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Freitag, 26. Juni 2020

UKW aus dem Alpental - Teil 4



Mit dem Teil 4 geht mein Bericht vorerst zu Ende. Zumindest die Season #1. Season #2 kommt dann im Herbst. Etwa zu der Zeit, wenn die zweite Corona-Welle so richtig in Gang kommen wird, glaubt man den Virologen. 

Doch zuerst eine erfreuliche Nachricht. Der ICOM IC-705 ist in Produktion. In Japan ist er bereits erhältlich und es wird nun nicht mehr lange gehen, bis auch wir dieses Gerät kaufen können. Zwar ist das Design etwas gewöhnungsbedürftig: der Transceiver kommt in Kotzform Klotzform daher. Aber wir haben uns ja bereits an die Pultform beim IC-7100 gewöhnt. Vielleicht hat dann der nächste Transceiver Stangenform.
Das folgende Video zeigt die Zerlegung (Teardown) des IC-705 durch einen furchtlosen Japaner:


Wenn ihr diese Szene gerne nachstellen möchtet, empfehle ich die Benutzung von JIS-Schraubenziehern. Bei japanischen Funkgeräten, Motorrädern etc. wichtig, wenn man nicht die Schrauben vermurksen möchte.
Ja, ich weiß, liebe Oberlehrer: In manchen Teilen des deutschsprachigen Raums heißt das Schraubendreher. Also erspart mir eure Kommentare.

Aber nun ab ins Alpental. Zweck der Übung war ja das Testen von direkten Funkverbindungen mit Stationen jenseits der Berge. Die VHF/UHF-Wellen folgen zwar den Gesetzen der Optik, doch da gibt es mehr Möglichkeiten als nur Verbindungen auf Sicht. Der folgende Vortrag (Englisch) ist eine tolle Zusammenfassung der Ausbreitungsmöglichkeiten ultrakurzer Wellen:

   
 All dies, was Dr John Worsnop G4BAO hier berichtet, gilt natürlich auch für ein QTH, umzingelt von Berggipfeln und Kühen. Und so konnte ich während meines Aufenthalts im Val de Charmey beruhigt feststellen: Aus dem Tal kann man auch ohne Relaisstationen funken. 

Trotzdem sind Relaisstationen eine nützliche Einrichtung, wenn man in einem Alpental sitzt. Ausbreitungsversuche lassen sich darüber abmachen und koordinieren. Auch mit Freunden an wirklich unglücklichen Funkorten und mit bescheidenen Antennen kann man in Verbindung bleiben.

Gerade hat mir die Pöstlerin einen FTM-7250D gebracht, den ich bei meinem nächsten Aufenthalt im Tal testen will. Das Teil macht 50 W im 2 m und 70 cm Band und kann FM und C4FM. Ein Backup-Gerät für alle Fälle.
Allerdings habe ich bisher noch keine Relaisstation entdeckt, über die eine Verbindung in der digitalen Betriebsart C4FM möglich wäre. Aber was nicht ist, kann noch werden. Wunder sind jederzeit möglich. Allerdings haben Wunder die lästige Eigenschaft, dass sie sich nicht nach Belieben reproduzieren lassen.
Wenn ich die Schweizer Relais-Liste anschaue, so gibt es zwar eine unglaubliche Menge an Relais. Jeder Radioladen und jedes Klübchen kocht sein eigenes Süppchen. Und da Höhenstandorte für Relais selten im Angebot und teuer im Unterhalt sind, wird die Suppe halt im Tal gekocht. Was gibt es schöneres für einen Administrator, als ein Relais in der eigenen Bude?
So kommt es, das immer mehr Relais nicht mehr auf einem Berggipfel sitzen, sondern irgendwo im Tal. Nur Charmey hat noch keins.

C4FM ist die einzige digitale Betriebsart, deren Gebrauch mich nicht überfordert. Wobei mir diese Wires-X Geschichte schon etwas suspekt ist. Wieso sollte ich auf die Idee kommen, mich via Internet in ein Relais irgendwo in Takatuka-Land einzuschalten? 
Da könnte ich doch gerade selbst ins Internet einsteigen.
Aber Halt! Ich bin ja Funker. Staatlich geprüfter und zertifizierter mit CE-Stempel auf dem Gerät (China Export). Da muss unbedingt ein Funkgerät im Spiel sein.
Wie wäre es zum Beispiel mit einem Hotspot in der eigenen Funkbude? Gewissermaßen die Minimalversion einer persönlichen Relaisstation? Richte ich dann noch einen Hotspot im Auto und in meinem Rucksack ein, steht meiner Handfunke immer der Weg in die weite Welt offen.

Aber es geht noch einfacher: Jedes Smartphone ist nämlich auch eine Handfunke, auch wenn dessen Benutzer nichts davon weiss. Man braucht nur die richtige App und schon ist man via Smartphone QRV.
Die App heisst Zello und verspricht eine Verbindung in jede beliebige Funkgruppe. Es hart dort auch Chaträume und es hätte mich gewundert, wären dort nicht schon längstens Schweizer OM unterwegs.

Dabei bleibt die wichtigste Eigenschaft des Funkens unangetastet: Das "Push to Talk" Prinzip. In Deutsch: Drücke den Knochen, wenn du sprechen willst. 
Trotzdem werden vielleicht einige Hardcore-Funker Mühe damit haben, einfach ihr Smartphone zu benutzen, wie der liebe Nachbar, der ja kein diplomierter Amateurfunker ist. Das kann ich gut verstehen. Denn das Auge funkt mit. Irgendwie sollte ein Funkgerät immer noch nach Funkgerät aussehen. Sonst beginnt der geneigte Funker zu fremdeln. Aber auch in diesem Fall kann geholfen werden. Dazu gibt es Smartphones zu kaufen, die wie ein Funkgerät aussehen, inkl. Stummelantenne.

Wer braucht da noch C4FM oder gar Demenzradio - abgekürzt DMR?
Nicht nur in der Anstalt hängt man solchen Gedanken nach. Sogar die Schweizer C4FM-Seite hat diese Schlüsse gezogen. 
   
     
  

Freitag, 5. Juni 2020

UKW aus dem Alpental - Teil 3


Relaisstationen sind eine praktische Einrichtung, um von einem Tal ins andere zu funken. Hierzulande gibt es jede Menge davon: FM, D-Star, C4FM, DMR. Auf den meisten herrscht gähnende Stille. Ruft man CQ, wird die Stille noch stiller. Man gehört halt nicht zur Clique.
Trotzdem oder gerade deswegen, sind Relais praktisch, um Funkversuche zu koordinieren. 
Sehr gut erreichbar sind von hier aus die 2m Relais HB9F in Magglingen, oberhalb der Stadt Biel in 880m Höhe, und das 70cm Relais auf dem Chasseral in 1606m Höhe. Beide versorgen einen großen Bereich des Schweizer Mittellandes und darüber hinaus. Beide Relaisstationen arbeiten in FM und sind auch mit einem Handfunkgerät von Charmey aus zu erreichen.

Leider kann ich mein FT-70D von Yaesu nicht mehr richtig bedienen. Es piepst oder zeigt Error und das Lesen des Handbuchs macht mich nervös. Ein typisches Zeichen von Radio Demenz. Immerhin komme ich mit dem IC-9700 einigermaßen zurecht. Außer mit D-Star. Einen Kontakt in dieser digitalen Betriebsart habe ich bisher noch nicht zustande gebracht. Aber vielleicht liegt das nicht nur an meiner Radio Demenz, sondern auch daran, dass diese digitalen Betriebsarten von IT-Freaks und nicht von Funkern entwickelt wurden. 

Aber auch mein IC-9700 macht mir hier oben zuweilen Sorgen. Da ist nämlich ein Sendemast auf der Südseite des Dorfes mit diversen Funkantennen. Eine davon verbreitet den sogenannten Funkruf - andernorts Pager genannt. Dummerweise auf Frequenzen im Bereich 147 MHz. Der IC-9700 reagiert darauf mit Overflow des A/D-Wandlers und Störungen. Für seine Vorselektion ist das Signal frequenzmäßig zu nahe und zu stark (150W ERP) und der Icom wird daher durch die Pager-Signale zugestopft. 
Je nach Antennenrichtung und Polarisation (Der Funkruf ist vertikal polarisiert) ist es mehr oder weniger schlimm.
Erstaunlicherweise bietet der Einsatz der IP+ Taste im Funktionsmenü etwas Abhilfe. Zwar nicht 100%, aber immerhin ohne merkbare Empfindlichkeitseinbusse.

Doch kommen wir zu den Direktverbindungen. Hier konnte ich vom Swiss Activity Contest profitieren, der letzten Dienstag im 2m Band stattfand. SSB-Verbindungen ins Schweizer Mittelland waren bis in die Gegend von Olten möglich. Die Städte Bern, Lausanne und Genf waren gut erreichbar. Zum Teil benutzten die Gegenstationen nur einfache Vertikalantennen (Blindenstock). Zürich und die ganze Nordost-Schweiz ist von hier aus ein einziges großes Funkloch. Erst ennet dem Bodensee und im Schwarzwald geht es weiter, wie meine FT-8 Versuche zeigten. 

Aber es gibt auch Funklöcher ganz in der Nähe - ca. 40km entfernt - eines davon ist das Aaretal zwischen Thun und Bern. Interessanterweise kamen aber FM-Verbindungen ins Emmental - dort wo der Käse mit den großen Löchern herkommt - wieder zustande. Zum Beispiel mit Daniel HB9BWV. 
Irgendwie ist es ein bisschen eine Lotterie und die Gewinne und Verluste sind nicht immer klar erklärbar. Manchmal "fließen" die 2m Wellen auch in die abgelegensten Funklöcher wie WD-40.

Neben Radio Mobile von VE2DBE zur Ausbreitungsprognose haben sich hier auch andere Tools als nützlich erwiesen: Mit der App Peakfinder auf meinem Android-Handy konnte ich die Gipfel rund herum zwar identifizieren. Doch erst mit dem Online Tool Make Panoramas von Ulrich Deutschle konnte ich auch die Entfernungen und Höhen bestimmen. Beim Wandern in der Umgebung kamen dann die Karten der Schweizer Landestopografie zum Einsatz, die im Internet online frei verfügbar sind.

Wie bereits erwähnt, sind Blindenstock-Antennen im Alpental ungeeignet. Neben der flachen Strahlungskeule, die nur die umliegenden Berghänge aufheizt, anstatt den Gipfeln einzuheizen, haben sie noch eine andere unangenehme Eigenschaft: Mehrwegempfang. Die Signale aus unterschiedlichen Richtungen löschen sich zuweilen gegenseitig aus und verursachen Modulationsverzerrungen. Das geht soweit, dass S9-Signale völlig ausgelöscht werden oder die Modulation unverständlich verzerrt wird. Kleinste Variationen in den Ausbreitungspfaden (wetterbedingt) führen in den Bergen zu Effekten, die vermutlich den Funkamateuren im Flachland weniger bekannt sind. Diese Effekte sind nicht immer reziprok. Vor allem dann nicht, wenn die eine Station einen Rundstrahler und die andere einen Richtstrahler benutzt.

Wie bereits erwähnt, setze ich eine 4 Element Yagi nach DK7ZB ein, die ich mit einem Handgriff vertikal oder horizontal stellen kann (umsteckbarer Vierkant). Dazu und zur Antennenproblematik generell, mehr im nächsten Teil dieser Serie. Stay tuned.