Mittwoch, 15. Juni 2022

FT-8 Chancen und Risiken

 


Heutzutage läuft gut die Hälfte des Amateurfunks über FT-8. Dreht man über die Bänder, herrscht auf den FT-8 Kanälen reger Betrieb. Doch auf den anderen Frequenzen sind nur wenige SSB und CW Stationen zu hören. Der Grossteil des Funkverkehrs läuft also über einen einzigen FT8-Kanal pro Band. Dort herrscht Stau und Chaos. Vor allem, wenn die Bedingungen gut sind. 

Doch Amateurfunker sind findige Leute. Einige wählen den logischen Weg und sammeln sich in einem zweiten "inoffiziellen" FT8-Kanal. Vorzugsweise in der Nähe. Andere handeln nach der Devise "Auf die Dauer hilft nur Power:" In der Tat macht heute kaum einer mehr QRP in FT-8. Vorsichtige drehen die Kiste auf 50 Watt, in Sorge um die Gesundheit ihrer Endstufe. Weniger Bekümmerte machen auf volle Pulle und die, die schon auf dem Pausenplatz die Frechsten waren, schalten die Kilowatt-PA an.

Das ist sicher nicht im Sinne des Erfinders Joe Taylor. Aber wirksam ist es allemal. So kommt innert kürzester Zeit das DXCC zusammen und bald ist die ganze Welt im Kasten und der OM sucht verzweifelt nach Ländern die er noch nicht "gearbeitet" hat. Oder besser: die sein Computer noch nicht gearbeitet hat. Zweitverbindungen mit der gleichen Stationen ergeben keinen Sinn, gibt es doch nichts Neues zu erzählen. FT-8 Bekanntschaften oder sogar Freundschaften entstehen kaum. FT-8 ist eine hocheffiziente und minimalistische, aber im Grunde eine einsame Betriebsart. 

Trotzdem bedeutet sie nicht das Ende des Amateurfunks. Im Gegenteil. Sie ist eine Chance. 

FT-8 gibt jedem OM die Möglichkeit ferne Länder zu erreichen. Auch den so genannt Antennen-Geschädigten, also jenen, die keine langen Drähte  aufhängen, geschweige denn einen Tower mit Beam aufstellen können. Die ewig gestrigen Ausreden gelten heute nicht mehr. Mit FT-8 kann jeder mit kleiner Leistung und unscheinbaren Antennen mit der ganzen Welt Funkverbindungen tätigen. 

Eine Chance für Newcomer und Wiedereinsteiger. Eine Chance, die bei vielen Appetit auf mehr weckt. Zum Beispiel auf Funk draussen in der Natur: SOTA, POTA, WWFF. Oder auf die vielen anderen interessanten Nischen, die der Amateurfunk zu bieten hat: von Lang- bis Mikrowellen, vom Bausatz bis zur Software. Allein die Fantasie setzt den Aktivitäten im Äther Grenzen.

FT-8 war nicht die erste digitale Betriebsart im Amateurfunk. Und sie wird nicht die letzte digitale Betriebsart sein, die die Amateurfunkbänder erobert. Denn der Amateurfunk ist ein Experimental-Funkdienst. Neue Experimente kommen und verschwinden wieder. Der Amateurfunk lebt davon. 

Trotzdem hat auch er seine Konstanten und seine Nostalgie. Auch SSB und CW werden nicht verschwinden, wie so oft prophezeit. Genauso wenig wie AM im Flugfunk verschwinden wird. Lustigerweise findet zurzeit gerade eine Renaissance der Morsetelegrafie statt. Gerade QRP-Funker merken, dass CW dank seiner Effizienz und dem "Decoder/Encoder" im menschlichen Gehirn, die ideale Betriebsart für viele Aktivitäten ist. Und so macht sich manch ein SOTA-Aktivierer dran, auch diesen "Gipfel" zu ersteigen und lernt morsen.

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Samstag, 11. Juni 2022

Das magische Band

 


In der Technik gibt es jede Menge Magie, das heisst Dinge, die man nicht erklären kann. Während man beim magischen Auge genau weiss, wie es funktioniert, ist das magische 6m Band immer noch Gegenstand unterschiedlicher Theorien. 

Das 6m Band, in Europa früher als TV-Kanal benutzt, ist nun in den meisten Ländern für den Amateurfunk frei gegeben. Zum Teil mit Auflagen bezüglich Sendeleistung und Polarisation der Antennen. 

Zurzeit ist es gerade wieder sehr populär. Wie immer in den Monaten Mai/Juni erscheinen wie von Geisterhand sporadische E-Schichten in zirka 100km Höhe und reflektieren die 50MHz Signale wieder zurück zur Erde. Natürlich nicht nur die 50MHz Signale, sondern auch andere Frequenzen von Kurzwelle bis UKW, je nach Intensität dieser magisch sporadischen E-Schicht. Häufig profitiert auch das 10m/11m Band von diesem Zauber, selten das 2m Band.

Da die sporadische E-Schicht nicht so hoch ist, wie die F-Schicht (200 bis 400km) reichen die reflektierten Wellen auch nicht so weit wie beim regulären Kurzwellenverkehr über die normalen F-Schicht. Die Sprünge sind kürzer, in der Regel 800 bis etwa 2200km. 

Doch man muss ja nicht alles mit einem einzigen Sprung machen. Befinden sich mehrere sporadische E-Schichten zur richtigen Zeit am richtigen Ort, lassen sich mit mehreren Sprüngen viele tausend Kilometer überbrücken. Zum Beispiel von Europa in die Karibik oder nach Japan.

Doch das ist nicht die einzige Magie, die das 6m Band zu bieten hat. Es hat eine ganze Palette von Zaubertricks auf Lager. So eignet sich dieser Frequenzbereich auch besonders gut für Meteorscatter.

Diese Karte hier zeigt, was gerade im 50MHz Band läuft. Wie aus der Fusszeile der Karte zu ersehen ist, werden 14 möglich Ausbreitungsarten aufgezeigt. Jede hat ihre Eigenarten und in den meisten fällen ihre eigene Betriebstechnik. Eine Spielwiese für Spezialisten.

Doch für QSO's über die sporadischen E-Schichten braucht man kein Spezialist zu sein und man braucht auch keine grosse Antenne oder viel Sendeleistung. Auch hier aus dem Alpental sind Europa-Verbindungen möglich, obschon die Berge eine flache Abstrahlung des Signals begrenzen. Mein Icom Pro3 mit 100Watt und eine kleine Vertikalantenne draussen auf der Fensterbank der Funkbude sind alles was ich habe. Die Antenne besteht aus einer auf 1.5m verkürzten Angelrute, an der ein Stück Litzendraht angeklebt wurde. Als Gegengewicht muss das speisende Koaxialkabel herhalten. Eigentlich eine lächerliche Antenne, die nur ca. 20cm von der Hauswand entfernt ist. Mit etwas Schnippeln und einem Ferritkern als Mantelwellensperre auf dem Koax liegt das SWR bei 1:1. Natürlich ist das Stehwellenverhältnis kein Qualitätsmerkmal, wie wir wissen. Eine gute Dummy Load hat auch ein SWR von 1:1. 

Doch dank der Magie des 6m Bandes sind zurzeit QSO's in CW und SSB in alle Richtungen möglich. Trotz Berggipfeln und Hauswand. Dabei sind die Signale keineswegs schwach, wie man unter diesen Umständen vermuten würde. Stationen mit 59+ auf dem S-Meter sind keine Seltenheit.

Der CW-Betrieb spielt sich um 50.090 MHz ab, der SSB Betrieb um 50.150 MHz. FT-8 läuft auf 50.313 USB. Und ich kann mir vorstellen, dass gerade FT-8 zauberhafte DX-Verbindungen ermöglicht. Dank seiner Fähigkeit, Signale tief im Rauschen noch zu detektieren. Im Bereich 50.400 bis 50.500 sind sehr viele Baken angesiedelt. Vielleicht hörst auch du eine davon? Hier ist das ganze Jahr diese Bake zu empfangen. Viele Baken sind mit diesem Programm zu decodieren.

Ist die Zeit der Magie einmal vorüber, wird das 6m Band wieder still vor sich hin rauschen. Das ist schade. Es wäre nämlich auch ein tolles Band für kürzere Verbindungen via Bodenwelle und Troposcatter. Stationen, die ich von hier aus im 2m Band kontaktieren kann, sind in der Regel auch im 6m Band zu erreichen. Die Diffraktion (Beugung der Wellen) ist ausgeprägter als im 2m Band.      


Donnerstag, 2. Juni 2022

Das BAKOM gibt den Funkamateuren den Tarif durch

 


Wo Rauch ist, ist auch Feuer. Und so wird auch die neuste "Erklärung" des BAKOM's nicht aus dem blauen Himmel kommen. Unter dem Titel "Präzisierungen zur Konformität von Amateurfunkanlagen" wird wieder einmal gesagt, was erlaubt ist und was nicht. 

Interessanterweise wird dabei von Duldung gesprochen. Das heisst nicht unbedingt, dass das geduldete Tun auch erlaubt ist. Juristisch gesehen. In unserer Gegend duldet die Polizei zum Beispiel den hupenden Autokorso eines Hochzeitspaares, obschon solches Tun eigentlich verboten wäre.

So duldet das BAKOM den Privatimport von einzelnen Funkgeräten ohne CE Zeichen, bzw. ohne Konformitätserklärung durch HB9er, um damit zu funken, zu experimentieren und daran herumzubasteln. Ausser das Teil sei auf der Liste der verbotenen Geräte

Wenn die YL oder der OM das Gerät "eine Zeit lang gebraucht" hat und des Bastelns müde ist, kann er es sogar weiter verkaufen. Da scheint mir ziemlich viel Gummi, bzw. Goodwill in dieser Duldung.

Dieses Laissez faire gab es in der Vergangenheit nicht immer, und einige OM haben für solches Tun viel Geld bezahlt. Die werden sich jetzt vermutlich ärgern.

Soweit zur Duldung. Was das BAKOM aber gar nicht duldet ist folgendes: Der Import von nicht konformen Geräten mit dem Zweck des Wiederverkaufs. 

Ein Beispiel: Wenn also  OM Schlaumeier nicht konforme Geräte auf Aliexpress bestellt und sie dann auf Ricardo anbietet um einen Franken oder zwei zu verdienen. Das gibt Ärger. 

Soweit die Duldungserklärung des BAKOM. Im Prinzip eine freundliche Geste gegenüber den Funkamateurinnen und Funkamateuren. Aber auch ein Wink mit dem Zaunpfahl an die paar schwarzen Schafe. Nachzulesen im BAKOM Newsletter Nr. 429 von heute.   

Samstag, 28. Mai 2022

Icom's dunkle Bildschirme

 


Schon einige Besitzer eines ICOM IC746 haben damit Bekanntschaft geschlossen: Plötzlich wurde der Bildschirm des Gerätes schwarz. Wenn die Beleuchtung der LCD-Anzeige erlischt, wird es schwer, die Frequenz und andere Daten darauf zu erkennen. Auch beim Nachfolger IC7400 (Icom 746Pro in den USA) ist es nicht besser. Auch hier hängt das Damoklesschwert eines Blackouts über dem Operateur.

Nach der Entwicklung des Flaggschiffs IC781, der noch mit einer Kathodenstrahlröhre (CRT) arbeitete, wechselte ICOM auf eine andere Sorte Anzeigeflächen. Grosse LCD-Anzeigen wurden mit einer kleinen Leuchtstoffröhre beleuchtet (hinterleuchtet), im Volksmund oft noch Neonröhre genannt. Ein Diffusor (Zerstreuer) sorgt hinter der LCD-Anzeige für eine gleichmässige Ausleuchtung. 

Doch Leuchtstoffröhren arbeiten nicht mit 12 Volt Gleichspannung. Sie brauchen zur Zündung und zum Betrieb eine hohe Wechselspannung. Vorzugsweise im kHz-Bereich, sodass kein Flimmern die Augen stört. Alle ICOM Geräte nach dem IC-781 besitzen deshalb einen DC/AC-Wandler, der einige hundert Volt für die Leuchtstoffröhre der Anzeige abgibt. Vom IC-746 über die IC-756Pro-Serie, den neueren Flaggschiffen, dem halben Flaggschiff (IC-7700) bis zum IC-7410 und dem IC-9100. Erst die neusten ICOM-Transceiver besitzen eine LED-Beleuchtung.

Doch bei diesen DC/AC-Wandlern haben die Ingenieure offenbar etwas knapp gerechnet. Gerade bei den IC746/IC7400 geben sie ab und zu den Geist auf. Ungenügend gekühlte Transistoren, defekte Transformatoren, "müde" Elkos. Dummerweise gerade dann, wenn die Operateure denken, sie würden ihre Anzeigen schonen, wenn sie die Helligkeit möglichst weit zurückschraubten. Doch weniger helle Leuchtstoffröhren bedeutet mehr Wärme für den DC/AC-Wandler. Das Risiko steigt, den Hitzetod zu erleiden. Die Besitzer dieser Geräte sollten also möglichst die Helligkeit der Anzeige voll aufdrehen, um das Risiko zu senken. 

Bei späteren Geräten wurden die DC/AC-Wandler verbessert. Doch in der Pro-Serie (zum Beispiel IC-756Pro3) trat dann ein weiterer, unerwünschter Effekt auf: Die Anzeige brauchte ein paar Minuten, bis sie die gewünschte Helligkeit erreichte. Zwar wurde dieser Effekt im Handbuch beschrieben und als "normal" dargestellt. Doch die Geräte zeigten oft ein sehr unterschiedliches Verhalten. Bei einigen Besitzern wurde der Bildschirm sofort hell, andere brauchten zehn Minuten Anlaufzeit und beim Einschalten war der Schirm fast dunkel. So auch in meinem Fall. Dabei habe ich die Helligkeit bei meinem IC-756Pro3 aufs Maximum gedreht. Immerhin: nach ca. 10 Minuten leuchtet er fast so hell wie bei meinem IC-7700, der auf 50% Helligkeit eingestellt ist.


Doch das ist noch nicht alles. Mit den Jahren wird die Beleuchtung immer schwächer. Die Leuchtstoffröhren hinter dem LCD-Schirm haben eine begrenzte Lebensdauer (ca. 10'000h); genauso wie die Leuchtstoffröhren im Büro oder im Bad zuhause. Man muss sie dann auswechseln. 

Doch wie so oft bei vielen Ersatzteilen für unsere Transceiver: sie sind nirgends mehr aufzutreiben, wenn man sie braucht. Spezialanfertigungen eben.

Aber es gibt Hoffnung. Der Bastler mit sicherer Hand und guten Augen kann die winzige Leuchtstoffröhre hinter der Anzeige durch einen LED-Streifen ersetzen. Wie das gemacht wird, sieht man im folgenden YouTube Video:


Und damit das noch einfacher geht, gibt es aus den USA einen Umbausatz (LED conversion kit) mit einer sehr guten Schritt-für-Schritt Anleitung. Sie stammt von Scott W1NB. Seine Email ist: maxxlight@w1nb.

Auch wenn es bei mir noch nicht ganz soweit ist: ich habe mir präventiv ein solches Conversion Kit gekauft. Gewissermassen als lebensverlängernde Massnahme für meinen Pro3.


Bild zuoberst: Kaffee kochen in der Alphütte

       

Montag, 16. Mai 2022

Una nonnetta che va meglio di molti nipotini

 


Eine Grossmutter, die besser im Schuss ist als viele ihrer Enkel. Unter diesem Titel stellt IZ0FIB seinen alten ICOM IC-781 vor. Die Grossmutter der ICOM Flaggschiffe. Ein 23kg schweres Fossil aus der Vor-DSP Ära; aus einer Zeit als die meisten mit den Begriffen Internet und Smartphone noch nichts anfangen konnten.

Doch Halt! War dieser Transceiver wirklich das erste Flaggschiff von ICOM? Gab es nicht vorher bereits den IC-780? Dieses wunderschöne Gerät, das auf diesem Bild zu sehen ist:


 Den gab es natürlich auch, aber nur für den japanischen Markt. Mit einer gezähmten Endstufe. Der IC780 und der IC781 waren also - bis auf einige kleine Details - das gleiche Gerät. Auf dem Markt erschien es 1988. Das heisst, die Entwicklung startete irgendwann in der Mitte der 80er Jahre. Gebaut wurde es in erster Linie für den kommerziellen Markt. Doch fand es rasch auch Anklang bei den Funkamateuren. Im nächsten Bild sehen wir die Militär-Version des IC-781:


  Die Verwandtschaft ist nicht zu übersehen. Eigentlich schade, dass es diese helle Front für den Amateurfunk-Markt nicht gab. Ich finde sie ansprechender als das ewig gleiche Anthrazit der heutigen Transceiver. Aber helle Frontplatten entsprechen vermutlich nicht dem Geschmack der Funkamateure. Yaesu wagte mit dem FT-107M einen entsprechenden Versuch. Es gab den 107M sowohl in Anthrazit als auch in weiss. Doch scheint diese Farbwahl kein Erfolg gewesen zu sein. Die nachfolgenden Geräte erschienen wieder im dunklen Kostüm. 

Der IC-781 blieb nicht lange allein. Er bekam alsbald Konkurrenz der beiden anderen grossen Hersteller aus Japan. Yaesu lancierte den FT-1000 und von Kenwood gesellte sich der TS-950S zum Kränzchen der Grossmütter. Sie alle kamen noch ohne digitale Signalverarbeitung aus. Die Selektion in der Zwischenfrequenz erfolgte mittels Quarzfilter. Anstelle komplizierter Menüs gab es auf der Frontplatte Regler für alles, was der gewiefte SSB- oder CW-Operateur brauchte. 

Doch der IC-781 stellte alle in den Schatten, denn er verfügte über eine Spektrumanzeige. Nun konnte man nicht nur mit dem eingebauten Zweitempfänger nicht nur hören, was sich neben der eingestellten Frequenz tat, man konnte es auch sehen. Das Pileup beim Split-Betrieb zum Beispiel.

Mit dem IC-781 holte ICOM alles aus der Analogtechnik raus, was möglich war. Ausgezeichnete Empfindlichkeit und Selektion und einen guten Klang beim Empfang, gepaart mit einem Sender mit 150 Watt und einer einwandfreien SSB-Kompression. Das Netzteil war eingebaut, ebenso wie der Antennentuner. Zwar wurden damals noch keine SMD sondern bedrahtete Bauteile verwendet. Doch die Verarbeitungsqualität des komplexen Geräts war trotzdem sehr gut, was ihm ein langes Leben versprach. Das ist nicht selbstverständlich. Moderne Geräte, mit SMD Bauteilen bestückt, sind in der Regel zuverlässiger als die alten mit den bedrahteten Bauteilen. Denn sie werden nicht mehr von Hand bestückt und gelötet, sondern von automatischen Maschinen. Dadurch sind sie auch wesentlich günstiger in der Herstellung. Ein IC-781 wäre heute nicht mehr bezahlbar.

Apropos "bezahlbar": Der IC-781 wurde von Anfang an als Volloption verkauft. Das heisst: bestückt mit allen Quarzfiltern - auch den CW-Filtern. Gerade als Telegrafist weiss man, wie sehr Zusatzfilter ins Geld gehen können. Kauft man heute ein altes Gerät ohne die optionalen CW-Filter, muss man tief ins Portemonnaie greifen. Wenn das überhaupt möglich ist. Viele optionale Filter sind heute nicht mehr erhältlich. Ein Beispiel sind die Filter für die FT-817/818/857D von Yaesu.

Für die Telegrafisten hatte der IC-781 aber noch mehr zu bieten: Eine Full-Break-In Funktion vom Feinsten. Ohne lästiges Relaisgeklapper. Notabene auch heute noch ein Merkmal hochklassiger Transceiver. 

Ein schönes Detail ist übrigens das grosse S-Meter. Noch ein richtiges Drehspulinstrument. Mit S9 genau in der Mitte der Skala, wie es sein muss und wie es z.B. Elecraft nie begriffen hat. Gerade bei QRP ist ja die S-Skala von 1 bis 9 am wichtigsten, +60dB mehr als überflüssig. Das gleiche Messinstrument wurde u.a. auch im ICOM 765 eingebaut. Übrigens auch ein Enkel der Grossmutter.   

Doch wo Licht ist, ist auch Schatten. Ein IC-781 schafft es heute nicht mehr auf die vorderen Ränge der legendär-berüchtigten Sherwood Liste. Doch das ist für die meisten Funkamateure auch nicht relevant. Wichtiger ist, dass er so seine Macken hat. Und wie meistens sind dies Konstruktionsfehler.

So hat er unter anderem ein Temperaturproblem. Die Hitze stammt dabei nicht etwa aus der Endstufe. Die hat nämlich ausreichend Lüftungsschlitze und zwei kräftige Transistoren (MRF422), von der jeder alleine 150 Watt schaffen würde. Es ist das Netzteil mit seiner linearen Regelung und fehlenden Luftzirkulation, das Probleme schafft. Empfohlen wird als lebensverlängernde Massnahme deshalb der Einbau eines Lüfters.

Kummer könnte auch der Bildschirm verursachen- ein klassischer Kathodenstrahl Schirm (CRT). Vor allem wenn er jahrelang im Dauerbetrieb war. Dann könnten sich auf dem Schirm u.U. Einbrennspuren befinden. Die sind leider nicht mehr wegzubringen. Doch dieser Schönheitsfehler macht das Gerät nicht unbrauchbar. Immerhin ist der CRT ein Qualitätsteil von Toshiba. 

Des weiteren wird von AGC-Problemen berichtet. Doch für dieses gibt es eine Modifikation. Wer mehr über die Macken und deren Behebung wissen möchte, findet auf der Seite von IZ0FIB unter "Wartungsinformationen" einen Bericht von YO9FZS, der sich intensiv mit dieser "Grossmutter" auseinandergesetzt hat. Das Service Manual findet man übrigens bei qrzcq.

Einer, der sich auch mit dem IC-781 befasst hat, ist der ICOM-Papst Adam Farson, VA7OJ/AB4OJ. er nennt das gewichtige Fossil aber nicht Grossmutter sondern "King of Beasts". Wer sich für einen IC781 interessieret, der auch heute noch um die tausend Franken gehandelt wird - sofern artgerecht gehalten und gepflegt - sollte seinen Bericht unbedingt lesen. 

Samstag, 7. Mai 2022

Antennenschalter: Schrott gekauft

 


Passiert euch das auch? Ihr kauft was im Internet oder auf dem Flohmarkt und kaum habt ihr das Teil gesehen, wandert es schon ins Altmetall. Weil es unbrauchbar ist - unbrauchbarer Schrott. Und weil es eine Frechheit wäre, das Teil zu verschenken oder schlimmer noch: einen neuen Dummen zu finden und ihm den Schrott anzudrehen.

Mir passiert das ab und zu. Zum Beispiel bei dem Antennenschalter oben im Bild. Ich hatte ihn im Internet gekauft. Zum Schnäppchen-Preis. Original verpackt und von WIMO. Dazu mit N-Buchsen. Sowas muss ja hochwertig sein.

Doch schon ein Blick auf die N-Buchsen weckte ein Unbehagen. Die Kontakte sahen etwas zerdrückt und gar dünn aus. Trotzdem! Ausprobieren geht über studieren. Doch Schreck lass nach und komm nicht wieder: bereits das Ohmmeter zeigte einen wackligen Kontakt. Ein schlechtes Omen. Schalter mit Wackelkontakt sind Gift für den Transceiver.


Also wurde das Teil aufgeschraubt um die Innereien zu betrachten. Da kommt man ins Grübeln, nicht war? Sehen so hochwertige HF-Schalter aus? 


Schauen wir doch zum Vergleich mal in einen DAIWA Antennenumschalter, einen CS-201. Pikantes Detail: Das angebliche Schnäppchenteil heisst übrigens CO-201N. Ja, so werden Klone genannt. Zur Täuschung des dummen Käufers möglichst nahe am Original. Im Daiwa drin sieht es so aus:


Wie man sieht, gibt es einen gravierenden Unterschied. Dem Klon fehlen die Kontakte, bzw. das Kontaktmaterial. Anstelle von in die Federn eingepressten Kontakten, wurden nur kleine Buckel direkt in die Federn gedrückt. Ein äusserst zweifelhafter und auf die Dauer kaum nachhaltiger Kontakt. Wackel sind gewissermassen vorprogrammiert. 
Im Daiwa wird die Feder des offenen Eingangs, die weggedrückt wird, mit dem Gehäuse kurzgeschlossen. Der offene Eingang liegt also jeweils auf Masse. Im Klon dagegen wird die Feder des offenen Anschlusses gegen einen lackierten (!) Abstandsbolzen gepresst. Ein Masseschluss kann so nicht stattfinden. Dadurch ist die Isolation zwischen den beiden Eingängen ungenügend.  
Übrigens sind auch die N-Buchsen von wesentlich besserer Qualität. Hier der Vergleich. Oben der Klon, unten der Daiwa:



Zum Schluss noch ein Blick in einen Diamond Antennenschalter, einen dreipoligen. Es ist ein CX310, made in Japan. Versilberte Messerkontakte. Sechsfache Verschraubung des Deckels. Darum darf man diesem Schalter glauben, was er auf dem Etikett verspricht.
Was beim Diamond auffällt: die offenen Eingänge werden nicht gegen Masse kurzgeschlossen. Dies ist bei dieser Konstruktion offenbar nicht notwendig.


 

Kleines Detail beim Diamond: man beachte die kleinen Vertiefungen neben dem Kreuzschlitz der Schrauben. Die verlangen nach einem japanischen Schraubendreher. In diesem Fall ein JIS PH1.

Fazit der kurzen Bildergeschichte: Man muss verrückt sein, um seine teuren Geräte einem Antennenklon anzuvertrauen. Und es gibt keine vernünftigen Antennenschalter für 30 Mäuse. 

  
 

Freitag, 6. Mai 2022

Contest aus dem Alpental

 



Zurzeit herrscht bei mir Ruhe auf dem Basteltisch. Weit und breit ist kein neues Projekt in Sicht. Doch aus Erfahrung weiss ich, dass sich das schlagartig ändern kann. In diesen Tagen habe ich also etwas mehr Zeit zum Funken. Es ist immer wieder ein Vergnügen, zu erleben, wie gut eine Magnet Loop Antenne unter Dach funktioniert. Zum Beispiel bei diesem italienischen WRTC-Wettbewerb. Zwar bin ich kein Contester und auch keiner, der Diplomen nachrennt, doch dieser Italien-Wettbewerb hat in mir einen Jagdtrieb aktiviert, wie ich ihn sonst nur beim Pilze sammeln verspüre. 

Um was geht es bei diesem WRTC-Wettbewerb?

Während der Zeit vom 1. Januar bis zum 10. Juli 2022 sollen möglichst viele Sonderstationen aus12 Regionen Italiens kontaktiert werden. Von der Stiefelspitze bis zu den Alpen. Und zwar auf allen Kurzwellenbändern mit Ausnahme des 60m Bandes. Für CW-Verbindungen gibt's 10 Punkte, für SSB 5, für RTTY 4 und für FT8 3 Punkte. 

Man kann jede Region nur einmal pro Band arbeiten, dafür aber in allen Betriebsarten. 

Wir stecken also mitten im Geschehen und inzwischen wurden von den 12 Equipen mit insgesamt über 150 Operateuren bereits über eine Million QSO's gefahren. Dabei soll es weltweit 100'000 Jäger geben, die auf diese Sonderstationen lauern. Ein Unternehmen also, das jede DX-Expedition in den Schatten stellt.

Das Ganze ist sehr gut organisiert, und man kann seinen Fortschritt unmittelbar online verfolgen, indem man sein Rufzeichen eingibt. Wer möchte, kann sich am Ende sein "Diplom" ausdrucken. Man muss keine QSL-Karten einsenden, keine Formulare ausfüllen. Möchte man QSL-Karten, so kann man sich diese ebenfalls ausdrucken und an die Wand nageln. Bequem und easy wie das im IT-Zeitalter sein sollte.

Ich mache dabei nur in CW mit. FT-8 ist m.E. was für Dummies, RTTY kann ich nicht und ins Mikrofon brüllen mag ich nicht. Ausserdem gibt's für CW am meisten Punkte.

Aber ein anderer Aspekt interessiert mich viel mehr: wie bewähren sich meine Unterdach Magnet Loops in Konkurrenz mit anderen Stationen? Habe ich im Pile-up eine Chance? Welche Frequenzen gehen und welche nicht? Doch nicht nur die Performance meiner Antennen interessiert mich. Mein QTH ist ja nicht weit weg von Italien. Bloss jenseits der Alpen. Das bedeutet, dass für Oberitalien die NVIS-Bändern in Frage kommen, für Mittelitalien am besten 30 und 40m. Für 10 bis 20m jedoch liegt zum Teil auch Süditalien noch in der toten Zone und ich muss auf Sporadic E hoffen. Bei den Magnet-Loops kommt als Handikap dazu, dass der Wirkungsgrad im 160m Band mickrige 1% und im 80m Band bloss 10% beträgt, wenn man den Berechnungen trauen darf.      

Erstaunlicherweise geht das aber sehr gut. Und es macht auch Spass.  

Weniger Spass machen die Funker, die keine Ahnung von Split-Betrieb haben, bzw. nicht wissen, was das "up" nach dem CQ-Ruf bedeutet und frischfröhlich drauflos morsen. Ganz Unbedarfte geben einfach Fragezeichen, weil sie irgendetwas gehört haben aber nicht wissen was. Eine Unsitte, die sich in CW immer mehr ausbreitet. Aber vielleicht ist es einfach so, dass der Morsedecoder mit dem QRM nicht klarkommt? Es geht halt nichts über das menschliche Gehör. Sofern man es zu benutzen weiss. 

Es ist wie in vielen Situationen im Leben: Es ist meist besser, zuerst die Szene zu überblicken und zu analysieren, bevor man losklappert: Auf welchen Frequenzen senden die Jäger? Wo hört der Gejagte? Wie arbeitet er? Welches Tempo behagt ihm? Hört er schmal- oder breitbandig? usw.