Montag, 15. Februar 2021

Endlich eine neue Lötstation

 


Eine Lötstation gehört in jede Funkbude. Man muss ja nicht unbedingt an seinem Transceiver rum löten. Aber es gibt immer wieder einen Stecker oder Antennenkontakt, der nach einem heissen Eisen verlangt. Oder plötzlich verspürt man Lust auf einen praktischen Bausatz.

Bei mir war es höchste Zeit die Lötstation zu ersetzen. Die alte, ein ausrangiertes Teil aus der Industrie, begann zu spuken und war über die Jahre unansehnlich geworden. Nur Dank diverser Flicken konnte sie sich über Wasser halten.

Ich habe mich für eine Weller WE1010 entschieden. Doch auf welche Kriterien - abgesehen vom Preis - sollte man achten, wenn man sich eine Lötstation zulegt?

Als ich lernte, dieses Instrument am richtigen Ende anzufassen und gute von kalten Lötstellen zu unterscheiden, gab es noch keine Lötstationen. Es gab bloss Lötkolben. Die hatten einfach ein Netzkabel dran und wurden an eine 220V Dose angeschlossen. Diese Urkolben gibt es zwar immer noch, aber ich rate davon ab.

Denn die elektronischen Komponenten sind sensibler geworden. Nicht nur punkto elektrostatische Entladungen (ESD), sondern auch punkto Löttemperatur. Eine Lötstation ist mittels Trafo vom Netz getrennt, der Lötkolben arbeitet mit Niederspannung und die Temperator des Kolbens lässt sich exakt einstellen und wird auch stabil gehalten.

Wie die meisten technische Dinge, sind auch Lötstationen in ihrer Bedienung komplizierter geworden. Ihr erinnert euch vielleicht an unsere ursprünglichen Autoradios. Da gab es einen Knopf für die Senderwahl und einen für die Lautstärke. Das Teil war blind bedienbar. Genauso ist es mit den Lötstationen. Neue Alleinstellungsmerkmale mussten her und die Entwickler liessen sich jeden unnötigen Schnickschnack einfallen. Doch was ist wirklich wichtig?

1. Die Temperatur soll einfach einstellbar sein. Das Gerät ohne Blick ins Manual bedienbar.

2. Das Kabel zum Kolben muss hochflexibel und temperaturbeständig sein. Nichts nervt mehr, als steifes Kabel, das einem immer im Weg ist und bei dem kleinesten Missgeschick Brandlöcher bekommt.

3. Die Ersatzspitzen für den Kolben müssen in verschiedenen Formen erhältlich und marktgängig sein. Auch nach 10 Jahren sollte man sie noch problemlos beschaffen können. Das ist bei exotischen Lötstationen keineswegs sicher. Zudem sollten sie nicht allzu teuer sein. 5 Euro +/- ist ein guter Richtwert. Die WE1010 benutzt die LT-Spitzen, ein langjähriges Standardprodukt von Weller. Dank dem Umstand, dass das Heizelement im Kolben und nicht in den Spitzen sitzt, sind sie relativ preiswert. Ich empfehle eine breite Spitze LTA fürs Grobe und die feinere ETC für feine Lötarbeiten. Wer SMD lötet, sollte als dritte Spitze noch eine ETHL oder z.B. eine ETSL in der Schublade haben. Die Spitzen lassen sich leicht auswechseln. Von gebogenen Spitzenformen rate ich ab. Ich habe ja auch noch keinen gesehen, der mit einem gebogenen Bleistift schreibt ;-)

4. Die Lötstation sollte über eine Standby Funktion verfügen. Nach einer gewissen Zeit - noch besser: nach einer Zeit des Nichtgebrauchs - fährt die Temperatur auf einen Wert runter, der die Verzunderung der Lötspitze minimiert. Das erneute Hochfahren sollte keine lange Zeit in Anspruch nehmen.

5. Die Benutzung eines nassen Schwämmchens zur Reinigung der Lötspitze ist nicht optimal und sowas von gestern. Metallwolle ist die bessere Lösung. Beim WE1010 wird zwar noch das Schwämmchen mitgeliefert, aber ich habe ein "Hundehäuschen" gefunden, das perfekt in die Schwämmchenwanne passt, wie oben auf dem Bild zu sehen ist. Es klemmt sogar ein bisschen und sitzt damit beim Reinigen unverrückbar. Made in China, auf Ebay zu finden (nach soldering cleaner googeln)

Kommentare:

  1. Hallo Anton also wenn ich meinen Weller wcp 20 so ansehe werde ich direkt Neidisch
    ist wohl ne Gute Idee und das vom Hundehäuschen erst recht
    73 de Pesche hb9rns

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  2. Hallo Anton
    Wieder ein sehr interessanter Beitrag. Danke :-)
    Vor einem Jahr stand ich genau vor der selben Entscheidung, nachdem ich jahrzehnte! mit Billigprodukten gearbeitet habe. Als Gelegenheits-Löter habe ich die Nachteile nie so richtig begriffen. 2Glücklicherweise habe ich mich fast für das selbe Model entschieden wie Du.
    Es liegen Welten zwischen einem Billig-Eisen und einer Marke wie Weller. Schade, habe ich nicht Deine Erfahrung. Aber schön schreibst Du darüber und ich kann davon lernen :-) Vielleicht löte ich in Zukunft mehr.

    73s Michi, hb9wdf

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  3. Moin Anton

    ich hatte über viele Jahre eine dieser kleinen roten Weller-Stationen (WHS40) - mit entsprechendem Verschleiss, nicht nur an Lötspitzen sondern auch an Lötkolben; denn mit der Zeit war der Kolben samt Schraube so verzundert, dass sich die Spitze nicht mehr im Kolben befestigen liess.
    Ich hab dann die WT1012 angeschafft, vorallem der Halter hat mich da sehr überzeugt; denn der kommt direkt wahlweise auf einer Seite mit Schwamm, auf der anderen mit Metallwolle daher und ist sehr massiv gebaut; was ich aber in dieser Preisklasse vermisse, ist eine automatische Standbyfunktion, wenn man den Kolben in den Halter stellt, Standby geht nur über einen Timer; da sind die Stationen von JBC dieser Preisklasse einen Schritt weiter als Weller.

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