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Dienstag, 7. Juli 2020

Von Schnapsideen und Mantelsperren



Beim Genuss von Tastenöl (Ham Sprit) entwickeln Funker oft seltsame Ideen. Oft geht es dabei um Antennen. Das liegt daran, dass man bei einer elektronischen Schaltung ziemlich rasch erkennt, wenn diese nicht funktioniert. Bei Antennen ist das nicht so einfach. Denn auch die dümmsten Antennen strahlen noch. Und um Antennen zu messen, bleibt dem Normalfunker meist nur der Vergleich. Da dieser oft hinkt, hilft man sich mit Anekdoten: "Ich habe mit meiner Bierantenne Takatuka-Land gemacht und FiveNine bekommen."

Eine dieser Schnapsideen ist die Mantelwellensperre aus Stahlwolle:
Steckt man ein Koaxialkabel durch ein Stück Stahlwolle, wie sie im Haushalt zur Reinigung eingesetzt wird, soll diese diese angeblich Mantelwellen aufhalten, reduzieren, auflösen, oder was auch immer.
Diese Schnapsidee hat es sogar in das renommierte ARRL-Handbuch geschafft.
W8JI hat diesen angeblichen "Wunderbalun" untersucht und ausgemessen und seine Resultate in einem interessanten Artikel zusammengefasst. Sein Fazit: Ein Hoax!

Vermutlich sind weltweit einige dieser Stahlwollen-Sperren "in Betrieb". Doch die wenigsten Besitzer merken vermutlich, dass ihr Wunderbalun nicht funktioniert. Ein bisschen HF in der Bude kann ja nicht schaden und fördert die Aufmerksamkeit. Hauptsache das SWR stimmt, sagen sich die meisten. 

Auch Ferritkerne als Mantelwellensperren erweisen sich manchmal als Flop. Erst wenn sich der Funker daran die Finger verbrennt, kommt ihm in den Sinn, dass da wohl was verkehrt ist. Bei Kurzwelle versperrt die Mantelwellensperre zuweilen den Weg zum notwendigen Gegengewicht, das bei Wunderantennen meistens aus dem Mantel des Koaxkabels besteht und bei VHF/UHF besitzt das Kernmaterial manchmal die falschen Eigenschaften und ist wirkungslos, wie ich schon feststellen musste

Nein, ich bin kein Mantelsperren-Gegner. Zumindest auf Kurzwelle sind die Dinger sinnvoll. Doch was die höheren Frequenzen anbelangt, haben mich Zweifel beschlichen. 
Nehmen wir zum Beispiel mal eine Yagi-Antenne für das 23cm Band, also für 1.3 GHz. Bei dieser Frequenz hat bereits ein kurzes Leitungsstück einen beachtlichen Blindwiderstand. Ein gestreckter Leiter, wie es zum Beispiel ein Stück Koaxialkabel mit der Aussenfläche seiner Abschirmung darstellt, hat mit nur 10cm Länge bereits eine Induktivität von 73nH (bei einem 5mm Koax). 
Bei 1.3 GHz ist XL also ca. 600 Ohm. Bei einigen 10cm Koax an der Antenne, müssen wir uns also im 23cm Band keine Sorgen mehr machen. Dass die Mantelwellen gar in den Shack gelangen, ist so unwahrscheinlich wie ein Sechser im Lotto. 
Aber auch im 70cm Band dürften Mantelwellen kein großes Problem sein, wie sogar der Antennenpapst Martin DK7ZB zugeben muss (siehe FA 2/10, Seite 167). 
Denn schon 30cm 10mm-Koax haben bei 430 MHz ein XL von ca, 650 Ohm.

Film: Kamov KA32 der Heliswiss in Epagny FR

Freitag, 26. Juni 2020

UKW aus dem Alpental - Teil 4



Mit dem Teil 4 geht mein Bericht vorerst zu Ende. Zumindest die Season #1. Season #2 kommt dann im Herbst. Etwa zu der Zeit, wenn die zweite Corona-Welle so richtig in Gang kommen wird, glaubt man den Virologen. 

Doch zuerst eine erfreuliche Nachricht. Der ICOM IC-705 ist in Produktion. In Japan ist er bereits erhältlich und es wird nun nicht mehr lange gehen, bis auch wir dieses Gerät kaufen können. Zwar ist das Design etwas gewöhnungsbedürftig: der Transceiver kommt in Kotzform Klotzform daher. Aber wir haben uns ja bereits an die Pultform beim IC-7100 gewöhnt. Vielleicht hat dann der nächste Transceiver Stangenform.
Das folgende Video zeigt die Zerlegung (Teardown) des IC-705 durch einen furchtlosen Japaner:


Wenn ihr diese Szene gerne nachstellen möchtet, empfehle ich die Benutzung von JIS-Schraubenziehern. Bei japanischen Funkgeräten, Motorrädern etc. wichtig, wenn man nicht die Schrauben vermurksen möchte.
Ja, ich weiß, liebe Oberlehrer: In manchen Teilen des deutschsprachigen Raums heißt das Schraubendreher. Also erspart mir eure Kommentare.

Aber nun ab ins Alpental. Zweck der Übung war ja das Testen von direkten Funkverbindungen mit Stationen jenseits der Berge. Die VHF/UHF-Wellen folgen zwar den Gesetzen der Optik, doch da gibt es mehr Möglichkeiten als nur Verbindungen auf Sicht. Der folgende Vortrag (Englisch) ist eine tolle Zusammenfassung der Ausbreitungsmöglichkeiten ultrakurzer Wellen:

   
 All dies, was Dr John Worsnop G4BAO hier berichtet, gilt natürlich auch für ein QTH, umzingelt von Berggipfeln und Kühen. Und so konnte ich während meines Aufenthalts im Val de Charmey beruhigt feststellen: Aus dem Tal kann man auch ohne Relaisstationen funken. 

Trotzdem sind Relaisstationen eine nützliche Einrichtung, wenn man in einem Alpental sitzt. Ausbreitungsversuche lassen sich darüber abmachen und koordinieren. Auch mit Freunden an wirklich unglücklichen Funkorten und mit bescheidenen Antennen kann man in Verbindung bleiben.

Gerade hat mir die Pöstlerin einen FTM-7250D gebracht, den ich bei meinem nächsten Aufenthalt im Tal testen will. Das Teil macht 50 W im 2 m und 70 cm Band und kann FM und C4FM. Ein Backup-Gerät für alle Fälle.
Allerdings habe ich bisher noch keine Relaisstation entdeckt, über die eine Verbindung in der digitalen Betriebsart C4FM möglich wäre. Aber was nicht ist, kann noch werden. Wunder sind jederzeit möglich. Allerdings haben Wunder die lästige Eigenschaft, dass sie sich nicht nach Belieben reproduzieren lassen.
Wenn ich die Schweizer Relais-Liste anschaue, so gibt es zwar eine unglaubliche Menge an Relais. Jeder Radioladen und jedes Klübchen kocht sein eigenes Süppchen. Und da Höhenstandorte für Relais selten im Angebot und teuer im Unterhalt sind, wird die Suppe halt im Tal gekocht. Was gibt es schöneres für einen Administrator, als ein Relais in der eigenen Bude?
So kommt es, das immer mehr Relais nicht mehr auf einem Berggipfel sitzen, sondern irgendwo im Tal. Nur Charmey hat noch keins.

C4FM ist die einzige digitale Betriebsart, deren Gebrauch mich nicht überfordert. Wobei mir diese Wires-X Geschichte schon etwas suspekt ist. Wieso sollte ich auf die Idee kommen, mich via Internet in ein Relais irgendwo in Takatuka-Land einzuschalten? 
Da könnte ich doch gerade selbst ins Internet einsteigen.
Aber Halt! Ich bin ja Funker. Staatlich geprüfter und zertifizierter mit CE-Stempel auf dem Gerät (China Export). Da muss unbedingt ein Funkgerät im Spiel sein.
Wie wäre es zum Beispiel mit einem Hotspot in der eigenen Funkbude? Gewissermaßen die Minimalversion einer persönlichen Relaisstation? Richte ich dann noch einen Hotspot im Auto und in meinem Rucksack ein, steht meiner Handfunke immer der Weg in die weite Welt offen.

Aber es geht noch einfacher: Jedes Smartphone ist nämlich auch eine Handfunke, auch wenn dessen Benutzer nichts davon weiss. Man braucht nur die richtige App und schon ist man via Smartphone QRV.
Die App heisst Zello und verspricht eine Verbindung in jede beliebige Funkgruppe. Es hart dort auch Chaträume und es hätte mich gewundert, wären dort nicht schon längstens Schweizer OM unterwegs.

Dabei bleibt die wichtigste Eigenschaft des Funkens unangetastet: Das "Push to Talk" Prinzip. In Deutsch: Drücke den Knochen, wenn du sprechen willst. 
Trotzdem werden vielleicht einige Hardcore-Funker Mühe damit haben, einfach ihr Smartphone zu benutzen, wie der liebe Nachbar, der ja kein diplomierter Amateurfunker ist. Das kann ich gut verstehen. Denn das Auge funkt mit. Irgendwie sollte ein Funkgerät immer noch nach Funkgerät aussehen. Sonst beginnt der geneigte Funker zu fremdeln. Aber auch in diesem Fall kann geholfen werden. Dazu gibt es Smartphones zu kaufen, die wie ein Funkgerät aussehen, inkl. Stummelantenne.

Wer braucht da noch C4FM oder gar Demenzradio - abgekürzt DMR?
Nicht nur in der Anstalt hängt man solchen Gedanken nach. Sogar die Schweizer C4FM-Seite hat diese Schlüsse gezogen. 
   
     
  

Freitag, 5. Juni 2020

UKW aus dem Alpental - Teil 3


Relaisstationen sind eine praktische Einrichtung, um von einem Tal ins andere zu funken. Hierzulande gibt es jede Menge davon: FM, D-Star, C4FM, DMR. Auf den meisten herrscht gähnende Stille. Ruft man CQ, wird die Stille noch stiller. Man gehört halt nicht zur Clique.
Trotzdem oder gerade deswegen, sind Relais praktisch, um Funkversuche zu koordinieren. 
Sehr gut erreichbar sind von hier aus die 2m Relais HB9F in Magglingen, oberhalb der Stadt Biel in 880m Höhe, und das 70cm Relais auf dem Chasseral in 1606m Höhe. Beide versorgen einen großen Bereich des Schweizer Mittellandes und darüber hinaus. Beide Relaisstationen arbeiten in FM und sind auch mit einem Handfunkgerät von Charmey aus zu erreichen.

Leider kann ich mein FT-70D von Yaesu nicht mehr richtig bedienen. Es piepst oder zeigt Error und das Lesen des Handbuchs macht mich nervös. Ein typisches Zeichen von Radio Demenz. Immerhin komme ich mit dem IC-9700 einigermaßen zurecht. Außer mit D-Star. Einen Kontakt in dieser digitalen Betriebsart habe ich bisher noch nicht zustande gebracht. Aber vielleicht liegt das nicht nur an meiner Radio Demenz, sondern auch daran, dass diese digitalen Betriebsarten von IT-Freaks und nicht von Funkern entwickelt wurden. 

Aber auch mein IC-9700 macht mir hier oben zuweilen Sorgen. Da ist nämlich ein Sendemast auf der Südseite des Dorfes mit diversen Funkantennen. Eine davon verbreitet den sogenannten Funkruf - andernorts Pager genannt. Dummerweise auf Frequenzen im Bereich 147 MHz. Der IC-9700 reagiert darauf mit Overflow des A/D-Wandlers und Störungen. Für seine Vorselektion ist das Signal frequenzmäßig zu nahe und zu stark (150W ERP) und der Icom wird daher durch die Pager-Signale zugestopft. 
Je nach Antennenrichtung und Polarisation (Der Funkruf ist vertikal polarisiert) ist es mehr oder weniger schlimm.
Erstaunlicherweise bietet der Einsatz der IP+ Taste im Funktionsmenü etwas Abhilfe. Zwar nicht 100%, aber immerhin ohne merkbare Empfindlichkeitseinbusse.

Doch kommen wir zu den Direktverbindungen. Hier konnte ich vom Swiss Activity Contest profitieren, der letzten Dienstag im 2m Band stattfand. SSB-Verbindungen ins Schweizer Mittelland waren bis in die Gegend von Olten möglich. Die Städte Bern, Lausanne und Genf waren gut erreichbar. Zum Teil benutzten die Gegenstationen nur einfache Vertikalantennen (Blindenstock). Zürich und die ganze Nordost-Schweiz ist von hier aus ein einziges großes Funkloch. Erst ennet dem Bodensee und im Schwarzwald geht es weiter, wie meine FT-8 Versuche zeigten. 

Aber es gibt auch Funklöcher ganz in der Nähe - ca. 40km entfernt - eines davon ist das Aaretal zwischen Thun und Bern. Interessanterweise kamen aber FM-Verbindungen ins Emmental - dort wo der Käse mit den großen Löchern herkommt - wieder zustande. Zum Beispiel mit Daniel HB9BWV. 
Irgendwie ist es ein bisschen eine Lotterie und die Gewinne und Verluste sind nicht immer klar erklärbar. Manchmal "fließen" die 2m Wellen auch in die abgelegensten Funklöcher wie WD-40.

Neben Radio Mobile von VE2DBE zur Ausbreitungsprognose haben sich hier auch andere Tools als nützlich erwiesen: Mit der App Peakfinder auf meinem Android-Handy konnte ich die Gipfel rund herum zwar identifizieren. Doch erst mit dem Online Tool Make Panoramas von Ulrich Deutschle konnte ich auch die Entfernungen und Höhen bestimmen. Beim Wandern in der Umgebung kamen dann die Karten der Schweizer Landestopografie zum Einsatz, die im Internet online frei verfügbar sind.

Wie bereits erwähnt, sind Blindenstock-Antennen im Alpental ungeeignet. Neben der flachen Strahlungskeule, die nur die umliegenden Berghänge aufheizt, anstatt den Gipfeln einzuheizen, haben sie noch eine andere unangenehme Eigenschaft: Mehrwegempfang. Die Signale aus unterschiedlichen Richtungen löschen sich zuweilen gegenseitig aus und verursachen Modulationsverzerrungen. Das geht soweit, dass S9-Signale völlig ausgelöscht werden oder die Modulation unverständlich verzerrt wird. Kleinste Variationen in den Ausbreitungspfaden (wetterbedingt) führen in den Bergen zu Effekten, die vermutlich den Funkamateuren im Flachland weniger bekannt sind. Diese Effekte sind nicht immer reziprok. Vor allem dann nicht, wenn die eine Station einen Rundstrahler und die andere einen Richtstrahler benutzt.

Wie bereits erwähnt, setze ich eine 4 Element Yagi nach DK7ZB ein, die ich mit einem Handgriff vertikal oder horizontal stellen kann (umsteckbarer Vierkant). Dazu und zur Antennenproblematik generell, mehr im nächsten Teil dieser Serie. Stay tuned.   





Donnerstag, 4. Juni 2020

UKW Aus dem Alpental - Teil 2



Es gibt zurzeit kein besseres Instrument, um die Möglichkeiten eines UKW-Standorts abzuschätzen, als den Betrieb mit FT-8. Damit lassen sich die verschiedenen Strahlrichtungen ausprobieren und vergleichen. Im Gegensatz zu den 59 Rapporten bei Funkwettbewerben sagt einem der Computer meist die Wahrheit und liefert akkurate Rapporte in dB Rauschabstand. Meist zwar im negativen Bereich und deshalb für SSB- oder gar FM-Betrieb als Ersatz für die FT-8 Verbindung ungeeignet. CW allerdings ist meist möglich, wenn man das FT-8 Signal von Ohr hören kann. 

An meinem Standort unten im Tal von Charmey stellte ich rasch fest, dass nur zwei Strahlrichtungen in Frage kommen. Talabwärts Richtung Moléson, also Südwest, und talaufwärts, hinauf zu den Felszacken der Gastlosen. Also Richtung Ost-Südost. 

Es ist übrigens keine gute Idee, einen Blindenstock (Vertikaler Rundstrahler) in ein Gebirgstal mitzunehmen. Erstens hat man damit keine Ahnung wo das Teil die Aetherwellen hinschickt oder herholt. Zweitens heizt man damit nur die umliegenden Berghänge auf. Denn Vertikalantennen strahlen flach. Je länger sie sind, desto mehr werden die Wellen in der Vertikalen gebündelt. Das Stichwort für die Antenne im Alpental heisst Elevation. Eine Yagi-Antenne ist deshalb das Instrument der Wahl. Diese wird aber so gerichtet, dass sie nicht geradeaus schaut, sondern hoch zu den Gipfeln.

Für vertikal polarisierte Stationen (die Blindenstock-Freunde ennet dem Berg) muss die Yagi in der Regel auch vertikal gestellt werden. Bei DX-Verbindungen ist die Polarisation weniger wichtig. Die Polarisations-Dämpfung bei unterschiedlich polarisierten Antennen nimmt mit der Distanz in der Regel ab.  In einigen Fällen kann man sogar eine Polarisations-Drehung feststellen.
Es lohnt sich, eine Antenne dabei zu haben, bei der man die Polarisation rasch umschalten kann.
Die FT-8 Verbindungen in den folgenden zwei Bildern kamen ausschließlich mit vertikaler Polarisation zustande. Eingesetzt wurde eine 4 Element Vormast-Yagi nach DK7ZB mit 100 Watt vom Icom IC-9700.

Die Verbindungen im ersten Bild kamen mit Ausnahme der beiden deutschen Stationen Nähe Friedrichshafen (DC2TH) und vis à vis Strassburg (DK0A) mit der Yagi talabwärts zustande. Für Strassburg und Friedrichshafen musste ich die Antenne jedoch talaufwärts drehen.         



Der zweite Anlauf mit der Betriebsart FT-8 förderte noch erstaunlichere Resultate zu Tage. Von Westen näherte sich bereits eine dunkle Gewitterfront. Doch wo kein Blitz, da kann man ruhig senden. Ob die Front einen Einfluss hatte, wird sich bei weiteren Versuchen zeigen. Obwohl die vertikale Yagi auch diesmal gegen Südwesten gerichtet war, kam ein QSO mit IZ2SVA zustande. Allesandro's QTH liegt am Comersee nördlich von Mailand und sein Signal kam mit -11dB unter dem Rauschen bei mir an. Aus Südwesten!
F1DRN in der Nähe von Marseille und F1NZC südwestlich von Clérmont-Férrand in der wunderschönen Auvergne waren weitere DX-Stationen. Sie wurden allerdings übertroffen von F4CWN. Florent hat sein QTH westlich von Toulouse und ist fast 600km von Charmey entfernt. Er konnte mich mit -11dB empfangen.



Soweit meine ersten Erfahrungen im Alpental. Im dritten Teil geht es weiter. Ich werde dann über SSB und FM Verbindungen berichten. Aber auch über Störungen von einem Pager-Sender in der Nähe und weiteren "Spezialitäten" hier oben.


Freitag, 29. Mai 2020

UKW im Alpental - Teil 1



In den nächsten Jahren plant die Direktion der Anstalt einen Umzug in die Berge. Das Klima sei dort für die Insassen besser, wird gemunkelt.
Für einen funkenden Insassen wäre diese Nachricht eine gute. Denkt man doch automatisch an einen SOTA-Gipfel oder Contest-Standort für VHF/UHF und Mikrowellen-Wettbewerbe.
Doch der Umzug auf einen Berggipfel ist nur ein schöner Traum. In den Alpen wohnt man nämlich gemeinhin im Tal. Mit Bergen rundherum.

Kurzwelle ist zwischen hohen Gipfeln zwar ein Problem für den Kurzwellen DX'er, der auf flache Abstrahlung setzt, um ferne Kontinente und rare Inseln zu erreichen. Aber für regionale und europäische KW-Verbindungen reicht ein Draht im nächsten Baum.

Doch wie sieht es für den Freund ultrakurzer Wellen aus, der nicht auf die Hilfe der Ionosphäre zählen kann?
Muss er immer auf den nächsten Gipfel kraxeln, wenn er mehr als ein paar Kilometer überbrücken will? Wie kann er mit seinen Freunden im 2m oder 70cm Band in Verbindung bleiben, die in der Stadt ennet dem Berg leben?
Bleibt da nur eine Relaisstation oder gar ein Satellit?

Um diese Fragen zu beantworten, habe ich den IC-9700 und einige Antennen zusammengepackt, mich im Schutze der Nacht aus der Anstalt geschlichen und für eine Weile in einem Tal einquartiert, das mir besonders gut gefällt. Es heißt Val de Charmey und liegt, wie der Name bereits vermuten lässt, im Französisch sprechenden Teil der Schweiz.
Da Funker nicht in Straßenkilometer denken, sondern in Luftlinie - auch wenn dazwischen Berge liegen - hier die entsprechenden Entfernungen zu den nächsten Städten: 
Fribourg, die Hauptstadt des gleichnamigen Kantons ist bloß 40 km entfernt, Lausanne und Bern ebenfalls. Genf am unteren Ende des Genfersees ist aber bereits gute 90 km und Zürich, das sich für die Hauptstadt der Schweiz hält, gar 130 km Luftlinie entfernt.

Kann man auf UKW diese Städte direkt erreichen? Vielleicht mit Reflexionen an Felswänden, mittels Diffraktion oder gar Troposcatter? Wie sieht es mit UKW Verbindungen ins benachbarte Ausland aus?

Im Tal angekommen, macht sich in der Seele des UKW-Funkers leichte Panik breit. Der Horizont ist hoch, die Gipfel, meist mit dem Vornamen "Dent" (Zahn) einschüchternd. Ein erster Griff zum Handy macht wenig Freude. Nur zwei Relaisstationen geben Lebenszeichen von sich. Dazwischen ist das Band totenstill. 

Talabwärts ist ein mächtiger Felsklotz zu sehen, der Moléson. 13km entfernt und 2000 Meter hoch. Wie könnte es anders sein: Natürlich ein SOTA-Gipfel. Bequem mit der Bergbahn erreichbar. Wird er der rettende Reflektor sein? Talaufwärts liegt der Jaunpass, der u.a. nach Gstaad führt, dort wo die Reichen und Schönen wohnen.

Ganz ahnungslos habe ich mich aber nicht nach Charmey aufgemacht. Da gibt es nämlich ein tolles Tool, das UKW Ausbreitungs-Prognosen erstellt. Es nennt sich Radio Mobile und interessierte Radioamateure können es kostenfrei benutzen. Es wurde von Roger Coudé VE2DEB erstellt und ich habe damit bereits gute Erfahrungen gemacht.

Hier nun die Prognose für einen 100 W Sender in Charmey, der auf 144 MHz mit einem 6dBi Rundstrahler sendet. Auch der Empfänger besitzt eine solche Antenne und beide haben angenommene Kabelverluste von 1dB.

Links unten ist Genf (Genève), rechts oben der Bodensee mit Friedrichshafen zu sehen.
In der hellblauen Fläche sollte die Signalstärke 0.5uV oder mehr betragen, in der grün gefärbten Fläche mehr als 2uV. Wie wir sehen, ist die Prognose für die terrestrische Ausbreitung nicht berauschend. Bern und Genf liegen in Reichweite, doch gegen Nordwesten wird es zappenduster. Auch Frankreich wird durch die Jura-Berge wirkungsvoll abgeschirmt. 

In meinem nächsten Blogeintrag werde ich über die ersten praktischen Erfahrungen berichten. Stay tuned! 


      
Erstes Bild: Talaufwärts sind die Zähne der "Gastlosen" zu sehen.

Montag, 4. Mai 2020

Die Elch Antenne für das 2m und 70cm Band



Wer gerne von Berggipfeln funkt, greift oft zur altbewährten HB9CV-Antenne. Denn je mühsamer der Aufstieg, desto leichter die Antenne, lautet eine alte Funkerregel. Und die HB9CV ist in dieser Hinsicht kaum zu schlagen.

Oft genügt für SOTA-Aktivitäten das 2m Band. Für Funker, die noch 70cm dabei haben möchten, gibt es HB9CV-Kombis.
Wem das zuwenig Aluminium pro dB ist, kauft sich eine Elch-Antenne. Sie ist aufgebaut wie eine logarithmisch-periodische Antenne und verspricht auf 2m und 70cm viele dB Gewinn. "Logisch", denkt sich der Funker, "wo viel Alu ist, müssen auch viele Dezibel sein."

Ich habe mir so ein Elchgeweih gekauft und ausprobiert. Wer der Hersteller ist, blieb mir verborgen, aber es könnte diese Firma hier sein.
Wie auch immer. Mein Exemplar ist robust gebaut mit dickem Alu und rostfreien Schrauben. Die Elemente sind farbig markiert, damit man das Elchgeweih nicht durcheinander bringt.

Ihren Antennengewinn habe ich nicht gemessen, doch ein kurzer Vergleich mit der HB9CV zeigte keinen signifikanten Vorteil.
Dem gewieften Funker fällt auf, dass sie zwar wie eine Logper aussieht, aber keine echte logarithmisch-periodische Antenne für 144-440 MHz ist. Dazu müssten sich die Dipole bis auf eine Halbwelle für 70cm verjüngen. Das ist nicht der Fall:
Im 70cm Band arbeiten die Dipole als 1,5 Lambda-Strahler. Das Richtdiagramm ist dort deshalb ziemlich "aufgeblättert".
Das SWR ist im 2m Band brauchbar, im 70cm gerade so zu tolerieren. Und da sie keine echte Logper ist, weißt sie auch ausgeprägte Resonanzen auf. Leider außerhalb unserer Bänder.



Im 2m Band bei ca. 147.5 MHz und im 70cm Band bei ca. 450 MHz:


Diese Resonanzen könnten auch ein Hinweis darauf sein, dass die Antenne tatsächlich aus den USA stammt, dürfen doch die OM dort bis 148 MHz bzw. bis 450 MHz senden.

So sieht das SWR für unsere europäischen Verhältnisse aus. Jeweils bei 145 MHz und 435 MHz:





Samstag, 28. März 2020

AM aus der Quarantäne


Am stahlblauen Frühlingshimmel sind in diesen Tagen kaum Flugzeuge auszumachen. Ein Blick auf Flightradar24 zeigt fast nur noch Frachtmaschinen, Privatjets und einzelne Rückholflieger für gestrandete Touristen. Dafür sind die Amateurfunkbänder platschvoll. Vor allem FT8 erfreut sich großer Beliebtheit. In den FT8 Kanälen ist kaum eine Lücke zu finden: von 160m bis hinauf ins 10m Band. Ja 10m! Denn die Ionosphäre hat in den letzten Tagen aufgedreht. 10m war am späten Nachmittag zeitweise in Richtung Südamerika offen.

Wie vorauszusehen, wird in der Politik und den Medien die Frage nach dem Ende der Corona-Restriktionen immer heftiger diskutiert. "Deutschland halte das keine drei Monate durch", las man zum Beispiel, und der US-Präsident möchte ab Ostern wieder Normalbetrieb in der Wirtschaft. Man wird vermutlich einen Mittelweg finden und es wird interessant sein, die Auswirkungen in den verschiedenen Ländern zu beobachten.
Zwar lassen sich die meisten Arbeiter wohl wieder in die Fabriken "schicken", aber ob dann alle wieder auf Kreuzfahrt gehen, nach Malle fliegen und sich unbekümmert in Restaurants oder Stadions drängen, wage ich zu bezweifeln.

Wir Old Timer, die zuhause bleiben müssen, haben jetzt mehr Zeit für Bastelprojekte und Experimente.
In der Anstalt hatten wir einen Anfall von Nostalgie zu verzeichnen, und haben die uralte Amplitudenmodulation wieder hervorgekramt.

Die AM-Mittelwellensender werden ja immer rarer. Nur noch der Flugfunk und einige CB-Funker machen AM. Zwar können die meisten Amateurfunkgeräte nicht nur AM empfangen, sondern auch senden. Aber ich schätze, dass das bisher nur wenige Funker ausprobiert haben. AM ist in Vergessenheit geraten.

AM ist, technisch gesehen, reine Verschwendung: von Leistung und Bandbreite. Mein IC-7300, der die Amplitudenmodulation digital erzeugt, haut 25% der Leistung in den Träger und die restlichen 75 werden in die beiden Seitenbänder aufgeteilt. Resultat: mehr als doppelte Bandbreite als ein SSB-Signal.

Sowas Archaisches auf den überfüllten Bändern einzusetzen, wäre ein Affront ohne Hamsprit spirit.
Aber im oberen Teil des 160m Bandes, auf 10m und 6m hat es noch Platz für AM. Natürlich auch im 2m Band.

Das Resultat der Tests war verblüffend. Die Qualität der AM mit dem IC-7300 und auf UKW mit dem IC-9700 ist erstaunlich gut. Der AM-Sound ist faszinierend, besonders auf 160m und man fühlt sich ein halbes Jahrhundert in der Zeit zurückversetzt. Erstaunlicherweise schlägt sich die AM im 160m Band recht gut gegen den hohen Störpegel. Doch gegen SSB hat sie natürlich keine Chance bei leisen Signalen.
Die Bandbreite lässt sich zwar beim Empfang einstellen, doch beim Senden liegt sie fix bei ca. 3 kHz. Also etwa von 100Hz bis 3kHz. Gerade recht für alte Ohren.

Im folgenden Video empfängt Doug KD4MOJ den IC-7300 mit seinem Flex6700. Zuerst in SSB, mit und ohne Kompression, dann in AM. Neben dem AM-Signal ist auch die Wirkung der Kompression interessant. Wer nicht mit großen Antennen und Endstufen gesegnet ist, sollte nicht auf Kompression verzichten: bei SSB, notabene. In AM wäre sie kontraproduktiv und ist deshalb nicht zuschaltbar.

 

Sonntag, 20. Januar 2019

Schema zum High Power Transverter



Liebe Leserinnen und Leser
Hier ist euer Armin mit dem Schema des im letzten Beitrag vorgestellten 28/144 MHz Transverters.
Wie ihr sehen könnt, ist die Schaltung denkbar einfach.
Folgendes gibt es dazu noch zu sagen:

- Der Eingangskreis im Empfangsteil hat 5.5 Windungen mit 10mm Durchmesser. Der Abgriff erfolgt eine Windung über Masse. Die Einkoppelwindung besteht aus einer 10mm Schleife (1 Windung) und befindet sich am kalten Ende der Spule.

- Alle vier Bandfilter sind gleich aufgebaut: 8 Windungen auf T30-12 Kerne (grün-weiss) mit einer Kopplungswindung (einmal durch). Der Kopplungskondensator ist ein Gimmick (zwei verdrehte Drähte) mit ca 0.5pF.

- Die Ferrit Perlen (FB) haben ca. 1uH.

- Zwischen den Kammern und bei den Außenanschlüssen wurden für die Stromversorgung 1nF Durchführungskondensatoren eingesetzt (nicht eingezeichnet). Generell empfiehlt sich der großzügige Einsatz von Entkopplungskondensatoren. Ich habe meistens 10nF SMD im Format 1812 eingesetzt, aber bedrahtete Kondensatoren tun es auch.