Mittwoch, 15. Juni 2022

FT-8 Chancen und Risiken

 


Heutzutage läuft gut die Hälfte des Amateurfunks über FT-8. Dreht man über die Bänder, herrscht auf den FT-8 Kanälen reger Betrieb. Doch auf den anderen Frequenzen sind nur wenige SSB und CW Stationen zu hören. Der Grossteil des Funkverkehrs läuft also über einen einzigen FT8-Kanal pro Band. Dort herrscht Stau und Chaos. Vor allem, wenn die Bedingungen gut sind. 

Doch Amateurfunker sind findige Leute. Einige wählen den logischen Weg und sammeln sich in einem zweiten "inoffiziellen" FT8-Kanal. Vorzugsweise in der Nähe. Andere handeln nach der Devise "Auf die Dauer hilft nur Power:" In der Tat macht heute kaum einer mehr QRP in FT-8. Vorsichtige drehen die Kiste auf 50 Watt, in Sorge um die Gesundheit ihrer Endstufe. Weniger Bekümmerte machen auf volle Pulle und die, die schon auf dem Pausenplatz die Frechsten waren, schalten die Kilowatt-PA an.

Das ist sicher nicht im Sinne des Erfinders Joe Taylor. Aber wirksam ist es allemal. So kommt innert kürzester Zeit das DXCC zusammen und bald ist die ganze Welt im Kasten und der OM sucht verzweifelt nach Ländern die er noch nicht "gearbeitet" hat. Oder besser: die sein Computer noch nicht gearbeitet hat. Zweitverbindungen mit der gleichen Stationen ergeben keinen Sinn, gibt es doch nichts Neues zu erzählen. FT-8 Bekanntschaften oder sogar Freundschaften entstehen kaum. FT-8 ist eine hocheffiziente und minimalistische, aber im Grunde eine einsame Betriebsart. 

Trotzdem bedeutet sie nicht das Ende des Amateurfunks. Im Gegenteil. Sie ist eine Chance. 

FT-8 gibt jedem OM die Möglichkeit ferne Länder zu erreichen. Auch den so genannt Antennen-Geschädigten, also jenen, die keine langen Drähte  aufhängen, geschweige denn einen Tower mit Beam aufstellen können. Die ewig gestrigen Ausreden gelten heute nicht mehr. Mit FT-8 kann jeder mit kleiner Leistung und unscheinbaren Antennen mit der ganzen Welt Funkverbindungen tätigen. 

Eine Chance für Newcomer und Wiedereinsteiger. Eine Chance, die bei vielen Appetit auf mehr weckt. Zum Beispiel auf Funk draussen in der Natur: SOTA, POTA, WWFF. Oder auf die vielen anderen interessanten Nischen, die der Amateurfunk zu bieten hat: von Lang- bis Mikrowellen, vom Bausatz bis zur Software. Allein die Fantasie setzt den Aktivitäten im Äther Grenzen.

FT-8 war nicht die erste digitale Betriebsart im Amateurfunk. Und sie wird nicht die letzte digitale Betriebsart sein, die die Amateurfunkbänder erobert. Denn der Amateurfunk ist ein Experimental-Funkdienst. Neue Experimente kommen und verschwinden wieder. Der Amateurfunk lebt davon. 

Trotzdem hat auch er seine Konstanten und seine Nostalgie. Auch SSB und CW werden nicht verschwinden, wie so oft prophezeit. Genauso wenig wie AM im Flugfunk verschwinden wird. Lustigerweise findet zurzeit gerade eine Renaissance der Morsetelegrafie statt. Gerade QRP-Funker merken, dass CW dank seiner Effizienz und dem "Decoder/Encoder" im menschlichen Gehirn, die ideale Betriebsart für viele Aktivitäten ist. Und so macht sich manch ein SOTA-Aktivierer dran, auch diesen "Gipfel" zu ersteigen und lernt morsen.

vy 73 de HBFF-0021        

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