Mittwoch, 28. Dezember 2022

“Do what you can, with what you have, where you are.”

 


Vallée du Motélon, 25. Dezember 2022 

Mach was du kannst, mit dem was du hast, wo du bist (T. Roosevelt). Kein Spruch könnte besser zu meinen Amateurfunk-Aktivitäten passen. Das führt dann oft zu interessanten Experimenten:

Dass ich mit einer Ferritstab-Antenne im Shack Stationen im 630m Band empfangen kann, habe ich vergangenen Winter bewiesen. Doch ohne Aussenantenne schien es mir unmöglich, dass jemand mein Signal ausserhalb des Val-de-Charmey aufnehmen könnte. Es schien mir so aussichtslos, dass ich es nicht einmal versucht habe. 

Doch die Suche nach einer Möglichkeit, auch von meinem neuen QTH auf 472 kHz QRV zu werden, hat mir keine Ruhe gelassen. Vielleicht würde es gelingen, die kupferne Dachrinne des Hauses anzupassen, war eine der Ideen, die in meinem Kopf herumgeisterten. Oder gar das stillgelegte VDSL-Kabel, nachdem wir jetzt Glasfaser im Haus haben? Eine verrückte Idee jagte die andere.

Schliesslich habe ich einen der Magnetloop-Rechner im Internet benutzt, um zu sehen, was es bedeuten würde, meine 1.9m Loop auch im 630m Band zu betreiben. Im 160m Band klappt das ja, obwohl die abgestrahlte Leistung vermutlich bei einem Prozent oder weniger liegt. NVIS-Verbindungen in der Schweiz und ins nahe Ausland kamen sowohl in CW als auch in SSB zustande. 

Doch die 630m Welle ist viermal länger als die 160m Welle. Und da die abgestrahlte Leistung eines Loops bei jeder Halbierung der Betriebsfrequenz mit der vierten Potenz abnimmt, würde meine Loop irgendwo im einstelligen Milliwatt-Bereich landen. Im günstigsten Fall.

Trotzdem entschloss ich mich, den Versuch zu wagen. Denn mit den neuen digitalen Betriebsarten können Signale tief im Rauschen versteckt aufgenommen werden. 

Dazu habe ich die 1.9m Magloop mit einem Zusatzkondensator bestückt, um sie auf Resonanz zu bringen. Notwendig waren rund 20nF. Dieser Cluster-Kondensator besteht aus 34 Glimmerkondensatoren die parallel und in Serie geschaltet sind. Alternativ wären Keramik-Kondensatoren (Türknopf-Typ) zur Verfügung gestanden, doch die Glimmerkondensatoren haben eine höhere Güte und sind temperaturstabiler. Und so sieht der Kondensator-Cluster aus:


   Die Feinabstimmung geschieht mit dem motorisierten 500 pF Vakuumkondensator und reicht knapp aus, um das 630m Band von 472 bis 479 kHz abzudecken. Doch von Interesse war in keinem Fall nur eine Frequenz: 474,2 KHz USB +1500Hz+/_100Hz. Also 475,7 kHz. Dort spielt die Musik, bzw. spielt sich der Schmalbandverkehr ab. In meinem Fall FST4W mit 300 Sekunden Durchgängen. Hier findet man eine Übersicht über die aktuellen Digitalfrequenzen. 

Gespeist von einem Icom IC-7300 mit nachfolgendem externen Tiefpassfilter. Das Stehwellenverhältnis war eher bescheiden (1:3), aber ich verzichtete darauf, die Speisung der Loop anzupassen. Schliesslich ist sie meine einzige Antenne für 1.8 bis 10 MHz. 

Bei 10 Watt Sendeleistung liegt die abgestrahlte Leistung im 630m Band im einstelligen Milliwatt-Bereich. Irgendwo zwischen 1 und 5mW. Sofern man den gängigen Formeln glauben darf. Dabei strahlt die Loop - wie ein Springbrunnen - hauptsächlich steil in den Himmel, bzw. in die Ionosphäre.

Erste Versuche fanden in der Betriebsart WSPR statt, doch FST4W mit 300 Sekunden Durchgängen erwies sich als besser. Mein Signal konnte bei den Empfangsstationen noch mit einem SNR von bis zu -35dB decodiert werden.

Den besten Empfangsrapport erhielt ich von HB9TMC aus dem Tessin mit -16 dB. Die am weitesten entfernte Station war DL0AO östlich von Nürnberg in 469km Entfernung. 


 Die Versuche fanden natürlich in der Nacht statt. Tagsüber ist nur die Bodenwelle brauchbar und die wird es sicher nicht über die Berge schaffen. Erstaunlich, dass ich nur Stationen aus östlicher Richtung erreichen konnte. Ob das Zufall oder die Vorzugsrichtung meines Loops auf Mittelwelle ist, weiss ich noch nicht. Das ist Stoff für weitere Experimente. Da die Glimmerkondensatoren keine Erwärmung zeigten oder mit Durchschlägen reagierten, werde ich ihnen noch etwas mehr Leistung zumuten. Und dem IC-7300 mit 900 Sekunden auch längere Durchgänge.

Wie die Rapporte von HB9TMC zeigen, dürfte einem FT-8 bzw. FST4 QSO nichts mehr im Wege stehen, wenn eine Gegenstation in Reichweite liegt.

2 Kommentare:

  1. Scheint gut zu laufen, gestern sogar -5 dB.
    Habe dir vor ein paar Tagen eine Nachricht via 472khz.org geschickt ;)
    73
    Stefan
    HB9TMC

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  2. Vielen Dank Stefan
    Seit dem Umzug nach Charmey war ich nicht mehr auf 472kHz.org und mangels Aussenantenne auch nicht mehr QRV. Ich hätte nie gedacht, dass es mit der MagLoop im Shack funktionieren würde.
    73 de Anton (Toni) HB9ASB

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