Samstag, 28. Mai 2022

Icom's dunkle Bildschirme

 


Schon einige Besitzer eines ICOM IC746 haben damit Bekanntschaft geschlossen: Plötzlich wurde der Bildschirm des Gerätes schwarz. Wenn die Beleuchtung der LCD-Anzeige erlischt, wird es schwer, die Frequenz und andere Daten darauf zu erkennen. Auch beim Nachfolger IC7400 (Icom 746Pro in den USA) ist es nicht besser. Auch hier hängt das Damoklesschwert eines Blackouts über dem Operateur.

Nach der Entwicklung des Flaggschiffs IC781, der noch mit einer Kathodenstrahlröhre (CRT) arbeitete, wechselte ICOM auf eine andere Sorte Anzeigeflächen. Grosse LCD-Anzeigen wurden mit einer kleinen Leuchtstoffröhre beleuchtet (hinterleuchtet), im Volksmund oft noch Neonröhre genannt. Ein Diffusor (Zerstreuer) sorgt hinter der LCD-Anzeige für eine gleichmässige Ausleuchtung. 

Doch Leuchtstoffröhren arbeiten nicht mit 12 Volt Gleichspannung. Sie brauchen zur Zündung und zum Betrieb eine hohe Wechselspannung. Vorzugsweise im kHz-Bereich, sodass kein Flimmern die Augen stört. Alle ICOM Geräte nach dem IC-781 besitzen deshalb einen DC/AC-Wandler, der einige hundert Volt für die Leuchtstoffröhre der Anzeige abgibt. Vom IC-746 über die IC-756Pro-Serie, den neueren Flaggschiffen, dem halben Flaggschiff (IC-7700) bis zum IC-7410 und dem IC-9100. Erst die neusten ICOM-Transceiver besitzen eine LED-Beleuchtung.

Doch bei diesen DC/AC-Wandlern haben die Ingenieure offenbar etwas knapp gerechnet. Gerade bei den IC746/IC7400 geben sie ab und zu den Geist auf. Ungenügend gekühlte Transistoren, defekte Transformatoren, "müde" Elkos. Dummerweise gerade dann, wenn die Operateure denken, sie würden ihre Anzeigen schonen, wenn sie die Helligkeit möglichst weit zurückschraubten. Doch weniger helle Leuchtstoffröhren bedeutet mehr Wärme für den DC/AC-Wandler. Das Risiko steigt, den Hitzetod zu erleiden. Die Besitzer dieser Geräte sollten also möglichst die Helligkeit der Anzeige voll aufdrehen, um das Risiko zu senken. 

Bei späteren Geräten wurden die DC/AC-Wandler verbessert. Doch in der Pro-Serie (zum Beispiel IC-756Pro3) trat dann ein weiterer, unerwünschter Effekt auf: Die Anzeige brauchte ein paar Minuten, bis sie die gewünschte Helligkeit erreichte. Zwar wurde dieser Effekt im Handbuch beschrieben und als "normal" dargestellt. Doch die Geräte zeigten oft ein sehr unterschiedliches Verhalten. Bei einigen Besitzern wurde der Bildschirm sofort hell, andere brauchten zehn Minuten Anlaufzeit und beim Einschalten war der Schirm fast dunkel. So auch in meinem Fall. Dabei habe ich die Helligkeit bei meinem IC-756Pro3 aufs Maximum gedreht. Immerhin: nach ca. 10 Minuten leuchtet er fast so hell wie bei meinem IC-7700, der auf 50% Helligkeit eingestellt ist.


Doch das ist noch nicht alles. Mit den Jahren wird die Beleuchtung immer schwächer. Die Leuchtstoffröhren hinter dem LCD-Schirm haben eine begrenzte Lebensdauer (ca. 10'000h); genauso wie die Leuchtstoffröhren im Büro oder im Bad zuhause. Man muss sie dann auswechseln. 

Doch wie so oft bei vielen Ersatzteilen für unsere Transceiver: sie sind nirgends mehr aufzutreiben, wenn man sie braucht. Spezialanfertigungen eben.

Aber es gibt Hoffnung. Der Bastler mit sicherer Hand und guten Augen kann die winzige Leuchtstoffröhre hinter der Anzeige durch einen LED-Streifen ersetzen. Wie das gemacht wird, sieht man im folgenden YouTube Video:


Und damit das noch einfacher geht, gibt es aus den USA einen Umbausatz (LED conversion kit) mit einer sehr guten Schritt-für-Schritt Anleitung. Sie stammt von Scott W1NB. Seine Email ist: maxxlight@w1nb.

Auch wenn es bei mir noch nicht ganz soweit ist: ich habe mir präventiv ein solches Conversion Kit gekauft. Gewissermassen als lebensverlängernde Massnahme für meinen Pro3.


Bild zuoberst: Kaffee kochen in der Alphütte

       

Montag, 16. Mai 2022

Una nonnetta che va meglio di molti nipotini

 


Eine Grossmutter, die besser im Schuss ist als viele ihrer Enkel. Unter diesem Titel stellt IZ0FIB seinen alten ICOM IC-781 vor. Die Grossmutter der ICOM Flaggschiffe. Ein 23kg schweres Fossil aus der Vor-DSP Ära; aus einer Zeit als die meisten mit den Begriffen Internet und Smartphone noch nichts anfangen konnten.

Doch Halt! War dieser Transceiver wirklich das erste Flaggschiff von ICOM? Gab es nicht vorher bereits den IC-780? Dieses wunderschöne Gerät, das auf diesem Bild zu sehen ist:


 Den gab es natürlich auch, aber nur für den japanischen Markt. Mit einer gezähmten Endstufe. Der IC780 und der IC781 waren also - bis auf einige kleine Details - das gleiche Gerät. Auf dem Markt erschien es 1988. Das heisst, die Entwicklung startete irgendwann in der Mitte der 80er Jahre. Gebaut wurde es in erster Linie für den kommerziellen Markt. Doch fand es rasch auch Anklang bei den Funkamateuren. Im nächsten Bild sehen wir die Militär-Version des IC-781:


  Die Verwandtschaft ist nicht zu übersehen. Eigentlich schade, dass es diese helle Front für den Amateurfunk-Markt nicht gab. Ich finde sie ansprechender als das ewig gleiche Anthrazit der heutigen Transceiver. Aber helle Frontplatten entsprechen vermutlich nicht dem Geschmack der Funkamateure. Yaesu wagte mit dem FT-107M einen entsprechenden Versuch. Es gab den 107M sowohl in Anthrazit als auch in weiss. Doch scheint diese Farbwahl kein Erfolg gewesen zu sein. Die nachfolgenden Geräte erschienen wieder im dunklen Kostüm. 

Der IC-781 blieb nicht lange allein. Er bekam alsbald Konkurrenz der beiden anderen grossen Hersteller aus Japan. Yaesu lancierte den FT-1000 und von Kenwood gesellte sich der TS-950S zum Kränzchen der Grossmütter. Sie alle kamen noch ohne digitale Signalverarbeitung aus. Die Selektion in der Zwischenfrequenz erfolgte mittels Quarzfilter. Anstelle komplizierter Menüs gab es auf der Frontplatte Regler für alles, was der gewiefte SSB- oder CW-Operateur brauchte. 

Doch der IC-781 stellte alle in den Schatten, denn er verfügte über eine Spektrumanzeige. Nun konnte man nicht nur mit dem eingebauten Zweitempfänger nicht nur hören, was sich neben der eingestellten Frequenz tat, man konnte es auch sehen. Das Pileup beim Split-Betrieb zum Beispiel.

Mit dem IC-781 holte ICOM alles aus der Analogtechnik raus, was möglich war. Ausgezeichnete Empfindlichkeit und Selektion und einen guten Klang beim Empfang, gepaart mit einem Sender mit 150 Watt und einer einwandfreien SSB-Kompression. Das Netzteil war eingebaut, ebenso wie der Antennentuner. Zwar wurden damals noch keine SMD sondern bedrahtete Bauteile verwendet. Doch die Verarbeitungsqualität des komplexen Geräts war trotzdem sehr gut, was ihm ein langes Leben versprach. Das ist nicht selbstverständlich. Moderne Geräte, mit SMD Bauteilen bestückt, sind in der Regel zuverlässiger als die alten mit den bedrahteten Bauteilen. Denn sie werden nicht mehr von Hand bestückt und gelötet, sondern von automatischen Maschinen. Dadurch sind sie auch wesentlich günstiger in der Herstellung. Ein IC-781 wäre heute nicht mehr bezahlbar.

Apropos "bezahlbar": Der IC-781 wurde von Anfang an als Volloption verkauft. Das heisst: bestückt mit allen Quarzfiltern - auch den CW-Filtern. Gerade als Telegrafist weiss man, wie sehr Zusatzfilter ins Geld gehen können. Kauft man heute ein altes Gerät ohne die optionalen CW-Filter, muss man tief ins Portemonnaie greifen. Wenn das überhaupt möglich ist. Viele optionale Filter sind heute nicht mehr erhältlich. Ein Beispiel sind die Filter für die FT-817/818/857D von Yaesu.

Für die Telegrafisten hatte der IC-781 aber noch mehr zu bieten: Eine Full-Break-In Funktion vom Feinsten. Ohne lästiges Relaisgeklapper. Notabene auch heute noch ein Merkmal hochklassiger Transceiver. 

Ein schönes Detail ist übrigens das grosse S-Meter. Noch ein richtiges Drehspulinstrument. Mit S9 genau in der Mitte der Skala, wie es sein muss und wie es z.B. Elecraft nie begriffen hat. Gerade bei QRP ist ja die S-Skala von 1 bis 9 am wichtigsten, +60dB mehr als überflüssig. Das gleiche Messinstrument wurde u.a. auch im ICOM 765 eingebaut. Übrigens auch ein Enkel der Grossmutter.   

Doch wo Licht ist, ist auch Schatten. Ein IC-781 schafft es heute nicht mehr auf die vorderen Ränge der legendär-berüchtigten Sherwood Liste. Doch das ist für die meisten Funkamateure auch nicht relevant. Wichtiger ist, dass er so seine Macken hat. Und wie meistens sind dies Konstruktionsfehler.

So hat er unter anderem ein Temperaturproblem. Die Hitze stammt dabei nicht etwa aus der Endstufe. Die hat nämlich ausreichend Lüftungsschlitze und zwei kräftige Transistoren (MRF422), von der jeder alleine 150 Watt schaffen würde. Es ist das Netzteil mit seiner linearen Regelung und fehlenden Luftzirkulation, das Probleme schafft. Empfohlen wird als lebensverlängernde Massnahme deshalb der Einbau eines Lüfters.

Kummer könnte auch der Bildschirm verursachen- ein klassischer Kathodenstrahl Schirm (CRT). Vor allem wenn er jahrelang im Dauerbetrieb war. Dann könnten sich auf dem Schirm u.U. Einbrennspuren befinden. Die sind leider nicht mehr wegzubringen. Doch dieser Schönheitsfehler macht das Gerät nicht unbrauchbar. Immerhin ist der CRT ein Qualitätsteil von Toshiba. 

Des weiteren wird von AGC-Problemen berichtet. Doch für dieses gibt es eine Modifikation. Wer mehr über die Macken und deren Behebung wissen möchte, findet auf der Seite von IZ0FIB unter "Wartungsinformationen" einen Bericht von YO9FZS, der sich intensiv mit dieser "Grossmutter" auseinandergesetzt hat. Das Service Manual findet man übrigens bei qrzcq.

Einer, der sich auch mit dem IC-781 befasst hat, ist der ICOM-Papst Adam Farson, VA7OJ/AB4OJ. er nennt das gewichtige Fossil aber nicht Grossmutter sondern "King of Beasts". Wer sich für einen IC781 interessieret, der auch heute noch um die tausend Franken gehandelt wird - sofern artgerecht gehalten und gepflegt - sollte seinen Bericht unbedingt lesen. 

Samstag, 7. Mai 2022

Antennenschalter: Schrott gekauft

 


Passiert euch das auch? Ihr kauft was im Internet oder auf dem Flohmarkt und kaum habt ihr das Teil gesehen, wandert es schon ins Altmetall. Weil es unbrauchbar ist - unbrauchbarer Schrott. Und weil es eine Frechheit wäre, das Teil zu verschenken oder schlimmer noch: einen neuen Dummen zu finden und ihm den Schrott anzudrehen.

Mir passiert das ab und zu. Zum Beispiel bei dem Antennenschalter oben im Bild. Ich hatte ihn im Internet gekauft. Zum Schnäppchen-Preis. Original verpackt und von WIMO. Dazu mit N-Buchsen. Sowas muss ja hochwertig sein.

Doch schon ein Blick auf die N-Buchsen weckte ein Unbehagen. Die Kontakte sahen etwas zerdrückt und gar dünn aus. Trotzdem! Ausprobieren geht über studieren. Doch Schreck lass nach und komm nicht wieder: bereits das Ohmmeter zeigte einen wackligen Kontakt. Ein schlechtes Omen. Schalter mit Wackelkontakt sind Gift für den Transceiver.


Also wurde das Teil aufgeschraubt um die Innereien zu betrachten. Da kommt man ins Grübeln, nicht war? Sehen so hochwertige HF-Schalter aus? 


Schauen wir doch zum Vergleich mal in einen DAIWA Antennenumschalter, einen CS-201. Pikantes Detail: Das angebliche Schnäppchenteil heisst übrigens CO-201N. Ja, so werden Klone genannt. Zur Täuschung des dummen Käufers möglichst nahe am Original. Im Daiwa drin sieht es so aus:


Wie man sieht, gibt es einen gravierenden Unterschied. Dem Klon fehlen die Kontakte, bzw. das Kontaktmaterial. Anstelle von in die Federn eingepressten Kontakten, wurden nur kleine Buckel direkt in die Federn gedrückt. Ein äusserst zweifelhafter und auf die Dauer kaum nachhaltiger Kontakt. Wackel sind gewissermassen vorprogrammiert. 
Im Daiwa wird die Feder des offenen Eingangs, die weggedrückt wird, mit dem Gehäuse kurzgeschlossen. Der offene Eingang liegt also jeweils auf Masse. Im Klon dagegen wird die Feder des offenen Anschlusses gegen einen lackierten (!) Abstandsbolzen gepresst. Ein Masseschluss kann so nicht stattfinden. Dadurch ist die Isolation zwischen den beiden Eingängen ungenügend.  
Übrigens sind auch die N-Buchsen von wesentlich besserer Qualität. Hier der Vergleich. Oben der Klon, unten der Daiwa:



Zum Schluss noch ein Blick in einen Diamond Antennenschalter, einen dreipoligen. Es ist ein CX310, made in Japan. Versilberte Messerkontakte. Sechsfache Verschraubung des Deckels. Darum darf man diesem Schalter glauben, was er auf dem Etikett verspricht.
Was beim Diamond auffällt: die offenen Eingänge werden nicht gegen Masse kurzgeschlossen. Dies ist bei dieser Konstruktion offenbar nicht notwendig.


 

Kleines Detail beim Diamond: man beachte die kleinen Vertiefungen neben dem Kreuzschlitz der Schrauben. Die verlangen nach einem japanischen Schraubendreher. In diesem Fall ein JIS PH1.

Fazit der kurzen Bildergeschichte: Man muss verrückt sein, um seine teuren Geräte einem Antennenklon anzuvertrauen. Und es gibt keine vernünftigen Antennenschalter für 30 Mäuse. 

  
 

Freitag, 6. Mai 2022

Contest aus dem Alpental

 



Zurzeit herrscht bei mir Ruhe auf dem Basteltisch. Weit und breit ist kein neues Projekt in Sicht. Doch aus Erfahrung weiss ich, dass sich das schlagartig ändern kann. In diesen Tagen habe ich also etwas mehr Zeit zum Funken. Es ist immer wieder ein Vergnügen, zu erleben, wie gut eine Magnet Loop Antenne unter Dach funktioniert. Zum Beispiel bei diesem italienischen WRTC-Wettbewerb. Zwar bin ich kein Contester und auch keiner, der Diplomen nachrennt, doch dieser Italien-Wettbewerb hat in mir einen Jagdtrieb aktiviert, wie ich ihn sonst nur beim Pilze sammeln verspüre. 

Um was geht es bei diesem WRTC-Wettbewerb?

Während der Zeit vom 1. Januar bis zum 10. Juli 2022 sollen möglichst viele Sonderstationen aus12 Regionen Italiens kontaktiert werden. Von der Stiefelspitze bis zu den Alpen. Und zwar auf allen Kurzwellenbändern mit Ausnahme des 60m Bandes. Für CW-Verbindungen gibt's 10 Punkte, für SSB 5, für RTTY 4 und für FT8 3 Punkte. 

Man kann jede Region nur einmal pro Band arbeiten, dafür aber in allen Betriebsarten. 

Wir stecken also mitten im Geschehen und inzwischen wurden von den 12 Equipen mit insgesamt über 150 Operateuren bereits über eine Million QSO's gefahren. Dabei soll es weltweit 100'000 Jäger geben, die auf diese Sonderstationen lauern. Ein Unternehmen also, das jede DX-Expedition in den Schatten stellt.

Das Ganze ist sehr gut organisiert, und man kann seinen Fortschritt unmittelbar online verfolgen, indem man sein Rufzeichen eingibt. Wer möchte, kann sich am Ende sein "Diplom" ausdrucken. Man muss keine QSL-Karten einsenden, keine Formulare ausfüllen. Möchte man QSL-Karten, so kann man sich diese ebenfalls ausdrucken und an die Wand nageln. Bequem und easy wie das im IT-Zeitalter sein sollte.

Ich mache dabei nur in CW mit. FT-8 ist m.E. was für Dummies, RTTY kann ich nicht und ins Mikrofon brüllen mag ich nicht. Ausserdem gibt's für CW am meisten Punkte.

Aber ein anderer Aspekt interessiert mich viel mehr: wie bewähren sich meine Unterdach Magnet Loops in Konkurrenz mit anderen Stationen? Habe ich im Pile-up eine Chance? Welche Frequenzen gehen und welche nicht? Doch nicht nur die Performance meiner Antennen interessiert mich. Mein QTH ist ja nicht weit weg von Italien. Bloss jenseits der Alpen. Das bedeutet, dass für Oberitalien die NVIS-Bändern in Frage kommen, für Mittelitalien am besten 30 und 40m. Für 10 bis 20m jedoch liegt zum Teil auch Süditalien noch in der toten Zone und ich muss auf Sporadic E hoffen. Bei den Magnet-Loops kommt als Handikap dazu, dass der Wirkungsgrad im 160m Band mickrige 1% und im 80m Band bloss 10% beträgt, wenn man den Berechnungen trauen darf.      

Erstaunlicherweise geht das aber sehr gut. Und es macht auch Spass.  

Weniger Spass machen die Funker, die keine Ahnung von Split-Betrieb haben, bzw. nicht wissen, was das "up" nach dem CQ-Ruf bedeutet und frischfröhlich drauflos morsen. Ganz Unbedarfte geben einfach Fragezeichen, weil sie irgendetwas gehört haben aber nicht wissen was. Eine Unsitte, die sich in CW immer mehr ausbreitet. Aber vielleicht ist es einfach so, dass der Morsedecoder mit dem QRM nicht klarkommt? Es geht halt nichts über das menschliche Gehör. Sofern man es zu benutzen weiss. 

Es ist wie in vielen Situationen im Leben: Es ist meist besser, zuerst die Szene zu überblicken und zu analysieren, bevor man losklappert: Auf welchen Frequenzen senden die Jäger? Wo hört der Gejagte? Wie arbeitet er? Welches Tempo behagt ihm? Hört er schmal- oder breitbandig? usw.


Mittwoch, 27. April 2022

Die NVIS Antenne

 





Nachdem ich hier über die "Geburt" der NVIS im zweiten Weltkrieg berichtet habe, nun die Fortsetzung: 

Nachdem das Militär im zweiten Weltkrieg die Kommunikation via NVIS entdeckt hatte, fand sie in allen nachfolgenden Konflikten Verwendung. Dort wo die Bodenwelle der Kurzwelle am Ende war, musste die Ionosphäre einspringen. Und das war in den tropischen Wäldern Südostasiens schon nach wenigen Kilometern der Fall. Auch VHF reichte in diesem Terrain nicht weit. Schon in unseren Breiten macht sich die Dämpfung durch den Wald deutlich bemerkbar. Insbesondere bei vertikaler Polarisation. Sind doch die Bäume auch vertikal "polarisiert". Doch die tropischen Dschungel mit ihrem dichten und immergrünen Blattwerk setzen den UKW-Wellen noch mehr zu. 

Bei der Kurzwelle kommt in Äquator-Nähe ein hoher atmosphärische Störpegel hinzu , besonders während der Monsunzeit. 

Über den Einsatz und die Technik von NVIS im Militärbereich gibt es viele Studien. Einige sind öffentlich zugängig - sofern man sie in der Tiefe des Internets aufstöbern kann. Das Rad ist also längst erfunden. Wer sich dafür interessiert, wird zum Beispiel im Archiv der NVIS Diskussionsgruppe von Groups.io fündig. 

Für uns Funkamateure, die an NVIS interessiert sind - also an Kurzwellenkontakten über einige 10 bis einige 100km Entfernung - stehen vor allem zwei Fragen im Vordergrund:

1. Welche Frequenzen sind für NVIS geeignet?

2. Welche Antenne soll ich dafür bauen?

Eine Eigenschaft der Kurzwelle ist das Auftreten von toten Zonen. Das ist der Bereich, in dem kein Empfang der Bodenwelle mehr möglich ist und in dem auch die Raumwelle noch nicht die Empfangsantenne erreicht. Allgemein gilt: Je höher die Frequenz, desto grösser die tote Zone. Denn je höher die Frequenz, desto flacher muss die Sendeantenne in die Ionosphäre strahlen, damit noch eine Reflektion stattfindet. Je nach Breitengrad, Tages- und Jahreszeit und Sonnenaktivität variiert die Frequenz, unterhalb der keine tote Zone mehr auftritt. Sie liegt im besten Fall um die 10 MHz, im schlechtesten bei ca. 3 MHz. Damit ist klar, dass für Amateurfunk-NVIS hauptsächlich die Bänder 160, 80, 60 und 40m in Frage kommen. Wer jederzeit NVIS-Verbindungen herstellen möchte (Bespiel Notfunk), muss nicht nur in allen vier Bändern QRV sein, sondern auch den Zustand der Ionosphäre zeitnah überwachen. Zum Beispiel mit dem Beobachten einer Ionogramm-Sonde in der Nähe.

Bei der Antenne gilt grundsätzlich: jede horizontale Antenne weist einen Teil Steilstrahlung auf und ist deshalb NVIS fähig, sofern sie nicht höher als Lambda/4 hängt. Dazu gehören Inverted-L, Dipole und ihre Varianten und auch die Hy-End-Fed- Antenne.

 Vertikalantennen sind Flachstrahler (DX) und deshalb für NVIS ungeeignet.

Doch wie hoch soll ich meinen Dipol aufhängen? 

Auch dazu gibt es viele Studien gescheiter Leute. Aber ein Blick in den Rothammel genügt uns. Für beste NVIS-Strahlung sollte ein Dipol nicht höher hängen als Ein Viertel der Wellenlänge. Hängt der Dipol gar in einer halben Wellenlänge Höhe, mutiert er zu einem DX-Strahler und hat kaum mehr eine brauchbare Steilstrahlung. Zwischen Null und einer Viertel Wellenlänge gibt es immer Steilstrahlung. Allerdings: je näher am Boden, desto heftiger die zusätzlichen Verluste. 

Hängt man einen Mehrbanddipol also in 10m Höhe auf, hat man eine gute NVIS-Antenne für das 80 und 40m Band. Hat man nur einen 10m Mast und spannt die Antenne als umgekehrtes V, büsst man ca. 3dB ein. Das ist meistens verkraftbar. Für das 160m Band sind 10m natürlich viel zu tief und das macht sich deutlich bemerkbar. Dort ist sie ein Notbehelf. 

Inverted L-Antennen haben ihre Tücken. Ist der Horizontalteil zu kurz, <2/3 des Drahts, mutiert er zur Eier legenden Wollmilchsau. Und die gibt es bekanntlich nicht. Die Steilstrahlung geht zurück, die Flachstrahlung legt zu. Und da der L-Strahler kein Dipol ist, braucht er einen gutes Gegengewicht. Sonst muss man noch weitere dB abschreiben.

Fazit: Für SOTA, POTA und seriöse Prepper gehört also mindestens ein 10m Teleskopmast zur Grundausrüstung. Ausser man setzt auf DX. Dann ist eine Vertikal mit ein paar ausgelegten Radials eine gute Wahl. Ein guter Kompromiss für QRPer, mit dem man alle Elevationswinkel abdeckt, ist eine MagLoop. Aber nur für das 40m Band. Die meisten auf dem Markt angebotenen Portabel-Loops sind zu klein und zu inneffizient im 80m Band. Sie strahlen nur noch wenige Prozent der zugeführten HF in den Äther. 

Bild: Der Moléson meinem QTH aus gesehen. SOTA-Berg der leicht zugänglichen Art.    

   

Freitag, 22. April 2022

Tu vas ou

 


Zu unserer lokalen UKW-Runde gehört auch Peter HB9RNS. Peter ist mehr auf dem Wasser zuhause als auf dem Land. Er ist oft auf den drei Seen im Schweizer Mittelland unterwegs. Zusammen mit seiner Freundin Heidi und der Bordkatze Pascha. Damit er immer gut im 2m Band erreichbar ist, funkt er meist über einen seiner beiden "Radio-Hills". So kann ich ihn auch von hier aus dem Alpental immer gut erreichen. Direkt und ohne Relaisstation. 

Nun geht Peter mit seinem Elektroboot auf grosse Fahrt. Das Schiff wurde auf einen Camion verladen und nach Basel transportiert, wo es im Rhein nun wieder Wasser unter dem Kiel hat. Dank seiner Remote Stationen wird er mit uns über UKW in Kontakt bleiben. Aber natürlich werden wir ihn auch direkt über Kurzwelle kontaktieren, den sein Kahn ist bestens ausgerüstet. 

Wo dieses Abenteuer ihn hinführt, wissen wir noch nicht genau. Aber wir verfolgen seine Reise auf seinem Blog und natürlich über Vesselfinder. Denn er hat ein AIS an Bord und so können wir immer genau sehen, wo sich das Schiff gerade aufhält. Damit das klappt, muss man natürlich wissen, wie das Schiff heisst, das man sucht. Sein Name ist "Tu vas ou".

Gute Reise Peter & Crew

Donnerstag, 21. April 2022

Ein Minipaddle aus China

 


Obschon ich selber nur Single-Paddles benutze, habe ich bei AliExpress ein kleines Iambic-Paddle bestellt. Rein aus Neugier. "Können die Chinesen brauchbare Morsetasten bauen?", habe ich mich gefragt.

 Innerhalb drei Wochen war es im Briefkasten. Ein kleines Paddle mit Magnetfüssen, die auf Stahlgehäusen fest haften. Das Teil ist hauptsächlich aus Edelstahl gebaut und macht einen unverwüstlichen Eindruck. Also genau das, was es für den rauen SOTA oder POTA Betrieb braucht.

Trotzdem ist es nur 160 Gramm schwer. Als Besonderheit hat es einen kleinen Schalter. mit dem die Strich/Punkt-Seite invertiert werden kann. Das ist mir kommod, bin ich doch ein "Falschtaster" und gebe die Punkte mit dem Zeigefinger der rechten Hand. Und das kam so: Als ich lernte mit dem Paddle anstelle der Handtaste zu geben, fand ich, dass ich die Punkte besser mit dem Zeigefinger und die Striche leichter mit dem Daumen geben kann. Einmal damit angefangen, ist mir das geblieben. Unumkehrbar. Doch zurück zu dem Chinesen:

Die Rückstellkraft wird bei diesem Paddle nicht mit Federn, sondern mit Magneten erzeugt. Ob und wie sich die Rückstellkraft einstellen lässt, habe ich noch nicht herausgefunden. Aber sie scheint mir gerade richtig für mein Gefühl. Sie beträgt zwischen 20 und 30 Gramm. Die Kontaktabstände lassen sich für beide Paddles individuell einstellen. Mit einem 5.5mm Gabelschlüssel um die Arretierung zu lösen und mit einem 1.5mm Imbus für die Einstellung. Natürlich waren diese Werkzeuge nicht dabei. Auch ein Anschlusskabel mit 3.5mm Klinkensteckern fehlte. Genauso wie eine Anleitung. Halt China-Standard.

Aber ich bin positiv überrascht. Die Taste macht mir einen guten, soliden Eindruck. Wäre ich nicht ein eingefleischter Single-Benutzer würde ich sie behalten. Für Portabelbetrieb ist sie mit ihren Magnetfüssen ideal. So wandert sie, nachdem meine Neugier befriedigt ist, auf Ricardo zum Verkauf. Mit einem 3.5mm Klinkenkabel aus meiner Reservekiste.


   Bei Aliexpress oder hier zu kaufen: https://www.ricardo.ch/de/a/morsetaste-1203944850/

Nachtrag: Robert DL5FCE hat mich darauf aufmerksam gemacht, dass sich die Rückstellkraft der Paddles einfach einstellen lässt. Er schreibt:

Hallo Anton,
die Rückstellkraft der China Taste kann ganz einfach verändert werden.
Dazu muss man zuerst die Kontakte recht weit öffnen. Mit einem
Maulschlüssel kann man die Sechskant Hülsen (siehe Foto) etwas drehen.
Die Paddel kommen sich näher und somit steigt die Kraft. Ist die
gewünschte Kraft erreicht, müssen die Kontakte neu eingestellt werden.
Fertig.

Danke Robert für den Tipp!