfunke immer der Weg in die weite Welt offen.

Aber es geht noch einfacher: Jedes Smartphone ist nämlich auch eine Handfunke, auch wenn dessen Benutzer nichts davon weiss. Man braucht nur die richtige App und schon ist man via Smartphone QRV.
Die App heisst Zello und verspricht eine Verbindung in jede beliebige Funkgruppe. Es hart dort auch Chaträume und es hätte mich gewundert, wären dort nicht schon längstens Schweizer OM unterwegs.

Dabei bleibt die wichtigste Eigenschaft des Funkens unangetastet: Das "Push to Talk" Prinzip. In Deutsch: Drücke den Knochen, wenn du sprechen willst. 
Trotzdem werden vielleicht einige Hardcore-Funker Mühe damit haben, einfach ihr Smartphone zu benutzen, wie der liebe Nachbar, der ja kein diplomierter Amateurfunker ist. Das kann ich gut verstehen. Denn das Auge funkt mit. Irgendwie sollte ein Funkgerät immer noch nach Funkgerät aussehen. Sonst beginnt der geneigte Funker zu fremdeln. Aber auch in diesem Fall kann geholfen werden. Dazu gibt es Smartphones zu kaufen, die wie ein Funkgerät aussehen, inkl. Stummelantenne.

Wer braucht da noch C4FM oder gar Demenzradio - abgekürzt DMR?
Nicht nur in der Anstalt hängt man solchen Gedanken nach. Sogar die Schweizer C4FM-Seite hat diese Schlüsse gezogen
   
     
  

Sonntag, 21. Juni 2020

10 MHz Referenz Eingang des Icom IC-9700



Wieviel HF-Leistung verträgt der REF-Eingang des IC-9700? Wo liegt die untere Grenze für eine sichere Funktionsweise, und muss das 10 MHz-Signal ein Sinus oder ein Rechteck sein? Fragen, zu denen geneigte OM in Foren gerne ihren Senf dazu geben. Hier mein eigener Senf:

Schaut man in der Bedienungsanleitung nach, so gibt Icom einen Wert von ca. -10 dBm an. Das sind 0.1 mW, bzw. 100 uW. Sapperlot, das ist verdammt wenig, finde ich.
GPDSO (GPS kontrollierte Oszillatoren) und OCXO (Quarzofen) liefern in der Regel wesentlich mehr. Mein GPSDO hat zum Beispiel 13 dBm, also 20 mW. Kann man mit dieser Leistung dem IC-9700 Schaden zufügen?

Betrachten wir den REF-Eingang des 9700er etwas genauer. Im Blockschatbild des Service Manual wird er so dargestellt:


Auf den Eingang folgt ein Dämpfungsglied (-6 dB). Darauf folgt ein Limiter (Clipper) mit zwei antiparallel geschalteten Dioden. Was dort rauskommt wird wieder verstärkt und passiert einen zweiten Limiter und anschließend einen Buffer, bevor es in die eigentliche Oszillatorschaltung gelangt.

Die ersten drei Stufen sehen im Detail so aus:


Was haben sich die Ingenieure überlegt, die diese Schaltung gebaut haben?
Wieso begrenzen, wieder verstärken und wieder begrenzen?
Nun, ich denke, sie sind vom DAU ausgegangen, wie jeder vernünftige Ingenieur - vom Dümmsten Anzunehmenden User. So wie ich zum Beispiel. Der hängt einfach seinen Quarzofen oder sein GPDSO an den REF-Eingang, ohne groß nachzudenken. Das ist genau das, was ich getan habe.

Darum haben sie ein Dämpfungsglied von -6 dB eingebaut. Das reduziert mal das Gröbste, bzw. die Leistung des 10 MHz-Signals um das Vierfache. Die SMD-Widerstände sind zwar winzig klein, aber sie vertragen auch noch 20 dBm (100 mW), wenn es sein muss. Und im Notfall brennen sie einfach ab - das kann man wieder reparieren. 

Die nachfolgenden Dioden begrenzen das Signal auf maximal 1 Vpp und machen bei großen Pegeln einfach aus dem Sinus ein gruseliges Rechteck-Signal. Die Dioden 1SS390 sind robuste Kerle und schützen den nachfolgenden Verstärker vor tödlichen Signalpegeln. 
Wenn z.B. von 13 dBm am REF-Eingang nach dem Dämpfungsglied noch 7 dBm bei ihnen ankommen, lachen die sich bloß kaputt. Ich wage zu behaupten: auch bei 20 dBm (100 mW) am REF-Eingang lachen die noch.

Nach dem Begrenzer mit den beiden Dioden folgt wieder ein Verstärker. Logisch: Die Ingenieure wissen ja nicht genau, mit welchem Signal der DAU hantiert. Wird es schon von den Dioden begrenzt oder liegt es noch unter dem Begrenzer-Pegel?
Anschließend kommt der Witz der ganzen Schaltung: nach einer kräftigen Verstärkung in einer Basisschaltung wird das Signal nochmals begrenzt. Wenn das bisher noch nicht geschehen ist: spätestens hier entsteht eine Art Rechteck-Signal. Damit ist auch die Frage geklärt, ob der REF-Eingang ein Sinus- oder Rechteck-Signal benötigt: es ist schlichtweg wurscht.

Bei meinen 13 dBm aus dem Leo Bodnar GPSDO fühlt sich der IC-9700 gerade richtig wohl. Kein Problem. Doch kann man dem IC-9700 auch zuwenig Signal zumuten und was passiert dann?

Die Frage ist berechtigt, denn nach dem DAU wie mir, gibt es noch den übergscheiten User (ÜGU). Der liest das Handbuch genau und dort wird ihm gesagt, dass man -10 dB auf den Referenzeingang geben soll. Dann misst der Übergescheite natürlich auf die zweite Kommastelle genau und greift dann zu einem Dämpfungsglied. Diese User können nicht nur exakt messen, die haben auch eine Schublade mit Dämpfungsgliedern und anderem Unsinn. 
Vielleicht sind sie sogar besonders vorsichtig und legen sicherheitshalber noch ein paar dB dazu. Irgendwann wird das Referenzsignal nicht mehr genügen, um seine Funktion zu gewährleisten.
Bei welchem Pegel das sein wird, kann ich euch leider nicht sagen. Denn ich sehe als DAU keinen Sinn darin, das zu ergründen.

Oberstes Bild: Kamille im Gerstenfeld

Mittwoch, 17. Juni 2020

A403S10R - 430 MHz Yagi von Diamond





Vertikal-Antennen für VHF/UHF von Diamond sind in Europa weit verbreitet. Doch die 2m und 70cm Yagi Antennen dieser Firma sind hier selten zu finden. Da greift der OM wohl lieber zu Flexa-Yagi, Wimo, Tonna etc. oder baut sich selber eine DK7ZB.

Wieder zurück in der Anstalt fand ich zu meinem Erstaunen eine Diamond Yagi, die vor der Tür auf mich wartete. In meiner Radio-Demenz hatte ich ganz vergessen, dass ich dieses Teil im fernen Osten bestellt hatte.

Die A430S10R ist eine knapp 1.2m lange 10 Element Yagi für den Bereich 430 bis 440 MHz. Was einem sofort auffällt, sind die dicken Elemente und der Umstand, dass die Yagi nur für eine zentrale Befestigung und nicht für Vormast-Montage vorgesehen ist. Für eine vertikale Polarisation ist ein Ausleger als Zubehör erhältlich. 
Auffällig ist weiterhin die maximal zulässige Leistung, die im Datenblatt mit nur 50W angegeben ist. Die Antenne macht einen robusten Eindruck, hat aber leider einen SO-239 Anschluss anstelle einer N-Buchse.

Wie bei allen neuen Dingen, die mir in die Hände fallen, überkommt mich ein unwiderstehlicher Zwang, deren Inneres zu ergründen. Das war bei der Diamond Yagi nicht anders. 
Das Gehäuse des Dipols war zwar vernietet, doch bisher hat mich noch keine Niete davon abgehalten, einen Augenschein zu nehmen. Dafür gibt es ja Bohrmaschinen.

So robust ihr Äußeres mit seinen dicken Elementen aussieht, so filigran ist ihre Anpassschaltung im Innern der Dipoldose. Beim ersten Blick glaubt man unwillkürlich an einen schlechten Scherz oder Fabrikationsfehler. Ist das etwa eine Fake-Antenne? 
Verwundert reibt man sich die Augen, klappt den Deckel wieder zu und greift zum Antennen-Analyzer.

Aber das sieht gar nicht so schlecht aus. Das SWR bleibt über das ganze Band unter 1:1.5


Doch um was handelt es sich bei diesen dünnen Drähten in einem Plastikschlauch? 

Ein Hinweis liefert die Simulation dieser Antenne mit EZNEC. Die Antenne hat ohne diese seltsame Anpassungsschaltung eine Impedanz von ca. 100 Ohm. Der zweite Hinweis kommt von der Drahtlänge dieser offensichtlichen Zweidrahtleitung: Sie beträgt Lambda/4 für das 70cm Band.

Es handelt sich hier also um einen Viertelwellen-Transformator, der von 50 Ohm auf 100 Ohm transformiert. Ich habe zwar nicht nachgemessen, aber die Zweidrahtleitung im Platikschlauch dürfte also so um die 70 Ohm Impedanz aufweisen.

Hier zur Erinnerung die Formel für einen Viertelwellen-Transformator. Zo ist die Impedanz der Viertelwellenleitung. ZL die Lastimpedanz, in unserem Fall also 100 Ohm und Zin die Eingangsimpedanz, 50 Ohm:


Mit der Zweidrahtleitung findet nicht nur eine Transformation statt, sondern gleichzeitig auch eine Symmetrierung. Leider sind Drähte und Isolation dünn, und das ist denn auch der Grund, wieso die Leistungsgrenze mit 50Wmax angegeben ist. Doch ein Dauerversuch mit den 75 W des IC-9700 hat gezeigt, dass keine wesentliche Erwärmung stattfindet. Wesentlich mehr würde ich der Antenne aber nicht zumuten, Es sei denn, man entschließt sich, die Anpassungsschaltung robuster aufzubauen. 

Da ich die Dipoldose schon offen hatte, habe ich natürlich in dieser Richtung etwas experimentiert. Ein Viertelwellentrafo mit 75 Ohm Koax (RG-59) wurde eingebaut - mit einem Ferritkern als Mantelwellensperre. 
Das SWR war vergleichbar mit dem Originalzustand, doch der Ferrit wurde heiß. So habe ich denn die Originalschaltung wieder eingebaut. Aber immerhin mit einer N-Buchse anstelle der SO239.


Hier noch das Objekt der Untersuchung, vertikal polarisiert auf einem Holzmast:



13.5 dBi soll sie nach Datenblatt haben. Mein Simulationsprogramm EZNEC 6+ wollte ihr aber nur 12.5 dBi zugestehen. Für echte Gewinnmessungen verfüge ich nicht über die entsprechenden Einrichtungen.