Montag, 25. Januar 2021

Fernsteuerung von Selbstbau-Magnetloop-Antennen

 


Magnetloop-Antennen spriessen im Antennenwald wie Pilze im Herbst nach einem Regentag. Sogar für den neuen Icom IC-705 gibt es jetzt so eine Hula-Loop Antenne. Doch die meisten dieser Loops sind nur billig gemacht aber keineswegs billig im Preis. Ein Plastikkästchen mit einem simplen Rundfunkdrehko und drum herum eine Schleife aus Koaxialkabel, und fertig ist das Wunderwerk. Da der Strahlungswiderstand einer kleinen Loop mit der vierten Potenz der Wellenlänge abnimmt, sind diese Dinger nur ab 30m abwärts richtig gut. 40m geht so und 80m kann man damit vergessen, gar nicht zu reden von 160m. Highpower liegt dort wo man es wegen dem miesen Wirkungsgrad am nötigsten hätte - im 80m Band - wegen dem Low Cost Drehko sowieso nicht drin. Sein Plattenabstand verträgt die Hochspannung von mehreren Kilovolt nicht.

Doch was am meisten nervt, ist die Abstimmung von Hand. Da wird rasch der Arm lahm, wenn man nicht seinen Kopf in den Ring stecken will. Davon wird von den Herstellern natürlich abgeraten. Dabei würde die HF ganz gut tun, wie Heilpraktiker zu beweisen versuchen.

Auch bei meinem 160m Loop ging mir die Abstimmung rasch auf den Keks, obwohl das Teil in meiner Funkbude steht.

Glücklicherweise gibt es Hilfe aus der E-Bucht. Dort findet man passende Motörchen die, mit Schneckengetriebe ausgerüstet, ein genügend hohes Drehmoment entwickeln, um auch den widerspenstigsten Vakuum-Kondensator zu bewegen. Ich habe mich für ein 12Volt Schneckenmotörchen entschieden, das 2 Umdrehungen pro Minute schafft. Schnell genug, um den CW-Teil in nützlicher Frist zu durchqueren und langsam genug, um ohne Zittern auf Resonanz abzustimmen. 

So ein Motörchen würde übrigen auch ganz gut ein Rotörchen für eine HB9CV oder eine kleine UKW-Yagi abgeben. Zum Beispiel auf dem Balkon oder vor dem Dachfenster, in Sichtweite des OP.

Doch zurück zu der Fernabstimmung. Natürlich taucht da sofort die Frage auf, ob man dazu nicht eine Rückmeldung der Position braucht, oder mindestens eine Art Rutschkupplung, um den Vakuumdrehko nicht an den Anschlag zu fahren. Wir Erste-Welt-Bewohner brauchen ja immer Sicherheit oder eine Versicherung für alle unsere Unternehmungen. 

Ich habe darauf verzichtet. Magnetloop-Antennen sind extrem schmalbandig und man sieht an der Rauschglocke auf der Wasserfallanzeige des SDR immer genau, wo man ist. Die Rückmeldung erfolgt also optisch auf meinem IC-7300 und da der Abstimmbereich oben und unten über das 160m Band hinausreicht, ist auch ein Sicherheitsabstand gegeben. Abgesehen davon ist der Russe robust. Diese Kondensatoren sind so gebaut, dass auch ein Panzer drüber fahren kann, und das Motörchen...na ja. 

Für die Fernbedienung braucht es keine Zeichnung. Einen Schalter für die Polarität und eine Drucktaste ist alles was man braucht.




Die Antenne erträgt 100 Watt klaglos. Die hochfrequente Spannung am Kondensator liegt dabei so ungefähr bei 7kVp. Die Isolatoren sind aus Teflon und Nylon, das ich in der Bastelkiste gefunden habe. Ich bin mir nicht sicher, ob trockenes Holz auch ausreichen würde. Vielleicht würden dabei Lichtenberg-Figuren entstehen: 


 

PS. Der kleine Türknopf-Kondensator auf dem ersten Bild ist ein temporärer Gast, um einige fehlende Picofarad zu liefern. Er wird demnächst durch einen Vakuumkondensator ersetzt.

Montag, 11. Januar 2021

Spannweite von Endfeed-Antennen

 


Der mit Abstand wichtigste Teil einer Funkstation ist die Antenne. Das neuste und teuerste Funkgerät ist für die Katz, wenn die Antenne eine nasse Wäscheleine ist. Doch mit einer uralten Schwarte können an einer guten Antenne die schönsten QSO's gemacht werden. Daran ändert auch der Umstand nichts, dass jeden Tag eine neue Wunderantenne erfunden wird. 

Auch meine Wunderantenne ist schliesslich dort gelandet, wo sie hin gehört. Im Müll Mit einer Spiralloop, wie ich sie gebaut habe, kann man auf 2200m nicht senden. Die Abgestrahlte Leistung von einigen Nanowatt reicht gerade bis zur nächsten Hausecke. 

Hätte ich ein langes Stück Koaxialkabel genommen und die Spiralantenne als Kapazitätshut verwendet, dann hätte es wohl geklappt. Vorausgesetzt, ich hätte den Mantel des Koax benutzt und die Antenne mit einem Tuner angepasst.

Beim Basteln mit Antennen, ist es von Vorteil, wenn man rechnen kann. Ein bisschen Geometrie und Trigonometrie können nicht schaden. Auch eine Ahnung von hyperbolische Funktionen macht sich gut.

Nehmen wir doch mal folgendes praktisches Bespiel. Ich möchte eine Endfeed-Antenne von 80m Länge zwischen zwei 50m hohen Masten spannen. Dabei darf sie ruhig etwas durchhängen. Natürlich nicht so viel, dass sich der Nachbar beim Rasenmähen darin verfängt. So zehn Meter ab Boden müssten es sein. Wie weit müssen die Masten auseinander stehen, damit diese Bedingung erfüllt ist?


Donnerstag, 7. Januar 2021

Eine Spiralantenne für das 2200m Band

 


Bild: In der Mitte, das Vallée des Morteys, in dem das Wasser versickert, das dann in Jaun als Wasserfall aus einer Felshöhle schiesst. Ganz hinten im Tal ist der Vanil Noir zu sehen, ein SOTA-Berg. Und der dominante Felsriese rechts im Bild ist die Hochmatt, ebenfalls ein SOTA-Berg.

Ab und zu hat man als Bastler das Anrecht auf ein verrücktes Projekt. Bei mir war es diese Woche wieder einmal soweit. Das passt auch gut zu den verrückten Zeiten, in denen wir für ein kosmisches Augenzwinkern zuhause sind, bevor wir wieder zu Sternenstaub werden.

Inspiriert hat mich diese Webseite mit ihrer Sammlung von Antennen aus den Anfängen des drahtlosen Zeitalters. Wie man sieht, kann man praktisch aus allem eine Antenne machen. Nur die Phantasie setzt die Grenzen. Viele werden mir nun entgegen halten, dass es nicht die Phantasie sondern die Physik sei, die Grenzen ziehen würde. Aber ich denke, dass die Physik in dieser Sparte ziemlich tolerant ist.  Vielleicht liegt das am dualen Charakter der Aetherwellen, die sich nicht zwischen einem Dasein als Teilchen oder Welle entscheiden können. 

Ich habe in diesem Blogeintrag dargelegt, wieso Magnetantennen mit zunehmender Wellenlänge Mühe haben. Einer magnetischen Antenne für unser Langwellenband 135.7 bis 137.8 kHz mit 1 bis 2m Durchmesser ist ein hoffnungsloses Projekt. Als Sendeantenne, notabene. Als Empfangsantenne kann sie mit ihrer geringen Empfindlichkeit gegen lokale Störungen und ihrer Richtwirkung auftrumpfen.

So machte ich mich denn auf den Weg in den Bastelbunker, um diese Hypothese zu falsifizieren und baute mir eine Spiralantenne.

Die Spiralantenne ist übrigens eine weit verbreitete Antenne. Allerdings bekommt sie kaum ein Mensch je zu Gesicht. Spiralantennen kann man einfach auf Leiterplatten und Folien "drucken". Und sie werden sowohl zum Senden wie auch zum Empfangen benutzt. Auf allen möglichen Frequenzen von Längstwellen bis UKW. Allerdings nur für kürzeste Distanzen. Man findet sie zum Beispiel in Tickets, in Bankkarten, Badges und Preisschildern. Daher findet man im Internet auch so praktische Spiral-Antennen-Rechner wie diesen hier.

Die Herstellung einer grossen Spiralantenne spielt aber in einer anderen Liga. Auf dieser Webseite ist ein besonders schönes Exemplar zu sehen. Keine andere Antenne ist so erhaben, so elegant wie eine Spiralantenne. Dabei gibt es unzählige Formen, nicht nur was die Gestaltung ihres Perimeters angeht, auch die Art der Spirale lässt sich variieren. Eine erstaunliche Vielfalt für ein zweidimensionales Objekt.

Meine Antenne entstand aus Holzabschnitten, einer defekten, hölzernen Jalousie und Litze. Alles Dachboden- und Keller-Fundstücke. Die oktagonale Spule wurde mit einem Hammarlund Drehko und parallel geschalteten Glimmer-Kondensatoren in Resonanz gebracht. Die Kopplung erfolgte mit einer einzigen Windung auf der Innenseite. Die Praxis bestätigte die zuvor erfolgten Berechnungen. Die Resonanz ist extrem scharf und das SWR 1:1.5. Der Empfang ist ausserordentlich ruhig und lokale Störquellen lassen sich dank der Richtwirkung gut ausblenden.

WSPR Empfangsversuche in der vergangenen Nacht zeigten einen ersten, bescheidenen Erfolg: 


 Als nächstes werde ich zu meinem Ultimate3 eine kleine PA basteln und versuchen, die Kopplung zu optimieren. Dann kommt die ultimative Herausforderung. Kann jemand meine WSPR-Sendungen empfangen?

Im nächsten Bild ist die Spiralantenne zu sehen. Sie passt gerade so in den Shack und lässt mir nicht besonders viel Bewegungsfreiheit. Langsam wird es eng hier oben. Der Durchmesser beträgt 1.5 Meter. Im Hintergrund ist die Magnetantenne für das 160m Band zu sehen, die sich bereits bewährt hat.  






Sonntag, 3. Januar 2021

Yaesu FTDX-10 versus Icom IC-7300

 


Die Sherwood Liste ist die Messlatte der Empfänger in unseren Transceivern. Der Kampf um die Spitzenplätze ist heiss. Auch wenn es in der Praxis beim OM Normalo kaum eine Rolle spielt. Man muss schon über eine überdurchschnittliche Antennenanlage verfügen, damit die Unterschiede in den oberen Rängen hörbar werden.

Seit neustem steht der Yaesu FTDX-100D auf dem Spitzenplatz der Sherwood Liste. Doch bereits auf Platz 3 folgt sein kleiner Bruder FTDX-10. Vergleicht man die Daten der beiden Transceiver, so wird klar, dass man beim kleinen nur wenig Abstriche gemacht hat. Die wichtigsten Unterschiede sind, dass der Kleine keinen mitlaufenden Preselektor, sondern feste Halboktavfilter besitzt, und natürlich keinen Zweitempfänger, was ausgebuffte DX-Jäger und Contester etwas schmerzen dürfte. 

Trotzdem: mit dem Yaesu FTDX-10 bekommt man ein Topgerät aus der Spitzenliga zum Budgetpreis. 

Zwar ist der weit verbreitete "Volkstransceiver" IC-7300 auch nicht von schlechten Eltern, auch wenn er mittlerweile auf Platz 21 abgerutscht ist. Seine Empfangswerte haben sich ja dadurch nicht verschlechtert. Allerdings hat der 7300 als Direct Sampler einen entscheidenden Nachteil: Bei starken Signalen innerhalb seiner (zu breiten) Bandpassfilter kommt sein D/A-Wandler zuweilen an den Anschlag. Dann flackert die Overflow Anzeige und man hört nur noch Gibberish. Das kann an guten Antennen und starken Rundfunksendern in Bandnähe leicht passieren. Natürlich hilft in diesen Fällen der HF-Regler, doch leider verringert man dadurch auch die Empfindlichkeit.

Das kann beim FTDX-10 nicht geschehen, denn der besitzt einen normalen SDR und nur für die Spektrum/Wasserfall-Anzeige tastet er direkt ab (Hybrid-Empfänger).

Müsste ich heute ein neues KW-Gerät kaufen, würde ich mir den FTDX-10 genau ansehen, auch wenn ich mit der Ergonomie und Menüführung der Yaesu Geräte meine liebe Mühe habe. 

Noch ein Wort zur Sherwood-Liste, die für viele zum heiligen Gral der Empfängertechnik geworden ist: Die Rangliste richtet sich nach der letzten Spalte: Dem Dynamikumfang im Abstand von 2kHz. Man sollte aber auch die zweitletzte Spalte gut im Auge behalten. Liegt dort der Wert unter 70 bis 80dB, ist der Empfänger ungeniessbar - z.B. im abendlichen 40m Band. 

Lieder liegt auch der IC-9700 in diesem Bereich. Und man spürt es bei diesem VHF/UHF-Gerät: In der Nähe starker kommerzieller Sender ausserhalb des Amateurfunkbandes macht er schlapp. Auch sein D/A-Wandler zeigt dann oft Overflow. In der Schweiz laufen noch starke Pager-Sender im 147 MHz Bereich. Das verträgt der IC-9700 nicht. Sein Vorgänger, der IC-910, hatte da weniger Probleme.   

Mittwoch, 30. Dezember 2020

Vertikalantenne schlägt Magnetloop

 


Mögen euch die Götter im neuen Jahr wohlgesinnt sein und eure Reise im Fluss des Lebens begleiten und euch vor Wirbeln, Untiefen und Malströmen schützen. Wahlweise könnten auch Engel diese Aufgabe übernehmen. Aber das entzieht sich meiner Kenntnis. Genauso wenig weiss ich über die Art der Götter und ihre Sphären Bescheid. 

Gegen den Strom zu schwimmen, ist meist sinnlos und eine Illusion. Man scheint zwar gegen den Strom zu paddeln, doch in Wirklichkeit treibt man einfach rückwärts den Fluss runter. Sich dem Ufer zu nähern um sich festhalten zu wollen, hilft nichts. Die Szenen und Landschaften, die dort vorbeiziehen, sehen ohnehin für jeden Schwimmer anders aus. 

Wo die Quelle des grossen Flusses liegt, darüber kann man philosophieren. Wissenschaft und uralte Schriften bieten dazu Erklärungen für jedes Gemüt. Wo die Reise hingeht und in welchem Meer sie endet, ist ungewiss. Nur die vielen Propheten, die ebenfalls auf dem Fluss unterwegs sind, glauben es zu wissen. Dabei möchten viele nur euer Geld oder eure Seele - oder beides zusammen.

Da bringt ihr doch lieber euer Geld zum Funkhändler und Mitschwimmer eures Vertrauens. Der lässt wenigstens eure Seele in Ruhe.

Beim Jahreswechsel soll es jeweils eine Stromschnelle geben. Passt bloss auf, dass ihr dort nicht hängen bleibt!

Aber kommen wir zum eigentlichen Thema:

Wieso Magnetantennen bei langen Wellen Mühe haben, habe ich im vorhergehenden Blogeintrag dargelegt. Nun möchte ich zeigen, wieso es Vertikalantennen besser haben. Doch zuerst mal etwas grundsätzliches: Wer auf 160m und darunter DX machen will, der kommt nicht um eine Vertikalantenne herum. Je länger, je besser. 

Einen Dipol für das 160m Band können die wenigsten so hoch aufhängen, dass er seine Photonen nicht nur direkt in den Himmel schickt, sondern auch im flachen Winkel übers Land. Auf 630m oder 2200m ist ein horizontaler Dipol de facto ein Kurzschluss. Ein Zwischending ist die L-Antenne. Sie kann - wie übrigens auch die Magnetloop-Antenne - von beidem etwas: Flache DX-Strahlung und Vertikalstrahlung für regionale Verbindungen (NVIS). 

Für weitere Distanzen als bis zur "nächsten Hausecke" muss man im Lang- und Mittelwellenbereich Vertikalstrahler, oder eben L-Antennen einsetzen.

Sie haben gegenüber dem Magnetloop einen entscheidenden Vorteil. Ihr Strahlungswiderstand ist wesentlich höher und er nimmt nicht in der vierten Potenz der Wellenlänge ab, sondern nur im Quadrat. Bei Vertikalantennen bestimmt daneben die Höhe den Strahlungswiderstand, wie aus der nachfolgenden Formel zu ersehen ist (Rr in Ohm, H und Wellenlänge in Meter):


Die zweite Formel ergibt direkt den Strahlungswiderstand für das 2200m Band in Milliohm. Für eine 10m hohe Antenne sind das also 8.2 mOhm. Das ist zwar viel besser als der Strahlungswiderstand einer kleinen Magnet-Loop Antenne. Doch der Verlustwiderstand ist leider auch entsprechend höher. Erdverluste und die Verluste der riesigen Spule (Variometer), zur Anpassung an 50 Ohm, bestimmen den Verlustwiderstand. Wer nur einige zehn Ohm zusammenkriegt, ist glücklich. 100 Ohm oder mehr können es aber durchaus sein. Exakt rechnen kann man nicht, man ist auf eine Schätzung angewiesen.

Nehmen wir der Einfachheit halber an, wir gehören zu den glücklichen Funkern und unser gesamter Verlustwiderstand beträgt bloss 82 Ohm. Der Wirkungsgrad der Antenne können wir (vereinfacht) mit folgender Formel direkt in dB rechnen: 10 log Rr/Rv. In unserem Fall sind das -40dB. Oder etwas anschaulicher: Wenn wir ein Kilowatt in diesen Strahler pumpen, gelangen davon bloss 100mW in den Aether. Der Rest erwärmt das Variometer und die Würmer im Boden.

Machen wir aus der Vertikalantenne eine L-Antenne und hängen oben noch einen Draht horizontal an, können wir den Strahlungswiderstand weiter erhöhen. Im besten Fall können wir mit dieser Dachkapazität den Strahlungswiderstand vervierfachen. Die Zusatzkapazität verringert aber auch die Induktivität des Variometers. Weniger Spulendraht bedeutet auch weniger Verluste. Das Strahlungsdiagramm bleibt gleich. Der Horizontalteil ist gegenüber der Wellenlänge zu kurz, um dieses wesentlich zu beeinflussen.

Mit einem zusätzlichen Horizontalteil von 20m gewinnen wir ca. 6dB, mit 40m aber bloss noch 7dB.
Eine L-Antenne mit 10m Vertikalteil und 40m Horizontalteil hat also noch ca. -33 dB und bringt von einem Kilowatt noch ein halbes Watt in den Aether.

Das zeigt auch, wie schwierig es ist, für den Durchnitts-Funker die vorgeschriebene Grenze von 1W ERP auszureizen. Wer tiefer in das Thema der Langwellenantennen eintauchen möchte, wird hier fündig. 



Montag, 28. Dezember 2020

Magnetloop für 2200 Meter?


FT-8 ist zu einer der beliebtesten Betriebsarten geworden. Die FT-8 Kanäle sind proppenvoll. In einem einzigen SSB-Kanal können gleichzeitig bis zu 50 QSO's geführt werden. Bedenkt man, dass ein Funkkontakt mit Rapportaustausch keine zwei Minuten in Anspruch nimmt, ist diese Betriebsart Ressourcen schonender als jede andere.

Trotzdem wird der wachsenden Gemeinde von FT-8 Funkern pro Band nur ein einziger (USB)Kanal zugestanden. Oft trifft man dann auf die absurde Situation, dass kaum eine SSB oder CW Station auf dem Band zu hören ist und sich dafür die FT-8 Stationen in ihrem Kanal auf die Füsse treten.

Ein zweiter FT-8 Kanal pro Band ist meines Erachtens überfällig.

Doch zum eigentlichen Thema. Ganze kurze und ganz lange Radiowellen üben eine hohe Anziehungskraft auf mich aus. Vielleicht weil dort das Funken nicht so einfach ist wie im Kurzwellenbereich. Nachdem die Magnetloop für 160m zu meiner Zufriedenheit funktioniert, frage ich  mich, ob man mit einer Magnetloop für das 630m Band auch aus dem Shack heraus funken könnte. QRV auf Mittelwelle, ohne grosse Antenne in einem Garten, der nicht existiert.

Dieser Frage sind bereits einige Funkamateure auf den Grund gegangen. Z.B. der "Old Tech Guy" Kevin KB9RLW. Er hat sogar eine Telegrafie-Verbindung mit seiner Loop geschafft:


Und Dimitris VK1SV. Seine Antenne aus mehreren Windungen Koaxialkabel im Hängematten-Design ist zwar so chaotisch wie der Inhalt eines Schlampermäppchens, aber immerhin wurde das Signal seines 5 Watt Senders in 150km Entfernung gehört. Na ja, sagen wir mal: vom Computer aus dem Aether herausgerechnet.

Dimitris macht in seinem Artikel denn auch auf ein grundsätzliches Problem der Magnetloop-Antennen aufmerksam: Der Strahlungswiderstand nimmt mit der vierten Potenz der Wellenlänge ab. Bei längeren Wellen gerät er damit rasch in den Mikro Ohm Bereich. 


  

Die erste Formel im obigen Bild macht die Zusammenhänge klar: während die Fläche, die der Loop umschliesst (in Quadratmeter) und die Anzahl Windungen jeweils im Quadrat den Strahlungswiderstand erhöhen, verkleinert die Wellenlänge (in Meter) den Strahlungswiderstand in der vierten Potenz.

Bereits für das 630m Band hat das sehr ungünstige Auswirkungen, doch für das Langwellenband mit 2200 Meter Wellenlänge ist es geradezu katastrophal. 

Die zweite Formel ergibt direkt den Strahlungswiderstand des Loops für eine Frequenz von 136 kHz. Die Wellenlänge ist also in der Zahl 0.001346 bereits "eingebaut". Setzt man die umschlossene Fläche in Quadratmeter ein, erhält man direkt Mikro Ohm. Wie man sieht, muss man sich schon ziemlich anstrengen, um in der Funkbude eine Antenne unterzubringen, die auch nur 1uOhm Strahlungswiderstand aufweist.

Der Gegner des Strahlungswiderstands ist bei allen Antennen der Verlustwiderstand. Die dritte Formel erläutert den Zusammenhang. Hätten wir z.B. bei einem uOhm Strahlungswiderstand auch nur ein einziges uOhm Verlustwiderstand, so würde der Wirkungsgrad unserer Antenne 50% betragen. Von den Umgebungsverlusten mal abgesehen. Aber leider ist der Verlustwiderstand bei unserer Antenne eher im unteren Ohm Bereich. Er hängt von der Oberfläche des verwendeten Materials (Draht), seiner Länge, dem Material und dem Skineffekt ab. Eigentlich auch noch vom Proximity-Effekt, doch den lassen wir mal aussen vor, um die ganze Chose nicht zu komplizieren. 

Doch wie berechnen wir diesen Verlustwiderstand? Gibt es dazu eine einfache Formel? Äh...leider nein. Aber dafür gibt es Online-Rechner, die das können. Zum Beispiel diesen hier. Rechnen wir mal mit ca. 20 Windungen Draht auf einen quadratischen Rahmen von 1x1 Meter. 1mm Kupferdraht von 80m Länge und 136 kHz, so landen wir bei 2.5 Ohm. 

Wie die mittlere Formel zeigt, können wir bei diesem viereckigen Loop aber nur mit ca. einem halben Mikro Ohm Strahlungswiderstand rechnen. Wollen wir die Effizienz ausrechnen beginnt sogar der Taschenrechner zu streiken. Es ist besser, wenn wir die Effizienz der Antenne in dB ausrechnen um eine Vorstellung von deren Wirksamkeit zu bekommen: 10log Rr/Rv. Und so landen wir bei -67dB. Unsere Magnetloop (oder besser Rahmenantenne) mit einer Seitenlänge von 1m und 20 Windungen strahlt von der Leistung eines 5 Watt Senders also bloss ein einziges Mikrowatt in den Aether. Maximal.

Wie wir sehen, werden Magnetloopantennen mit längerer Wellenlänge extrem ineffizient. Magnetloops sind gute Antennen von 40m bis 10m. Im 80m Band sind sie bescheiden aber noch brauchbar, auf 160m sind sie Behelfsantennen. Doch im Mittel- und Langwellenbereich beruhen sie auf dem Prinzip Hoffnung und Wunder. 

Doch das betrifft nur ihre Sendeeigenschaften. Sie sind auf jeden Fall gute Empfangsantennen. Denn dort entscheidet nicht die Signalstärke, sondern der Signal-Rauschabstand.


Dienstag, 22. Dezember 2020

Die 160m Magnetloop macht FT-8

 


Ein Goldsucher, mit dem ich einst durch die unendlichen Wälder jenseits des Polarkreises gestreift bin, hat sich das Ziel gesetzt, alle Schweizer Seen per pedes zu umrunden. Ich bin wesentlich bescheidener und freue mich, wenn ich wieder einen einen neuen See schwimmend erkunden kann. Meine letzte Eroberung war der Lac de Montsalvens. Sicher könnte Willi auch diesen See anhand eines Bildes identifizieren, wie er es mit dem Schwarzsee getan hat (siehe Kommentare zum vorhergehenden Blogeintrag).

Natürlich bin ich auch schon durch den Schwarzsee geschwommen. Doch viel mehr Spass, als diesen Bergsee schwimmend zu durchqueren, macht es, ihn per Fuss zu überqueren. Leider ist das nicht mehr so oft möglich wie früher. Nicht wegen des Drachens, der oben am See in den Felsen hockt und zum Gaudi der Spaziergänger Feuer speit, sondern wegen des Klimawandels. Davon ist auch der Eispalast betroffen, der weiter unten im Tal an der warmen Sense jedes Jahr wieder neu entsteht.


Doch kommen wir zum eigentlichen Thema: meinem derzeitigen Lieblingsloop. Diese kleine Antenne macht mir immer mehr Spass. Obwohl sie in meiner von Störstrahlung durchseuchten Funkbude steht, bzw. hängt, hört sie erstaunlich gut. Sogar DX, wie folgendes Bild zeigt:


Darauf sind alle FT-8 Stationen zu sehen, die ich kürzlich an einem Abend in FT-8 auf dem 160m Band empfangen konnte (mit L gekennzeichnet)

Aber auch beim Senden lassen sich die Resultate sehen. Zwar konnte ich mit meinen 10W noch kein DX arbeiten, doch europäische Distanzen sind für die Magnetloop kein Problem und füllen nun zunehmend das Logbuch. Mehr als 10W will ich mir nicht zumuten, denn die Antenne ist ja bloss zwei Meter vom Operateur entfernt. HF soll zwar den Körpersäften gut tun und das Wasser glücklich machen, wie wir kürzlich erfahren haben, aber man sollte den Drachen nicht am Schwanz kitzeln. Auch wenn er nur elektromagnetischer Natur ist.

Langsam enthüllt sich mir auch der theoretische Unterbau der Loopantennen, nachdem ich den Balanis konsultiert habe und ich vertraue nun mehr meinen Berechnungen als irgendwelchen Loop-Rechnern, die man im Internet findet. Das Buch Antenna Theory von von Constantine A. Balanis ist das Standardwerk schlechthin, wenn es um Antennengrundlagen geht. 

Interessant ist auch der Blick in die Datenblätter der verwendeten Vakuumkondensatoren. Der zum variablen Russischen stand leider nicht zur Verfügung, doch der parallel geschaltete Comet trägt ohnehin die Hauptlast, und hier wurde ich fündig. Daraus wird auch ersichtlich, mit welchem Zusatzverlust man durch Vakuumkondensatoren rechnen muss. In meinem Fall ca. 1mOhm. 

Das heisst, dass der Loop die Verluste und damit den Wirkungsgrad bestimmt. Neben der Leiterfläche (Durchmesser und Oberfläche des verwendeten Materials) ist höchste Aufmerksamkeit auf die Verbindungen zu legen. Meines Erachtens kommen nur grossflächig geschweisste oder gelötete Verbindungen in Frage. Einen dicken Loop mit dünnen Drähten an einen Drehko anzuschliessen ist ein Witz. Die Verwendung von Luftdrehkos mit Schleifern ein No-Go.