Wenn wir uns im Irrenhaus nicht irren, hat ICOM einen riesigen Bock geschossen.
Auf den ersten Blick scheint das neue Gerät von ICOM perfekt zu funktionieren. Empfindlicher Empfänger auf allen Bändern, stabile Sendeleistung und gute Modulation. Alles scheint perfekt zu sein.
Doch plötzlich traut man seinen Augen nicht mehr:
Die Frequenz wandert - je höher das Band, umso schlimmer.
Der IC-9700 besitzt zwar einen Eingang für eine Referenzfrequenz von 10 MHz, die zum Beispiel aus einem Quarzofen, einem Rubidiumnormal oder einem GPSDP stammen kann, doch damit lässt sich das Gerät nur bei Bedarf abgleichen. Die Referenzfrequenz kontrolliert nicht dauernd den internen Oszillator. Und dieser, einmal losgelassen, begibt sich prompt auf Wanderschaft.
Vor allem, wenn man den Sender betätigt. Was im 2m Band noch nicht so auffällt, lässt dem entsetzten Beobachter auf 23cm die Haare zu Berge stehen. Nach einem CW-Dauerstrich von ca. 30 Sekunden ist die Frequenz bereits 100 Hz daneben, wie folgendes Bild zeigt:
Ganz links im Bild sehen wir ein Signal das mit dem BFO bei 500Hz empfangen wird. Der IC-9700 wurde mit der Referenzfrequenz ab GPSDO abgeglichen, die Frequenz liegt etwa drei Hertz zu hoch. Genauer geht es für das 23cm Band offenbar nicht. Das ist ok. Auf 70cm wäre die Abweichung noch 1Hz und im 2m Band noch ein Drittel Hz.
Doch dann wird die Sendetaste für 30 Sekunden gedrückt (CW Dauerstrich). Was man im Spektrogramm davon sieht, ist der Mithörton mit 500Hz. Bis hierher ist alles paletti.
Doch dann geht man auf Empfang und "Huch die Waldfee", ist der Ton abgesoffen und sinkt noch weiter. Erst bei über 100Hz im Minus, dreht er wieder und steigt.
Da wir auf CW-USB hören, bedeutet das, dass die Frequenz während dem Senden steigt und das für eine Weile bei Empfang auch noch tut. Um gut 100 Hz! Das ist eine Katastrophe!
Das bedeutet, dass das Gerät - zumindest im 23cm und vermutlich auch im 70cm Band - nicht für WSJT-X Betriebsarten oder für EME tauglich ist.
Offenbar haben die Ingenieure ein thermisches Problem übersehen.
Hier nochmals ein Versuch mit mehreren 30 Sekunden CW-Dauerstrichen mit kurzen Pausen dazwischen. Die Talsohle ist hier bei -120Hz erreicht. Uff!
Hier im Bild ist die Frequenzskala mit der 500er Marke etwas nach oben verschoben, um nach unten mehr Platz zu haben.
In beiden Bildern bedeutet ein großer Strich in der vertikalen Frequenzskala 20Hz und ein kleiner Strich 10Hz Ein Strich auf der Zeitskala sind 30 Sekunden.
Im zweiten Versuch war das Gerät schon recht vorgewärmt und man sieht, dass die Frequenz nicht mehr ganz auf die Abgleichfrequenz zurückgekehrt ist. Immerhin: Die Drift geht nicht ins Bodenlose.
Doch für mehr als FM oder gelegentliche SSB QSO's ist das Gerät nicht geeignet und eine gewaltige Enttäuschung. Das wird sich kaum mit einem simplen Software-Update lösen lassen.
Wir in der Anstalt hoffen natürlich, dass wir falsch gemessen oder einen Denkfehler gemacht haben und sich das Ganze in Wohlgefallen auflösen wird.















