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Freitag, 20. Januar 2023

Fenster mögen keine Antennen

 


Schon seit es sie gibt, experimentieren Funkamateure mit ihnen: Kupferstreifen zum Aufkleben. Googelt man durchs Internet, findet man alle Arten von aufgeklebten Antennen: von einfachen Dipolen bis zu den sonderbarsten Formen. Dabei scheinen die Fenster unserer Funkbuden diese Klebeantennen magisch anzuziehen, wie man auch im folgenden Video eines Hamfluencers sehen kann:


Leider ist das Fenster der dümmste Ort, eine Antenne hinzukleben. Es sei denn, man lebe in einer alten Hütte. Natürlich gibt es Ausnahmen. In meinem Auto ist zum Beispiel die DAB+ Antenne auf die Frontscheibe geklebt. 

Doch generell gilt: Ob geklebt oder nicht, man tut gut daran, mit seinen Antennen nicht in die Nähe von Fenstern zu kommen, weder von innen noch von außen. Einem Parabolspiegel oder einer UHF Yagi macht es nicht viel aus, wenn sie draußen ans Fensterbrett geklemmt wird, doch bei VHF Rundstrahlern hört der Spaß auf. Denn das Fenster ist bereits selbst eine Antenne und es mag keine Konkurrenz. 

Moderne Fenster haben einen Metallrahmen, der die Gläser trägt und dieser Rahmen ist ein Quad-Element oder eine Magnet-Loopantenne, je nach Sichtweise. Und je nach Abmessungen hat es seine Resonanzfrequenzen. Diese Eigenresonanzen lassen sich mit einem Antennen-Analyzer und einer kleinen Koppelschleife messen. Meine beiden Fenster sind u.a. bei ca. 175 MHz resonant. Doch sie störten nicht nur die Abstimmung meiner 2m Antennen, die ich zu nahe vor dem Fenster montieren wollte, sondern machten auch den Abgleich von 4m und 6m Rundstrahlern praktisch unmöglich. 

Da in meiner Bastelkiste eine Rolle Kupfer-Klebeband schlummerte, wie sie der nette Hamfluencer oben im Video benutzt, habe ich damit experimentiert. Zuerst im 4m Band und dann auch auf 2m. Denn auch ich streite nicht ab, dass es manchmal Wunder gibt, und ein solches hätte auch meine Klebeantennen zum Funktionieren bringen können.

Leider gab es auch diesmal kein Wunder. Ein vertikaler Dipol für das 4m Band zeigte folgende SWR-Kurve:

Das Bild lässt vermuten, dass die Antenne noch zu lang ist und die untere Resonanz die "richtige" ist. Die Kupferstreifen sind ja recht breit und die Permittivität (Dielektrizitätskonstante) des Glases (5-10) hat sicher auch noch einen Einfluss. Doch ein Verkürzen des Bandes machte das Bild nur schlimmer. Die Antenne weigerte sich auf 70MHz abzustimmen. Da konnte ich soviel schnippeln wie ich wollte, es nützte nichts. Die untere Resonanz verflachte sich bis zur Unkenntlichkeit. Anders sah es aus, wenn ich etwas Abstand vom Fenster nahm und die Antenne an die Shack-Tür klebte:



Da bestätigte sich, dass ich die richtige Resonanz (die untere) gewählt hatte und die Antenne ließ sich durch Verkürzen Abstimmen. Doch die Tür ist noch ein dümmerer Ort als das Fenster für eine Antenne, und so brach ich diesen Versuch ab und kehrte wieder zum Fenster zurück. Diesmal um einen 2m Vertikal-Dipol draufzukleben. Auch hier sah das Ergebnis abenteuerlich aus:


Beim 2m Band bildete sich ein breites Plateau auf der SWR-Anzeige und bei 200 MHz eine sehr schöne Resonanz. Wenn ich total verrückt gewesen wäre, hätte ich nun versucht, die Antenne zu verlängern, um diese Resonanz ins 2m Band runterzukriegen. Doch da ich nur halb verrückt bin, ließ ich es bleiben.

Und die Moral von der Geschichte: Bleibt mit euren Antennen vom Fenster weg. Eine Erfahrung, die übrigens auch der Hamfluencer oben im Video machen musste.
  

Das Kupferband zum Experimentieren direkt aufzukleben, empfiehlt sich übrigens nicht. Außer man hat Spaß am Fensterreinigen. 


 

Mittwoch, 19. August 2020

Die Angelschrauben Antenne

 

Im Verlaufe des nächsten Jahres soll die Anstalt in die Alpen verlegt werden. Wie bereits berichtet, ist das für den UKW-Funk kein Problem - nur eine interessante Herausforderung. Auch für die kurzen Wellen scheint ein Alpen-QTH kein großes Hindernis zu sein, abgesehen vom hohen Horizont und der dadurch fehlenden Flachstrahlung für DX. 

Doch wenn der Funker älter wird, werden Häuser mit Umschwung zur Last und man ist besser in einer bequemen Wohnung zu Hause. Daran haben die kurzen Wellen keine Freude. Sie lieben große Aluminium-Gebilde und lange Drähte.

Doch wo ein Wille ist, ist auch eine Antenne. 

Eine Vertikalantenne, zum Bespiel, findet überall Platz. Auf einer Terrasse, dem Balkon oder zwischen den Büschen hinter dem Haus. Ist man eigener Herr und Meister ist das eine leichte Aufgabe. Wohnt man zur Miete bedarf es etwas diplomatisches Geschick oder ein Quäntchen Chuzpe. Regelmässige Apéros mit dem Landlord sind keine schlechte Idee und fördern das Verständnis für funkerische Belange. 

Gestern wollte ich mal wissen, was eine bescheidene Vertikal zu leisten vermag. Im Keller der Anstalt war noch eine Angelrute mit 6m Länge und ein Antennentuner CG-3000 an Lager. Dazu noch etwas Isolierband und ein Stück Litze. 

Als "Antennenfuss" diente der Ständer eines Sonnenschirms - ein schweres Betonteil. Und als Gegengewicht ein 60cm Erdpfahl plus ein Sammelsurium von Radialen. Letztere waren glücklicherweise schon vorhanden, so dass die Antenne im Nu aufgebaut war.

So ein Ding braucht keine Baubewilligung, behaupte ich jetzt mal frech. Ist ja portabel, vom Betonständer mal abgesehen ;-)

Die Angelrute ist aus dem Decathlon, eine Caperlan Travel 600. Also 6m lang. Das ist eine Fiberglasrute. Carbon sollte man meiden, liest man ab und zu. Aber das werde ich später trotzdem mal ausprobieren.

Der Draht wird spiralförmig aufgewickelt, wie auf den Bildern zu sehen ist. Die Anzahl Windungen ist egal, man sollte sie nur gleichmäßig über die Rute verteilen. Beim ersten Versuch mit 610cm Draht, kam der CW-Bereich im 80 m Band nicht gut weg. Der Tuner hatte Schwierigkeiten, das SWR unter 1:1.5 abzustimmen. 638 cm ergab dann auf allen Bändern bis ca. 29 MHz ein SWR besser als 1:1.5. Das ist deshalb wichtig, weil der Sender oberhalb 1:1.5 die Leistung reduziert. Auch für den Tuner ist es gesünder, wenn er ein gutes SWR abstimmen kann.

Auf 160 m ist die Antenne natürlich zu kurz und der Tuner bekommt weiche Knie, bzw. warme Kondensatoren.

638 cm müssten eine Viertelwellenresonanz von ca. 11.8 MHz ergeben. Gemessen habe ich aber 10.15 MHz. Das liegt nicht nur an der Helical-Form der Antenne, sondern auch an der dielektrischen Belastung durch den Glasfibermast und die Isolation der Litze (0.75mm2). Ohne Tuner wäre die Antenne also bereits ein Monobander für das 30 m Band.

Ein paar Stunden reichen natürlich nicht, um die Antenne eingehend zu testen. Das soll diesen Herbst/Winter geschehen. Doch ein kurzes Wispern mit 5 W im 40, 30 und 20 m Band zauberte ein zufriedenes Lächeln auf mein Gesicht. Innerhalb einer Stunde (!) wurde das Signal auf 5 Kontinenten gehört. Nur die Neumeyer Station in der Antarktis fehlte im Log. Auf 40 m wurde ich von VK7JJ in Tasmanien und ZS3RF in Südafrika gehört. Natürlich auch von ganz Europa von Island über die Kanaren bis in die Türkei. 30 m brachte dann zusätzlich Kasachstan und die Ostküste der USA und 20 m dann noch Südamerika mit Argentinien, Uruguay und Brasilien.

Das lässt immerhin auf zukünftige Verbindungen in CW und FT-8 hoffen. Was im 80m Band mit einer so kurzen Antenne möglich ist, darüber werde ich in diesem Blog berichten, wenn der Herbst das sommerliche QRN vertrieben hat. 



     

 

Donnerstag, 4. Juni 2020

UKW Aus dem Alpental - Teil 2



Es gibt zurzeit kein besseres Instrument, um die Möglichkeiten eines UKW-Standorts abzuschätzen, als den Betrieb mit FT-8. Damit lassen sich die verschiedenen Strahlrichtungen ausprobieren und vergleichen. Im Gegensatz zu den 59 Rapporten bei Funkwettbewerben sagt einem der Computer meist die Wahrheit und liefert akkurate Rapporte in dB Rauschabstand. Meist zwar im negativen Bereich und deshalb für SSB- oder gar FM-Betrieb als Ersatz für die FT-8 Verbindung ungeeignet. CW allerdings ist meist möglich, wenn man das FT-8 Signal von Ohr hören kann. 

An meinem Standort unten im Tal von Charmey stellte ich rasch fest, dass nur zwei Strahlrichtungen in Frage kommen. Talabwärts Richtung Moléson, also Südwest, und talaufwärts, hinauf zu den Felszacken der Gastlosen. Also Richtung Ost-Südost. 

Es ist übrigens keine gute Idee, einen Blindenstock (Vertikaler Rundstrahler) in ein Gebirgstal mitzunehmen. Erstens hat man damit keine Ahnung wo das Teil die Aetherwellen hinschickt oder herholt. Zweitens heizt man damit nur die umliegenden Berghänge auf. Denn Vertikalantennen strahlen flach. Je länger sie sind, desto mehr werden die Wellen in der Vertikalen gebündelt. Das Stichwort für die Antenne im Alpental heisst Elevation. Eine Yagi-Antenne ist deshalb das Instrument der Wahl. Diese wird aber so gerichtet, dass sie nicht geradeaus schaut, sondern hoch zu den Gipfeln.

Für vertikal polarisierte Stationen (die Blindenstock-Freunde ennet dem Berg) muss die Yagi in der Regel auch vertikal gestellt werden. Bei DX-Verbindungen ist die Polarisation weniger wichtig. Die Polarisations-Dämpfung bei unterschiedlich polarisierten Antennen nimmt mit der Distanz in der Regel ab.  In einigen Fällen kann man sogar eine Polarisations-Drehung feststellen.
Es lohnt sich, eine Antenne dabei zu haben, bei der man die Polarisation rasch umschalten kann.
Die FT-8 Verbindungen in den folgenden zwei Bildern kamen ausschließlich mit vertikaler Polarisation zustande. Eingesetzt wurde eine 4 Element Vormast-Yagi nach DK7ZB mit 100 Watt vom Icom IC-9700.

Die Verbindungen im ersten Bild kamen mit Ausnahme der beiden deutschen Stationen Nähe Friedrichshafen (DC2TH) und vis à vis Strassburg (DK0A) mit der Yagi talabwärts zustande. Für Strassburg und Friedrichshafen musste ich die Antenne jedoch talaufwärts drehen.         



Der zweite Anlauf mit der Betriebsart FT-8 förderte noch erstaunlichere Resultate zu Tage. Von Westen näherte sich bereits eine dunkle Gewitterfront. Doch wo kein Blitz, da kann man ruhig senden. Ob die Front einen Einfluss hatte, wird sich bei weiteren Versuchen zeigen. Obwohl die vertikale Yagi auch diesmal gegen Südwesten gerichtet war, kam ein QSO mit IZ2SVA zustande. Allesandro's QTH liegt am Comersee nördlich von Mailand und sein Signal kam mit -11dB unter dem Rauschen bei mir an. Aus Südwesten!
F1DRN in der Nähe von Marseille und F1NZC südwestlich von Clérmont-Férrand in der wunderschönen Auvergne waren weitere DX-Stationen. Sie wurden allerdings übertroffen von F4CWN. Florent hat sein QTH westlich von Toulouse und ist fast 600km von Charmey entfernt. Er konnte mich mit -11dB empfangen.



Soweit meine ersten Erfahrungen im Alpental. Im dritten Teil geht es weiter. Ich werde dann über SSB und FM Verbindungen berichten. Aber auch über Störungen von einem Pager-Sender in der Nähe und weiteren "Spezialitäten" hier oben.


Freitag, 29. Mai 2020

UKW im Alpental - Teil 1



In den nächsten Jahren plant die Direktion der Anstalt einen Umzug in die Berge. Das Klima sei dort für die Insassen besser, wird gemunkelt.
Für einen funkenden Insassen wäre diese Nachricht eine gute. Denkt man doch automatisch an einen SOTA-Gipfel oder Contest-Standort für VHF/UHF und Mikrowellen-Wettbewerbe.
Doch der Umzug auf einen Berggipfel ist nur ein schöner Traum. In den Alpen wohnt man nämlich gemeinhin im Tal. Mit Bergen rundherum.

Kurzwelle ist zwischen hohen Gipfeln zwar ein Problem für den Kurzwellen DX'er, der auf flache Abstrahlung setzt, um ferne Kontinente und rare Inseln zu erreichen. Aber für regionale und europäische KW-Verbindungen reicht ein Draht im nächsten Baum.

Doch wie sieht es für den Freund ultrakurzer Wellen aus, der nicht auf die Hilfe der Ionosphäre zählen kann?
Muss er immer auf den nächsten Gipfel kraxeln, wenn er mehr als ein paar Kilometer überbrücken will? Wie kann er mit seinen Freunden im 2m oder 70cm Band in Verbindung bleiben, die in der Stadt ennet dem Berg leben?
Bleibt da nur eine Relaisstation oder gar ein Satellit?

Um diese Fragen zu beantworten, habe ich den IC-9700 und einige Antennen zusammengepackt, mich im Schutze der Nacht aus der Anstalt geschlichen und für eine Weile in einem Tal einquartiert, das mir besonders gut gefällt. Es heißt Val de Charmey und liegt, wie der Name bereits vermuten lässt, im Französisch sprechenden Teil der Schweiz.
Da Funker nicht in Straßenkilometer denken, sondern in Luftlinie - auch wenn dazwischen Berge liegen - hier die entsprechenden Entfernungen zu den nächsten Städten: 
Fribourg, die Hauptstadt des gleichnamigen Kantons ist bloß 40 km entfernt, Lausanne und Bern ebenfalls. Genf am unteren Ende des Genfersees ist aber bereits gute 90 km und Zürich, das sich für die Hauptstadt der Schweiz hält, gar 130 km Luftlinie entfernt.

Kann man auf UKW diese Städte direkt erreichen? Vielleicht mit Reflexionen an Felswänden, mittels Diffraktion oder gar Troposcatter? Wie sieht es mit UKW Verbindungen ins benachbarte Ausland aus?

Im Tal angekommen, macht sich in der Seele des UKW-Funkers leichte Panik breit. Der Horizont ist hoch, die Gipfel, meist mit dem Vornamen "Dent" (Zahn) einschüchternd. Ein erster Griff zum Handy macht wenig Freude. Nur zwei Relaisstationen geben Lebenszeichen von sich. Dazwischen ist das Band totenstill. 

Talabwärts ist ein mächtiger Felsklotz zu sehen, der Moléson. 13km entfernt und 2000 Meter hoch. Wie könnte es anders sein: Natürlich ein SOTA-Gipfel. Bequem mit der Bergbahn erreichbar. Wird er der rettende Reflektor sein? Talaufwärts liegt der Jaunpass, der u.a. nach Gstaad führt, dort wo die Reichen und Schönen wohnen.

Ganz ahnungslos habe ich mich aber nicht nach Charmey aufgemacht. Da gibt es nämlich ein tolles Tool, das UKW Ausbreitungs-Prognosen erstellt. Es nennt sich Radio Mobile und interessierte Radioamateure können es kostenfrei benutzen. Es wurde von Roger Coudé VE2DEB erstellt und ich habe damit bereits gute Erfahrungen gemacht.

Hier nun die Prognose für einen 100 W Sender in Charmey, der auf 144 MHz mit einem 6dBi Rundstrahler sendet. Auch der Empfänger besitzt eine solche Antenne und beide haben angenommene Kabelverluste von 1dB.

Links unten ist Genf (Genève), rechts oben der Bodensee mit Friedrichshafen zu sehen.
In der hellblauen Fläche sollte die Signalstärke 0.5uV oder mehr betragen, in der grün gefärbten Fläche mehr als 2uV. Wie wir sehen, ist die Prognose für die terrestrische Ausbreitung nicht berauschend. Bern und Genf liegen in Reichweite, doch gegen Nordwesten wird es zappenduster. Auch Frankreich wird durch die Jura-Berge wirkungsvoll abgeschirmt. 

In meinem nächsten Blogeintrag werde ich über die ersten praktischen Erfahrungen berichten. Stay tuned! 


      
Erstes Bild: Talaufwärts sind die Zähne der "Gastlosen" zu sehen.

Dienstag, 19. Mai 2020

Die Antenne - eine Krücke


Im Herbst des Funkerlebens wird die Antenne zur Krücke. Auf wacklige Leitern zu steigen und auf dem Dach rum zu kraxeln liegt nicht mehr drin. Fegt der Sturm den Draht vom Baum, kommt er nicht mehr so leicht wieder rauf wie in jungen Jahren und der Tower im Garten wird zum Monument besserer Zeiten.

Je älter man wird, desto mehr sollte man darauf achten, einfach und ohne Akrobatik seine Antennen selbst reparieren und unterhalten zu können. Jetzt sowieso, denn in der Pandemie ist man auf sich selbst angewiesen und kann kaum Scharen von hilfsbereiten OM aus dem Ortsverband mobilisieren.

Natürlich sollte man das mit der Krücke nicht gerade wörtlich nehmen, wie dieser Funker, der die Krücken seiner Frau zur Antenne verarbeitet hat. Gemäß der Regel: Mehr Aluminium = mehr dB.

Ich habe das Glück, in der Anstalt im Dachgeschoss zu wohnen. Hier bietet ein Dachfenster ganz tolle Möglichkeiten, alle Arten von Antennen leicht anzubringen. Man muss nur aufpassen, dass dabei nichts runterfällt und etwa den Hausmeister oder seinen Hund erschlägt. Sonst kommt man in die Isolationszelle. Die hat zwar Gummiwände aber keine Fenster.

Alles was man draußen vor dem Dachfenster braucht, ist diese praktische Einrichtung:


Wie ihr sehen könnt, hat es sogar für einen Blitzschutz gereicht. Dieser ist aber optional. Den erstens hat es noch nie in die Anstalt eingeschlagen und zweitens kann man die Antenne mit einem Griff entfernen. Man braucht sich dabei nicht einmal aus dem Fenster zu lehnen. Was unter uns gesagt, zu weiteren Komplikationen bis zur Gummizelle führen könnte.

Mit dieser Einrichtung kann der geneigte Funker jede Art von Strahler in Sekundenschnelle montieren und bei Bedarf verschwinden lassen. "War da eine Antenne?" "Sie sehen Gespenster. Besprechen Sie doch das mal mit dem Hauspsychikater."

Alles was unten einen PL-Stecker hat, passt rein. Die meisten Mobilantennen. Zum Beispiel dieses Monster hier für das 2m Band. Aber auch Mobilantennen für Kurzwelle gehen ganz passabel. In diesem Fall ist jedoch der Blitzschutz obligatorisch; sonst fehlt das Gegengewicht. Autos haben ja keine Ziegeldächer.

Gestern habe ich einen Dipol für das 6m Band gebaut, ultraleicht und fast so schnell montiert wie ein Vertikalstrahler. So sieht das von unten aus:


Als Basis dient eine Basis, logisch. Und zwar die einer alten Mobilantenne:


Darauf wird ein Stück einer Angelrute mit passendem Durchmesser gesteckt:




BTW. Bereits diese Angelrute wäre eine interessante Antenne, würde man sie mit einem Stück Draht versehen. Aber wir wollen ja einen Dipol. Also ab in den Keller, dort wo der Hausmeister, der übrigens Putin heißt, wie ihr sicher wisst,  die alten Teebeutel zum Rezyklieren aufhängt. Dort hat es eine Bohrmaschin' und eine Kiste mit Abfallholz. Daraus entstand das Kernstück des Dipols:


Dieses pièce de résistance  besitzt unten ein passendes Loch für das Ende der Angelrute und links und rechts 6mm Bohrungen für die Dipolarme. Diese bestehen aus 6mm Alurohr vom Baumarkt für jeweils die ersten 50cm und einer Verlängerung mit 4mm Vollalu. Die Verlängerungsstücke lassen sich in die Alurohre schieben. Ein kleiner Schlag mit einem Körner fixiert sie bis in alle Ewigkeit.

Man kann die Dipolarme auf die unterschiedlichste Weise kontaktieren. Das ist eine Frage des Geschicks, des Geschmacks und der Fantasie. Ich habe einfach ein 3mm Gewinde reingeschnitten, als sie bereits im Holzstück festsassen. Das Teil wird dann noch wetterfest gemacht. Vermutlich gieße ich einfach Araldit drüber.

Doch nun zu einem wichtigen Punkt, bei dem sich die meisten Bauanleitungen in vornehmes Schweigen hüllen: zur Länge der Dipolarme.

Die Wellenlänge in Meter berechnet sich mit 300/MHz. Bei 51 MHz wären das 5.88m. Ein Viertel davon: 1.47m. Aber da ist ja noch der ominöse Verkürzungsfaktor, je nach Strahlerdicke. Auch die Anschlussschrauben zählen natürlich zur Dipollänge. Bei mir sind beide Äste genau 1.44m bis zum Anschlusspunkt mit der Schraube. Resonanz bei 50.2 MHz.
Wer über einen Antennenanalyzer verfügt, fängt mit 1.46m an und nähert sich dann vorsichtig mithilfe eines Bolzenschneiders dem gewünschten Resonanzpunkt. Wer zuviel abschneidet geht zurück auf Feld Eins.
Aber Vorsicht: lass dich nicht mit dem Bolzenschneider außerhalb der Anstalt erwischen!

Als Mantelwellensperre genügen 3 Windungen durch einen Ringkern deiner Wahl. Für das 6m Band geht praktisch jede Sorte, z.B. ein alter aus einem Schaltnetzteil. Die Mantelwellensperre befindet sich oben beim Einspeisepunkt und nicht irgendwo unterwegs auf dem Koax.

Montag, 4. Mai 2020

Die Elch Antenne für das 2m und 70cm Band



Wer gerne von Berggipfeln funkt, greift oft zur altbewährten HB9CV-Antenne. Denn je mühsamer der Aufstieg, desto leichter die Antenne, lautet eine alte Funkerregel. Und die HB9CV ist in dieser Hinsicht kaum zu schlagen.

Oft genügt für SOTA-Aktivitäten das 2m Band. Für Funker, die noch 70cm dabei haben möchten, gibt es HB9CV-Kombis.
Wem das zuwenig Aluminium pro dB ist, kauft sich eine Elch-Antenne. Sie ist aufgebaut wie eine logarithmisch-periodische Antenne und verspricht auf 2m und 70cm viele dB Gewinn. "Logisch", denkt sich der Funker, "wo viel Alu ist, müssen auch viele Dezibel sein."

Ich habe mir so ein Elchgeweih gekauft und ausprobiert. Wer der Hersteller ist, blieb mir verborgen, aber es könnte diese Firma hier sein.
Wie auch immer. Mein Exemplar ist robust gebaut mit dickem Alu und rostfreien Schrauben. Die Elemente sind farbig markiert, damit man das Elchgeweih nicht durcheinander bringt.

Ihren Antennengewinn habe ich nicht gemessen, doch ein kurzer Vergleich mit der HB9CV zeigte keinen signifikanten Vorteil.
Dem gewieften Funker fällt auf, dass sie zwar wie eine Logper aussieht, aber keine echte logarithmisch-periodische Antenne für 144-440 MHz ist. Dazu müssten sich die Dipole bis auf eine Halbwelle für 70cm verjüngen. Das ist nicht der Fall:
Im 70cm Band arbeiten die Dipole als 1,5 Lambda-Strahler. Das Richtdiagramm ist dort deshalb ziemlich "aufgeblättert".
Das SWR ist im 2m Band brauchbar, im 70cm gerade so zu tolerieren. Und da sie keine echte Logper ist, weißt sie auch ausgeprägte Resonanzen auf. Leider außerhalb unserer Bänder.



Im 2m Band bei ca. 147.5 MHz und im 70cm Band bei ca. 450 MHz:


Diese Resonanzen könnten auch ein Hinweis darauf sein, dass die Antenne tatsächlich aus den USA stammt, dürfen doch die OM dort bis 148 MHz bzw. bis 450 MHz senden.

So sieht das SWR für unsere europäischen Verhältnisse aus. Jeweils bei 145 MHz und 435 MHz:





Sonntag, 19. April 2020

Halbwellen Vertikal für das 10m Band



Kürzlich ist mir im Keller der Anstalt eine alte CB-Antenne über den Weg gelaufen. Ein vertikaler Halbwellenstrahler, 5.5m lang, aus glänzendem Aluminium. In der Boomphase des Jedermannfunks der Stolz vieler 11m DXer.

Am unteren Ende des Alu-Stängels sah es allerdings nicht so "glänzend" aus. Die angenietete SO-239 Buchse wackelte bereits beim Berühren und der Anpasstrafo war aus guten Gründen im Fuß der Antenne versteckt: Er sah nach Verlust aus und seine Lötstellen ebenfalls.

Trotzdem: In Zeiten des weltweiten Lockdowns ist auch alter CB-Schrott für den Funker eine Perle.
Zwar befindet sich die Sonne im Minimum ihres elfjährigen Zyklus, aber der gewiefte Funker ist auch ein Prepper: er bereitet sich auf das nächste Maximum vor. Außerdem steht die Es Saison vor der Tür und wird dem 10m Band auch dieses Jahr wieder kurzfristig Leben einhauchen.

Ja. Ich meine 10m und nicht 11m. Denn der Stängel funktioniert auch im Amateurfunkband. Man muss ihn nur etwas anpassen.
Da ich bereits gute Erfahrungen mit einem Halbwellen-Strahler für das 6m Band gemacht hatte, kopierte ich die dort verwendete Anpassung auf den CB-Stängel. Dieser wurde auf 5m Länge gekürzt. Zwar etwas kürzer als Lambda Halbe aber der Verkürzungsfaktor hat ja auch ein Mitspracherecht.
Am Ende eines Halbwellendipols ist die Impedanz hoch (ca. 2.5 - 3 kOhm) und daher muss vom 50 Ohm Koax entsprechend rauf transformiert werden. Das geschieht mit einem angezapften Resonanzkreis.
Zum Abgleich setzt man einen Trimmer ein und die Anzapfung erfolgt verschiebbar mit einer Krokodilklemme. Mit dem Trimmer wird die Resonanz eingestellt und mit der Verschiebung der Anzapfung das SWR. Wie das so ist in der HF-Praxis: die beiden Einstellungen beeinflussen einander. Aber mithilfe eines Antennen-Analyzers ist das keine große Sache. Der Trimmer (30pF) kann dann durch einen Fixkondensator ersetzt und die Anzapfung angelötet werden.

Natürlich taucht bei einem endgespeisten Dipol wieder die Frage nach dem Gegengewicht auf. Ob man dafür oder dagegen ist: das Metallrohr, an dem die Antenne befestigt wird, nimmt einem diese Frage ab.

Bleibt noch die Frage nach der Höhe über Grund. Ist so hoch wie möglich wirklich das beste Rezept? Dazu habe ich diesen spannenden Artikel gefunden.


Die neue Spule und der Kondensator hatten leider keinen Platz mehr in dem kleinen schwarzen Plastikgehäuse. Dafür ist ihre Güte unbestritten. Die versilberte Spule hat eine Induktivität von ca. 1uH und der russische Türknopfkondensator darunter 27pF.
Die Spule lässt sich mit diesem Tool rechnen und hiermit die Resonanzfrequenz. Denn die Formeln hat man sowieso vergessen. Wegen dem vielen Tastenöl, das bereits über die Festplatte gelaufen ist.
     

Samstag, 4. April 2020

Wie kommt das Kabel durch das Fenster?

Auch die Anstalt steht unter Quarantäne. Doch solange wir ein Dach über dem Kopf haben, Vorratsschrank und Weinkeller gefüllt sind, sind wir gelassen. Zumal jetzt auch der berühmte Fernsehprediger Kenneth Copeland das Corona-Virus mit einem Bannspruch belegt hat:


Beruhigt können wir uns deshalb anderen Themen zuwenden.
Zum Beispiel der Frage, wie das Koaxialkabel durchs Fenster kommt, wenn der Sender drin und die Antenne draußen ist.
Denn Vermieter haben oft eine Allergie gegen Bohrmaschinen und manchmal ist der Beton arg dick.
Wie zum Beispiel der in unseren Luftschutzkellern. Doch gerade dort unten geht es lustigerweise ohne bohren. Denn irgendeine Norm hat für Atombunker offenbar eine Antennendurchführung vorgeschrieben. Wer sucht, der findet.

Natürlich gibt es Spezialkabel, extra flach und extra teuer, die man im Fenster einklemmen kann.
Doch einklemmen kann man in den meisten Fenstern auch ganz gewöhnliche Kabel. Sie müssen einfach nur dünn und robust genug sein. Wer trotz RG-213 sein Fenster problemlos schließen kann, sollte aber seine Dichtheit überprüfen. Alte Bauernregel: Wenns dem Bauer in die Suppe hagelt, ist das Fenster schlecht genagelt.

Auch hier in der Anstalt achtet der Hausmeister pingelig auf das Bohrmaschinenverbot. Wir behelfen uns, indem wir Sauschwänze ins Fenster klemmen - so genannte Pigtails. Und zwar die von der robusten Sorte. Also keine RG-174, sonst ist plötzlich der Schwanz ab.
Wir verwenden RG-316. Die kommen mit Steckern konfektioniert aus China für eine Handvoll Dollar. Sie haben einen versilberten Innenleiter als Innenleiter und ein Dielektrikum aus Teflon. Der Mantel ist aus FEP und äußerst robust. Auch wenn das Kabel gequetscht wird, ist ein Kurzschluss unwahrscheinlich und die Verluste sind vernachlässigbar. Auf Kurzwelle verträgt so ein Pigtail mehr als 300W und auch im 23cm Band verkraftet es noch 100W.
Natürlich wird vor und nach dem Pigtail verlustärmeres Kabel verwendet. Bei 150 MHz hat das RG-316 Kabel immerhin ein Drittel dB Dämpfung. Doch für den Pigtail - meist nur 30cm lang, ist das vernachlässigbar.


Diese RG-316 Pigtails gibt es auf Ebay mit allen möglichen Steckern/Buchsen und in verschiedenen Längen. Sollte tatsächlich mal ein Sauschwanz kaputt gehen, reißt das kein schwarzes Loch in die Hobbykasse.

   

Sonntag, 29. September 2019

Die Rybakov Antenne



Das grösste Ärgernis der meisten Funkamateure ist die Antenne. Es ist noch schlimmer als das QRM.
"Wie kriege ich eine Antenne für Kurzwelle auf meinen Balkon oder in den Grünstreifen meines Reihenhauses", lautet für viele die entscheidende Frage.

In seiner Verzweiflung greift dann manch ein Funker gerne zu einem Zauberteil mit dem Namen UNUN.
Das ist im Prinzip ein Bagel aus Eisenmehl statt aus Weizenmehl. Darum ist dieser UNUN auch nicht essbar.
Seine Qualitäten liegen woanders: er gaukelt dem OM ein gutes Stehwellenverhältnis (SWV) vor, wo eigentlich keines vorhanden wäre, wenn alles mit rechten Dingen zuginge. 
Wie wir ja alle wissen, gibt es gute und böse SWV. Bei den guten bewegt sich der Zeiger des SWV-Meters kaum und bei den bösen fängt der Transceiver an zu spinnen.

Nicht jeder Unun kann gleich gut zaubern. Es ist wie beim Bagel backen: Erwischt man das falsche Mehl, wird er ungenießbar. Persönlich bevorzuge ich eine 27er Ferritmischung, wie sie auch von den Eisenbagel-Bäckern empfohlen wird. Zumindest für die längeren Bänder. 

Wie auch immer. Der Zaubertrick funktioniert natürlich nur, wenn auf der Aether-Seite des UNUN's eine Stück Draht oder Metall hängt, das irgendwie an eine Antenne erinnert. 
Rezepte für derartige Unun-Zauber gibt es wie Sand am Meer. Sie unterscheiden sich hauptsächlich durch ihren Namen und ihr Übersetzungs-Verhältnis. Nicht zu verwechseln mit dem Stehwellenverhältnis. 

Ein schönes Beispiel ist die Rybakov Antenne. Sie schafft den Trick mit einem 1:4 Unun. Viele Bastler bevorzugen dafür T-Kerne anstatt FT-Kerne. Vermutlich weil sie so schön rot oder gelb sind.
Manche versuchen die Zauberkraft des UNUN's zu potenzieren und schalten eine Mantelwellensperre dazu. Ich bin jedoch der Meinung, dass das nur den UNUN unnötig heiß macht, und plädiere dafür, das Koaxkabel seinen Job als Gegengewicht ruhig machen zu lassen.

Samstag, 3. November 2018

Das Geheimnis der fünf Achtel



Meine Ausbildung zum richtigen Funker schreitet gut voran. Bienchen ist zwar schrullig, aber eine gute Lehrerin.
Was mich bei der ganzen Funkerei am meisten interessiert, sind Antennen. Sie sind das Bindeglied zwischen dem geheimnisvollen Aether und der Funkstation. Bienchen hat mir zwar erklärt, dass der Aether nicht wirklich existiere und eine Idee aus dem Dampfzeitalter sei. Obwohl unzählige Wissenschaftler nach dem Aether gesucht hätten, sei er nie gefunden worden. Daher existiere er nicht. Das sei genau gleich wie mit Gott. Weil die Wissenschaftler ihn nie gefunden hätten, existiere der auch nicht. Irgendwann werde ein Wissenschaftler daherkommen und eine Formel für das ganze Universum finden. Dann sei Gott endgültig obsolet. 
Genauso wie Maxwell mit seinen wunderbaren Gleichungen anstelle des Aethers getreten sei. 
"Die kennst du ja", erklärte sie mir, "obwohl ich bezweifle, dass du sie begriffen hast."

Ich zuckte die Schultern: "Wir kennen allgemein mehr als wir begreifen. Von daher unterscheide ich mich kaum von anderen Menschen, obwohl mir ein paar Schuljahre fehlen."

Das tue nichts zur Sache, meinte sie und nahm gerade Anlauf, mit dem Unterricht fortzufahren, als ich wie früher in der Schule den Zeigefinger hob, um eine Frage zu stellen. Entsetzt starrte sie mich an:
"Was soll das, bist du jetzt unter die Islamisten gegangen?"

Ich schaute verständnislos meinen erhobenen Zeigefinger an. 
"Nein, ich wollte eigentlich nur eine Frage stellen."

"...Mhm...und da habt ihr in der Schule jeweils den Zeigefinger erhoben?"

"Ich eigentlich nie. Wieso sollte ich denn eine Antwort auf Dinge geben, die der Lehrer bereits wusste. Aber die anderen haben das gemacht. Die Streber haben sogar mit den Fingern geschnippt. Offenbar bin ich trotz der kurzen Schulzeit mitkonditioniert worden."

"Handzeichen waren schon immer ein vortreffliches Mittel, Menschen zu dressieren", meinte sie.

"Ich werde es mir abgewöhnen. Aber eigentlich wollte ich nur eine Frage stellen, die mich seit einiger Zeit beschäftigt. Armin hat mir zwar viel über Antennen erzählt, aber noch nichts über die "Fünf Achtel", von der ich die Funker immer schwärmen höre, wenn ich mit meinem Präsident Jackson in den Aether...äh...ich meine in den Maxwell-Raum höre."

"Das ist eine uralte Geschichte. Die ist sogar älter als ich. Genau genommen stammt sie aus dem Jahre 1934. Das war eine Zeit, in der die Radioprogramme noch auf Mittelwelle verbreitet wurden. Dazu brauchte man starke Sender und hohe Antennen um über die Bodenwelle die Hörer zu erreichen."

"Bodenwelle? Ist das so etwas wie die Schwellen, bei uns in der Straße, die die Stoßdämpfer meines Opel Rekord kaputt machen?"

"Nein, das sind Funkwellen, die sich entlang dem Erdboden ausbreiten. Sie schleichen quasi dem Boden entlang, im Gegensatz zu den Wellen, die sich frei durch den Raum, also die Luft oder das Vakuum bewegen. Je nach Terrain werden sie mehr oder weniger abgeschwächt. Meerwasser schwächt sie am wenigsten, Gebirge am meisten."

"Wieso schleichen sie denn dem Boden entlang. Sie könnten sich doch von ihm lösen!"

"So sind sie unabhängig von der Ionosphäre, die sie wieder zurück zur Erde reflektieren müsste, was nicht in jedem Fall möglich ist. Bodenwellen sind ausbreitungsmäßig daher sehr stabil."

"Wir funken im Elfmeterband mit Bodenwellen?"

"Nur teilweise. Bodenwellen werden vor allem bei längeren Wellen wichtig, wie den Lang- und Mittelwellen. Denn je grösser die Wellenlänge ist, desto weiter reichen sie. Sie passen sich dabei der Erdkrümmung an und sehr lange Wellen können so um die halbe Erd reisen."

"Sie brauchen also die Erde teilweise als Medium. Das erklärt, wieso sie über Meerwasser weiter reichen als über die Berge. Meerwasser leitet den Strom besser. Aber was hat das mit den "Fünf-Achtel-Antennen" zu tun?"

"Ich sehe, du bist ein richtiger Klugscheisser", bemerkte Bienchen. "Das prädestiniert dich zum Funkamateur."
Sie seufzte und fuhr dann weiter:
"Die ersten Mittelwellensender hatten hohe Gittermasten als Sendeantennen. Ganz klassisch, unten dick oben dünn und standen mit allen vier Beinen stabil aber auf Isolatoren auf dem Boden. Als Gegengewicht waren kilometerweise Drähte im Boden vergraben.
Diese Sendetürme waren in der Regel eine Viertelwelle hoch..."

"...Ganz schön hoch. Bei 600m Wellenlänge macht das ja sagenhafte 150m. Dann dürften die kürzeren Wellen wohl beliebter gewesen sein. Logisch."

"Du hast nicht aufgepasst, Klugscheisser. Ich sagte, die längeren Bodenwellen reichen weiter. Logisch."

"Aber ein Viertel Wellenlänge sind keine fünf Achtel!"

"Genau. Da kommen jetzt clevere Ingenieure ins Spiel: Die fanden nämlich heraus, dass die Abstrahlung der Türme am besten ist und die Bodenwelle am weitesten reicht, wenn man die Türme fünf Achtel Wellenlänge hoch baut - nicht kleiner und nicht größer."

"Das macht aber einen Riesenturm", sagte ich und versuchte krampfhaft fünf Achtel von 600m im Kopf zu rechnen, was mir leider nicht gelang. Ihr wisst schon: fehlende Schuljahre und so.

"375m bei 600m Wellenlänge", grinste Bienchen. "Deshalb haben sie einfach zwei normale Türme mit den Beinen zusammengeschweisst und den unteren mit der Spitze auf einen Isolator gestellt. Das ging natürlich nicht mehr ohne Abspannung."

"Unten und oben spitz und in der Mitte dick. So einen komischen Sendeturm habe ich noch nie gesehen."

"Kein Wunder. Denn bald fanden die Ingenieure heraus, dass das gar nicht so gut funktioniert, wie sie gerechnet hatten. Und das ist etwas, was diese Typen gar nicht mögen: wenn die Praxis nicht mit der Theorie übereinstimmt."

"Ach so. Wissen die denn nicht, dass das der Normalfall ist?"

"Ich sehe, du wirst ein guter Funkamateur. Aber Ingenieure glauben nicht an Wunderantennen. Sie fanden bald einmal heraus, woran das lag. Was denkst du, wieso die Dickmänner keine starken Bodenwellen hatten?"

"Mhm...Armin hat mir gesagt: es ist der Strom der strahlt. War etwas mit dem Strom nicht in Ordnung?"

Bienchen guckte mich verblüfft an.

"Bingo. Es war die Stromverteilung. Die war in den Dickmännern nicht so, wie in einem bisherigen Mast. Sie war nicht sinusförmig und wirkte sich negativ auf die Abstrahlung aus. Als das bekannt wurde, konstruierte man Masten mit einem gleichförmigen Querschnitt. Natürlich musste man die ebenfalls abspannen."

Samstag, 13. Oktober 2018

Antennen aus der Anstalt


Gestern passierten drei Dinge, die in meinem Lebensweg neue Wahrscheinlichkeiten erzeugten. Ich bekam meinen Fahrausweis endlich wieder, der Opel verlor seinen Auspuff und Armin erklärte mir, wie eine Antenne funktioniert.

Glücklicherweise suchte die Polizei nicht mehr nach Charlie, als ich oben bei der Anstalt ankam, sonst hätte der fehlende Auspufftopf bestimmt Probleme gemacht. Mein Opel ist schon alt und gebrechlich. Als der Wagen an seinen Erstbesitzer verkauft wurde, musste dieser einen rechten Außenspiegel und ein Autoradio extra bestellen, so alt ist das Teil. Außerdem hat er inzwischen mindestens schon die dritte neue Wasserpumpe.

Den abgefallenen Auspuff habe ich natürlich in einem Strauch am Straßenrand versteckt und nicht etwa in den Kofferraum getan. So kann ich bei einer Kontrolle immer noch auf ahnungslos machen.

Armin behauptete zwar immer noch, die Alte von nebenan habe seine Antenne entzwei geschossen, aber ich ging nicht darauf ein. Mir wurde wieder einmal bewusst, wieso Armin eigentlich hier war: er bildete sich Dinge ein, die nicht wirklich existierten. Etwas was mir nie passieren könnte.

"Armin, wenn ich nach Antennen google, weiss ich nicht mehr, wo mir der Kopf steht. Das ist alles so technisch verwirrend. Und wenn ich den CB-Funkern mit dem Präsident Jackson zuhöre, weiß ich nicht, was ich glauben soll. Es geht immer um irgendwelche Bruchteile von der Wellenlänge. Von ganzen Antennen habe ich noch nichts gehört. Der eine sagt fünf Achtel sei das Optimum, ein anderer meint, ein Viertel müsse eine Antenne sein, ein weiterer schwört auf drei Achtel. Wer hat recht? Wie muss eine Antenne sein und wie funktioniert sie eigentlich?

"Das ist eine Frage, die nicht so einfach zu beantworten ist. Die Antenne ist eines der komplizierten Wesen nebst dem Menschen. Darum gibt es unzählige Ansichten, mehr oder weniger gescheite Artikel und Bücher und sogar Menschen, die ihr Geld damit verdienen, den ganzen Tag hinter einem Computer zu sitzen und Antennen zu berechnen."

"Das scheint ja hoffnungslos zu sein, für einen Laien wie mich."

"Die Hoffnung stirbt zuletzt. Du wirst sehen, du überlebst es."

"Du weisst, im Rechnen war ich schwach."

"Es gibt keine schwachen Schüler, nur schwache Lehrer. Aber kommen wir zur Antenne: Was du wissen musst, das wusste schon der Guglielmo Marconi, von dem du immer träumst: Eine Antenne ist immer ein Dipol. Also ein Ding mit zwei Polen. Genauso wie eine Batterie, wie ein Magnet und überhaupt wie jedes wichtige Ding in unserer Welt. Sogar die Politik hat zwei..."

"...Rot und grün?"

"Nein, du Drössel, links und rechts natürlich. Oft treffen sich die beiden an ihren extremen Enden und das entspricht in der Antennentechnik dann einer Schleifenantenne und bei der Batterie einem Kurzschluss. Aber wir wollen jetzt nicht vom Thema abkommen. Der Dipol ist also die Grundform der Antenne. Jeder der beiden Pole ist im Idealfall ein Viertel der Wellenlänge lang. Die Enden sind heiss, deshalb musst du dort einen Isolator verwenden, wie in deinem Traum."

"Mit heiß meinst du wohl Hochspannung, nicht wahr?"

"Genau so ist es. Es ist wie bei den Frauen, die haben auch zwei Pole und wenn du die unvermittelt anfasst, bekommst du eine geschmiert.
Jeder Draht einer solchen Dipolantenne sollte übrigens möglichst in entgegengesetzte Richtung laufen. Der eine nach links, der andere nach rechts. Man kann einen Dipol zwar etwas abwinkeln, aber wenn man das zu weit treibt, wird er schlecht."

"Aha. Und wieso verwendest du hier nur einen einzigen Draht vom Fenster zum Birnbaum und keinen Dipol."

"Das wäre einfach zu auffällig und die Alte von nebenan würde noch öfter auf meine Antenne schiessen. Trotzdem hat meine Antenne zwei Pole wie jede Antenne. Es ist nur nicht so offensichtlich. Hinter dem Büchergestell habe ich nämlich einen Draht als Gegengewicht angehängt."

"Gegengewicht? Wenn man also keinen Dipol hat, braucht man ein Gegengewicht?"

"Gegengewicht ist nur ein anderer Name für den zweiten Pol. Genauso wie das Wort Radiale oder Radials auf Englisch. Man könnte auch Gegenpol sagen."

"Und wenn mein Dipol nicht zwei Viertelwellen, also insgesamt einer halben Wellenlänge entspricht, was passiert dann? Wieso sprechen andere von drei Achteln oder fünf Achteln."

"Im Prinzip kannst du jede beliebige Länge verwenden. Beim Dipol mit je einem Viertel kannst du in der Regel das Kabel ohne weiteres anschliessen. Wenn aber die Längen der Pole nicht stimmen, brauchst du eine Anpassung."

"Anpassung?"

"Das ist eine Schaltung mit Spulen und Kondensatoren."

"Das ist mir zu kompliziert. Du meinst also, ich sollte einen Dipol bauen, damit es zwischen uns funkt?"

"Das allein ist noch keine Garantie. Immerhin liegen zwei Hügel zwischen uns und ziemlich viel Wald. Aber versuch mal, den Dipol so hoch wie möglich aufzuhängen und im rechten Winkel zur Anstalt hier oben."

Auf der Rückfahrt musste ich die ganze Zeit an diesen rechten Winkel denken. Ob Armin das wirklich ernst gemeint hat? Und ob es auch linke Winkel gab? Aber dazu hätte ich in der Schule besser aufpassen müssen.




Mittwoch, 10. Oktober 2018

Sämu der Trucker



Sämu kenne ich schon lange. Er geht jeden Tag mit seinem Hund spazieren und manchmal treffen wir uns oben auf der Bank am Waldrand. Oft meide ich ein Zusammentreffen, denn Sämu erzählt immer die gleichen Geschichten. Inzwischen kenne ich sie alle auswendig. Und das will was heißen, denn im Auswendiglernen war ich besonders schwach. Mein Hirn hat nämlich einen speziellen Defekt: Ich vergesse innert kürzester Zeit alles, was mich nicht interessiert.

Doch gestern wollte ich unbedingt mit Sämu ins Gespräch kommen. Ich habe eine ganze geschlagene Stunde auf der Bank gewartet, bis er endlich angeschnauft kam.

"Sämu, du warst doch in einem früheren Leben Trucker. Da hattest du in deinem Laster sicher auch ein CB-Radio, nicht wahr?"

Sämu schaute mich verblüfft an und als ich daran zu zweifeln begann, ob er mir jemals antworten würde, begannen seine Augen plötzlich zu leuchten wie zwei alte Sparlampen.

"Ja, das hatte ich. Aber es ist schon lange her. In meinem vorvorletzten Leben war ich tatsächlich Brummifahrer. Und ich hatte sogar zwei Antennen, eine links und eine rechts."

"Zwei Antennen. Das ist sicher besser als eine einzige. Welche Bruchteile hatten die denn? Waren das ein, zwei oder drei Achtel? Oder gar andere Brüche?"

"Das weiss ich nicht mehr. Aber zwei Antennen waren definitiv besser als eine einzige. Zumal die Antennen ziemlich kurz waren. So ein LKW hat ja schon eine beachtliche Höhe und da darf die Antenne nicht weit über das Dach hinausragen, sonst sind sie bei der nächsten Brücke oder spätestens bei der nächsten Polizeikontrolle weg."

"Logisch. Auf meinen alten Opel würden aber grössere passen, der ist nicht so hoch. Da könnte ich sogar vier davon montieren, das wäre sicher noch besser. Vierfache Antenne, vierfache Reichweite."

"Ob das so funktioniert, weiss ich nicht. Auf jeden Fall würdest du den Cops auffallen. Heute hat ja kaum noch jemand CB-Funk im Auto. Auch die Trucker kaum mehr. Diese Zeiten sind vorbei."

"Gut, vier Antennen sind natürlich übertrieben, aber zwei, eine links und eine rechts auf dem Kofferraumdeckel, würden schon geil aussehen."

"Affengeil", grinst Sämu. "Und wenn du das richtige Kabel dazu hast, um die beiden zu verbinden, wärst du echt im Vorteil."

"Wieso denn das?"

"Dann hättest du Richtwirkung, wie wir sie in den Trucks hatten. Dein Signal würde in Fahrtrichtung weiter reichen als mit einer einzigen Antenne."

"Du meinst, ich könnte vorausfahrende Fahrzeuge erreichen, die ich mit einer einzigen Antenne nicht könnte."

"So etwa, zumindest in der Theorie. Auch rückwärts würde dein Signal weiterreichen. Dafür hättest du Einbußen quer zur Straße. Aber wer will schon quer funken. Was dich auf der Straße interessiert ist doch, was vor und hinter dir liegt."

"Fast wie im Leben. Was hinter dir liegt, hat dich zu dem gemacht, was du bist, und was vor dir liegt, ist das Ziel, das du erreichen möchtest."

"So ist es. Und mein Ziel ist es jetzt, die Hühner zu füttern, damit die ihr Tagesziel erreichen und ihre Eier legen."

Als Sämu gegangen war, blieb ich sitzen und schaute ihm nach, bis er verschwunden war. Was war eigentlich mein Ziel?