Montag, 8. April 2019

Unglaublich: IC-9700 driftet wie ein altes Röhrenradio.



Inzwischen haben mehrere andere OM ebenfalls die aussergewöhnliche Frequenzdrift des ICOM IC-9700 festgestellt. Nachzulesen ist das in der Diskussionsgruppe von Adam Farson VA7OJ/AB4OJ.

Gross ist dort auch die Aufregung um den Umstand, dass der 10MHz Referenz-Eingang nur ein "Fake-Input" ist. Er lässt sich nämlich nur zum manuellen Eichen des Transceivers benutzen und kontrolliert nicht dauernd den Master-VCXO des Geräts. Leider war das erst im kürzlich erschienen Advanced Manual nachzulesen und nicht vorher bekannt.
Gerade dieser 10MHz-Input verleitete wohl einige OM zu falschen Annahmen und dazu den Transceiver zu bestellen. Gingen doch die technisch versierteren OM davon aus, dass der VCXO des Geräts an die Referenz angebunden sei, wie das bei Geräten Standard ist, die einen solchen Eingang haben.

Man muss nicht über GPSDO, Rubidiumnormal und genaue Signalgeneratoren und Frequenzzähler verfügen, um die unglaublichen Drift des IC-9700 "zu erleben". Es genügt, auf 23cm auf ein stabiles Bakensignal zu drehen und dann für eine halbe Minute einen CW-Dauerstrich zu senden. Zugegeben nicht gerade die feine Art ;-)
Geht man dann wieder auf Empfang, kann man die Frequenzabweichung sogar auf dem Spektrumskop beobachten und dann auch sehen, wie das Signal langsam wieder auf die angezeigte Frequenz zurückkehrt (Anzeige auf Center und +/-2kHz Auflösung).

Das Drift-Verhalten beim Senden scheint von der Betriebstemperatur des Geräts abzuhängen. Je wärmer die Kiste, desto ausgeprägter die Drift.

Natürlich darf nicht sein, was ist, und so spielt auch Adam Farson, als ICOM-Mann, das Problem herunter und wiegelt ab. Andere Diskussionsteilnehmer regen sich gar über die "Nörgelei" auf.
Die Praxis wird ihnen vermutlich Recht geben. Denn für FM QSO's spielt die Frequenzdrift keine Rolle und auch in SSB wird das kaum einem OM auffallen. Und wenn, auch nur im 23cm Band.
Nur die "Weak Signal" Spezialisten stört die Drift. Für EME und WSJT Betriebsarten ist das Teil in diesem Zustand unbrauchbar. Doch das ist eine kleine Minderheit.

Was die Messtechnik anbelangt: Die im letzten Post gezeigten Bilder kamen noch über die Luft zustande. Inzwischen habe ich die Messungen mit Leistungsabschwächer und am "kalten Ende" eingespeisten Signalgenerator verifiziert. Der GPSDO wurde dabei durch ein Rubidium-Normal ersetzt.

Während ich diese Zeilen schreibe, driftet der IC-9700 auch ohne zwischenzeitliches Senden - also nur auf Empfang - fröhlich weiter. Heute morgen frisch geeicht, hat er sich schon um 40 Hz (im 23cm Band) davon gemacht und wandert weiter.
Im 70cm Band beträgt die Drift aber "nur" ein Drittel davon und im 2m Band nur ein Neuntel. Das fällt OM Waldheini sicher nicht auf.

Abgesehen von diesem Problem, ist der IC-9700 soweit ein nettes Gerät mit interessanten Eigenschaften. Ich werde es behalten und nicht mit der Anstalts-Ambulanz zum Händler zurück schicken. Vielleicht finden die Entwickler noch eine Lösung, um den VCXO dauernd an die Referenz zu binden, oder tauschen den internen Osci gegen ein besseres Exemplar. Denn so wie es ist, ist es keineswegs State of the Art. Ein moderner SDR mit dem Oszi einer alten Röhrenkiste.

Hier zur allgemeinen Verblüffung nochmals eine Aufnahme von heute Vormittag. Der erste Strich ganz links zeigt das Signal, das sich während drei Stunden schon 49 Hz von der Sollfrequenz entfernt hat (Ich hatte das Gerät zu Beginn 30 Minuten nach dem Einschalten kalibriert).
Dann erkennt man einen vergeblichen Kalibrierungsversuch. Erst beim zweiten Versuch klappte es und der Transceiver kehrte auf 496 Hz zurück. Ok, 4Hz daneben, das können wir noch in Kauf nehmen. Interessant, dass die Autokalibrierung mit den externen 10MHz erratisch arbeitet.

Dann kommen drei Sendungen mit Key Down in CW auf 23cm. Die Frequenz driftet dabei 100 Hz weg. Also das gleiche Verhalten wie gestern.



2 Kommentare:

  1. ICOM geht offensichtlich andere Wege. Adam Farsons Foreneinträge sind nicht mehr auffindbar ... Die eham.net-Reviews sowie Youtube sollten anstelle dieser Unboxing-Albernheiten doch mehr mit kritischen Beiträgen befüllt werden. Aber vermutlich hat ICOM dorthin auch Einfluss und kann Löschungen erzwingen. Man wird sehen. Ich setze hier noch auf den Streisand-Effekt! Eine Kalibrierfunktion, die den Hauptprozessor mit beschäftigt, kann doch ernsthaft nicht dauerhaft während des Betriebs agieren. Dabei wäre noch sooooviel Platz in dem Tonmöbel.

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Naja, für Verschwörungstheorien von icom auf youtube sehe ich noch keinen Bedarf aber an der Löschreaktion doch durchaus, dass das Problem realisiert wurde. Da kommt sicher noch ein Fix.

      Etwas beschämend ist, dass es bei icom nicht aufgefallen ist. Fehlerbei Neugeräten sind aber ja leider nicht unüblich und das sogar in weit höheren Preiskategorien - siehe: abfallende Kühlkörper bei flex 6600, ein >5000 Euro Gerät...

      Löschen