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Dienstag, 11. Februar 2020

Unverhofft kommt oft


Die Tinte in meinem Blog über das Münchner Kindel war noch nicht trocken, da stand schon eins auf meinem Basteltisch. Herzlichen Dank lieber Andy!
Es sei vermutlich eine Baustelle, sagte er mir, und genauso war es: Als ich es öffnete, starrten mich abgeschnittene Drähte und andere Artefakte an. Ein Trimmer fehlte und offensichtlich hatte sich jemand intensiv um das Kindel "gekümmert". Aber hatte es auch einmal gelebt? Oder war es ein erfolgloser Versuch gewesen, es zum Laufen zu bringen? 


Wie dem auch war, ich nahm mir auf jeden Fall vor, das Kindel wieder spielen zu lassen. Doch zuerst musste ich ein Schema finden. Denn Reverse Engineering - oder in diesem Fall eher Retro Engineering - ist immer eine mühsame Sache.
So googelte ich das Internet hinauf und herab und fand schließlich folgendes Schaltbild:

Doch etwas stimmte nicht mit diesem Schema. Und da ich weiß, dass der Unterschied zwischen Theorie und Praxis die Praxis ist, suchte ich weiter. Und siehe da: einer meiner Leser von der USKA-Sektion Luzern - Beat HB9THJ - hatte bereits fleißig Unterlagen zu dem Gerätchen gesammelt, und zwar mit wesentlich grösserem Erfolg als mir das vergönnt war.
Mein Kindel war nämlich eine Mark 2 Version. Es besitzt u.a. einen zusätzlichen Transistor in der NF-Endstufe und einen Spartrafo anstatt des Gegentakt Trafos mit getrennten Wicklungen.
Hoffentlich bist du mir nicht böse, lieber Beat, dass ich das Mk 2 Schema aus deinem Archiv kopiert habe. Dieses beseitigte den Knoten in meinen Gehirnwindungen und ich verstand das Kindel endlich und konnte versuchen, es in Betrieb zu nehmen. In den folgenden Bildern ist die ausgebaute Leiterplatte zu sehen:



Zurzeit zieht das Kindel tatsächlich Strom, wenn auch zuviel, und es rauscht. Leider ist es taub und scheint irgendwo in den HF-Stufen noch eine Verstopfung zu haben. Da müssen jetzt mal das Oszilloskop und der Messsender ran.
Ich gebe euch Bescheid, wenn ich damit die ersten Stationen empfangen kann.
Vielleicht wird die Anstalt ja nächstens unter Quarantäne gestellt - dann hätte ich jede Zeit der Welt.


Donnerstag, 6. Februar 2020

Das Münchner Kindl



Das Münchner Kindl ist das Stadtwappen der Stadt München. Ursprünglich sollte die Figur auf dem Wappen einen Mönch darstellen, doch im Verlaufe der Jahre ist daraus ein Kind geworden: zuerst ein Junge, dann ein Mädchen.

Doch für einige Old Timer unter den Funkamateuren ist das Münchner Kindl etwas anderes: ein kleiner Empfänger für das 80m Band, wohl ursprünglich als Peilgerät für sogenannte "Fuchsjagden" gedacht, aber auch einfach ein patentes Taschenradio für das 80m Band. Um damit CW oder SSB Stationen zu hören, braucht das Kindl dank Ferritantenne und sehr guter Empfindlichkeit keinen langen Antennendraht.
Natürlich können heutige Peilempfänger auch als 80m Taschenradio dienen. Doch können sie das so gut wie das Münchner Kindl?


Das Kindl hat nicht nur einen Lautsprecher, sondern auch einen NF und einen RF Regler und sogar ein S-Meter. Die Abstimmung befindet sich auf der rechten Seite. Oben links ist die kleine Stabantenne für Seitenbestimmung und die zugehörige Taste zu sehen, wie man sie zum Peilen braucht.
Bisher habe ich kein Schema des Münchner Kindl gefunden, und kaufen kann man so ein Gerät auch nicht. Es wird wohl nichts anderes übrig bleiben, als bei Null anzufangen.
Damit am Abend beim Feuer vor der Anstalt zu sitzen, den Fledermäusen zuzugucken und dazu den CW-Signalen im 80m Band zu lauschen, ist ein verlockender Gedanke.